Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit

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Filmdaten
Deutscher TitelDie Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit
OriginaltitelOn the Basis of Sex
ProduktionslandUSA
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr2018
Länge121 Minuten
AltersfreigabeFSK 0[1]
Stab
RegieMimi Leder
DrehbuchDaniel Stiepleman
ProduktionRobert W. Cort
MusikMychael Danna
KameraMichael Grady
SchnittMichelle Tesoro
Besetzung

Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit (Originaltitel: On the Basis of Sex, engl. für „Auf der Basis des Geschlechts“) ist eine Filmbiografie von Mimi Leder über die US-amerikanische Juristin Ruth Bader Ginsburg. Der Film feierte am 8. November 2018 im Rahmen des AFI Fests Weltpremiere und kam am 25. Dezember 2018 in die US-amerikanischen Kinos und am 7. März 2019 in die deutschen Kinos.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film zeichnet den Ein- und Aufstieg der Richterin am Obersten Gerichtshof der USA Ruth Bader Ginsburg anhand dreier Zeitabschnitte nach. Diese Zeitabschnitte sind die Jahre 1956, 1959 sowie 1970 und nachfolgend.

1956:

Ruth Bader Ginsburg beginnt als eine von neun Frauen das Erstsemester an der juristischen Fakultät der Universität Harvard. In einem von Männer dominierten Umfeld muss sie sich behaupten. Während eines vom Dekan der Fakultät veranstalteten Abendessens etwa muss sie die Frage beantworten, warum sie einen Platz besetzt, der an einen Mann hätte gehen können. Ruth hat zudem eine kleine Tochter und ihr Mann Marty studiert im zweiten Jahr Jura. Dann erkrankt er an Krebs. Sie besucht auch seine Kurse, tippt seine Arbeiten, damit er weiter studieren kann und wird selbst die Beste ihres Jahrgangs.

1959:

Zwei Jahre nach dem Rückgang des Krebs bei ihren Mann wird dieser von einer Firma in New York City angeheuert. Ruth bittet den Dekan der juristischen Fakultät in Harvard Dean Griswold ihren Harvard Abschluss mit Kursen an der Rechtsfakultät der Columbia Universität in New York City zu beenden. Doch Grisworld besteht darauf die zur damaligen Zeit geltenden Regeln der Universität Harvard zu befolgen und lehnt ihre Bitte ab. Ruth wechselt daraufhin an die Rechtsfakultät der Columbia Universität in New York City. Trotz Abschluss an der Spitze ihres Jahrgangs findet sie keinen Job bei einer der Firmen, bei denen sie sich bewirbt, denn diese Firmen wollen keine Frau anstellen. Sie nimmt eine Stelle als Professorin für Recht an der Rutgers Universität in New Jersey an und unterrichtet zum Thema "Geschlechterdiskriminierung und das Recht".

1970 und nachfolgend:

Ruth Bader Ginsburg und ihr Ehemann Marty haben neben der Tochter Jane einen Sohn namens James Steven. Ihr als Steueranwalt tätiger Mann bringt Ruth einen Fall, der ihr Interesse weckt und in dem es um Diskriminierung aufgrund des Geschlechts geht. Es geht um den Einspruch von Charles Moritz, der die finanziellen Ausgaben für die Pflege seiner Mutter als unverheirateter Mann nicht von der Steuer absetzen darf. Dies steht nur Frauen oder Witwern zu, nicht aber unverheirateten Männern. Familiäre Pflege war zur damaligen Zeit selbst für das Gesetz reine Frauensache. Es gibt im Jahr 1970 nicht weniger als 178 amerikanische Gesetze, die zwischen Geschlechtern unterscheiden und dabei in der Regel die Frauen diskriminieren. Ruth sieht in dem Fall eine Möglichkeit einen Richtungswechsel in der Rechtsprechung zu erreichen, denn gestärkt vom gewandelten Zeitgeist der 1970er Jahre sieht Bader Ginsburg ihren Moment gekommen, um auch das Gesetz zu ändern. Mit Unterstützung von Mel Wulf von der Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union nimmt sich Bader Ginsburg des Falls an und bringt ihn vor das Bundesberufungsgericht in Denver, wo sie Charles Moritz mit ihrem Mann Marty vertritt, nachdem ein Probeverfahren aufzeigte, dass sie im Gegensatz zu ihrem Ehemann keine Erfahrung im Gerichtssaal hat.

Ruths frühere Professoren vertreten vor dem Berufungsgericht die Regierung und wollen verhindern, dass eine Lawine von Gesetzesänderungen losgetreten wird und in der Folge Frauen beispielsweise Zugang zu zahlreichen Berufen bekommen. Ihre Argumentationslinie lautet, die gesetzliche Ungleichbehandlung der Geschlechter entspräche der natürlichen Ordnung und diene dem Schutz der Familie. Bader Ginsburg argumentiert hingegen mit der Gleichheit vor dem Gesetz, die in der Rechtsstaatsgarantie des fünften Zusatzartikels zur Verfassung der Vereinigten Staaten verankert ist. Da vor der Verfassung alle gleich sind, müssen Gesetze, die implizit oder explizit eine Unterscheidung zwischen den Geschlechtern vornehmen, verfassungswidrig sein. Mit dem Berufungsfall schafft Ruth Bader Ginsburg einen Präzedenzfall, um der sukzessiven Abschaffung gesetzlicher Geschlechterdiskriminierung den Weg zu ebnen. Sie findet ihre persönliche Berufung als Frauenrechtlerin, die darum kämpft, dass der Gleichheitsgrundsatz der Verfassung im praktischen Leben Fuß fassen kann.

Vor dem Abspann wird in Texteinblendungen geschildert, was aus Ruth Bader Ginsburg, ihrem Mann Martin D. Ginsburg sowie ihren beiden gemeinsamen Kindern Jane C. Ginsburg und James Steven Ginsburg wurde. Die Texteinblendungen erzählen zudem, dass das Bundesberufungsgericht im Fall "Moritz v. Commissioner" (1972) und der Oberste Gerichtshof der USA im Fall "Reed v. Reed" (1971) erstmalig eine Diskriminierung auf Basis des Geschlechts als rechtswidrig erklärten, dass Ruth Bader Ginsburg das Women's Rights Project bei der American Civil Liberties Union gründete, über das viele der nach Geschlechter differenzierenden und im Fall "Moritz v. Commissioner" identifizierten Gesetze niedergeschlagen wurden, und dass der U.S. Senat Ginsburg mit 96 Stimmen bei 3 Gegenstimmen im Jahr 1993 als beisitzende Richterin am Obersten Gerichtshof wählte. In der letzten Szene sieht man die von Felicity Jones gespielte junge Ruth Bader Ginsburg die Treppen zum Gebäude des Obersten Gerichtshof der USA erklimmen, um anschließend die an diesem Gericht tätige, alte und reale Richterin Ruth Bader Ginsburg in einer Nahaufnahme zu zeigen, wie diese an einer der Säulen am oberen Ende der Treppe vorbeigeht.

Biografischer Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruth Bader Ginsburg official SCOTUS portrait.jpg
Ruth Bader Ginsburg ist seit 1993 Beisitzende Richterin am Supreme Court
Felicity Jones, 2018 (cropped).jpg
Gespielt wird Bader Ginsburg im Film von Felicity Jones

Ruth Bader Ginsburg ist eine US-amerikanische Juristin und seit 1993 Beisitzende Richterin am Supreme Court, wo sie dem liberalen beziehungsweise „linken“ Flügel zugerechnet wird.

Betsy West und Julie Cohen drehten bereits einen Dokumentarfilm über Ginsburg mit dem Titel RBG, der im Mai 2018 in die US-Kinos kam.

Am 7. November 2018, dem Tag vor der Weltpremiere des Films, brach sich die 85-jährige Ginsburg bei einem Sturz drei Rippen, was zu großer Anteilnahme in den sozialen Medien führte. Im Fall ihres Rücktritts oder Todes kann US-Präsident Donald Trump einen weiteren Richterposten am Obersten Gericht neu besetzen.[2]

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regie führte Mimi Leder. Das Drehbuch stammt von Daniel Stiepleman, das es 2014 auf die Black List der beliebtesten unverfilmten Drehbücher schaffte, die jedes Jahr in Hollywood erstellt wird. Stiepleman ist der Neffe von Ruth Ginsburg.[3] On the Basis of Sex, der Originaltitel des Films bezieht sich auf die 178 Gesetze, die Bader Ginsburg findet, die hinsichtlich des Geschlechts unterscheiden und auf die sie sich in ihrem Plädoyer bezieht.

Nachdem ursprünglich Natalie Portman für die Rolle von Ruth Bader Ginsburg vorgesehen war,[4] übernahm letztlich Felicity Jones die Hauptrolle.[5] Armie Hammer spielt ihren Ehemann Marty Ginsburg.

Die Dreharbeiten fanden im kanadischen Montréal statt.[6] Für die Gestaltung der Kostüme war Isis Mussenden verantwortlich.

Die Filmmusik komponierte Mychael Danna. Die Aufnahme entstand im Frühjahr 2018.[7] Im September 2018 veröffentlichten Kemosabe Records und RCA Records den Song Here Comes the Change, der von Kesha für den Film gesungen und gemeinsam mit Drew Pearson und Stephen Wrabel geschrieben wurde.[8] Der Soundtrack zum Film, der 20 Musikstücke umfasst, wurde am 14. Dezember 2018 von Sony Classical veröffentlicht.[9]

Im Juli 2018 wurde ein erster Trailer zum Film vorgestellt.[10] Am 8. November 2018 eröffnete der Film im Chinese Theatre das AFI Fest und feierte hier seine Weltpremiere.[11][12] Am 25. Dezember 2018 kam er in die US-amerikanischen Kinos, zum 25. Jahrestag von Ruth Bader Ginsburgs Berufung an den Supreme Court. Ein Kinostart in Deutschland erfolgte am 7. März 2019.[13]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiken und Einspielergebnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

"Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit" enthielt gemischte Bewertungen. Bislang konnte der Film 74 Prozent der Kritiker bei Rotten Tomatoes überzeugen. In der Filmkritik-Sammlung heißt es: "On the Basis of Sex is nowhere near as groundbreaking as its real-life subject, but her extraordinary life makes a solid case for itself as an inspirational, well-acted biopic." (Deutsch: ""Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit" ist längst nicht so bahnbrechend wie das Subjekt des realen Lebens, aber ein außergewöhnliches Leben plädiert selbst für inspirierendes, gut geschauspielertes Biopic.")[14]

Piringer Piringer von kino-zeit.de bezeichnet den Film "als spannende, sehr gut erzählte und aufschlussreiche Geschichtsstunde über eine Pionierleistung für die rechtliche Gleichstellung der Geschlechter in Amerika."[15] Die Redaktion des Filmmagazins Cinema meint, dass das von Ginsburgs Neffen Daniel Stiepleman verfasste Drehbuch strotze nur so vor blitzschnellen und klugen Dialogen. Neben der Rechtsprechung, auf deren präzise Darstellung seine Tante großen Wert legte, stehe die Liebesgeschichte zwischen ihr und Marty im Fokus, die Felicity Jones und Arnie Hammer mit umwerfender Intensität auf die Leinwand bringen. Das Fazit der Cinema Redaktion: "Porträt einer Ikone: einnehmendes Drama über eine große Liebe und den Kampf um Gleichberechtigung."[16]

Till Kadritzke von Spiegel Online bilanziert, dass Mimi Leders Film einerseits bemüht sei, die sozialen Kämpfe hinter gesellschaftlichen Veränderungen sichtbar zu machen, den Raum des Rechts nicht als geschlossen zu betrachten, sondern ordentlich feministischen Wind reinzulassen. "Dieser Wind wird andererseits von einer allzu funktionalen Dramaturgie wieder gebremst. Persönliches und Politisches treffen sich zuverlässig im genau richtigen Moment, um unsere Heldin auf die Siegerinnenstraße zu führen."[17]

Knut Elstermann vom MDR bescheinigte dem Film, dass er zwar für juristische Laien immer verständlich und interessant sei, "obwohl das Hohelied durchaus etwas weniger gefällig und rund hätte ausfallen können – öfter mal ein Einspruch hätte dem Film gutgetan."[18] Frank Arnold von epd Film beschreibt den Film als das fiktionale Gegenstück zum Dokumentarfilm RBG – Ein Leben für die Gerechtigkeit, was auch sein Problem sei, denn wer die wirkliche Ruth Bader Ginsburg in diesem Film erlebt habe, werde sich schwertun mit Felicity Jones als ihrer fiktionalen Repräsentantin: „Zu glatt wirkt sie im Vergleich zu der kleinen Frau mit der großen Brille, die auch im Alter von 85 Jahren nichts von ihrem Witz und ihrer Streitlust verloren hat – und von deren Persönlichkeit in diesem Film eher etwas in der von Kathy Bates verkörperten älteren Anwältin zu spüren ist.“[19]

Die weltweiten Einnahmen des Films aus Kinovorführungen belaufen sich auf 37,9 Millionen US-Dollar.[20] In Deutschland verzeichnet der Film bisher 102.378 Besucher.[21]

Einsatz im Schulunterricht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Onlineportal kinofenster.de empfiehlt Die Berufung für die Unterrichtsfächer Deutsch, Ethik, Sozialkunde/Gemeinschaftskunde, Geschichte und Politik und bietet Materialien zum Film für den Unterricht.[22]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 186175/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. https://www.nytimes.com/2018/11/08/us/politics/ruth-bader-ginsburg-hospitalized.html
  3. On the Basis of Sex. In: moviepilot.de. Abgerufen am 17. Juli 2018.
  4. http://www.tracking-board.com/natalie-portman-taps-mimi-leder-to-direct-ruth-bader-ginsburg-movie-on-the-basis-of-sex/
  5. Kate Erbland: Felicity Jones Set to Play Young Ruth Bader Ginsburg in Mimi Leder’s 'On the Basis of Sex'. In: indiewire.com, 18. Juli 2017.
  6. http://www.dailymail.co.uk/tvshowbiz/article-4926902/Felicity-Jones-spotted-set-Basis-Sex.html
  7. Mychael Danna Scoring Mimi Leder’s 'On the Basis of Sex'. In: filmmusicreporter.com, 7. Mai 2018.
  8. http://filmmusicreporter.com/2018/09/19/keshas-original-song-here-comes-the-change-from-on-the-basis-of-sex-released/
  9. http://filmmusicreporter.com/2018/11/27/on-the-basis-of-sex-soundtrack-details/
  10. https://variety.com/2018/film/news/felicity-jones-ruth-bader-ginsburg-on-the-basis-of-sex-trailer-1202873979/
  11. https://variety.com/2018/film/news/on-the-basis-of-sex-afi-fest-2018-1202956708/
  12. http://www.mediabiz.de/news/0/433759?rss=1&premium=N&navi=00000000&t=1
  13. Starttermine Deutschland In: insidekino.com. Abgerufen am 15. Dezember 2018.
  14. On the Basis of Sex. In Rotten Tomatoes. Abgerufen am 10. März 2019. Anmerkung: Das Tomatometer bei Rotten Tomatoes gibt an, wie viel Prozent der angemeldeten Kritiker dem Film eine positive Bewertung gegeben haben.
  15. Bianka Piringer: Die Berufung - Ihr Kampf für Gerechtigkeit (2018): Ein Präzedenzfall für die Frauenrechte. Archiviert vom Original am 9. März 2019. Abgerufen am 9. März 2019.
  16. Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit. Cinema. Archiviert vom Original am 9. März 2019. Abgerufen am 9. März 2019.
  17. Ikone Ruth Bader Ginsburg: Horden von Anzugträgern. Und diese Frau. In: Spiegel Online, 8. März 2019. Archiviert vom Original am 9. März 2019. Abgerufen im 9. März 2019. 
  18. Knut Elstermann: "Die Berufung" – Biografie über US-Juristenlegende Ruth Bader Ginsburg. Mitteldeutscher Rundfunk. Archiviert vom Original am 9. März 2019. Abgerufen am 9. März 2019.
  19. Frank Arnold: Kritik zu Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit. epd Film. 22. Februar 2019. Archiviert vom Original am 9. März 2019. Abgerufen am 9. März 2019.
  20. On the Basis of Sex. In: boxofficemojo.com. Abgerufen am 8. Mai 2019.
  21. Top 100 Deutschland 2019. In: insidekino.com. Abgerufen am 8. Mai 2019.
  22. Die Berufung. In: kinofenster.de. Abgerufen am 22. März 2019.