Don’t Worry, weglaufen geht nicht

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Filmdaten
Deutscher TitelDon’t Worry, weglaufen geht nicht
OriginaltitelDon’t Worry, He Won’t Get Far on Foot
ProduktionslandUSA
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr2018
Länge115 Minuten
AltersfreigabeFSK 12[1]
Stab
RegieGus Van Sant
DrehbuchGus Van Sant
ProduktionCharles-Marie Anthonioz,
Mourad Belkeddar,
Steve Golin,
Nicolas Lhermitte
MusikDanny Elfman
KameraChristopher Blauvelt
SchnittDavid Marks,
Gus Van Sant
Besetzung

Don’t Worry, weglaufen geht nicht (Originaltitel Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot, engl. für „Keine Sorge, zu Fuß wird er nicht weit kommen“) ist eine US-amerikanische Filmbiografie von Gus Van Sant, die am 19. Januar 2018 im Rahmen des Sundance Film Festivals erstmals gezeigt wurde und am 16. August 2018 in die deutschen Kinos kam. Sie basiert auf der Autobiografie des Zeichners John Callahan.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 21-jährige John ist aus Oregon nach Los Angeles gekommen, wo er als Gebäudemaler jobbt. Gleichzeitig leidet er unter einem Alkoholproblem. Sein ebenso trunksüchtiger Freund Dexter überredet ihn zu einer nächtlichen Sauftour quer durch die Stadt. Betrunken schläft John auf dem Beifahrersitz ein, als Dexter mit seinem blauen VW Käfer einen schweren Autounfall verursacht. Während Dexter nur leichte Verletzungen davon trägt, wird John aus dem Wagen geschleudert und trägt eine Querschnittlähmung davon.

Bei der Reha im Krankenhaus macht John die Bekanntschaft mit der attraktiven Schwedin Annu. Nach seiner Genesung hat er eine wieder auftretende Halluzination über Akrobaten im Park. John schließt sich den Anonymen Alkoholikern an und wird in die unkonventionelle Selbsthilfegruppe des schwulen und reichen Hippies Donny aufgenommen. Dieser bezeichnet seine Schüler als „Ferkelchen“ und vertraut auf Laozi, Gott und Chucky. Durch die Gruppe trifft John u. a. auf die herzkranke, übergewichtige Reba, die geschiedene Lebedame Corky, einen schwulen Straßenpoeten und den Deutschen Hans.

Durch die regelmäßig Treffen gelingt es John allmählich sich von seinem Selbstmitleid und seinen Ausreden zu lösen. Gleichzeitig sucht er nach seiner leiblichen Mutter, da er als Kind adoptiert wurde. Die einzigen Informationen über sie sind, dass sie irisch-amerikanischer Abstammung, rothaarig und Lehrerin war. Als John von seinem Pfleger zu Hause eingeschlossen wird und an keinen Alkohol gelangen kann, erscheint ihm seine Mutter im Traum. Sie rät ihm, keinen Alkohol mehr anzurühren.

Nach dem Traum über seine Mutter absolviert John erfolgreich das Zwölf-Schritte-Programm der Anonymen Alkoholiker. Er trifft durch Zufall Annu wieder, mit der er eine Liebesbeziehung beginnt und verarbeitet seinen schrägen Witz mit ungelenk gezeichneten Comic-Figuren. Der anfänglichen Veröffentlichung in einem Uni-Blatt in Oregon folgen weitere in namhaften amerikanischen Tages- und Wochenzeitungen, bringen ihm aber auch Kritik ein. Durch den finanziellen Nebenerwerb droht zwischenzeitlich die Fürsorge die Zahlungen an John einzustellen, die ihn für eine zwielichtige Person hält.

John gelingt es im Rahmen der Gruppensitzungen seine schwierige Kindheit zu verarbeiten und beginnt, seinen Mitmenschen persönlich zu verzeihen, darunter seinen Eltern, seiner Sozialarbeiterin, dem Unfallfahrer Dexter und zuletzt seiner ihm unbekannten Mutter. Während Donnie an AIDS erkrankt, absolviert John auch den letzten Schritt und spricht über seine Alkoholsucht vor Publikum. Er ist mit sich ins Reine gekommen.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das biografische Filmdrama basiert auf den Memoiren des Cartoonisten John Callahan.[2] Dieser war dafür bekannt, in seinem Werk auf häufig makabere Art und Weise Behinderungen und körperliche Unzulänglichkeiten zu verarbeiten, aber auch Schwule, Alkoholiker, Katholiken und Bettler waren das Ziel seines Spotts.[3] Seit einem Autounfall mit 21 Jahren im Jahr 1972 war Callahan querschnittgelähmt und konnte seine Arme nur etwas bewegen. Daher rührt auch die grobe Strichführung seiner Karikaturen. Einige seiner Bücher sind auf Deutsch erschienen, darunter seine Autobiographie Don’t worry, weglaufen geht nicht, auf der der Film basiert.[3]

Gus Van Sant und Joaquin Phoenix bei der Vorstellung des Films im Rahmen der 68. Berlinale

Regie führte Gus Van Sant, der auch Callahans Memoiren für den Film adaptierte. Bereits in der Vergangenheit bewies der Regisseur in seinen Werken seine Vorliebe für außergewöhnliche Schicksale. So hatte er in Milk den schwulen Aktivisten Harvey Milk und in Last Days den Musiker Kurt Cobain porträtiert und in Good Will Hunting eine Coming-of-Age-Geschichte mit Matt Damon und Robin Williams gedreht. Letzterer war es auch, der Van Sant vorgeschlagen hatte, Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot zu verfilmen.[4] Williams hatte das Unfallopfer den „lustigsten Mann auf vier Rädern“ genannt und sich noch vor Callahans Tod im Jahr 2010 die Rechte an dessen Autobiografie gesichert.[3] Die Filmmusik wurde von Danny Elfman komponiert.[5] Der Soundtrack zum Film, der neben Elfmans Musik auch den Song Texas When You Go von John Callahan und ein Stück von Alex Somers enthält und insgesamt 23 Musikstücke umfasst, wurde am 13. Juli 2018 von Sony Classical veröffentlicht.[6]

Der Film feierte am 19. Januar 2018 im Rahmen des Sundance Film Festivals seine Premiere.[7][8] Ab 20. Februar 2018 wurde Van Sants Regiearbeit im Wettbewerb der 68. Berlinale[9] und zudem im Rahmen des Teddy Awards, einem eigenen Wettbewerb, gezeigt.[10] Im Juni 2018 wurde der Film beim Sydney Film Festival gezeigt.[11] Beim Seattle International Film Festival 2018 wurde er als Abschlussfilm gezeigt.[12] Ein Kinostart in den USA erfolgte am 13. Juli 2018, in Deutschland am 16. August 2018.[13]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film konnte bislang 75 Prozent der Kritiker bei Rotten Tomatoes überzeugen.[14]

Peter Debruge von Variety meint, der Avantgardist Gus Van Sant operiere in seinem Film wieder einmal im ultrakonventionellen Lasse-Hallström-Modus und habe ein hübsches Märchen geschaffen. Dem Wohlfühldrehbuch fehle es jedoch an Biss. Debruge erklärt, aus welchem Grund auch immer habe Van Sant sich mit dem Entzug in John Callahans Lebensgeschichte beschäftigt und den Film um das Zwölf-Schritte-Programm herum strukturiert, das ihn abstinent werden ließ. Der nicht-linear aufgebaute Film springe in der Zeit vor und zurück, was eine gewisse Unvorhersehbarkeit in diesen bringe.[15]

Jordan Hoffman von The Guardian sagt, es gebe im Film zwar viele großartige Momente, die jedoch inmitten eines Wirrwarrs seltsam flacher Szenen hervorspringen. Der Film fühle sich nicht wie die Arbeit eines großen Meisters an, so Hoffman weiter: „Es ist ein widersprüchliches Gebräu, das einfach nicht richtig passt.“[16]

Über Joaquin Phoenix in der Rolle von Callahan sagt Philipp Bühler von der Berliner Zeitung, es sei herzzerreißend mitanzusehen, wie dieser mit Armen und Zähnen Flasche um Flasche köpft. Mit alberner Freude verfolge man, wie der Gelähmte auf seinem neuen Elektroroller dahindüst, als wolle er seinen Unfall nachstellen, so Bühler weiter: „Keine Frage, der Charakterdarsteller Phoenix zeigt hier alles, was er kann.“[3]

Ula Brunner von RBB 24 meint, es sei befreiend, wie freimütig und auch komisch Van Sant mit den Schwierigkeiten umgehe, die die Schwerbehinderung seines Protagonisten mit sich bringt, ohne ihn der Lächerlichkeit preiszugeben. Brunner resümiert: „Eine liebevolle Künstlerbiografie, eine melancholisch-vergnügliche Überlebensstudie. Sehenswert!“[4]

Martin Schwickert sagt in der Augsburger Allgemeinen, van Sant schwenke mit einer locker gestrickten Rückblendendramaturgie zwischen alkoholischen Exzessen und allmählichem seelischen Heilungsprozess hin und her. Schwickert bezeichnet den Film als eine helle, federleichte Tragikomödie, der man allerdings ein bisschen mehr von jenem Sarkasmus wünsche, die Callahans Cartoons auszeichnen.[17]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Internationale Filmfestspiele Berlin 2018

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Don’t Worry, weglaufen geht nicht – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Don’t Worry, weglaufen geht nicht. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 179953/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. Isabella Scholda: Berlinale 2018: „Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot“ In: Neue Zürcher Zeitung, 14. Februar 2018.
  3. a b c d Philipp Bühler: Gus van Sant im Berlinale-Wettbewerb: Tröstendes Seelenkino mit Joaquin Phoenix In: Berliner Zeitung, 20. Februar 2018.
  4. a b Ula Brunner: Filmkritik „Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot“ – Porträt eines ungewöhnlichen Überlebenskünstlers In: rbb24.de, 20. Februar 2018.
  5. Danny Elfman Scoring Gus Van Sant’s ‘Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot’ In: filmmusicreporter.com, 1. August 2017.
  6. 'Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot' Soundtrack Details In: filmmusicreporter.com, 10: April 2018.
  7. 2018 Sundance Film Festival: Feature Films Announced In: sundance.org, 29. November 2017.
  8. Programm des Sundance Film Festivals 2018 In: sundance.org. Abgerufen am 13. Januar 2018. (PDF; 258 KB)
  9. Pressemitteilungen Wettbewerb 68. Berlinale In: berlinale.de, 22. Januar 2018.
  10. Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot In: teddyaward.tv. Abgerufen am 7. Februar 2018.
  11. Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot. In: sff.org.au. Abgerufen am 16. Juni 2018.
  12. https://www.backstage.com/news/awards-season/seattle-intl-film-festival-2018-rewards-eighth-grade-ethan-hawke/
  13. Starttermine Deutschland In: insidekino.com. Abgerufen am 16. Juni 2018.
  14. Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot In: Rotten Tomatoes. Abgerufen am 20. Juli 2018. Anmerkung: Das Tomatometer bei Rotten Tomatoes gibt an, wie viel Prozent der angemeldeten Kritiker dem Film eine positive Bewertung gegeben haben.
  15. Peter Debruge: ‘Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot’ Review In: Variety, 19. Januar 2018.
  16. Jordan Hoffman: ‘Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot’ Review In: The Guardian, 19. Januar 2018.
  17. https://www.augsburger-allgemeine.de/kultur/Auf-dem-iPhone-gefilmt-und-auf-der-Berlinale-gezeigt-id44287426.html