Church in Wales

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Flagge
Diözesen

Die Church in Wales (walisisch Eglwys yng Nghymru; Kirche in Wales) ist die Mitgliedskirche der Anglikanischen Gemeinschaft für Wales. Die Church in Wales ist Mitglied der Porvoo-Gemeinschaft und hat mit diesen Kirchen volle Kirchengemeinschaft vereinbart.

Geschichte[Bearbeiten]

Als im Zuge der Reformation infolge der Suprematsakte eine anglikanische Staatskirche geschaffen wurde, wurde diese auch in Wales etabliert, da Wales seit der englischen Eroberung im 13. Jahrhundert zum Königreich England gehörte. Bis 1920 unterstanden die walisischen Diözesen dem Primas von Canterbury.

Im 19. Jahrhundert wandten sich mehr und mehr Waliser, vor allem unter den Bergleuten und den Industriearbeitern, von der Staatskirche ab und örtlichen freien, „nonkonformistischen“ Kirchengemeinden zu.[1] Die Church of England galt ihnen als Instrument der englischen Herrschaft und der Durchsetzung der englischen Sprache zu Lasten des Walisischen. Walisische Politiker, darunter David Lloyd George, forderten daher, die anglikanische Kirche in Wales von der Church of England zu lösen. Dies geschah durch ein 1914 vom britischen Parlament verabschiedetes Gesetz, den Welsh Church Act. Infolge des Ersten Weltkrieges trat das Gesetz erst 1920 in Kraft. Durch den Welsh Church Act wurde die anglikanische Kirche in Wales selbständig und zugleich ihres Status als etablierte Staatskirche entkleidet („disestablishment“) – daher auch der heutige Name Church in Wales statt Church of Wales. Sie verlor folglich das Recht, den Zehnt einziehen zu dürfen, und ihren Grundbesitz („disendowment“).[2] Durch ihr theologisches Erbe und nicht zuletzt aufgrund ihrer Tradition der Abgrenzung von den nonkonformistischen Bewegungen seit dem 19. Jahrhundert ist die Church in Wales bis heute durch eine Tendenz zur High Church geprägt.

Im Jahr 1997 wurden erstmals Frauen als Geistliche der Church in Wales ordiniert.[3] Seit 2013 können Frauen auch zu Bischöfinnen geweiht werden.[4] Bislang ist jedoch noch keine Frau in den Episkopat aufgenommen worden.

Mitgliedschaft, Gliederung und Leitung[Bearbeiten]

Der Begriff „Mitgliedschaft“ wird in der Church in Wales im engeren Sinne und im weiteren Sinne gebraucht.[5] Im engeren Sinne sind diejenigen Mitglieder, die sich förmlich haben einschreiben lassen und damit z.B. bei Wahlen für kirchliche Gremien wahlberechtigt sind.[5] Im weiteren Sinne werden alle Gottesdienstbesucher als Mitglieder betrachtet. Im Jahre 2014 nahmen sonntags durchschnittlich rund 36.000 Gläubige an den Gottesdiensten teil. Den besten Gottesdienstbesuch gab es 2014 zu Ostern mit gut 52.000 Gläubigen.[5]

Die Church in Wales umfasst gut 900 Pfarreien (parishes) in sechs Diözesen (Stand 2016).[6]

Primas als Primus inter pares der Bischöfe ist der Erzbischof von Wales. Anders als in der Church of England ist dieses Amt nicht an einen bestimmten Bischofssitz gebunden. Seit 2003 trägt Barry Morgan, Bischof von Llandaff, den Titel des Erzbischofs von Wales. Mit den übrigen Bischöfen bildet er das Bischofskollegium, die Bench of Bishops.

Die Bischöfe gehören gemeinsam mit 51 Vertretern des übrigen Klerus und 81 Vertretern der Laien zum Governing Body, d.h. zur Synode, als höchster kirchenleitender Instanz.[7]

Erzbischöfe von Wales[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Philip Michael Hett Bell: Disestablishment in Ireland and Wales. Society for Promoting Christian Knowledge / Church Historical Society, London 1969, ISBN 0-281-02336-0.
  • Henry William Clarke: A history of the Church of Wales. Swan Sonnenschein & Co., London 1896.
  • Norman Doe: The law of the Church in Wales. University of Wales Press, Cardiff 2002, ISBN 0-7083-1748-0.
  • Henry T. Edwards: Wales and the Welsh Church. Rivingtons, London 1889.
  • Rosemary C. E. Hayes u.a. (Hg.): Clergy, church and society in England and Wales c. 1200–1800. Borthwick Publications, Heslington 2013, ISBN 978-1-904497-58-5.
  • John Williams James: A Church history of Wales. A.H. Stockwell, Ilfracombe 1945.
  • David Trevor William Price: A history of the Church in Wales in the twentieth century. Church in Wales Publications, Penarth 1990, ISBN 0-85326-026-5.
  • Keith Robbins: England, Ireland, Scotland, Wales. The Christian church 1900–2000 (= Oxford History of the Christian Church). Oxford University Press, Oxford 2008, ISBN 978-0-19-826371-5.
  • David Walker (Hg.): A history of the Church in Wales. Church in Wales Publications for the Historical Society of the Church in Wales, Penarth 1976, ISBN 0-85326-010-9.
  • Robert Williams: The attack on the church in Wales: Evidence and facts collected and sifted against disestablishment and disendowment. Mowbray, London und Oxford 1912.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Henry T. Edwards: Wales and the Welsh Church. Rivingtons, London 1889; darin das Kapitel „Why are the Welsh people alienated from the Church?“, S. 288–336.
  2. Keith Robbins: England, Ireland, Scotland, Wales. The Christian church 1900–2000. Oxford University Press, Oxford 2008, S. 189–197.
  3. The Admission of Women to the Episcopate – A Statement by the Bench of Bishops, abgerufen am 14. Januar 2016.
  4. BBC News, 12. September 2013: Church in Wales backs women bishops.
  5. a b c The Church in Wales: Membership and Finances – 2014, S. 3.
  6. Parishes (Gesamtverzeichnis)
  7. Governing Body.

Weblinks[Bearbeiten]