Dietrich Grönemeyer

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Dietrich Grönemeyer 2011

Dietrich Herbert Wilhelm[1] Grönemeyer (* 12. November 1952 in Clausthal-Zellerfeld) ist ein deutscher Mediziner, Medizinunternehmer, Autor und gemeinnütziger Stifter. Er war bis 2012 Lehrstuhlinhaber für Radiologie und Mikrotherapie an der Universität Witten/Herdecke und gilt als „Vater der Mikrotherapie“.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grönemeyer wurde 1952 in Clausthal-Zellerfeld geboren und wuchs mit seinen Brüdern Herbert (* 1956, Musiker und Schauspieler) und Wilhelm († 1998, Galerist) in Bochum auf, wo er das Gymnasium am Ostring besuchte. Der Vater war Ingenieur, die Mutter stammte aus einer Familie von Ärzten.

Sein Abitur machte er 1972 am Humanistischen Gymnasium in Bochum. Von 1974 bis 1976 studierte er Romanistik und Sinologie an der Ruhr-Universität Bochum, von 1976 bis 1982 Humanmedizin an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, wo er 1981 mit dem Thema „Quantitative Blutfluss-Bestimmung mit Hilfe digitaler Röntgenbildverarbeitung im Modell und Tierversuch“ promoviert wurde. Im Anschluss wurde er Assistenzarzt für Radiologie in Kiel und Witten.

Seine Habilitation folgte 1990 an der Universität Witten/Herdecke. Dort war Grönemeyer bis zu seiner Emeritierung 2012 Inhaber des Lehrstuhls für Radiologie und des weltweit einzigen Lehrstuhls für Mikrotherapie. Er leitet das 'Grönemeyer Institut für Mikrotherapie' in Bochum. Am 1. September 2013 wurde er zum Professor für Gesundheitswirtschaft in den Hochschulrat der Steinbeis-Universität Berlin berufen und ist Leiter des Steinbeis-Transfer-Instituts „Mikrotherapie, Minimalinvasive Therapie und Diagnostik“ am Standort in Bochum.

Seit 2006 ist Grönemeyer Vorsitzender des Wissenschaftsforums Ruhr und Vertreter des Forums im Landeskuratorium Nordrhein-Westfalen des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft.

Grönemeyer ist ein Nachfahre des baltendeutschen Mediziners Carl Abraham Hunnius[2] und seit 1977 mit Christa Enste verheiratet. Das Paar hat drei Kinder.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Medizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grönemeyer vertritt besonders die von ihm so bezeichnete Mikrotherapie. Die ist die Zusammenführung von interventioneller Radiologie, minimal invasiver Chirurgie und Schmerztherapie. Anwendungsfelder dieser Diagnose- und Therapieform sind besonders Wirbelsäule und Gelenke, Blutgefäße und Krebserkrankungen. Neben der Entwicklung biomedizinischer Verfahren vertritt Grönemeyer einen ganzheitlichen Medizinbegriff, unter dem er sowohl die Verbindung von klassischen biomedizinischen Verfahren (High-Tech-Medizin) und Therapieformen aus dem Bereich der Naturheilkunde und anderen Kulturkreisen (z. B. die Traditionelle Chinesische Medizin, Pflanzenheilkunde, Manuelle Therapieformen) versteht als auch eine personenorientierte Medizin, die den Menschen in seinen psychischen und intellektuellen Eigenschaften sowie seinen gesellschaftlichen und kulturellen Bezügen wahrnimmt.

Grönemeyers medizinische Ansätze wurden in der Vergangenheit in der Fachwelt kontrovers bewertet. 2006 bezeichneten Otmar Wiestler, langjähriger Vorstand des Deutschen Krebsforschungszentrums, und Michael Bamberg, damals Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft, einige von Grönemeyers Ideen als „wissenschaftlich nicht haltbar“ und vertraten die Auffassung, er wecke „unberechtigte Hoffnungen“.[3]

Grönemeyer gilt durch die Zusammenführung und Weiterentwicklung von interventioneller Radiologie, Endoskopie und Schmerztherapie – insbesondere bei der Behandlung von Rückenerkrankungen – als der „Vater der Mikrotherapie“. Das Verfahren stellte er als weltweiter Pionier 1987 vor. Die Einführung des offenen Kernspintomographen zur Operation folgte 1988. Im gleichen Jahr begann die Durchführung von Schmerzbehandlungen und Tumoroperationen im offenen Kernspintomographen. 1989 folgte der Einsatz des Lasers zur CT-gesteuerten Tumortherapie. Die Einführung der katheterlosen Darstellung der Herzkranzgefäße durch ultraschnelle Computertomographie in Europa geschah 1991 und die weltweit erste CT/MRT-gesteuerte Endoskopie des Knie- und Hüftgelenks, des Rückenmarks und des Gehirns 1992. 2002 wurde der Begriff „Mikrotherapie“ in das medizinische Wörterbuch Pschyrembel aufgenommen.

Dietrich Grönemeyers beruflicher Werdegang umfasst verschiedene Stationen im In- und Ausland. Einher gingen Forschungsaufenthalte an der University of California in San Francisco (1988) und immer wieder Gastprofessuren, u. a. an der Harvard Medical School in Boston (1996). An der Georgetown University in Washington, D.C. war er zwei Jahre (2001 bis 2003) als Adjunct Professor tätig.

Dietrich Grönemeyer ist (seit 2006) gemeinschaftlich mit Görge Deerberg (seit 2012) vom Fraunhofer Institut UMSICHT Vorstandsvorsitzender des Wissenschaftsforums Ruhr.[4] Das Wissenschaftsforum Ruhr ist ein im Jahr 2004 gegründeter Zusammenschluss von Forschungseinrichtungen im Ruhrgebiet, in dem Kontakte der Wissenschaftseinrichtungen untereinander und zu Hochschulen, Politik, Wirtschaft und Verwaltung sowie der Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit gefördert werden sollen. Zum Wissenschaftsforum Ruhr gehören insgesamt 45 Forschungseinrichtungen (Stand 2015). Darunter befinden sich namhafte Institutionen wie u.a. das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung, das Kulturwissenschaftliche Institut Essen, das Grönemeyer Institut für Mikrotheraphie, die Fraunhofer Institute IML, ISST und UMSICHT oder die Max-Planck-Institute für Chemische Energiekonversion und für molekulare Physiologie. Das Wissenschaftsforum Ruhr unterstützt Forschungskooperationen und Projekte zwischen den Mitgliedsinstituten, dazu gehört auch die Verleihung des UMSICHT-Wissenschaftspreises. Grönemeyer ist Schirmherr des UMSICHT-Wissenschaftpreises. Der Preis wird verliehen, um die herausragende Vermittlung von wissenschaftlichen Ergebnissen an eine breite Öffentlichkeit zu honorieren. Der Preis wird in den Kategorien Wissenschaft und Journalismus verliehen, er soll den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu aktuellen Themen der Umwelt-, Verfahrens- und Energietechnik fördern.

Publikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grönemeyer verfasste neben seinen drei akademischen Werken zahlreiche wissenschaftliche Aufsätze und Bücher, die sich zum Großteil auf radiologische und kardiologische Diagnostik, minimal-invasive Therapie und die Mikrotherapie beziehen. Zudem erschien von ihm eine Vielzahl an Artikeln und Buchkapiteln in medizinischen, technischen und politischen Journalen.

Außerdem publizierte er populärwissenschaftliche Beiträge, insbesondere zu Gesundheit und Wohlbefinden, mit denen er sich an der allgemeinen Wertediskussion beteiligte. Darauf bezieht sich auch die Initiative „One World now“, die sich für das friedliche gemeinsame Zusammenleben verschiedener Kulturen und Religionen einsetzt. Nichtzuletzt bezog er damit immer wieder Stellung zu Fragen der Gesundheitsökonomie und Gesundheitspolitik.

Mit der Erfindung der Figur Der kleine Medicus, die sich an Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren richtet, beabsichtigte Grönemeyer die Erweiterung des Sachbuch-Charakters im Gesundheitssektor durch Science-Fiction- und Roman-Elemente sowie Illustrationen und Fotografien. Das gleiche Ziel verfolgt die Buchserie mit Erwin und Rosi, die sich an Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren richtet.

Bereits seit Oktober 2012 ist Grönemeyer in der ZDF-Sendung Dietrich Grönemeyer – Leben ist mehr! zu sehen. Die Sendung befasst sich mit ethischen Themen und wird an den christlichen Feiertagen Karfreitag, Christi Himmelfahrt, Reformationstag, Buß- und Bettag ausgestrahlt. Im Mittelpunkt stehen Menschen, die einen ungewöhnlichen Lebensweg beschreiten oder beschritten haben.

Gesundheitspolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grönemeyer thematisierte in seinen Stellungnahmen vor allem die Zukunft der Medizin im Spannungsfeld zwischen technischen Möglichkeiten und Nutzen für die Patienten.[5] So schlug er u. a. die Auszeichnung „med. in Germany“ als Gütesiegel deutscher Medizin vor und analog dazu „med. in Europe“.[6] Er plädierte für eine neue Medizin, in der High-Tech-Medizin, Humanität und Ökologie eine Einheit bilden.[7] Außerdem setzt er sich für die Stärkung und den Ausbau der vorhandenen Ressourcen der Medizin ein, beispielsweise in der Telemedizin oder in der Medizintechnik, sowie für die bessere Vernetzung der vorhandenen Kompetenzen. In der „Gesundheitswirtschaft“ betont er die Möglichkeiten der Medizin und der thematisch verknüpften Branchen als Wachstumsmotor.[6] In diesem Zusammenhang kritisiert er Gesundheitsreformen und wendet sich gegen die Sparbemühungen der Politik.

Zugleich setzt er sich vor allem für die ganzheitliche, menschliche und zuwendende Wahrnehmung von Körper, Seele und Geist zum Wohle des Patienten ein, von ihm als „sprechende und zuhörende“ oder auch kurz „liebevolle Medizin“ bezeichnet, und verbindet dies mit einem Appell für das engere Zusammenarbeiten der verschiedensten medizinischen Disziplinen und eine Erneuerung des Arzt-Patienten-Verhältnisses. Darunter versteht er sowohl die Frage nach der Stellung des Patienten in der modernen Medizin als auch die Stärkung der Stellung des Hausarztes, der in seinen Vorstellungen in eine lebenslange Begleitung des Patienten eingebunden ist. Vorrangig soll ein Hausarzt die Vorsorge koordinieren und in Behandlungsfragen eine Schlüsselfunktion als Lotse übernehmen.

Schließlich wünscht Grönemeyer Vorsorge und das Verstehen des eigenen Körpers von der Kindheit an. So setzt er sich für Gesundheitsunterricht in den Schulen ein und fordert täglich jeden Tag eine Stunde Schulsport zur Förderung der Lust an Bewegung und Prävention. Dazu entwickelte er ein Bewegungsprogramm mit 40 Übungen für 20 Minuten und seine Stiftung initiierte 2015 mit einem Schuhhersteller „Die bewegte Schulpause“.

Mitgliedschaften, Stiftungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grönemeyer wurde 1995 Gründungsmitglied des Essener Vereins Herz- und Kreislaufzentrum und 1998 Beiratsmitglied der Landesinitiative Health Care NRW. Im Jahr 2000 wurde er Mitglied der National Geographic Society und 2003 Vorstandsmitglied des Vereins pro Ruhrgebiet.

Im Mai 2007 gründete er die Dietrich Grönemeyer Stiftung. Sie zielt auf Prävention durch Förderung gesunder Lebensführung und des Gesundheitsbewusstseins bei Kindern und Jugendlichen. So setzt sie sich für Gesundheitsunterricht an Schulen ein und bildet Schüler zu „Gesundheitsbotschaftern“ aus. Sie begreift sich als „Stiftung für Weltmedizin“ und Plattform zur „Rettung des Weltkulturerbes Medizin“.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2000 zeichnete der Verein pro Ruhrgebiet Grönemeyer als Bürger des Ruhrgebiets aus.[8] Im Oktober 2003 erhielt er den „World Future Award“.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Rainer M. Seibel: Interventionelle Computertomographie. Wien 1989, ISBN 3-89412-061-4.
  • mit Robert B. Lufkin: Open Field Magnetic Resonance Imaging. Berlin u. a. 1999, ISBN 3-540-63781-8.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dietrich Grönemeyer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dietrich-Grönemeyer-Stiftung bei firma-24.de, Dietrich-Grönemeyer-Stiftung bei unternehmendb.com
  2. Leseprobe der S.Fischer Verlage aus Grönemeyer, Dietrich: Arzt mit Herz und Seele – Ein persönliches Lesebuch, S. 19–20
  3. Barbara Schmid, Udo Ludwig: Professor Hokuspokus. In: Der Spiegel. 23. Oktober 2016, abgerufen am 18. April 2017.
  4. Wissenschaftsforum Ruhr: Vorstand, abgerufen am 5. Dezember 2016
  5. Zukunftschance Weltgesundheitsland In: Zukunftschance Weltgesundheit
  6. a b Gesundheitswirtschaft. Die Zukunft in Deutschland. Leseprobe. ABW Wisschenschaftsverlag, 2004, S. 16–24, abgerufen am 18. April 2017.
  7. Grundwerte für die Zukunft des Gesundheitswesens. In: Joachim Galuska: Die Zukunft der Medizin (2001), Grundwerte für die Zukunft des Gesundheitswesens: Beiträge der Tagung vom 16. März 2001 in der Fachklinik Heiligenfeld/Bad Kissingen. BIS Verlag.
  8. Prof. Dietrich Grönemeyer ist Preisträger des World Future Award 2003. buchmarkt.de, 21. Oktober 2003, abgerufen am 18. April 2017.