Elisabeth Kübler-Ross

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Elisabeth Kübler-Ross (* 8. Juli 1926 in Zürich; † 24. August 2004 in Scottsdale, Arizona) war eine schweizerisch-US-amerikanische Psychiaterin. Sie befasste sich mit dem Tod und dem Umgang mit Sterbenden, mit Trauer und Trauerarbeit sowie mit Nahtoderfahrungen und ist eine der Begründerinnen der modernen Sterbeforschung.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elisabeth Kübler-Ross wurde als Drillingsschwester und Kaufmannstochter 1926 in Zürich geboren. Sie schloss 1957 ihr Medizinstudium an der Universität Zürich ab.[1] Mit ihrem Ehemann Emanuel „Manny“ Ross siedelte sie 1958 in die USA über. Nach Aufenthalten in New York und Denver wurde sie 1965 Assistenzprofessorin für Psychiatrie an der Medizinischen Fakultät der University of Chicago. Dort beteiligte sie sich an Seminaren der Klinikseelsorge zur Begleitung Sterbender. Sie verstand sich als intuitive Psychiaterin und ihr Engagement für Sterbende als ihre Berufung.

Ihre Ehrlichkeit stand ihrer Meinung nach im Widerspruch zu der Art und Weise, wie Medizin normalerweise in Krankenhäusern praktiziert wurde. Sie stellte fest, dass viele Ärzte der Realität des Todes gewöhnlich aus dem Weg gingen. Im Unterschied dazu besuchte sie todkranke Patienten und sprach mit ihnen. Diese Gespräche (Interviews) führte sie zusammen mit den Seelsorgern der Klinik und Medizinstudenten durch. Von ihren Befragungen berichtete sie in ihrem Buch „On Death and Dying. What the dying have to teach doctors, nurses, clergy, and their own families“ (1969). Mit dieser Publikation und einer offensiven Vermarktung wurde sie, insbesondere ihr Phasenmodell, weltbekannt (deutsch: „Interviews mit Sterbenden“ 1971).

Ihr Ziel war es, von den Sterbenden zu lernen, wie man mit ihnen umgehen sollte und welche Hilfe sie sich erhoffen. Zu diesem Zweck interviewte sie wie andere Sterbeforscher ihrer Zeit auch 200 unheilbar kranke Menschen. Während der Gespräche wurden die Betroffenen direkt auf ihre Gefühle und Gedanken zu Tod und Sterben angesprochen. Vor allem Ärzte ihrer Klinik erregten sich über dieses Vorgehen. Die interviewten Patienten waren dagegen laut Kübler-Ross dankbar für diese Zuwendung. Kübler-Ross selbst betont in ihrem Buch, dass Sterbende „ihren persönlichen Stil, ihre gewohnten Verhaltensweisen“ auch im Sterben nicht aufgeben. Das hält sie aber nicht davon ab, „Phasen darzustellen, die der Mensch durchzumachen hat, wenn er eine unheilvolle Nachricht erhält“.

Durch zahllose Workshops und Vorträge über Sterben und Tod, die sie rund um den Globus hielt, gab sie insbesondere Ärzten, Pflegekräften, Sozialarbeitern und Seelsorgern wichtige Impulse zum Umgang mit sterbenden und trauernden Menschen. Ihre Kernbotschaft war dabei, dass die Helfenden zuerst ihre eigenen Ängste und Lebensprobleme („unerledigten Geschäfte“) so weit wie möglich zu klären haben und ihr eignes Sterben akzeptieren müssen, ehe sie sich den Menschen am Lebensende hilfreich zuwenden können.

Nach 1974 wurde aus der Psychiaterin eine New-Age-Heilerin, die sich Geistheilern anschloss und sich von den Geistern Salem und Pedro führen ließ. 1977 erklärte sie, dass der Tod nicht existiert. In ihrer Autobiographie "Das Rad des Lebens" (2002) hat sie diesen Wandel ausführlich beschrieben. Ihre Behauptung, ein Leben nach dem Tod wissenschaftlich beweisen zu können, löste heftige Kontroversen aus.[2] Ihre Behauptungen begründete sie mit leibhaften Begegnungen mit Verstorbenen, zum Beispiel mit ihrem verstorbenen, von ihr geschiedenen Ehemann und Jesus.[3] 1977 gründete sie ein spirituelles Zentrum, das aber nach kurzer Zeit durch Unwetter und Brand zerstört wurde. Ein zweiter Versuch auf einer Farm in Virginia ein Hospiz für AIDS-kranke Kinder nach dem Vorbild der Ärztin Cicely Saunders zu errichten scheiterte ebenso; beim Brand dieser Farm verlor Kübler-Ross sämtliche Aufzeichnungen über ihre Arbeit.[4]

Sie wurde 1985 Professorin an der Universität von Virginia. 1995 erlitt sie einen Schlaganfall, auf den zwei weitere folgten und sie in den Rollstuhl brachten. Kübler-Ross resümiert am Ende ihre Autobiographie: "Die schwerste Lektion ist die bedingungslose Liebe. Der Tod ist nichts, was du fürchten müsstest. Er kann zur schönsten Erfahrung deines Lebens werden. Alles hängt davon ab, wie du gelebt hast. Der Tod ist nur Übergang von diesem Leben zu einer anderen Existenz, in der es keinen Schmerz und keine Angst mehr gibt. Mit Liebe lässt sich alles ertragen."

In der filmischen Dokumentation ihres Lebens mit dem Titel Dem Tod ins Gesicht sehen (Stefan Haupt, 2002) sagte Elisabeth Kübler-Ross: „Heute bin ich sicher, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Und dass der Tod, unser körperlicher Tod, einfach der Tod des Kokons ist. Bewusstsein und Seele leben auf einer anderen Ebene weiter. Ohne jeden Zweifel.“

Die todkranke Sterbeforscherin haderte mit ihrem Schicksal, litt unter ihrer Einsamkeit und protestierte heftig gegen ihr Leiden. Schlaganfälle, Lähmungen und große Schmerzen setzten ihr zu und sie war allein. Ihre Drillingsschwester Erika Faust-Kübler wundert sich in dem Dokumentarfilm von Stefan Haupt "Elisabeth Kübler-Ross – Dem Tod ins Gesicht sehen" über ihre Schwester: „Sie will noch bestimmen, wann sie gehen kann. Ich glaube, sie kann nicht loslassen. Sie ist einfach noch nicht bereit. Und irgendwie irritiert es mich auch. Sie hat so viel über Tod und Sterben geschrieben, es sogar verherrlicht. Jetzt, da ihre Zeit kommt, sagt sie: ‚Ich muss noch dies und das machen.‘“ Die beiden Drillingsschwestern meinten, ein Esoteriker habe ihrer Schwester vieles beigebracht und sie hielten das für "Hokuspokus". Sie sei auf einem gefährlichen Trip gewesen: „Beth, hör auf mit dem spinnigen Zeug. Bleib auf dem Boden. Erzähl, was du weißt, aber nicht mehr.“

Die fünf Phasen des Sterbens in ihrem Kontext[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kern ihres Buches "On Death and Dying" ist ein Phasenmodell, mit dem sie das Erleben und Verhalten Sterbender beschreibt. Kübler-Ross befasst sich im 1. Kapitel ausführlich mit der "Angst vor dem Tod " und im 2. Kapitel mit "Verhaltensweisen gegenüber Tod und Sterben". Dann folgt die Darstellung der fünf Phasen in jeweils einem eigenen Kapitel mit Fallbeispielen. Danach widmet sie ein eigenes Kapitel der "Hoffnung", die bei den Patienten in allen Phasen vorhanden ist. Sodann folgen Kapitel über "Die Familie des Kranken", "Interviews mit Kranken im Endstadium" und "die psychische Behandlung Kranker im Endstadium. Die englische Ausgabe schließt mit einem umfangreichen Literaturverzeichnis, in dem Fachliteratur ihrer Zeit zu Sterben und Tod zusammengestellt ist. In der deutschen Ausgabe fehlen sowohl das Literaturverzeichnis als auch die Danksagung. Der Sterbeprozess beginnt mit der Aufklärung über die tödliche Erkrankung durch den Arzt. Auf die Nachricht, unheilbar erkrankt zu sein, reagiert der Patient stufenweise. Kübler-Ross definierte fünf Phasen des Sterbeprozesses. Sie verstand diese Phasen ursprünglich als Reaktion auf jede Art von Verlust (z. B. Arbeitsplatz oder auch Freiheit), von Trauer und Leiden. Es werden keine Phasen des körperlichen Sterben beschrieben, sondern die geistige Verarbeitung des Abschieds vom Leben bei Menschen, die bewusst massive gesundheitliche Verschlechterungen erleiden bzw. mit einer infausten Diagnose und Prognose konfrontiert worden sind. Diese Phasen sind mitunter auch bei den Angehörigen zu beobachten. Es handelt sich um unbewusste Strategien zur Bewältigung extrem schwieriger Situationen, welche nebeneinander vorhanden sein und verschieden lang andauern können. Es gibt auch keine festgelegte Reihenfolge und keinen Ausschluss der Wiederholung einzelner Phasen nach deren erstmaliger Bewältigung. Es können auch einzelne Phasen ganz ausbleiben. Zudem können sich gemäß Engelke[5] die Phasen überschneiden und „die eine Phase ist stärker ausgeprägt als die andere; bei dem einen Kranken überwiegt diese Phase, beim anderen jene Phase“.

Nicht wahrhaben wollen und Isolierung (Denial)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Krankheit wird zuerst vom Patienten geleugnet. Er behauptet beispielsweise, dass das Röntgenbild vertauscht worden sei oder der Arzt eine Fehldiagnose gestellt habe. Falls die Familie sich nicht mit dem Tod auseinandersetzen will, kann sie dem Angehörigen in dieser Phase nicht helfen. Die Konsequenz bedeutet für die Angehörigen, dass sie den Tod des Sterbenden herbeisehnen („Stirb so schnell wie möglich“). Als Außenstehender kann man dem Patienten helfen, indem man ihm Vertrauen anbietet und den Kranken eventuell in seinem Nichtwahrhabenwollen unterstützt.

Zorn (Anger)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Patient verspürt Neid auf die Weiterlebenden. Das führt zu unkontrollierbaren Wutausbrüchen auf alle, die nicht an seiner Krankheit leiden, wie z. B. Schwestern, Pfleger, Ärzte und Angehörige. Diese können weiter ihr Geld verdienen, es in Urlauben ausgeben und ihre Pläne realisieren. Die Angst, vergessen zu werden, plagt den Sterbenden zudem, er empfindet sein Leiden vor dem Hintergrund der Katastrophen im Fernsehen als unwichtig. Hilfe für den Patienten kann Aufmerksamkeit sein, dem Patienten nicht aus dem Weg zu gehen und seinen Zorn notfalls zu provozieren, so dass es zur Aussprache kommt. Wichtig dabei bleibt, dass die Betreuenden den Zorn des Patienten nicht persönlich nehmen sollen, da der Zorn sonst Gegenzorn provoziert, was eine Spirale des Streits nach sich zieht.

Verhandeln (Bargaining)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Phase stellt eine kurze flüchtige Phase dar, in der kindliche Verhaltensweisen zu Tage kommen, wie die eines erst zornigen, dann verhandelnden Kindes, das sich mit häuslichen Tätigkeiten eine Belohnung erhandeln will. Der Patient hofft durch „Kooperation“ auf Belohnung, etwa eine längere Lebensspanne und Freiheit von Schmerzen. Meist wird der Handel streng geheim mit Gott geschlossen, indem er sein Leben der Kirche widmet oder seinen Körper der anatomischen Lehre und Wissenschaft zur Verfügung stellt. Um dem Patienten in dieser Phase beizustehen, hilft es, seinen Schuldgefühlen beispielsweise gegenüber Gott oder seinen Mitmenschen mitunter befreiende Anerkennung einzuräumen.

Depression[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstarrung, der Zorn und die Wut werden in zwei Formen von Verzweiflung und Verlust abgelöst. Die erste Form ist reaktiv. Sie bezieht sich auf einen bereits geschehenen Verlust, d. h. beispielsweise die Brust nach einer OP, das Geld für das Krankenhaus, die Verantwortung gegenüber der Familie. Durch Bekämpfung dieser Sorgen mit beispielsweise einer Brustprothese oder der erforderlichen Umstellung der Familienversorgung kann dem Leidenden geholfen werden. Die zweite Form ist vorbereitender Natur und kümmert sich um einen drohenden Verlust wie den Tod oder die Abwesenheit im Leben der Verwandten. Auch hier kann Intervention des Umfeldes dem Patienten in seinem Leiden Linderung verschaffen, z. B. durch Berichte von den Angehörigen, dass Kinder weiter gute Noten schreiben und viel spielen, d. h. dass sie trotz Abwesenheit des Patienten das gewohnte Leben fortführen. Zu viel Besuch stört jedoch das Trauern, das dem Kranken immer erlaubt sein muss. Ohne subjektives Kennen der Angst und der Verzweiflung ist kein Erreichen der nächsten Phase in Sicht.

Akzeptanz (Acceptance)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Neid und Zorn auf alle Gesunden und Lebenden erwartet der Kranke den Tod und dehnt seinen Schlaf aus. Die Phase ist frei von Gefühlen, der Kampf ist vorbei, der Schmerz vergangen und der Patient will von den Problemen der Außenwelt in Ruhe gelassen werden. Somit ist dies die schwierigste Phase für die Personen im Umfeld des Sterbenden, da sie auch Zurückweisungen erfahren müssen. Alte Patienten erreichen diese Phase der Zustimmung leichter. Sie blicken auf ihr Leben und einen für sich erkannten Sinn (z.B. eigene Kinder) zurück. Schwierigkeit in diesem Prozess macht die Unterscheidung dieser Phase gegenüber frühem Aufgeben. Als Angehöriger hilft man am besten durch stummes Zuhören, indem man dadurch zeigt, dass man bis zum Tod dabei bleibt.

In alle Phasen äußern Sterbenskranke direkt oder indirekt ihre Hoffnung, nicht sterben zu müssen. Es wäre ein Fehler dem Sterbenden seine Hoffnung zu nehmen. Es ist Aufgabe der Angehörigen, Pflegenden und der Ärzte, die Hoffnung aufrechtzuerhalten. Dazu kann man dem Sterbenden vermitteln, dass ihm jede nötige Hilfe und Erleichterung zukommt. Auf diese Weise werden die Begleiter zu Freunden.

Untersuchungen zu Nahtoderfahrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kübler-Ross beschäftigte sich nach 1975 auch mit dem Phänomen der Nahtoderfahrungen.[6]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Phasenmodell wird zumeist ohne seinen Kontext im Buch, unreflektiert und unkritisch übernommen, sowohl in Fachbüchern zur Pflege[7] als auch zur Palliativmedizin.[8] Die Mehrzahl der Sterbeforscher lehnt das Phasenmodell von Kübler-Ross und auch andere Modelle, die das Sterben mit gestuften Verhaltensweisen beschreiben, aus wissenschaftlichen Gründen ab.[9]

Kübler-Ross selbst und viele andere bewerten Buch und Modell als Standardbuch der Sterbeforschung. Erstmals seien von ihr Sterbende interviewt, das Tabu des Todes gebrochen und neue Erkenntnisse über das Erleben Sterbender gewonnen und veröffentlicht worden. Ihre Ausführungen seien originär und wissenschaftlich fundiert.[10] Die Sterbeforschung (Thanatologie) hat aber nicht erst mit Kübler-Ross begonnen. Ihre Erkenntnisse zu Tod und Sterben waren nicht neu. Die Methode, Sterbende zu interviewen, um dadurch die Begleitung der Ärzte, Psychologen und Seelsorger zu verbessern, hatte bereits Tradition. Phasenmodelle für den Sterbe- und Trauerprozess wurden schon vor ihr diskutiert und veröffentlicht.

Seit 1950 erforschen Ärzte, Psychologen und Pfarrer in den USA und in Großbritannien systematisch das Erleben und Verhalten Sterbender. Die Ergebnisse wurden in Fachjournalen und Monographien veröffentlicht.[11] Gespräche mit Sterbenden und Gedächtnisprotokolle über diese Gespräche sind seit 1935 fester Bestandteil des Clinical Pastoral Trainings, auch in der Klinik in Chicago, in der Kübler-Ross angestellt war. Beatrix Cobb, John Hinton, Cicely Saunders, Margaretta Bowers, Barney G. Glaser, Anselm Strauß, Avery Weisman, Robert Kastenbaum, David Sudnow, Colin Murray Parkes, John Bowlby u.a. haben schon vor 1967 Todkranke und Sterbende interviewt und ihre Ergebnisse veröffentlicht. Diese Autoren hatten dasselbe Ziel wie Kübler-Ross: durch ihre Forschungen die Begleitung und Versorgung der Sterbenden zu verbessern.

Kübler-Ross hat erklärt, dass sie für ihr Buch „alles Material heranziehen wollte, das sie bekommen konnte“.[12] In der Originalausgabe hat sie zwar eine umfangreiche Bibliographie zu Sterben und Tod angegeben, sich im Text jedoch nicht darauf bezogen. In der deutschen, vermutlich von ihr gebilligten Übersetzung fehlen Literaturverzeichnis und Danksagung. Fußnoten oder Quellenverweise gibt es auch hier nicht. Kübler-Ross kannte nach eigenen Angaben die relevanten Publikationen zu Sterben und Tod und auch einige der Autoren.

Das Buch ist mit dem Phasenmodell gleich nach seinem Erscheinen heftig kritisiert worden: Mit der Generalisierung und Standardisierung des Erlebens und Verhaltens (leugnen, erzürnen, verhandeln, depressiv sein, zustimmen) werden die Individualität des Sterbenden und seine Einzigartigkeit missachtet. Bemängelt wurde und wird bis heute: Die Interviews sind weder dokumentiert noch fachgerecht systematisch ausgewertet worden. Es handelt sich um einmalige, zufällige Interviews und um keine Verlaufsstudie. Die Interviews sind von einer Person ohne Benennung der Kriterien interpretiert worden. Die Grenzen der Untersuchungsmethode sind weder beachtet noch benannt worden. Die als typisch für die einzelne Phase angegebenen Interviews begründen die jeweilige Phase nicht. Das Phasenmodell ist in seiner Art deskriptiv, wurde aber so verbreitet und aufgenommen, als sei es präskriptiv.[13] [14]

Kübler-Ross hat behauptet, das Phasenmodell sei „plötzlich zu ihr gekommen, fast so wie durch göttliche Inspiration“.[15] Dagegen ist bezeugt, dass sie Phasenmodelle von Beatrix Cobb, John Bowlby, Colin Murray Parkes gekannt und übernommen hat, ohne ihre Quellen anzugeben. Im Übrigen verdanke sie C. Knight Aldrich und Carl A. Nighswonger ganz viel, ohne sie zu erwähnen.[16] [17]

Ihr Engagement für das Phänomen der Nahtoderfahrungen brachte ihr Kritik ein, vor allem aber Ihre Behauptungen, dass ein Leben nach dem Tode und Reinkarnation „wissenschaftlich bewiesen“ seien. Ihr wir vorgeworfen, sie habe das Sterben und den Tod verharmlost und beschönigt. In ihrem Klausurzentrum in Escondido, Kalifornien (Shanti Nilaya, Sanskrit für Heim des Friedens), habe sie spiritistische Sitzungen abgehalten und sich von der Realität entfernt.

Bei aller Kritik: Unbestritten bleibt ihr herausragendes Verdienst, durch ihr Engagement weltweit auf die Bedürfnisse und Nöte Sterbender aufmerksam gemacht und damit zahlreiche Projekte in der ganzen Welt zur Verbesserung des Lebens Todkranker und Sterbender angestoßen zu haben.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kübler-Ross wurde außerordentlich oft akademisch ausgezeichnet. Für ihre Leistungen zwischen 1974 und 1996 wurden ihr 23 Ehrendoktorate an verschiedenen Universitäten und Colleges verliehen.[18] Darüber hinaus erhielt sie über 70 nationale und internationale Auszeichnungen. Das Nachrichtenmagazin TIME zählte sie 1999 zu den „100 größten Wissenschaftlern und Denkern“ des 20. Jahrhunderts.

Filmische und Ton-Dokumentationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kübler-Ross schrieb mehr als 20 Bücher, diese sind in rund 25 Sprachen erschienen.[18]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Biografien

Weiterführende Literatur

  • Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz e.V. (Hrsg.): Helfen am Ende des Lebens. Hospizarbeit und Palliative Care in Europa. Der Hospiz Verlag, Wuppertal 2004, ISBN 3-9810020-0-8.
  • Pauline W. Chen: Der Tod ist nicht vorgesehen. Herder, Freiburg 2007, ISBN 3-451-29580-6.
  • Johann-Christoph Student (Hrsg.): Das Hospiz-Buch. Mit einem Vorwort von Elisabeth Kübler-Ross. 4., erweiterte Auflage. Lambertus, Freiburg im Breisgau 1999, ISBN 3-7841-1110-6.
  • Ruth Davis Konigsberg: The Truth about Grief. The Myth of the Five Stages and the New Science of Loss. Simon & Schuster, New York 2011, ISBN 978-1-4391-4833-4

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hubert Steinke: Kübler (-Ross), Elisabeth im Historischen Lexikon der Schweiz
  2. Elisabeth Kübler-Ross. In: Jessica Bendiner, Elmer Bendiner: Biographical dictionary of medicine. Facts on file, New York/Oxford 1990, ISBN 0-8160-1864-2.
  3. E. Kübler-Ross: Das Rad des Lebens. Autobiographie. Knaur, München 2002, S. 261–312.
  4. Mechthild Winkler-Jordan: Biografie, Literatur & Quellen zu Elisabeth Kübler-Ross Fembio des Instituts für Frauen-Biographieforschung
  5. Ernst Engelke: Signale ins Leben. Begegnungen mit Sterbenden. Verlag J. Pfeiffer, München 1977, S. 18 (zitiert)
  6. Video: Elisabeth Kübler-Ross über Nahtoderfahrungen (1981) , abgerufen am 14. März 2014
  7. Ch. Student, A. Napiwotzky: Palliative Care. Thieme, Stuttgart 2011, S. 8–26.
  8. C. Bausewein, S. Roller, R. Voltz (Hrsg.): Leitfaden Palliative Care. Urban & Fischer, München 2015, S. 60 f., 340.
  9. R. Schulz, D. Aderman: Clinical Research and the Stages of Dying. In: Omega (Hrsg.): Omega. Jg. 5, No. 2, 1974, S. 137–143.
  10. Ch. Student: Die Sterbephasen. Informationen und Hinweise für Helferinnen und Helfer. 2006, abgerufen am 02. August 2016.
  11. M. Stolberg: Die Geschichte der Palliativmedizin. Medizinische Sterbebegleitung von 1500 bis heute. Mabuse Verlag, Frankfurt a.M. 2011, S. 233–250.
  12. E. Kübler -Ross: Interviews mit Sterbenden. Kreuz-Verlag, Stuttgart 1972, S. 27.
  13. N. Samarel: Der Sterbeprozess. In: J. Wittkowski (Hrsg.): Sterben, Tod und Trauer. Grundlagen, Methoden, Anwendungsfelder. Kohlhammer, Stuttgart 2003, S. 132–151.
  14. E. Engelke: Die Wahrheit über das Sterben. Wie wir besser damit umgehen. Heft. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 2015, S. 63–68.
  15. R. D. Konigsberg: The Truth about Grief. The Myth of the Five Stages and the New Science of Loss. New York, New York 2011, S. 96.
  16. R. Worth: Elisabeth Kübler-Ross – encountering death and dying. Chelsea House Publishers, Philadelphia 2005, S. 91–98.
  17. R. D. Konigsberg: The Truth about Grief. The Myth of the Five Stages and the New Science of Loss. New York 2011, S. 83–103.
  18. a b 3sat: Elisabeth Kübler-Ross: Dem Tod ins Gesicht sehen