Daniel Neumann (Funktionär)

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Daniel Neumann

Daniel Neumann (* 25. Dezember 1973 in Jugenheim)[1] ist ein deutscher Rechtsanwalt, Autor und seit 2006 Direktor des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen.[2][3][4]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Daniel Neumann studierte nach seinem Abitur von 1993 bis 1998 Rechtswissenschaften an der Universität Mainz und arbeitete nach seinem Rechtsreferendariat vom Jahr 2000 bis 2003 als Wertpapiermanager und Börsenhändler, seit 2004 als Rechtsanwalt in Frankfurt am Main. Seit 2003 ist er im Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Hessen tätig, seit 2006 ist er Direktor des Verbandes. Neben dieser Tätigkeit ist Neumann seit 2008 Richter des Schiedsgerichts beim Zentralrat der Juden in Deutschland.[5] 2008 wurde Neumann ehrenamtlicher Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Darmstadt und 2017 zum Vorsitzenden gewählt.[6] Im Jahr 2018 rief er die Jüdischen Kulturwochen Darmstadt ins Leben, die seither von der Jüdischen Gemeinde und der Stadt Darmstadt ausgerichtet werden.[7] Er ist zudem seit 2013 Mitglied des Rundfunkrates des Hessischen Rundfunks und seit 2017 Vorsitzender des Programmausschuss Hörfunk. Seit 2021 sitzt er dem hr-Programmausschuss Fernsehen vor.[8] Seit 2020 ist Neumann außerdem Vorsitzender des Hessischen Forums für Religion und Gesellschaft.[9][10][11] Ebenfalls seit Anfang 2020 fungiert er als Vorstandsmitglied der Liga der freien Wohlfahrtspflege Hessen e. V.[12]

Neumann unterstützt als Mitglied die Initiativen Prominent gegen Rassismus[13] und Engagiert gegen Rassismus[14] und er ist in der Leitungsgruppe des Projektes Schulter an Schulter" (SAS)[15] der Stiftung gegen Rassismus aktiv.[16]

Seit 2010 hält er Ansprachen in der Sendung „Jüdische Welt“, die an jedem ersten Freitag im Monat auf hr2-kultur ausgestrahlt werden.[17] Er ist außerdem für die Jüdische Allgemeine und für das Magazin des Bundes traditioneller Juden in Deutschland als Autor tätig.[18][19]

Sein Vater Moritz Neumann war bis zu seinem Tod ebenfalls Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Darmstadt und Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen (LVJGH).[20][21] Neumann ist verheiratet und hat vier Kinder.[22]

Haltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neumann sprach im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus als erster jüdischer Vertreter überhaupt anlässlich des Freitagsgebetes in einer Moschee in Raunheim und plädierte für ein gemeinsames Miteinander „Unabhängig von Religion, Herkunft oder Hautfarbe“. Gleichzeitig verurteilte er den „Antisemitismus in der islamischen Gemeinschaft“ und rief zu dessen Bekämpfung auf.[23][24]

In einem offenen Brief an Patrick Burghardt, Oberbürgermeister der Stadt Rüsselsheim hat der LVJGH gegen ein Konzert von Kollegah auf dem Hessentag protestiert, da seine Texte homophobe, sexistische sowie antisemitische Passagen enthielten und er damit antijüdische Klischees bediene.[25][26][27] Es kam am selben Tag zu einem Telefonat zwischen Neumann und Kollegah; später zu einem offenen Brief vom Rapper auf Facebook.[28] Neumann habe am Telefon damals versucht dem Rapper klarzumachen, dass es völlig irrelevant sei, ob er Antisemit sei oder nicht, sondern dass es darauf ankomme, was er tue. Wenn die Texte, die der Rapper verbreite, antisemitische Inhalte hätten, sei es ihm „völlig egal, was Kollegah in seinem Kopf mit sich herumträgt“. Neumann ist der Meinung: „Es muss Grenzen geben.“ Diese seien dort, wo Texte das Potential hätten, andere gegen Minderheiten aufzustacheln.[29][30] Später kritisierte er die Echo-Preisverleihung an Kollegah und Farid Bang daher heftig.[31][32]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Meine Vision ist, dass wir alle Anhänger eines ethischen Monotheismus werden.“ In: FRIZZ Das Magazin, aufgerufen am 25. Juni 2018.
  2. Daniel Neumann ist neuer Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Darmstadt. in: Darmstädter Echo, 27. Februar 2017, aufgerufen am 26. Juni 2018.
  3. Gemeinsam dem Hass die Stirn bieten. In: Main-Spitze, 17. März 2018, aufgerufen am 26. Juni 2018.
  4. Hohe Anforderungen an Hessens Antisemitismusbeauftragten. Deutschlandfunk, Ludger Fittkau, 3. Mai 2018, aufgerufen am 25. Juni 2018.
  5. Thomas Wolff: Daniel Neumann, der neue Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Darmstadt: „Wir igeln uns nicht freiwillig ein“. , Darmstädter Echo, 15. März 2017, aufgerufen am 27. Juni 2018.
  6. Harald Pleines: Antisemitismus als Krankheit der Gesellschaft. In: Jüdische Allgemeine, 22. Januar 2018, aufgerufen am 29. Juni 2018.
  7. Echo Zeitungen GmbH: Die Vielfalt des Judentums - Echo Online. Abgerufen am 1. April 2019.
  8. hr-rundfunkrat de: Programmausschuss Fernsehen. 10. April 2017, abgerufen am 24. März 2021 (deutsch).
  9. Mitglieder HR-Rundfunkrat. Rundfunkrat, aufgerufen am 27. Juni 2018.
  10. Programmausschuss Hörfunk. Rundfunkrat, aufgerufen am 29. Juni 2018.
  11. Vorstandsmitglieder. Hessisches Forum für Religion und Gesellschaft, aufgerufen am 8. Oktober 2020.
  12. Gesamtvorstand. Abgerufen am 8. Oktober 2020.
  13. Prominent gegen Rassismus, auf stiftung-gegen-rassismus.de, abgerufen am 7. August 2018
  14. Engagiert gegen Rassismus. In: Stiftung gegen Rassismus. Abgerufen am 22. März 2022 (deutsch).
  15. [<https://stiftung-gegen-rassismus.de/schulter-an-schulter/leitungsgruppe-und-beirat Leitungsgruppe von Schulter an Schulter], auf stiftung-gegen-rassismus.de, abgerufen am 9. Mai 2022
  16. Schulter an Schulter startet, Internationale Wochen gegen Rassismus, abgerufen am 4. Januar 2019.
  17. hr2 – Jüdische Welt, hr2-kultur, aufgerufen am 27. Juni 2018.
  18. Autorenprofil Daniel Neumann. Jüdische Allgemeine, aufgerufen am 25. Juni 2018
  19. BtJ-Gemeindemagazin | BTJD – Bund traditioneller Juden in Deutschland. Abgerufen am 8. Oktober 2020.
  20. Vorsitzender der jüdischen Gemeinden ist tot. In: Frankfurter Rundschau, 23. Juni 2016, aufgerufen am 5. Juli 2018.
  21. Das Porträt: Generationswechsel – Daniel Neumann leitet die Jüdische Gemeinde Darmstadt. Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Hessen, 21. Mai 2017, aufgerufen am 27. Juni 2018.
  22. Über uns: Geschäftsführung. Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Hessen, aufgerufen am 28. Juni 2018.
  23. Internationale Wochen gegen Rassismus 2018: Die Zivilgesellschaft wird aktiver. Internationale Wochen gegen Rassismus, aufgerufen am 28. Juni 2018.
  24. Rede von Daniel Neumann – 16.03.2018. Internationale Wochen gegen Rassismus, 16. März 2018, aufgerufen am 29. Juni 2018.
  25. Kendra Stenzel: Antisemitismus – Man wird ja wohl noch rappen dürfen... In: Der Spiegel, 6. Februar 2017, aufgerufen am 29. Juni 2018
  26. Jan Wiele: Isch hab Notbremse In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. Dezember 2017, aufgerufen am 29. Januar 2018.
  27. Lars Weisbrod: Jung, brutal, Antisemit? In: Die Zeit, 11. April 2018, aufgerufen am 29. Juni 2018
  28. Offener Brief von Kollegah, Facebook, aufgerufen am 29. Juni 2018.
  29. Robin Göckes, Christian Preusser: Protest gegen Auftritt von Hass-Rapper Kollegah in Rüsselsheim. In: Frankfurter Neue Presse, 1. Februar 2017, aufgerufen am 25. Juni 2018.
  30. Die dunkle Seite des deutschen Rap. ARD, 19. April 2018, aufgerufen am 24. Juni 2018.
  31. Echo 2018: Antisemitismus-Vorwürfe gegen Kollegah und Farid Bang. Deutsche Welle, 5. April 2018, aufgerufen am 5. Juli 2018.
  32. Daniel Neumann im Interview zur Echo Preisverleihung: „In meinem Herzen wallen Empörung und Ärger auf.“ Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Hessen, 23. April 2018, aufgerufen am 5. Juli 2018.