Edith Rosenbaum

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Edith Rosenbaum 1911

Edith Louise Rosenbaum (* 12. Juni 1879 in Cincinnati, Hamilton County, Ohio; † 4. April 1975 in London, England) war eine US-amerikanische Modejournalistin, Designerin und eine anerkannte Persönlichkeit in der internationalen Modebranche der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ferner war sie als Kriegsberichterstatterin im Ersten Weltkrieg und als Überlebende des Untergangs der Titanic bekannt.

Karriere[Bearbeiten]

Rosenbaum stammte aus einer wohlhabenden jüdischen Familie aus Cincinnati. Ihr Vater, Harry Rosenbaum, war Direktor des Konfektionsherstellers Louis Stix & Company. Ihre Mutter war Sophia Rosenbaum (geb. Hollstein). 1902 zog die Familie nach New York. Edith Rosenbaum interessierte sich schon sehr früh für Mode und Journalismus. Ihre Laufbahn als Modejournalistin begann 1908, als sie nach Paris ging, um dort zunächst als Einkäuferin und Beraterin für das Modeunternehmen Maison Cheruit am Place Vendôme zu arbeiten. Zugleich schrieb sie für das Modemagazin La dernière heure á Paris, das von der Pariser Abteilung des Wanamaker Department Store herausgegeben wurde. Außerdem war sie als Kolumnistin für den Butterick Pattern Service tätig.

Ab 1910 machte sich Rosenbaum vor allem als Korrespondentin des damals populären Damenmodemagazins Women’s Wear Daily einen Namen. In dieser Funktion berichtete sie über den aktuellen französischen Modetrend und schrieb Essays und Kolumnen über Modenschauen und Präsentationen. Ihre Artikel über die Neuheiten erschienen wöchentlich, dazu kamen regelmäßig Berichte über die kommende Saison.

1912 führte Rosenbaum einen Einzelhandel als Beraterin und Einkäuferin in Paris und beriet bekannte Persönlichkeiten wie die Broadwayschauspielerin Ina Claire oder die Opernsängerin Geraldine Farrar. Zur selben Zeit brachte sie ihre erste eigene Modelinie mit dem Namen „Esrole“ für das New Yorker Warenhaus Lord & Taylor heraus. Zwischen 1914 und 1919 war sie Pressesprecherin und PR-Managerin für Chambre syndicale de la haute couture française.

Während des Ersten Weltkrieges machte sich Rosenbaum als eine der ersten weiblichen Kriegsberichterstatterinnen einen Namen. Für den New York Herald schrieb sie ab 1916 direkt von der Front und begab sich sogar in die Schützengräben. Aufgrund des intensiven anti-deutschen Klimas während des Krieges trat sie ab 1918 unter dem Pseudonym „Edith Russell“ auf, da sie fürchtete, wegen ihres eigentlichen Namens Rosenbaum für eine Deutsche gehalten zu werden. Auch die Boykottversuche der französischen Modeindustrie gegenüber deutschen bzw. deutsch klingenden Händlern trugen zu dieser Entscheidung bei.

1923 wurde sie von der Associated Dress Industries of America für ihre Verdienste ausgezeichnet und zwei Jahre später von der International Ladies’ Garment Workers Union für Ihre Arbeit während des Krieges geehrt. In den 1920ern schrieb Rosenbaum zusätzlich für die Zeitschriften Cassell’s in London und Moda in Rom. Ab 1934 zog sie sich langsam aus der Modeindustrie zurück.

Titanic[Bearbeiten]

Im Frühjahr 1912 hatte sie von den jährlichen Ostersonntagsrennen in Paris berichtet und wollte als Passagierin auf der RMS Titanic in die Vereinigten Staaten zurückkehren. Sie belegte die Erste-Klasse-Kabine A-11. Für die Unterbringung ihrer 19 Schrankkoffer hatte sie zusätzlich die Kabine E-63 gebucht. Als sie sich im Vorfeld der Reise um eine Schadensversicherung für ihr zahlreiches Gepäck bemühte, sagte man ihr, das sei nicht nötig, da das Schiff „unsinkbar“ sei. In der Nacht des Untergangs schloss sie alle Schrankkoffer ab, nahm die Schlüssel mit sich und begab sich auf das Bootsdeck, wo man ihr auf der Steuerbordseite in das Rettungsboot Nr. 11 half, das die Titanic mit 70 Personen an Bord verließ. Wegen ihres knöchellangen Rocks musste sie von zwei Männern untergehakt und über die Reling gehoben werden. Im Verlauf der Nacht erregte sie den Unmut der anderen Passagiere im Boot, da sie immer wieder ein Spielschwein erklingen ließ, um die Kinder im Boot aufzuheitern.

Rosenbaum verklagte die White Star Line anschließend wegen Verlustes ihres Gepäcks und persönlicher Unannehmlichkeiten. Es war eine der höchsten Klagen, die im Rahmen des Titanic-Unglücks gegen die Reederei erhoben wurden. Sie versuchte sich als Autorin und schrieb einen Erlebnisbericht über den Untergang. Da sie keinen Verleger fand, wurde er nie veröffentlicht.

Rosenbaum mit dem berühmten Spielschwein (1912)

In späteren Jahren war Rosenbaum Ehrengast bei zahlreichen Veranstaltungen bezüglich der Titanic, zum Beispiel der New Yorker Premiere des Films Untergang der Titanic von 1953 mit Barbara Stanwyck. Sie gab zahlreiche Fernseh- und Zeitungsinterviews, etwa dem Life Magazin oder dem Autor Walter Lord, der ihre Geschichte für sein Buch Die letzte Nacht der Titanic (Originaltitel: A Night To Remember) verwendete. Als das Buch 1958 von Roy Ward Baker verfilmt wurde, bat man Rosenbaum als Beraterin zur Seite zu stehen, da sie in dem Film porträtiert wurde. Bei ihren TV-Auftritten zeigte sie oft das berühmte Spielschwein, mit dem sie 1912 Schlagzeilen gemacht hatte (es spielte die Melodie der Maxixe). 1963 wurde sie zum Ehrenmitglied der Titanic Historical Society ernannt.

Privatleben[Bearbeiten]

1911 überlebte Edith Rosenbaum in Frankreich einen schweren Autounfall, bei dem ihr Verlobter, der wohlhabende deutsche Waffenfabrikant Ludwig Loewe, ums Leben kam. Sie war mit Freunden auf dem Weg zu den Pferderennen im nordfranzösischen Seebad Deauville im Department Calvados gewesen.

Nachdem sie sich Mitte der 1930er aus dem aktiven Berufsleben zurückgezogen hatte, verbrachte Rosenbaum ihre Zeit vor allen Dingen mit ausgedehnten Reisen und Auslandsaufenthalten. Sie war eine beliebte Gastgeberin, die häufig Matineen und Abendessen für Freunde, Verwandte und Geschäftspartner gab. Auch war sie mit vielen Persönlichkeiten aus Politik und Showbusiness bekannt. Während eines Aufenthalts in Rom tanzte sie auf einer Dinnerparty mit Benito Mussolini, außerdem züchtete sie Hunde für den französischen Sänger Maurice Chevalier. Zudem unterhielt Rosenbaum eine enge Freundschaft mit dem Schauspieler Peter Lawford und dessen Frau Patricia Kennedy, die sie zu einer Patin für ihre Kinder machten.

Nachdem Rosenbaum jahrelang zwischen New York und Paris gependelt war, ließ sie sich Mitte der 1940er Jahre im Londoner Hotel Claridge’s nieder. Anschließend bezog sie eine Dauersuite im noblen Embassy House Hotel. Ihre letzten Jahre verbrachte Rosenbaum in London und wurde in späteren Jahren als exzentrisch beschrieben. Rosenbaum starb 1975 nach kurzer Krankheit im Mary-Abbott-Krankenhaus in London im Alter von 98 Jahren. Da sie nie geheiratet und Kinder bekommen hatte, hinterließ sie nur einige entfernte Cousins und Cousinen.

Weblinks[Bearbeiten]