Ehmen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum deutschen Bildhauer siehe Kurt Schmid-Ehmen.

Koordinaten: 52° 23′ 54″ N, 10° 41′ 49″ O

Ehmen
Stadt Wolfsburg
Wappen des Ortsteiles
Höhe: 69 m
Einwohner: 5655 (31. Dez. 2015)
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 38442
Vorwahl: 05362
Ehmen (Niedersachsen)
Ehmen

Lage von Ehmen in Niedersachsen

Lage in Wolfsburg
Lage in Wolfsburg

Ehmen ist ein Stadtteil im Westen der Stadt Wolfsburg, der am Bach Mühlenriede im Riedetal liegt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Haufendorf Ehmen wird urkundlich erstmals 942 in einer Magdeburger Urkunde als Gimin erwähnt. 1269 wird Graf Hermann von Woldenberg als Grundherr des Dorfes genannt, als er dem Aegidienkloster in Braunschweig ein Teil seines Besitzes in Ehmen übereignet. Im 14. Jahrhundert gehörte das Dorf zum Herzogtum Braunschweig-Lüneburg und zählte 1489 27 Hofstellen. Laut einem Siedlungsverzeichnis um 1850 bestanden zu dieser Zeit 43 Bauernhöfe. Im 17. Jahrhundert wurde Ehmen Sitz eines Gografen, eines niederen Verwaltungsbeamten. Es gehörte in dieser Zeit zum Amt Fallersleben, das dem Kurfürstentum Hannover unterstand.

Anfang des 20. Jahrhunderts baute die Gewerkschaft "Einigkeit I" in Ehmen Kalisalz ab. Ab 1915 wurde zusätzlich Steinsalz gewonnen. Der Bergbau ging in Teufen zwischen 300 und 750 Meter um. Das Grubengebäude war über zwei Schächte aufgeschlossen. 1925 wurde der Betrieb aufgrund der niedrigen Kali-Gehalte wieder eingestellt. 1937 wurde bei Ehmen ein Großtanklager der Luftwaffe („Lufttanklager“) eingerichtet, das Anfang 1939 fertiggestellt wurde. Unterirdische Rohrleitungen transportierten den Kraftstoff zum Braunschweiger Flughafen Waggum. Anfang 1945 wurde das Gelände durch britische Bomber angegriffen und stark beschädigt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die militärischen Anlagen durch die britische Besatzungsmacht demontiert.

Am 1. Juli 1972 wurde Ehmen, das aus dem Landkreis Gifhorn stammt, in die Stadt Wolfsburg eingegliedert.[1]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsrat und Ortsbürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehmen bildet gemeinsam mit dem benachbarten Stadtteil Mörse die Ortschaft Ehmen-Mörse, die durch einen Ortsrat vertreten wird. Ortsbürgermeister ist Peter Kassel (CDU).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Entwurf des Wappens von Ehmen stammt von dem in Isernhagen geborenen und später in Hannover lebenden Heraldiker und Wappenmaler Gustav Völker, der schon die Wappen von Großburgwedel, Mellendorf, Wunstorf und vielen anderen Ortschaften in der Region Hannover[2] entworfen hat. Der Gemeinderat beschloss das Wappen am 26. März 1960, und der lüneburgische Regierungspräsident genehmigte es am 3. Mai desselben Jahres.[3]

Wappen von Ehmen
Wappenbeschreibung: „In Grün schweben über einem aus silbernen Wellen ragenden goldenen Mühlrad ein dreiblättriger silberner Lindenzweig, durchsteckt von einem goldgegrifften silbernen Schwert, das mit einem goldenen Stab schräggekreuzt ist.“
Wappenbegründung: In dem Wappen der früheren Gemeinde Ehmen, seit dem 1. Juli 1972 ein Stadtteil von Wolfsburg, haben drei Symbole der Justiz einen Ehrenplatz gefunden. Die Vorfahren hielten gern unter markanten Bäumen Gericht, so unter Linden (Gerichtslinden). Ehmen war früher Sitz einer Gografschaft. Das Richtschwert als nicht nur dekoratives, sondern tätiges Werkzeug der Strafgerichtsbarkeit, und der Richtstab, der sprichwörtlich über einem zum Tode verurteilten armen Sünder (oder einer Sünderin) gebrochen wurde, sind weitere Zeugnisse der strengen Rechtsordnung vergangener Zeiten. Mühlrad und Wasser stehen stellvertretend für die Mühlenriede.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St.-Ludgeri-Kirche
  • Der Bach Mühlenriede wurde an zwei Abschnitten renaturiert: Südlich von Mörse und Ehmen auf 1300 m Länge ("Mühlenriede I", 2005) und südlich von Ehmen auf 400 m Länge ("Mühlenriede II", 2008)
  • Die evangelisch-methodistische Erlöserkirche wurde 1963 erbaut.

Kulturdenkmale:[4]

  • Die evangelisch-lutherische St.-Ludgeri-Kirche wurde 1897 als neugotischer, roter Backsteinbau errichtet. Am 29. November 2015 wurde von Dieter Rathing eine neu erbaute Kapelle eingeweiht, die als Taufkapelle und Kolumbarium dient.[5]
  • Schräg hinter der Kirche am Küsterberg 9 gelegen findet sich die Schule, ebenfalls als gotisierendes rotes Backsteingebäude.
  • Am Ortsrand von Ehmen an der Dammstraße 10 wurde die Friedhofskapelle ebenfalls als roter Backsteinbau fast zeitgleich mit der Kirche erbaut.
  • Auf den Fundamenten eines aufgegebenen Kalibergwerkschachtes entstand an der Mörser Straße der Wasserturm von Ehmen. Dort steht auf einer Inschrift geschrieben: "AN DIESER STELLE WURDE VON 1889 BIS 1925 KALI UND ANDERE SALZE GEFÖRDERT".
  • An der Fallerslebener Straße 18 steht der Amtshof, auch Rübenburg genannt, nach den in der Region durch Zuckeranbau reich gewordenen Bauern.
  • Als sehr selten gewordene erhaltene Erinnerung an eines der wichtigsten früheren Handwerkskünste ist am Sandberg 1 die Schmiede von 1860 als kleiner Ziegelfachwerkbau zu finden.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grundschule Ehmen-Mörse (Ganztagsschule, dreizügig, Klassen 1-4)
  • DRK-Kindertagesstätte Ehmen
  • Kerkenkita St. Ludgeri

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ehmen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 221.
  2. Landkreis Hannover: Wappenbuch Landkreis Hannover. Im Selbstverlag des Autors veröffentlicht, Hannover 1985
  3. Arnold Rabbow: Braunschweigisches Wappenbuch - Mit Gandersheim, Gifhorn, Goslar, Helmstedt, Peine, Salzgitter, Wolfenbüttel und Wolfsburg. Verlag: Eckensberger & Co, Braunschweig 1977
  4. Braunschweigische Landschaft e. V. (Hrsg.): Kulturdenkmale Stadt Wolfsburg. Appelhans Verlag, Braunschweig 2004, ISBN 3-937664-05-X, Seite 74-80
  5. Einweihung der Kapelle landeskirche-hannovers.de vom 1. Dezember 2015, abgerufen am 4. Dezember