Jugenheim (Seeheim-Jugenheim)

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Jugenheim
Wappen von Jugenheim
Koordinaten: 49° 45′ 16″ N, 8° 38′ 2″ O
Höhe: 129 (116–164) m ü. NN
Einwohner: 4448
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 64342
Vorwahl: 06257
Schloss Heiligenberg
Evangelische Bergkirche in Jugenheim
Friedensbrunnen in Jugenheim von Daniel Greiner

Jugenheim (mundartlich: Jurem)[1] ist ein Ortsteil der Gemeinde Seeheim-Jugenheim im Landkreis Darmstadt-Dieburg, Hessen.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jugenheim liegt im Naturpark Bergstraße-Odenwald an der Bergstraße im Odenwald am Heiligenberg.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1961 verfügte Jugenheim über einen Bahnhof an der einstigen Nebenbahnstrecke Bickenbach–Seeheim. Im Ort treffen sich die Landesstraßen 3100 und 3103.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jugenheim wurde im Jahre 1241 erstmals urkundlich erwähnt. Eine Besiedlung hat aber schon viel früher stattgefunden, wie archäologische Funde beweisen. Weitere Erwähnungen findet Jugenheim unter den Ortsnamen Guginheim (1310), Gugenheim (1335), Guginheym (1340), Gugenhem (1430), Jugenheim und Gugenheim (1561), sowie Jugenheimb (1621). Unter anderem findet Jugenheim Erwähnung als[2]:

1245, als der Ministeriale Christian von Bickenbach dem Kloster Schönau 3 1/2 Morgen Weinberge in Jugenheim und Bickenbach unter Vorbehalt lebenslanger Nutzung schenkt.
1312 tragen die Brüder Gerhard und Giso von Jazza das zur Burg Dagsberg gehörige Jugenheim dem Erzbischof Peter von Mainz zu Lehen auf.
1335 verkaufen die Brüder Gerlach und Reinhard von Jazza die Hälfte des Dorfes mit Einwilligung des Erzstifts Mainz dem Schenken Konrad von Erbach
1714 verkauften die Grafen zu Erbach ihre Rechte mit Zustimmung des Mainzer Kurfürsten an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt.

Im Mittelalter bestand etwa 60 Jahre lang die Burg Jossa. Etwa im Jahre 1050 wurde ein Kloster auf dem Heiligenberg erbaut. Es bestand bis zur Reformation in Erbach um 1544; die Bergkirche wird 1263 das erste Mal urkundlich erwähnt. 1618 gab es über 30, 1829 immerhin noch 14 Mühlen in Jugenheim.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, von 1897 bis 1955, verkehrte eine Dampflok-betriebene Nebenbahn zwischen Bickenbach, Alsbach, Jugenheim und Seeheim. Die Planungen für die Verbindung hatten bereits 1869 begonnen, aber es gab viele Widerstände gegen den Bau. So fürchtete man Lärm, Störung der Feldarbeit und die Abwanderung von Feriengäste. Zur damaligen Zeit war die Bergstraßen ein beliebtes Erholungsgebiet für Gäste aus ganz Europa, vor allem aus den Fürstenhäusern. Die Nebenbahn verband die nördliche Bergstraße mit der wichtigen Main-Neckar-Eisenbahn am Bahnhof Bickenbach. Neben den Feriengästen benutzte auch die einheimische Bevölkerung die „Ziggelsche“ genannte Nebenbahn. Da einige Züge bis nach Darmstadt fuhren und von Reisenden zum Besuch des Darmstädter Staatstheaters genutzt wurden, erhielten diese den Spitznamen „Theaterzug“. [3]

Während der Zugehörigkeit zu Hessen wechseln die übergeordneten Verwaltungseinheiten mehrfach[2]:

bis 1820: Amt Seeheim, das ab 1806 zur Provinz Starkenburg des Großherzogtums Hessen gehörte.
1821 bis 1832: Landratsbezirk Bensheim der Provinz Starkenburg.
1832 bis 1848: Kreis Bensheim, mit der Einführung von Kreisen im Großherzogtum Hessen.
1848 bis 1852: Regierungsbezirk Heppenheim, während der Einteilung der Provinz Starkenburg in Regierungsbezirke.
1852 bis 1938: Kreis Bensheim mit der Wiedereinführung von Kreisen in der Provinz Starkenburg.
1938 bis 1977: Landkreis Darmstadt. Im Zuge der Gebietsreform 1938 werden die drei hessischen Provinzen Starkenburg, Rheinhessen und Oberhessen in Kreise aufgelöst.
ab 1977: Landkreis Darmstadt-Dieburg, in den der Landkreis Darmstadt im Zuge der Gebietsreform in Hessen aufgeht.

Die zuständige Gerichtsbarkeit war[2]:

eigenes Zentgericht
1821: Landgericht Zwingenberg
1879: Amtsgericht Zwingenberg
1934: Amtsgericht Bensheim
1968: Amtsgericht Darmstadt

Belegte Einwohnerzahlen sind[2]:

Jahr Einwohner
1629 0077 Hausgesessene
1829 0583
1939 1550
1961 3592
1970 3524
Jugenheim a. d. Bergstraße: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr  Einwohner
1834
  
609
1840
  
656
1846
  
702
1852
  
728
1858
  
800
1864
  
674
1871
  
792
1875
  
900
1885
  
988
1895
  
1.057
1905
  
1.197
1910
  
1.239
1925
  
1.568
1939
  
1.550
1946
  
3.163
1950
  
3.215
1956
  
3.031
1961
  
3.592
1967
  
4.122
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden am 31. Dezember 1971 die Gemeinde Balkhausen eingemeindet und am 1. Januar 1977 die bis dahin selbstständigen Gemeinden Jugenheim a. d. Bergstraße und Seeheim per Gesetz zur neuen Gemeinde Seeheim zusammengeschlossen.[4] Am 1. Januar 1978 wurde diese Gemeinde amtlich in Seeheim-Jugenheim umbenannt.[5]

Sehenswürdigkeiten und öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ludwig Walther (1804–1881), deutscher Richter und Abgeordneter in Hessen, geboren in Jugenheim
  • Hermann Theobald (1821–1908), Oberförster und Landtagsabgeordneter und Ehrenbürger von Jugenheim
  • Roland Anheisser (1877–1949), Künstler, Maler, Schriftsteller, gestorben in Jugenheim
  • Daniel Greiner (1872–1943), Landtagsabgeordneter und Künstler, hatte langjährig sein Atelier in Jugenheim
  • Hans-Joachim Heist (* 1949), Schauspieler, geboren in Jugenheim
  • Anke Schimpf (* 1964), Komponistin und Musikerin
  • Gabriele Britz (* 1968), Richterin des Bundesverfassungsgerichts, geboren in Jugenheim
  • René Fahr (* 1972), Ökonom und Hochschullehrer, geboren in Jugenheim

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jugenheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Darmstädter Echo, Freitag, 22. August 2014, S. 20
  2. a b c d „Jugenheim a. d. Bergstraße, Landkreis Darmstadt-Dieburg“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL); abgerufen am 1. September 2012 (Stand: 23. Juli 2012).
  3. Schlagzeilen aus Bensheim zum 175-jährigen Bestehen des „Bergsträßer Anzeigers“ 2007. Zum Theater mit dem „Ziggelsche“. S. 48, archiviert vom Original am 20. Dezember 2014; abgerufen am 28. Dezember 2014 (pdf 8,61 MB).
  4. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Darmstadt und Dieburg und der Stadt Darmstadt vom 26. Juni 1974 In: GVBl.I 1974/22
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 382.
  6. Darmstädter Echo, Montag, 25. August 2014 [1]