Dehesa

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Dehesa im Frühling mit Weißstorch (Extremadura)
Landschaft bei Monsaraz im Alentejo, Portugal
Dehesa mit Korkeichen und Rindern in der Provinz Huelva, Andalusien
Iberische Schweine
Dehesa-Gebiete auf der iberischen Halbinsel

Dehesa (port. Montado) ist die spanische Bezeichnung für beweidete Eichenhaine (Hutewälder), die vor allem im Südwesten Spaniens (Autonome Gemeinschaften Extremadura und Andalusien) und in Portugal ausgedehnte Flächen einnehmen. Die Dehesa wurde traditionell als Gemeineigentum (ähnlich einer Allmende) gemeinsam bewirtschaftet; noch heute befinden sich die Ländereien oft im Eigentum der Gemeinde.

Die Dehesas in der Extremadura umfassen heute 1,03 Millionen Hektar und bedecken ein Viertel der Gesamtfläche der Region (4,163 Millionen Hektar). In der Provinz Cáceres stehen Stein- und Korkeichen auf einer Fläche von 0,53 Millionen Hektar, in der Provinz Badajoz auf 0,50 Millionen Hektar. Damit haben die Dehesas in der Extremadura die mit Abstand größte Verbreitung in Spanien, wo sich im ganzen Land Flächen von 2,1 Millionen Hektar finden. Auch die Hälfte aller spanischen Kork- und Steineichen wächst in der Extremadura. Außerhalb der Iberischen Halbinsel existieren nur wenige vergleichbare Baum-Savannen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dehesas sind entstanden, indem die ursprünglichen Stein- und Korkeichenwälder durch Schafe und Ziegen, später auch von Rindern, beweidet wurden. Durch ihre extensive Bestockung mit Eichen ermöglicht die Dehesa die Nutzung als Weidefläche auch für das Iberische Schwein, das sich in freier Natur von Gräsern, Wurzeln, Pilzen, Baumrinden, Beeren, Eicheln sowie von Insekten und Kleintieren ernährt. Auf den flachgründigen, nährstoffarmen Böden im Südwesten der iberischen Halbinsel sind die Voraussetzungen für Ackerbau schlecht, die Weidewirtschaft lohnt sich eher. So entstanden parkartige Baumbestände. Die Bäume schützen den Boden vor Erosion, spenden den Weidetieren Schatten und liefern die zur Mast (in erster Linie der Schweine) geschätzten Eicheln.

Eine Besonderheit der Nutzungsform der Dehesa liegt in ihrem hohen Alter – der älteste Beleg für die Dehesas datiert 4000 Jahre zurück. Die Menschen vernichteten große Teile des dichteren Waldbestandes (Primärwald), wie es ihn heute noch im Nationalpark Monfragüe gibt, um Weideflächen zu erhalten. Der Wandel zur Dehesa vollzog sich jedoch langsam, aber stetig und ist dem Eingriff des Menschen geschuldet. Es handelt sich folglich nicht um eine vom Menschen unberührte Landschaftsform, die eine der potentiellen natürlichen Vegetation entsprechende Pflanzengesellschaft aufwiese.

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nutztiere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dehesas gelten als Musterbeispiel für eine naturnahe Kulturlandschaft: Bäume schützen den Boden, liefern Brennstoffe (früher wurde aus dem Holz von Steineichen Holzkohle hergestellt) oder Kork und Futter für die Weidetiere (Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen). Bis auf den heutigen Tag spielt auch die naturnahe Aufzucht von Jungstieren eine große Rolle, die im Alter von etwa 3 oder 4 Jahren in den Stierkampfarenen ihr Leben lassen. Dennoch sind die Dehesas heute gefährdet, da die traditionellen Weidetiere durch moderne, produktivere Rassen ersetzt werden, deren Futteranspruch aber durch Importfutter gedeckt werden muss; selbst die Stierzucht ist wegen anhaltender Proteste von Tierschützern auf dem Rückzug. Nicht genutzte Dehesas sind am aufkommenden Buschbewuchs zu erkennen.

Wildtiere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dehesa beheimatet jedoch nicht nur Korkeichen, Stiere und die iberische Schweinerasse, sondern eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt. Eine Untersuchung aus dem Jahr 1985 hat gezeigt, dass in der Dehesa etwa 45 Pflanzenarten gedeihen.

Von den zahlreichen Vogelarten der Dehesa ist die Blauelster am stärksten vom Habitat abhängig. Zu den geläufigen Arten gehören Buchfink, Singdrossel, Amsel und Buntspecht, die sich vor allem in dichteren Baumbeständen aufhalten. Wiedehopf, Bienenfresser, Steinkauz, Girlitz, Grauammer, Distelfink, Rotkopfwürger und Heidelerche halten sich auf den Bodenflächen auf. Die Dehesa-Arten, die wegen ihrer geringen Baumbestände an Steppen heranreichen, bilden den Lebensraum von Theklalerche, Triel, Zwergtrappe und Südlichem Raubwürger. Der Weißstorch, der in Spanien als Brutvogel hauptsächlich in der Extremadura vorkommt, profitiert von der offenen Vegetation und den Kleintieren der strukturreichen extensiven Kulturlandschaft. Am auffälligsten sind jedoch die Greifvögel, die in beeindruckender Zahl über den Dehesas kreisen. Einige brüten in der Dehesa, andere in den mediterranen Wäldern der Naturparks und an Felswänden. Als Nahrung dienen neben Hasen typische Dehesa-Bewohner wie Eidechse, Maurischer Gecko oder Eidechsennatter, die sich wiederum von den Eiern des Wiedehopfs ernährt. Sie werden zur Beute von Gänsegeier, Mönchsgeier, Schmutzgeier, Schwarzmilan, Rotmilan, Steinadler und Spanischem Kaiseradler.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dehesas dienten für Schafe und Ziegen oft nur als Winter- und Frühjahrsweiden; im Sommer zog man mit den Herden auf den cañadas reales oder auf anderen Wegen in höher gelegene Regionen und blieb dort mehrere Monate. Rinder und Schweine blieben dagegen in ihren angestammten Dehesas.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tobias Plieninger: Built to last? The continuity of holm oak (Quercus ilex) regeneration in a traditional agroforestry system in Spain. In: W. Konold, A. Reinbolz, A. Yasui (Hrsg.): Weidewälder, Wytweiden, Wässerwiesen – Traditionelle Kulturlandschaft in Europa. Culterra, Schriftenreihe des Instituts für Landespflege. Freiburg 2004. S. 5–62
  • Tobias Plieninger: Traditional land-use and nature conservation in rural Europe. In: Cutler J. Cleveland (Hrsg.): Encyclopedia of Earth. Environmental Information Coalition, National Council for Science and the Environment, Washington, D.C. 2007 [1]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dehesas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien