Ellinor Wohlfeil

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Ellinor Wohlfeil (* 8. April 1925 in Braunschweig) ist eine Autorin halbjüdischer Herkunft, die über ihre Erfahrungen aus der Zeit des Nationalsozialismus in romanhafter Form schreibt.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ellinor Wohlfeil wurde 1925 in Braunschweig als Tochter einer arischen Mutter und eines jüdischen Vaters geboren. 1932 zog die Familie nach Bad Harzburg, wo sie zunächst die Grundschule und dann die Mittelschule besuchte. Ihre Kindheit und Jugend war überschattet von der Verfolgung durch die Nationalsozialisten in den 30er und 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts. 1941 ging sie nach Berlin, wo sie an einer privaten Lehranstalt eine Ausbildung zur chemisch-technischen Assistentin machte und bis 1945 in der Rüstungsindustrie arbeitete. In den Wirren am Ende des Krieges schlug sie sich in den Westen durch. Um über die Grenze zwischen der sowjetisch besetzten Zone Deutschlands und dem Gebiet der Alliierten zu kommen, schwamm sie durch die Elbe. In den folgenden Jahren nahm sie neben ihrer Berufstätigkeit Schauspielunterricht und bestand 1951 erfolgreich die Bühnenreifeprüfung am Düsseldorfer Schauspielhaus. Ihre Versuche, ein Engagement zu finden, schlugen jedoch fehl. 1952 heiratete sie Klaus Wohlfeil. Das Paar bekam zwei Söhne. 1965 begann Ellinor Wohlfeil ein Pädagogikstudium und war anschließend bis 1985 in Düsseldorf als Grundschullehrerin tätig. Nach ihrer Pensionierung begann sie zu schreiben. Zwei Erzählungen und zwei Romane von ihr wurden veröffentlicht, außerdem beteiligte sie sich mit Kurztexten und Gedichten an verschiedenen Anthologien.

Die Autorin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ellinor Wohlfeil möchte mit ihrer schriftstellerischen Arbeit vor allem darauf aufmerksam machen, dass traumatische Erlebnisse durch politische Verfolgung ein ganzes Leben lang nachwirken können. Kinder, die in einem Klima von Bedrohung, Diskriminierung, Ausgrenzung und Existenzangst aufwachsen, können kein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln. Das entsteht nur auf dem Boden von Vertrauen und Sicherheit. Abgelehnt zu werden von der Gesellschaft, herausgerissen zu sein aus der sozialen Ordnung, erzeugt Misstrauen und ein tief sitzendes Gefühl von Verunsicherung. Wenn diese Verhältnisse zur Dauerbelastung werden, wenn junge Menschen unter dieser Dauerbelastung ihre Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen erleben, dann kann das tief in ihre Persönlichkeit eingreifen. Ihr Verhalten und ihre Sicht auf die Welt werden von Unsicherheit und Mangel an Selbstwertgefühl geprägt sein. Als Außenseiter hatten sie ja keine Identifikationsmöglichkeiten, keine Ideale und Wertvorstellungen, die sie übernehmen konnten. Die Missachtung, die sie erfahren haben, sitzt tief. Ihre Versagungstoleranz ist stark herabgesetzt. Sie haben den unvermeidlichen Frustrationen des Lebens nichts entgegenzusetzen. Oft ist die Flucht in die Depression die Folge. Ellinor Wohlfeil hat als Tochter eines jüdischen Vaters selbst mit diesen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt und auch erfahren, wie wenig Verständnis viele Mitmenschen dafür aufbringen. Aber es sind nicht nur die Probleme der Vergangenheit. Heute noch werden Menschen ihrer Nationalität, ihrer Religion oder Rasse wegen verfolgt. Auch Emigranten, die sich weder in ihrer neuen Heimat noch in ihrem Ursprungsland zu Hause fühlen, machen diese leidvollen Erfahrungen. Ellinor Wohlfeil möchte mit ihren Büchern die Menschen für diese Problematik sensibilisieren.

Ellinor Wohlfeil ist Mitglied im Freien Deutschen Autorenverband FDA und im Freundeskreis Düsseldorfer Buch.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 2007 bekam Ellinor Wohlfeil den Literaturpreis des Freundeskreises Düsseldorfer Buch e.V. für ihr literarisches Gesamtwerk.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ellinor Wohlfeil. In: Kürschners Deutscher Literatur-Kalender 2014/2015: Band I: A-O. Band II: P-Z., Walter De Gruyter Incorporated, 2014, S. 1159, ISBN 978-3-11-033720-4.