Emil Pfeifer

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Emil Pfeifer (Ölportrait)

Emil Pfeifer (* 8. November 1806 in Amsterdam; † 20. September 1889 in Mehlem (heute Bonn)) war ein deutscher Unternehmer und Pionier der Zuckerfabrikation im Rheinland. Das Unternehmen Pfeifer & Langen befindet sich seit seiner Gründung in Familienbesitz.

Emil Pfeifer ist auf dem Melatenfriedhof in Köln im Familiengrab beigesetzt (HWG NS zwischen Lit E und F, Grabnr. 119-122).

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vater Valentin Pfeifer (1763–1840)

Emils Vater Valentin Pfeifer (1763–1840) kam in Sommerau im Spessart zur Welt und stammte aus der zweiten Ehe (1756) des Bauern Johannes Pfeifer (1722–1794) und seiner Frau Anna Maria, geb. Weber (1735–1810) aus Laudenbach am Main. Nachdem er in Mainz studiert hatte, war er bei Baron von Harff in Monschau/Eifel als Kinderlehrer verpflichtet. Valentin war 1786 im Alter von 23 Jahren nach Holland ausgewandert. Er hat sich in Amsterdam als Kaufmann etabliert und kam, auch durch die Heirat 1797, zu Wohlstand. Valentins Bruder Johann Joseph Pfeifer (1776–1856) übernahm das elterliche Hofgut in Sommerau.

Verwandte wie der Volkskundler und Heimatforscher Valentin Pfeifer (1886–1964) stammen ebenfalls aus Sommerau bzw. sind noch heute dort ansässig.

Emil Pfeifer wurde als viertes Kind des Kaufmanns Valentin Pfeifer (1763–1840) in Amsterdam geboren. Seine Mutter Maria Agnes, geb. Weyll (1772–1856), war die Tochter des Kölner Schiffers Johann Christian Weyll (1724–1798) und seiner aus Mainz stammenden Frau Anna Katharina, geb. Hofbauer (1732–1819).

Geschwister von Emil Pfeifer waren:

  1. Maria („Mimi“) Georgina (1797–1863) ehelichte 1822 in Amsterdam den aus Württemberg stammenden Kaufmann Wilhelm Kiderlen;
  2. Valentin (1804–1833) war Besitzer einer Papiermühle Oberschneidhausen (ehem. Eisenwerk) bei Düren; er blieb unverheiratet;
  3. Robert („Robertus“) (1808–1877), dessen Tochter Agnes heiratete 1862 den Eisenhüttenbesitzer Eberhard Hoesch aus Düren;
  4. Lilla (1813–1868), vermählte sich 1836 mit dem Sohn des Frankfurter Großkaufmanns Franz Dominicus Brentano, Georg Franz Melchior Brentano (1801–1853);
  5. Eugen (1816–1896), Besitzer eines Landgutes in Erbach/Rheingau; er war nicht verheiratet.

Zwei Brüder, Albert Johann (1802–1803) und Oscar (1812–1815) starben als Kleinkinder.

Emil Pfeifer war zwei Mal verheiratet, zuerst 1833 mit Maria Emma, geb. Hoesch (1814–1845), Tochter des Dürener beziehungsweise Schneidhausener Papierfabrikanten Ludolph Mathias Hoesch (1788–1859) und seiner Frau Juliane, geb. Schleicher (1793–1868). Aus dieser Ehe stammen zwei Kinder:

  1. Maria („Marie“) Agnes Julie Pfeifer (1834–1920) heiratete 1857 den Bergbau- und Hüttenunternehmer Gustav Adolf Hoesch (1818–1885).
  2. Valentin (1837–1909) heiratete 1866 die in Berlin geborene Hedwig Amalie Adelheid geb. Matzerath (1843–1911).

Aus Emils zweiter Ehe 1847 mit Josephine Charlotte Lucie Mayer (1823–1893), der jüngsten Tochter des Dürener Oberbergrats Johann Heinrich Daniel Mayer († 1836) und seiner Ehefrau Philipine geb. Jardou, stammen:

  1. Eugen (1848–1915), Zuckerfabrikant und Gutsbesitzer, auch war er Vorsitzender des Vereins der Deutschen Raffinerien sowie Aktionär bei der Gasmotoren-Fabrik Deutz AG und dort auch im Aufsichtsrat. Er heiratete 1876 Paula Maria Schnitzler (1855–1949), Tochter des Regierungsrates Robert Schnitzler und Ehefrau Clara, geb. Schmidt. Eugen und Paula Maria hatten vier Kinder: Clara Emilie Emma Caroline (1877–um 1950); Emma Maria (1879–um 1960); Anna Johanna (1882–1975); Emma Agnes Robertine (1883–1884). Eugen wohnte mit seiner Familie in Friesdorf bei Bonn, im Haus Annaberg, das in der Familie "Tusculum" genannt wurde. Mit einer Stiftung begründete er den Bau einer Kinderbewahrschule (Paula-Maria-Stift genannt) in Friesdorf.[1]
  2. Emma (1852–1855) starb mit drei Jahren.
  3. Johanna Lucia Franziska (1857–1934) heiratete 1884 Alfred Gescher (1844–1932), den späteren Regierungspräsidenten von Münster.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Schulbesuch in Heidelberg am Kurfürst-Friedrich-Gymnasium und Amsterdam sowie kaufmännischen Praktika studierte er zunächst Eisenhüttenkunde an der Bergakademie Freiberg, dann bis 1830 Maschinenbau, Chemie mit Philosophie an der Kaiserlichen Wilhelmsuniversität Berlin.

Emils älterer Bruder Valentin Pfeifer (1804–1833) hatte, mit Kapital seines Vaters, um 1830 ein ehemaliges Eisenwerk an der Rur, Oberschneidhausen bei Düren erworben und zu einer Papiermühle umgebaut. Emil wurde zunächst Teilhaber in der Firma. Sein kranker Bruder übertrug ihm den Besitz kurz vor seinem Tode 1833. Emil verkaufte kurz nach dem Tod seines Vaters 1840 den Betrieb und zog nach Köln. Hier handelte er u.a. mit Indigo und spekulierte in verschiedenen Bereichen sehr erfolgreich mit seinem und dem ererbten Vermögen seines Vaters.

Ende 1840 erwarb Emil das Gut Frohnhof bei Ossendorf in der Nähe von Köln, heute Köln-Ossendorf. Es war zu dieser Zeit noch verpachtet. Um 1850 experimentierte Emil mit dem Anbau und der Verarbeitung von Runkelrüben auf dem Gut Fronhof. Hier gründete er 1851 die erste Rübenzuckerfabrik am Rhein gemeinsam mit August Joest, Sohn von Carl Joest, dem Gründer der Raffinerie „Carl Joest & Söhne“, seit 1831 in Köln. Zwei Jahre später ist Emil alleiniger Inhaber („Emil Pfeifer et Cop.“) und nimmt 1865 seinen Sohn Valentin Pfeifer als Teilhaber auf. Dies war der Beginn der Rheinischen Rübenzuckerindustrie. Zuvor hatten die Kölner Fabriken sich auf die Weiterverarbeitung des kolonialen Rohrzuckers beschränkt. 1865 stellte er den Ingenieur Eugen Langen, den Sohn Johann Jakob Langens, als technischen Leiter ein und gründete mit ihm 1870 in den Bördenlandschaften zuerst in Elsdorf und 1879 in Euskirchen unter dem Namen „Pfeifer & Langen“ Zuckerfabriken. Um 1880 galt das Werk Elsdorf als internationale „Musteranstalt“ und wird zusammen mit dem Ausstoß von Euskirchen das größte Zuckerunternehmen Westdeutschlands.

Mit Sohn Valentin und Eugen Langen beteiligte er sich 1872 an der Deutzer Gasmotorenfabrik, deren Aufsichtsratsvorsitzender er bis zu seinem Tode war. Er engagierte sich darüber hinaus von 1868 bis 1877 im Kölner Stadtrat als Abgeordneter der Nationalliberalen Partei. 1881 wurde er zum Kommerzienrat ernannt. 1884 errichtete er die „Stiftung Pfeifer“ innerhalb des Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Philip Bartels: 100 Jahre Pfeifer & Langen (1870–1970). Pfeifer & Langen, Köln 1970.
  • Klara van EyllPfeifer, Emil. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 20, Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-00201-6, S. 312 f. (Digitalisat).
  • Klara van Eyll: Unternehmer der Kölner Zuckerwirtschaft (1830–1871), in: Kölner Unternehmer und die Frühindustrialisierung im Rheinland und in Westfalen (1835–1871), 1984, S. 193–207
  • Klara van Eyll: Emil Pfeifer (1806–1889). In: Kölner Unternehmer im 18., 19. und 20. Jahrhundert. (= Rheinisch-Westfälische Wirtschaftsbiographien, Band 12). Aschendorff, Münster 1986, S. 136–157.
  • Chronik der Familie Pfeifer, um 1975 (nur im Familienkreis veröffentlicht)
  • Otto Pfeifer: Historisches Häuserbuch von Sommerau. Hinckel-Druck, Wertheim, Hg. Markt Eschau, Selbstverlag, 2010.
  • Otto Pfeifer: Die Geschichte der Pfarrei und der Kirchen St. Laurentius Sommerau. Hinckel-Druck, Wertheim, Hg. Markt Eschau, Selbstverlag, 2012.
  • Godesberger Heimatblätter, Heft 23 (1985), Seiten 153–172, Das Paula-Maria-Stift in Friesdorf von Mitarbeiter Adolf Berchem, Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag bei Straßen Friesdorf des VHH Bad Godesberg (Zugriff September 2015)