Dallmayr

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Dieser Artikel bezieht sich auf das Unternehmen Dallmayr. Der gleichnamige Regisseur und Produzent ist unter Horst Dallmayr zu finden.
Alois Dallmayr KG
Logo der Alois Dallmayr KG
Rechtsform Kommanditgesellschaft
Gründung 1700[1]
Sitz München
Leitung Persönlich haftende Gesellschafter:
  • Wolfgang Wille
  • Florian Randlkofer[2]
Mitarbeiter 3.500 (2014), 2.000 in Deutschland[3]
Umsatz rund 900 Mio. EUR (2014)[3]
Branche Kaffeeautomatenbetrieb, Catering, Gastronomie, Delikatessen
Website www.dallmayr.de
Alois Dallmayr Kaffee OHG
Logo der Alois Dallmayr Kaffee OHG
Rechtsform Offene Handelsgesellschaft
Gründung 1985
Sitz München
Website www.dallmayr.de
Das Stammhaus der Firma Dallmayr in der Dienerstraße 14–15 in München

Alois Dallmayr, kurz Dallmayr, ist das größte Delikatessengeschäft Europas und eine der bekanntesten deutschen Kaffeemarken. Das Unternehmen Dallmayr blickt auf eine über 300-jährige Geschichte zurück und befindet sich bis heute in Familienbesitz. Der Konzern gliedert sich inzwischen in die vier Geschäftsbereiche „Delikatessen und Gastronomie“ (zu dem auch das Stammhaus in München zählt, das jährlich rund 2,8 Millionen Besucher[4] anzieht), „Party & Catering“, „Kaffee & Tee“ und schließlich „Vending & Office“, d. h. der Vertrieb von Getränke- und Snackautomaten (siehe auch Abschnitt Geschäftsbereiche des heutigen Unternehmens).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alois Dallmayr
Das Innere des Ladengeschäfts um 1912

Die Ursprünge des Unternehmens lassen sich bis ins Jahr 1700 zurückverfolgen. Zu dieser Zeit betrieb der Münchner Kaufmann Christian Reitter ein Handelsgeschäft, das als direkter Vorläufer des heutigen Unternehmens gilt. Um 1870 gelangte das Geschäft in Besitz von Alois Dallmayr, dem das Unternehmen seinen heutigen Namen verdankt. Er verkaufte das Geschäft 1895 an Therese und Anton Randlkofer. Unter der Leitung von Therese Randlkofer, einer für die damalige Zeit bemerkenswerten Geschäftsfrau, entwickelte sich das Stammhaus zu einem der führenden Delikatessenhäuser Europas mit 15 Hoflieferantentiteln. 1933 begann Dallmayrs Kaffeeära: In diesem Jahr kam der Bremer Kaffeekaufmann Konrad Werner Wille nach München und richtete im „Delikatessenhaus Dallmayr“ eine Spezialabteilung für Kaffee ein, die bis heute Bestand hat und u. a. durch die Fernsehwerbung für Dallmayr Prodomo international bekannt wurde. Das Kaffeegeschäft entwickelte sich so erfolgreich, dass es 1985 in die eigenständige Tochtergesellschaft Alois Dallmayr Kaffee OHG ausgegründet wurde, die den (heute größten) Geschäftsbereich „Kaffee & Tee“ des Unternehmens darstellt. An der Alois Dallmayr Kaffee OHG beteiligte sich mit 51 % auch der Nestlé-Konzern, dessen Beteiligung 2003 auf 25 % reduziert wurde.[5] Im Juli 2015 wurde vereinbart, dass die Alois Dallmayr KG die restlichen Anteile von Nestlé an seiner Kaffeesparte zurückkauft, im Vertrieb soll aber weiterhin kooperiert werden.[6] Damit befindet sich das Unternehmen heute wieder ganz in Familienhand.

Das heutige Unternehmen Dallmayr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahlen und Fakten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das heutige Unternehmen Alois Dallmayr hat seinen Sitz in der Dienerstraße 14–15 in der Münchner Altstadt. Florian Randlkofer und Wolfgang Wille sind beide als persönlich haftende Gesellschafter der Dachgesellschaft Alois Dallmayr KG verantwortlich. Die Dallmayr Gruppe erzielte im Geschäftsjahr 2014 einen Umsatz von rund 900 Millionen Euro, von dem gut 500 Mio. Euro auf den Geschäftsbereich „Kaffee & Tee“, 360 Mio. Euro auf den Geschäftsbereich „Vending & Office“ und 40 Mio. Euro auf die Geschäftsbereiche „Delikatessen und Gastronomie“ und „Party & Catering“ entfielen.

Das Unternehmen beschäftigt ca. 3.500 Mitarbeiter weltweit, davon etwa 2.000 in Deutschland. Dallmayr produziert jährlich ca. 57.000 Tonnen Röstkaffee an fünf Standorten in Deutschland (München, Berlin, Braunschweig, Bremen und Dortmund). Der Geschäftszweig „Vending & Office“ ist in 14 Ländern in Europa sowie in den Vereinigten Arabischen Emiraten tätig.

Im Dezember 2009 verhängte das Bundeskartellamt gegen Dallmayr und andere Unternehmen wie Melitta, Tchibo und Kraft wegen unerlaubter Preisabsprachen eine Geldbuße (sogenanntes Kaffeekartell).[7]

Öffentliches Engagement und Nachhaltigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dallmayr ist Mitglied des Common Code for the Coffee Community und unterstützt die Karlheinz Böhm Stiftung Menschen für Menschen sowie das Jane Goodall Institute.[8] Einige Kaffeesorten tragen das UTZ Certified-Siegel, das Biosiegel, das Fairtrade-Logo sowie das Logo von Rainforest Alliance. Außerdem spendet Dallmayr für jedes verkaufte Pfund seiner Sorte Ethiopia fünf Baumsetzlinge gegen die Versteppung des äthiopischen Bodens.[8] 2011 entwickelte Dallmayr die erste nachhaltige Automatenstation.[9]

Geschäftsbereiche des heutigen Unternehmens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Delikatessen und Gastronomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stammhaus in München[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine der drei Eingangstüren des Delikatessenhauses
Der Puttenbrunnen im Inneren des Gebäudes enthält lebende Flusskrebse

„Der Dallmayr“, wie das Stammhaus in München genannt wird, ist das größte Delikatessenhaus Europas. Das Ladengeschäft gliedert sich in 19 Fachabteilungen (Kaffee, Pralinen, Wein, Wurst & Schinken, Obst & Gemüse, Fisch, Käse, Brot, Pasta, Fleisch, kaltes & warmes Buffet, Tee u. a.). Die Kaffeeabteilung ist – aufgrund der Fernsehwerbung für die Marke Prodomo – die wohl bekannteste Abteilung des Hauses: Wie in der Werbung wird der Kaffee auch heute noch mit einer Balkenwaage abgewogen. Im Zentrum des Ladengeschäfts befindet sich der Puttenbrunnen, in dem Edelkrebse auf ihren Verkauf warten. Die im Stammhaus angebotenen Waren werden zu einem großen Teil selbst produziert: Im zweiten Stock befindet sich eine Produktionsküche, in der 70 Köche Feinkostsalate, Gerichte für das warme Buffet oder Cremetörtchen herstellen. Die Pastaproduktion findet im Verkaufsraum direkt hinter der Theke statt. Die Weinabteilung, in der v. a. Weine aus Frankreich, Italien, Deutschland und Österreich angeboten werden, wurde 2008 neu gestaltet. Was Dallmayr – wie Räucherlachs oder Schokoladen – aus Platzgründen nicht im Stammhaus produzieren kann, wird in eigenen Manufakturen in und um München hergestellt.[10] In Dallmayrs Pralinen-Manufaktur bei München werden im Jahr über 40 Tonnen handgefertigte Pralinen und Fruchtgelees in rund 70 verschiedenen Sorten hergestellt.[11] Am 29. Juni 2003 eröffnete Dallmayr darüber hinaus im Terminal 2 des Münchner Flughafens einen Shop[12], an den auch ein Café angeschlossen ist. Dieser Shop liegt hinter der Sicherheitskontrolle und steht nur Fluggästen mit gültiger Bordkarte offen.

Restaurant Dallmayr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das auf klassisch-moderne Küche konzentrierte Restaurant „Dallmayr“, das maximal 40 Personen Platz bietet, befindet sich im ersten Stock des Stammhauses. Es wurde 2006 neu eröffnet und gehört zu den drei Restaurants in München, die zwei Michelin-Sterne vorweisen können. Küchenchef ist Diethard Urbansky. Die Weinkarte umfasst mehr als 700 Positionen.[13]

Café-Bistro Dallmayr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im ersten Stock des Stammhauses befindet sich ebenfalls ein Café-Bistro, das Besuchern klassische Kaffeehaus-Atmosphäre und einen freien Blick auf den Liebfrauendom, das Wahrzeichen Münchens, bietet. Neben französischen Cremetörtchen sowie hauseigenen Kaffee- und Teespezialitäten werden dort auch Klassiker wie Bouillabaisse oder „Hummer Thermidor“ sowie leichte Mittagsgerichte angeboten. Eine umfangreiche Frühstückskarte rundet das Angebot ab.

Lukullusbar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ladengeschäft befindet sich auch die sogenannte „Lukullusbar“, die einem französischen Markt nachempfunden ist: Dort werden beispielsweise Felsenaustern auf Eis und Champagner angeboten.

Versand- und Geschenkservice[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stammhaus enthält auch eine hauseigene Packstation, in der Dallmayr-Delikatessen zu Präsenten verpackt werden. Darüber hinaus betreibt Dallmayr einen Online-Shop, der Produkte in die ganze Welt liefert.

Dallmayr Party & Catering[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dallmayr hat als Hoflieferant zahlreicher Königshäuser bereits eine lange Tradition. Das Catering-Angebot umfasst auch Events mit mehreren tausend Besuchern, so richtete Dallmayr beispielsweise die Hochzeit von Georg Friedrich Prinz von Preußen und Sophie Prinzessin von Isenburg im August 2011 aus.[14]

Kaffee und Tee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dallmayr-Kaffeebecher in einem ICE der Deutschen Bahn

Dallmayr Kaffee ist eine der bekanntesten Kaffeemarken Deutschlands.[15] Zu den Produktmarken gehören unter anderem Prodomo, Classic, die italienische Kaffeelinie Crema d’Oro und Ethiopia. Seit 2009 existiert auch die Premiumlinie Grand Cru Café, die sortenreine Kaffees wie Jamaica Blue Mountain oder Hawaii Kona beinhaltet. Gastronomen werden mit der Produktlinie Dallmayr Café & Bar beliefert. Dallmayr ist als Verarbeiter vorwiegend gewaschener Arabica-Rohkaffees bekannt, die das Unternehmen aus der ganzen Welt bezieht. Wichtigster Lieferant ist seit vielen Jahren Äthiopien, der Abstammungsort der Arabica-Pflanze. Dallmayr röstet an fünf Standorten in Deutschland ca. 57.000 Tonnen Kaffee pro Jahr. Mit dem Erwerb der Unternehmen Heimbs Kaffee (1986), der größten und ältesten Kaffeerösterei Niedersachsens, und Azul Kaffee (1997) konnte Dallmayr auf dem Gebiet der gehobenen Gastronomie expandieren. Beide Unternehmen sind selbstständig agierende Tochtergesellschaften der Alois Dallmayr Kaffee oHG.

Dallmayr bietet auch ca. 115 verschiedene Teesorten an. Neben klassischen Schwarzen und Grünen Tees gibt es zahlreiche aromatisierte Sorten und eine Auswahl an Rooibusch- und Früchtetees sowie Kräuterteespezialitäten aus Südtirol. Auch gehörte Dallmayr zu den ersten Händlern in Deutschland, die sogenannten Flugtee anboten: die erste Ernte hochwertigen Darjeelingtees, die direkt nach dem Pflücken ins Ausland ausgeflogen wird.

Vending & Office[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kaffeeautomat der Firma Dallmayr am Flughafen von Dubai

Unter der Geschäftsbezeichnung „Vending & Office“ betreibt Dallmayr Getränke- und Snackautomaten in ganz Deutschland, dem europäischen Ausland und im Fernen Osten. Während der sechziger Jahre führte Dallmayr die ersten Kaffeeautomaten in Deutschland ein. Erster Kunde war der Münchner Automobilhersteller BMW, der damals Heißgetränke-Automaten in seinen Werkshallen aufstellte: Dallmayr lieferte dazu den Kaffee und übernahm die Wartung der Automaten. Dallmayr betreibt international 80.000 Automaten und ist damit nach eigenen Angaben deutscher Marktführer, europaweit gehört das Unternehmen zu den fünf größten Anbietern.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Unternehmenhsgeschichte auf dallmayr.de, abgerufen am 16. Mai 2013
  2. dallmayr.de: Geschichte im Zeitstrahl
  3. a b sueddeutsche.de: Jetzt allein
  4. Henryk Hielscher: Was Delikatessenhändler Dallmayr anders macht, Wirtschaftswoche, 20. Dezember 2009, abgerufen am 30. November 2011.
  5. Geschichte von Dallmayr
  6. Dallmayr: Trennung von Nestle, auf www.cafe-future.net, abgerufen am 4. Dezember 2015
  7. Birger Nicolai: Hohe Geldbußen gegen deutsche Kaffeeröster. In: Welt Online, 21.Dezember 2009, abgerufen am 21. Dezember 2009.
  8. a b Tanja Stelzer: Kaffee-Clans, Zeit online, 24. September 2009, abgerufen am 30. November 2011.
  9. Artikel in Vending Management, 24. Juni 2011, abgerufen am 30. November 2011.
  10. Jan Hildebrand: Von Albatrüffeln und Snackautomaten. In: Welt Online, 16. Juli 2008, abgerufen am 30. November 2011.
  11. Manuela Rüther: Die Praline lebt. In: Welt am Sonntag, 6. November 2011, abgerufen am 18. Januar 2012.
  12. Informationen auf der Website des Münchner Flughafens
  13. Menü- und Weinkarte des Restaurants „Dallmayr“.
  14. Preußische Hochzeit mit einem Funken Glamour. In: Focus Online, 27. August 2011, abgerufen am 30. November 2011.
  15. Von den Autoren eines Standardwerks wird die Marke zur „Königsklasse deutscher Produkte und Dienstleistungen“ gerechnet.

Literaturhinweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marita Krauss: Die königlich-bayerischen Hoflieferanten. Volk Verlag, München 2008, ISBN 978-3-937200-27-9
  • Barbara Kagerer, Daniel Schvarcz: Handwerk Design Kunst Tradition. Umschau Verlag, Neustadt an der Weinstraße 2009, ISBN 978-3-86528-449-5
  • Cornelia Oelwein: Zwischen Goldach und Seebach. Die Geschichte des Goldachhofs der Familie Dallmayr und der Mooskultivierung in Ismaning. Verlag Franz Schiermeier, München 2013, ISBN 978-3-943866-22-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dallmayr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Presseartikel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 48° 8′ 18″ N, 11° 34′ 38″ O