Elmar Fischer (Bischof)

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Elmar Fischer (* 6. Oktober 1936 in Feldkirch, Vorarlberg) ist emeritierter römisch-katholischer Bischof der Diözese Feldkirch.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elmar Fischer besuchte von 1950 bis 1955 die Lehrerbildungsanstalt in Feldkirch, studierte bis 1962 Philosophie und Katholische Theologie an der Universität Innsbruck. 1969 wurde er zum Doktor der Theologie promoviert. Am 29. Juni 1961 empfing er die Priesterweihe und war anschließend ab 1962 Kaplan in Lustenau/Rheindorf, ab 1965 Pfarrprovisor in Sibratsgfäll. Von 1970 bis 1982 war er Rektor des diözesanen Studieninternates Marianum in Bregenz und von 1974 bis 1990 Direktor der diözesanen Lehranstalt für Ehe-, Familien- und Lebensberater. Von 1979 bis 1990 leitete er das Ehe- und Familienzentrum der Diözese Feldkirch (EFZ).

Bischof Klaus Küng ernannte ihn am 6. März 1989 zum Generalvikar der Diözese Feldkirch. Papst Johannes Paul II. verlieh ihm am 27. Februar 1990 den Titel Päpstlicher Ehrenprälat. Ab 7. Oktober 2004 wurde er ständiger Vertreter von Bischof Klaus Küng, der erst Apostolischer Visitator, dann Bischof der Diözese St. Pölten wurde.

Im Mai 2005 wurde Fischer zum Bischof von Feldkirch ernannt und empfing am 3. Juli 2005 die Bischofsweihe. Am 15. November 2011 nahm Papst Benedikt XVI. das von Elmar Fischer aus Altersgründen vorgebrachte Rücktrittsgesuch an.[1]

Haltung zur Homosexualität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem Interview mit dem ORF Radio Vorarlberg im Februar 2009 hat Fischer in Unterstützung für den umstrittenen designierten Linzer Weihbischof Gerhard Wagner und entgegen der heutigen allgemeinen Meinung in der Psychologie und Psychotherapie[2] erklärt, dass Homosexualität genauso als „psychische Krankheit“ wie Alkoholismus einzustufen und deshalb heilbar sei.[3] Nur einen Tag später entschuldigte sich Fischer aber öffentlich für seine Aussagen und zog sie zurück: „Ich ging von einem offenkundig nicht mehr letztaktuellen wissenschaftlichen Stand der Literatur aus.“[4] Fischer hatte schon 1996 als Generalvikar Aufsehen erregt. Damals hatte er in einem Schreiben an alle katholischen Pfarrämter der Diözese unter anderem den Zusammenhang zwischen Homosexualität und Promiskuität betont. Er beziehe sich hierbei hauptsächlich auf Literatur und seine Erfahrungen als Psychotherapeut. Johannes Wahala, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Sexualforschung, legte aufgrund der Aussagen Fischers eine Beschwerde beim Bundesministerium für Gesundheit ein. Fischer wird darin vorgeworfen die Fortbildungspflicht verletzt, pathologisierenden und diskriminierenden Aussagen wider besseres Wissen wiederholt, seine Rolle als Psychotherapeut für die Verbreitung diskriminierender Einstellungen missbraucht und den Berufsstand der Psychotherapeuten geschädigt zu haben.[5]

Gewaltvorwürfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bischofshaus, Feldkirch, Hirschgraben 2

Im Zuge der Missbrauchsaffäre vom März 2010 wurde Bischof Fischer von vier ehemaligen Schülern vorgeworfen, sie in den 1960er und 70er Jahre misshandelt zu haben, einen soll er krankenhausreif geprügelt haben. Der Bischof wollte sich zunächst nur an eine Ohrfeige erinnern[6] und hielt den Rest für unbewiesene Behauptungen. Die Diözese beauftragte den Innsbrucker Psychiater Hartmann Hinterhuber zur Untersuchung dieser Anschuldigungen. Am 1. Juni 2010 kam der Experte zum Ergebnis[7] dass "die Vorwürfe glaubwürdig" seien und Fischer demnach mehrmals mit Faustschlägen Jugendliche traktiert hatte. Allerdings sei ein Rücktritt überzogen, weil in der damaligen Zeit solche Misshandlungen nicht als gravierend betrachtet worden seien und nicht einem exzessiven Machtmissbrauch gleichgekommen wären. „Die tätlichen Übergriffe sind in einem emotionalen Kontext zu betrachten, wenngleich dies die Übergriffe weder rechtfertigt noch entschuldigt. Sie sind nicht als Ausdruck einer lustvollen Ausübung eines Machtverhältnisses zu interpretieren“.[8]

Bischof Fischer erklärte, sich bei seinen Opfern schriftlich zu entschuldigen, lehnte Rücktrittsforderungen jedoch ab.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ORF Vorarlberg: Rücktrittsgesuch von Bischof Fischer angenommen. Artikel vom 15. November 2011.
  2. Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Volker Beck (Köln), Josef Philip Winkler, Hans-Christian Ströbele, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (PDF; 111 kB) Abgerufen am 5. Juni 2010.
  3. Bischof Fischer hält Homosexualität für heilbar. Derstandard.at. 11. Februar 2009. Abgerufen am 5. Juni 2010.
  4. „Homosexualität heilbar“: Bischof Fischer entschuldigt sich. Diepresse.com. 13. Februar 2009. Abgerufen am 5. Juni 2010.
  5. Beschwerde gegen Dr. Elmar Fischer, Psychotherapeut (PDF) 26. März 2009. Abgerufen am 13. März 2017.
  6. Neuer Vorwurf gegen Bischof Fischer, Online-Standard vom 15. Mai 2010
  7. Gewaltvorwürfe gegen Bischof Fischer: Kein Rücktritt, DiePresse.com vom 1. Juni 2010
  8. Bericht: Vorwürfe gegen Bischof "glaubhaft" ORF-Vorarlberg vom 1. Juni 2010
Vorgänger Amt Nachfolger
Klaus Küng Bischof von Feldkirch
2005–2011
Benno Elbs