Christian Meier

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Christian Meier (Begriffsklärung) aufgeführt.

Christian Meier (* 16. Februar 1929 in Stolp/Pommern) ist ein deutscher Althistoriker. Meier lehrte von 1981 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1997 als Professor für Alte Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Christian Meier spricht auf dem Akademientag 2015 in Berlin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sohn eines Landwirts besuchte Gymnasien in Stettin, Rostock und Hamburg. 1948 legte Meier in Hamburg sein Abitur ab und studierte anschließend Geschichte, Klassische Philologie und Römisches Recht. 1956 wurde er in Heidelberg bei Hans Schaefer promoviert. Seine Habilitation erfolgte 1963 in Frankfurt am Main. Dort war er Schüler von Hermann Strasburger und Matthias Gelzer. Ab 1964 war er Privatdozent in Freiburg i. B., danach folgten Professuren für Alte Geschichte in Basel (1966), Köln (1968), wiederum Basel (1973) und Bochum (1976). 1981 wurde er Nachfolger Siegfried Lauffers auf dem Lehrstuhl für „Alte Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte“ in München, den er bis zu seiner Emeritierung 1997 innehatte. Im akademischen Jahr 1984/1985 war Meier Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin.[1]

Meier war von 1980 bis 1988 Vorsitzender des Verbandes der Historiker Deutschlands und von 1981 bis 1995 Kurator des Historischen Kollegs in München. Meier ist zudem Mitbegründer der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und war von 1996 bis 2002 Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. Ferner gehört er der Norwegischen Akademie der Wissenschaften an.[2]

Christian Meier ist mit einer Germanistin verheiratet.[3]

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Meier ist einer der bekanntesten Historiker Deutschlands seiner Generation, zumal er sich mit einigen seiner Werke auch an die breite Öffentlichkeit wandte. Weit über die Fachkreise hinaus bekannt geworden ist er durch seine beiden Bücher Caesar und Athen. Ein Neubeginn der Weltgeschichte. Das Besondere an seiner Herangehensweise war die schon von seinem akademischen Lehrer Hans Schaefer und dessen Schule proklamierte Abwendung von der seit der Renaissance weithin unreflektiert eingenommenen klassizistischen und identifikatorischen Perspektive, die jahrhundertelang auf der Vorstellung von einer auf Wesensverwandtschaft und ungebrochenem Traditionszusammenhang beruhenden unmittelbaren Zugänglichkeit der antiken Kultur für die Menschen der europäischen Moderne beruht hatte. Die Antike erschien Meier vielmehr als das „nächste Fremde“, dessen Verstehen von Grund auf zu neu erarbeiten und nur in einem hermeneutischen Vorgehen zu gewinnen sei. Schwerpunkte seiner Forschung sind das klassische Athen und die späte Römische Republik, deren Krisenzeit und Niedergang er in seiner Studie Res publica amissa als „Krise ohne Alternative“ beschrieb, womit gemeint war, dass die Akteure über keine Vorstellung von einer anderen als der bestehenden politischen Ordnung verfügt hätten. Die Folge sei gewesen, dass sie diese zerstörten, ohne dies zu beabsichtigen und ohne gezielt auf die Etablierung einer neuen politischen Ordnung hinzuarbeiten. Konsens habe vielmehr darüber geherrscht, die unübersehbaren Krisenphänomene als Verfall der überkommenen Ordnung zu deuten, dem mit dem Ziel entgegenzutreten sei, diese wiederherzustellen. Insofern ist für Meier die Anwendung des Revolutionsbegriffs im Sinne einer Revolutionstheorie auf die späte Republik nicht sinnvoll. Folgerichtig habe Augustus seine Neuordnung, die auf die Etablierung einer Monarchie hinauslief, nur als Wiederherstellung der alten Ordnung (res publica restituta) präsentieren können. Beim Historikerstreit war er bereit, offensiv Stellung zu beziehen, um Positionen zu klären.[3]

Als Historiker hat er den Anspruch, erzählerische Geschichtsschreibung zu betreiben. Nicht alles kann erzählt werden, und oft sind es eher Wahrscheinlichkeiten als Tatsachen (vgl. dazu Meier: Athen, Taschenbuchausgabe 1997, S. 692 f.). Meier blickt immer wieder über den Tellerrand seines Fachs. So beschäftigte er sich mit der modernen Demokratie und der Politik der Bundesrepublik Deutschland (vor allem im Zuge der Wiedervereinigung). Als leidenschaftlicher Vertreter und Promotor einer am Angelsächsischen geschulten Geschichtsschreibung verbindet er hohes wissenschaftliches Niveau mit literarischen Ansprüchen.[3]

1998 wurde er für seine eigene Beredsamkeit mit dem CICERO rednerpreis ausgezeichnet. Beim Thema Rechtschreibreform äußerte sich Meier in seiner Rolle als Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung engagiert und kritisch. Für seinen Einsatz für die deutsche Sprache überreichte Eberhard Schöck Christian Meier 2003 den Jacob-Grimm-Preis.[4] 2009 und 2015 verliehen die Universitäten Salzburg und Bern Meier die Ehrendoktorwürde.

2004 erhielt er den Ernst-Hellmut-Vits-Preis der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster (Westfalen). Am 2. März 2006 wurde Meier vom österreichischen Bundespräsidenten Heinz Fischer das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst überreicht. 2007 wurde Meier mit dem Reuchlinpreis ausgezeichnet, 2009 mit der Lichtenberg-Medaille, 2014 mit dem Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst.

2015 hat Meier sein Privatarchiv (Manuskripte und Korrespondenzen) dem Deutschen Literaturarchiv Marbach geschenkt, darunter Briefwechsel mit Carl Schmitt und Richard von Weizsäcker.[5]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Werke Meiers wurden in andere Sprachen übersetzt und erschienen in mehreren Neuauflagen. Der Siedler-Verlag hat ihm zu Ehren seine Caesar-Biographie und sein Athen-Buch in einer Neuausgabe herausgebracht. Meier verfasste zahlreiche Lexika- und Zeitschriftenartikel. Außerdem ist er Herausgeber mehrerer Sammelwerke und wissenschaftlicher Beirat der Zeitschrift DAMALS.

In Auswahl (ansonsten siehe Weblink):

  • Res publica amissa. Eine Studie zu Verfassung und Geschichte der späten römischen Republik: Steiner, Wiesbaden 1966 (Zugleich: Frankfurt am Main, Universität, Habilitations-Schrift, 1962).
  • Die Entstehung des Politischen bei den Griechen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1980, ISBN 3-518-07505-5.
  • Die Ohnmacht des allmächtigen Dictators Caesar. Drei biographische Skizzen (= Edition Suhrkamp. 1038 = NF Bd. 38). Suhrkamp, Frankfurt am in 1980, ISBN 3-518-11038-1.
  • Caesar. Severin und Siedler, Berlin 1982, ISBN 3-88680-027-X.
  • Die politische Kunst der griechischen Tragödie. Beck, München 1988, ISBN 3-406-33392-3.
  • mit Paul Veyne: Kannten die Griechen die Demokratie? 2 Studien (= Kleine kulturwissenschaftliche Bibliothek. Bd. 2). Wagenbach, Berlin 1988, ISBN 3-8031-5102-3.
  • Deutsche Einheit als Herausforderung. Welche Fundamente für welche Republik? Hanser, München u. a. 1990, ISBN 3-446-16124-4.
  • Die Nation, die keine sein will. Hanser, München u. a. 1991, ISBN 3-446-16398-0.
  • Athen. Ein Neubeginn der Weltgeschichte. Siedler, Berlin 1993, ISBN 3-88680-128-4.
  • Die Parlamentarische Demokratie. Hanser, München u. a. 1999, ISBN 3-446-19656-0.
  • Von Athen bis Auschwitz. Betrachtungen zur Lage der Geschichte (= Krupp-Vorlesungen zu Politik und Geschichte am Kulturwissenschaftlichen Institut im Wissenschaftszentrum Nordrhein-Westfalen. Bd. 2). Beck, München 2002, ISBN 3-406-48982-6.
  • als Herausgeber: Sprache in Not? Zur Lage des heutigen Deutsch. Wallstein-Verlag, Göttingen 1999, ISBN 3-89244-341-6.
  • Kultur, um der Freiheit willen. Griechische Anfänge – Anfang Europas? Siedler, München 2009, ISBN 978-3-88680-923-3 (Bildet den ersten Teil von Meiers Beitrag für die Siedler Geschichte Europas.).
  • Das Gebot zu vergessen und die Unabweisbarkeit des Erinnerns. Vom öffentlichen Umgang mit schlimmer Vergangenheit. Siedler, München 2010, ISBN 978-3-88680-949-3.
  • Der Historiker und der Zeitgenosse. Eine Zwischenbilanz. Siedler, München 2014, ISBN 978-3-8275-0048-9.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christian Meier: Lehrstuhl Christian Meier. 1.3.1981–31.3.1997. In: Jakob Seibert (Hrsg.): 100 Jahre Alte Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München (1901–2001). Duncker und Humblot, Berlin 2002, ISBN 3-428-10875-2, S. 183–195 (Selbstdarstellung der Lehr- und Forschungstätigkeit in München).
  • Monika Bernett, Wilfried Nippel, Aloys Winterling (Hrsg.): Christian Meier zur Diskussion. Autorenkolloquium am Zentrum für Interdisziplinäre Forschung in Bielefeld. Steiner, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-515-09148-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Christian Meier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. siehe Liste der Fellows unter http://www.wiko-berlin.de/index.php?id=155#M
  2. Gruppe 1: Historie abgerufen am 3. Juli 2013
  3. a b c Verena Auffermann: Christian Meier Neuer Präsident der Akademie für Sprache und Dichtung. In: Süddeutsche Zeitung. 14. Oktober 1996.
  4. Helmut Glück, Walter Krämer, Eberhard Schöck (Hrsg.): Kulturpreis Deutsche Sprache 2003 – Reden und Ansprachen. Paderborn 2003, ISBN 3-931263-45-2.
  5. WDR Kurzmeldungen vom 14. Dezember 2015: Privatarchiv verschenkt: Dokumente von Historiker Meier für Marbach