Cheung Chau

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Cheung Chau
長洲
Blick über den Tombolo von Norden nach Süden
Blick über den Tombolo von Norden nach Süden
Gewässer Südchinesisches Meer
Geographische Lage 22° 13′ N, 114° 2′ OKoordinaten: 22° 13′ N, 114° 2′ O
Lage von Cheung Chau 長洲
Fläche 2,44 km²[1]dep1
Höchste Erhebung 95 m
Einwohner 20.956 (2016[2])

Cheung Chau (chinesisch 長洲, Jyutping Coeng4 zau1) ist eine Insel in Hongkong. Sie liegt südöstlich von Lantau Island im Südchinesischen Meer und gehört administrativ zum Islands District. Sie besteht aus einem südlichen und einem nördlichen Teil, die ein Tombolo miteinander verbindet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Insel ist traditionell von Fischerei geprägt. Ähnlich wie die benachbarte Insel Lantau Island war auch Cheung Chau ein Brennpunkt der Piraterie im Südchinesischen Meer. Der bekannteste Pirat war Cheung Po Tsai (1783[3] oder 1786–1822), der bis zu 600 Schiffe mit 50.000 Piraten kommandierte. In der Cheung-Po-Tsai-Höhle hat er angeblich seinen Piratenschatz versteckt; sie kann heute besichtigt werden.[4]

1898 fiel Cheung Chau gemeinsam mit über 200 anderen Inseln gemäß der Konvention über die Erweiterung des Hongkonger Territoriums an Britisch-Hongkong und war fortan Teil der New Territories. Der damalige Kolonialbeamte James Stewart Lockhart verfasste einen Bericht über die neuen Gebiete und bemerkte über Cheung Chau, dass hier rund 5.000 Einwohner lebten und der Ort über eine Anlegestelle für Schiffe zwischen Macau und Hong Kong Island verfügte. Außerdem gab es hier eine Zollstelle des Chinesischen Kaiserreichs.[5]

1912 wurde die örtliche Polizeistation von Piraten überfallen, wobei drei Menschen ums Leben kamen. Ein neues Polizeigebäude wurde 1913 errichtet und wird bis heute genutzt.[6] Ab 1919 kam es zu weitreichenden Änderungen bei der Bevölkerungspolitik, als die Verordnung Cheung Chau (Residence) Ordinance[7] erlassen wurde. Danach durfte der südliche Teil der Insel nur noch mit Zustimmung des Gouverneurs bewohnt werden. Ziel war es, dort Missionare aus Europa und Amerika unterzubringen. Die einheimische Bevölkerung durfte nur noch auf dem Tombolo wohnen, was zu Rassentrennung führte, ähnlich wie es bereits ab 1904 auf dem Victoria Peak der Fall war. Ursprünglich trennten 15 Grenzsteine diese Bereiche ab, davon sind mindestens sechs lokalisiert worden. Auch die Nutzung der Strände wurde geregelt, so war Kwun Yam Beach für Europäer und Tung Wan Beach für Chinesen vorgesehen. Erst 1946 wurde diese Trennung im Lichte des Holocausts aufgehoben.[4][8]

Heute wohnen auf Cheung Chau etwa 21.000 Menschen.[2] Damit hat die Insel die höchste Einwohnerdichte im Islands District.[9]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cheung Chau Bun Festival[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weit über die Insel hinaus bekannt ist der Ort für das jährlich stattfindende Cheung Chau Bun Festival. Dabei werden Paraden und andere Umzüge zu Ehren der Götter durchgeführt. Den Höhepunkt des Fests bildet allerdings ein 搶包山 ‚bun snatching‘ genannter Wettbewerb, bei dem es darum geht, an einem 60 Meter hohen Turm zu klettern und ein möglichst weit oben befestigtes Bun zu bekommen. Der Ursprung des Fests liegt wohl im Ausbruch der Pest während der Qing-Dynastie (1777). Die Bewohner der Insel veranstalteten eine Parade zu Ehren des Gottes Pak Tai, bei der sie mit einer Statue der Gottheit durch die Straßen zogen. Als die Pest tatsächlich eingedämmt werden konnte, errichteten die Bewohner aus Dankbarkeit den Tempel Pak Tai Miu, der sechs Jahre später vollendet wurde.[10][11]

Tempel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem bereits erwähnten Tempel Pak Tai Miu, der zu den ältesten in Hongkong zählt, befinden sich vier Tempel zu Ehren der Himmelsgöttin Tin Hau auf der Insel. 1813 wurde ein Tempel zu Ehren von Hung Shing errichtet.

Felsritzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Felsritzungen

Am südlichen Ende des Tombolos wurden 1970 vom Geologen C.J. Peng Felsritzungen entdeckt, deren Alter auf bis zu 3.500 Jahre geschätzt wird. Sie lassen sich in drei Serien einteilen und zeigen runde geometrische Figuren zusammen mit Tiermasken-Zeichnungen.[12] Sie sind seit dem 22. Januar 1982 als Kulturdenkmal geschützt.[13]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Insel selbst ist abgesehen von Einsatzfahrzeugen autofrei. Es gibt zwei Anlegestellen, von denen aus Fährverbindungen nach Central und Aberdeen sowie nach Lantau Island und Peng Chau bestehen. Auf der Strecke ins etwa 20 km entfernte Central verkehren die von First Ferry betriebenen Fähren etwa halbstündlich und benötigen etwa eine Stunde bzw. 40 Minuten (Express-Fähre).[14] Die Inter-Islands-Fähre nach Peng Chau macht auf Lantau Island zwei Zwischenstopps (in Chi Ma Wan und Mui Wo) und verkehrt ebenfalls tagsüber regelmäßig.[15] Der Verkehr nach Aberdeen wird von Maris Ferry etwa im Zwei-Stunden-Takt (am Wochenende stündlich) betrieben.[16] Auch hier beträgt die Reisezeit etwa eine Stunde. Im Binnenverkehr gibt es eine Sampan-Fähre zwischen der Hauptanlegestelle und Sai Wan im Südwesten der Insel, die etwa alle 20 Minuten fährt und zehn Minuten benötigt.[17]

In der Nähe des St.-John-Krankenhauses befindet sich ein Hubschrauberlandeplatz.

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Cheung Chau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hong Kong Geographic Data Sheet, letzter Zugriff: 9. Dezember 2018.
  2. a b By-Census 2016: Population by District Council/ Constituency Area, Age, Year and Sex (Wahlbezirk Cheung Chau South = 11.743 Einwohner, Cheung Chau North = 9.213 Einwohner), letzter Zugriff: 9. Dezember 2018.
  3. Sally Gao: Cheung Po Tsai, Hong Kong’s Most Famous Pirate. Culture Trip, 17. Februar 2017, abgerufen am 9. Dezember 2018 (englisch).
  4. a b Einblick in die Geschichte Hong Kongs – Outlying Islands – Teil IV. inhk-Magazin, 13. Mai 2017, abgerufen am 9. Dezember 2018.
  5. Stewart Lockhart: Extracts from a Report by Mr. Stewart Lockhart on the Extension of the Colony of Hongkong (= The Hongkong Government Gazette). Hong Kong 8. April 1899, S. 536–563, hier: S. 541 (englisch, Scan [PDF; abgerufen am 9. Dezember 2018]).
  6. police.gov.hk: 1) History – The First Century, letzter Zugriff: 9. Dezember 2018.
  7. Historical Laws of Hong Kong Online: Text der Verordnung, letzter Zugriff: 9. Dezember 2018.
  8. Christopher DeWolf: Hong Kong’s Other Peak – and the City’s Overlooked History of Segregation. Zolima Citymag, 4. Januar 2016, abgerufen am 3. Dezember 2018 (englisch).
  9. Cheung Chau, letzter Zugriff: 9. Dezember 2018.
  10. Michaela Fulton: The History Of The Cheung Chau Bun Festival In 1 Minute. Culture Trip, 16. Mai 2016, abgerufen am 9. Dezember 2018 (englisch).
  11. cheung-chau.com: History, letzter Zugriff: 9. Dezember 2018.
  12. Solomon Bard: In Search Of The Past: A Guide To The Antiquities Of Hong Kong. Urban Council, Hong Kong 1988, S. 52.
  13. Informationstafel des Denkmalamts.
  14. Fahrplan, letzter Zugriff: 4. Dezember 2018.
  15. Fahrplan, letzter Zugriff: 4. Dezember 2018.
  16. Fahrplan, letzter Zugriff: 4. Dezember 2018.
  17. Hong Kong Extras: Cheung Chau, letzter Zugriff: 4. Dezember 2018.