Eberhard Kessel

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Eberhard Kessel (* 1. April 1907 in Hannover; † 17. Januar 1986 in Mainz) war ein deutscher Historiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eberhard Kessel, Sohn des Staatsanwalts Paul Kessel und seiner Frau Helen, einer geborenen Woolnough, besuchte von 1917 bis 1925 Gymnasien an verschiedenen Orten. Nach dem Abitur nahm er ein Geschichtsstudium an der Universität Leipzig auf, das er bald in Berlin fortsetzte und um Philosophie und Klassische Philologie ergänzte.[1] Albert Brackmann, Fritz Hartung und Friedrich Meinecke waren dort seine akademischen Lehrer.

Seit 1928 war Kessel wissenschaftlicher Assistent an der Berliner Universität, wo er 1931 bei Brackmann und Robert Holtzmann[1] über Die Magdeburger Geschichtsschreibung im Mittelalter bis zum Ausgang des 12. Jahrhunderts promovierte. Seine nach Förderung durch die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft 1936 abgeschlossene Habilitationsschrift Quellen und Untersuchungen zur Geschichte der Schlacht bei Torgau betreute Walter Elze, ein Spezialist für die Epoche Friedrichs des Großen.

In der Zeit des Nationalsozialismus erhielt Kessel jedoch keine Dozentur, „da er nicht bereit war, dem Nationalsozialismus Konzessionen zu machen.“[2] In amerikanischer Kriegsgefangenschaft allerdings konnte er eine akademische Lehrtätigkeit aufnehmen:

Grab von Eberhard Kessel auf dem Hauptfriedhof in Mainz

„Im Lager Dermott im Staate Arkansas wurde eine Lageruniversität eingerichtet, und Dr. Kessel wurde zum Ordinarius der geschichtswissenschaftlichen Abteilung bestellt“

Konstantin Udo Meyl[3]

Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft wurde Kessel im Mai 1946 Dozent an der Philipps-Universität Marburg[4] und 1954 ebendort außerplanmäßiger Professor. Von 1962 bis 1973 war er Inhaber des Lehrstuhls für Mittlere, Neuere und Neueste Geschichte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Außerdem fungierte er als Dekan (1968/69) und Prodekan (1969–1971).

Kessel war verheiratet und Vater von zwei Kindern.

Leistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kessel war vor allem Geistes- und Ideenhistoriker und nahm dabei eine zwischen Leopold von Ranke und Friedrich Meinecke liegende Haltung ein, dessen Werke er mit herausgab. Als solcher versuchte er, die in der Geschichte wirksamen Ideen zu ergründen und sie als Grundlage der Gegenwart zu verstehen. Daher betrachtete er die Geschichte nie als Wissenschaft „von totem Fakten- und Datenwissen“.[2]

Neben seinen Arbeiten zur Ideengeschichte forschte Kessel immer wieder zur Militärgeschichte: Die strategische Planung militärischer Operationen untersuchte er vor allem bei Carl von Clausewitz und Helmuth von Moltke, aber auch bei Friedrich dem Großen, Scharnhorst, Gneisenau und Schlieffen. Er war Mitglied, ab 1970 Vizepräsident, der Internationalen Kommission für Militärgeschichte.[1]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bibliographie in: Heinz Duchhardt (Hrsg.): Festschrift für Eberhard Kessel zum 75. Geburtstag. Fink, München 1982, ISBN 3-7705-2080-7, S. 365–370.

  • Die Magdeburger Geschichtsschreibung im Mittelalter bis zum Ausgang des 12. Jahrhunderts. In: Sachsen und Anhalt. Jahrbuch der Historischen Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt 7, 1931, S. 109–184 (zugleich: Dissertation, Berlin 1931).
  • Quellen und Untersuchungen zur Geschichte der Schlacht bei Torgau. Junker und Dünnhaupt, Berlin 1937 (Schriften der Kriegsgeschichtlichen Abteilung im Historischen Seminar der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin. Allgemeine Reihe, 17; zugleich: Habilitationsschrift, Berlin 1936).
  • Zeiten der Wandlung. Hauptepochen abendländischer Geschichte. Van der Horst, Hamburg 1950.
  • Moltke. Koehler, Stuttgart 1957.
  • Wilhelm v. Humboldt. Idee und Wirklichkeit. Koehler, Stuttgart 1967.
  • Militärgeschichte und Kriegstheorie in neuerer Zeit. Ausgewählte Aufsätze. Hrsg. und eingel. von Johannes Kunisch. Duncker & Humblot, Berlin 1987, ISBN 3-428-06249-3 (Historische Forschungen, 33).
  • Das Ende des Siebenjährigen Krieges. 1760–1763. Textband und Kartenschuber. Im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes hrsg. von Thomas Lindner. Schöningh, Paderborn u. a. 2007, ISBN 978-3-506-75706-7.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Kessel, Eberhard. In: Wolfgang Weber: Biographisches Lexikon zur Geschichtswissenschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Lehrstuhlinhaber für Geschichte von den Anfängen des Faches bis 1970. 2. Auflage. Lang, Frankfurt am Main [u. a.] 1987.
  2. a b Konrad Fuchs: Kessel, Eberhard. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 17, Bautz, Herzberg 2000, ISBN 3-88309-080-8, Sp. 781–788.
  3. Zitiert nach: Konrad Fuchs: Kessel, Eberhard. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 17, Bautz, Herzberg 2000, ISBN 3-88309-080-8, Sp. 781–788.
  4. Kessel, Eberhard. In: Handbuch der deutschen Wissenschaft. Bd. 2: Biographisches Verzeichnis. Koetschau, Berlin 1949.