Erlbach (Leutershausen)

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Erlbach
Koordinaten: 49° 16′ 57″ N, 10° 22′ 51″ O
Höhe: 430 m ü. NHN
Einwohner: 78 (2012)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 91578
Vorwahl: 09823
Ortsansicht
Erlbach
Fachwerkhaus mit Zwerchgiebel (Erlbach Nr. 2)
Fachwerkscheune (Erlbach Nr. 2)

Erlbach (umgangssprachlich: Erlba [2]) ist ein Ortsteil der Stadt Leutershausen im Landkreis Ansbach im Regierungsbezirk Mittelfranken.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch das Dorf fließt der Erlbacher Mühlbach, der ein rechter Zufluss der Altmühl ist. Ca. 0,75 km südöstlich erhebt sich der Büchelberg (492 m ü. NN), ca. 0,5 km nordwestlich liegt das Birkenfeld und ca. 1 km südlich In der Aub.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals namentlich erwähnt wurde das Dorf 1319 als „Erlbach“, die Siedlung zum Erlbach. Im 14. Jahrhundert besaßen die Burggrafen von Nürnberg vier ganze und sieben halbe Lehen, ein großes Gut sowie zwei Sölden. Der Maier in Erlbach gehörte vermutlich dem Frauenkloster Sulz (ein Bauer auf zwei Gütern in Erlbach ist im Klostergültbuch von 1478 erwähnt) und musste nur den Zehnten an den Burggrafen geben; Recht geben und nehmen musste er zu Sulz.[4] Im 15. Jahrhundert kämpften die Bauern von Erlbach wie diejenigen der umliegenden Dörfer vor Gericht um Weiderechte in der Brünst.[5] 1575 erwarb Endres Fuchs von Bimbach, der auf dem Seckendorffschen Schloss zu Rauenbuch saß, fünfeinhalb Tagwerk Wiesen in Erlbach; 1594 ging dieser Besitz mit dem Verkauf des Rittergutes Rauenbuch an den Ansbacher Markgrafen Georg Friedrich über.[6] Ein Bericht von 1608 des brandenburg-ansbachischen Amtes Leutershausen spricht von 20 Untertanen in Erlbach, davon 14 brandenburgisch und sechs edelmännisch; zwölf zinsten den Ämtern Leutershausen und Colmberg (ein weiteres brandenburg-ansbachisches Häuschen lag öde), fünf der Herrschaft Crailsheim zu Thann, ein Untertan der Herrschaft Eyb zu Wiedersbach.[7] In einem Verzeichnis, das im Dreißigjährigen Krieg 1641 angefertigt wurde, heißt es, dass vier Höfe abgebrannt seien und drei öde lägen.[8] 1681 bestand Erlbach aus 19 Mannschaften (=Untertanenfamilien), von denen weiterhin sechs edelmännischer Besitz waren. Die Gemeinde besaß ein Hirtenhaus und die Schmiede. Die Gemeindeherrschaft und die Fraisch lagen beim Stadtvogteiamt Leutershausen.[9] 1732 werden als Grundherren aufgeführt: brandenburg-ansbachisches Klosteramt Sulz (1 Hof), brandenburg-ansbachisches Stadtvogteiamt Leutershausen (11 Höfe), brandenburg-ansbachisches „Canzley“-Mannlehen (1 Gütlein), Herrschaft Eyb (1 Hof), Herrschaft Crailsheim (2 Höfe und 3 Gütlein) sowie ein gemeindliches Hirtenhaus. Acht dieser Anwesen waren öde.[10] Gegen Ende des Alten Reiches gab es in Erlbach 13 Anwesen: Sechs Höfe, vier Halbhöfe und ein Söldengut gehörten grundherrschaftlich zum brandenburg-ansbachischen Kastenamt Colmberg, ein Halbhof zum brandenburg-ansbachischen Klosterverwalteramt Sulz und ein Dreiviertelhof zum Eybschen Rittergut zu Wiedersbach; das Hirtenhaus und die Brechhütte für die Flachsbearbeitung waren Gemeindebesitz.[11]

Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Erlbach im Jahr 1808 dem Steuerdistrikt Jochsberg zugewiesen. Die Ruralgemeinde Erlbach wurde im Jahr 1810 gegründet. Zu dieser gehörten die Orte Hundshof, Sachsen, Steinbächlein und Waizendorf.[12] Sie unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Leutershausen und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Colmberg. Der Eybsche Grundholde (Erlbach Nr. 10) gehörte 1820 bis 1839 zum Patrimonialgericht I. Klasse der Familie von Eyb zu Wiedersbach und Rammersdorf.[13]

Erlbach gehörte gemäß einer Auflistung von 1830 zu einem „die Brünst“ oder „die Brunst“ genannten, seit dem Mittelalter stellenweise gerodeten umfangreichen Waldgebiet zwischen Leutershausen und Kloster Sulz mit dem Hauptort Brunst. Die Brünst war für ihre gute Rinderviehzucht bekannt; ihre 22 Dörfer galten als reich.[14]

Von 1862 an wurde Erlbach vom Bezirksamt Ansbach (1938 in Landkreis Ansbach umbenannt) verwaltet. Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1879 beim Landgericht Leutershausen, seit 1880 Amtsgericht Ansbach. Die Finanzverwaltung ging 1880 an das Rentamt Ansbach (1920 in Finanzamt Ansbach umbenannt) über.[15] Die Gemeinde hatte 1961 eine Gebietsfläche von 9,817 km².[16]

Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde die Gemeinde zum 1. Januar 1972 in die Stadt Leutershausen eingemeindet.[17][18]

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Als Baudenkmal gilt das Anwesen Erlach Nr. 2, das aus dem 18./19. Jahrhundert stammt, ein Dreiseithof von einem eingeschossigen Wohnstallhaus, einem zweigeschossigen Zwerchhaus mit Fachwerk, einer Scheune mit Fachwerkgiebel und einem Kleintierstall.[19]
  • Steinkreuz aus Sandstein auf dem Riedenberg am Höschenbuschweg

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Leutershausen#Erlbach

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinde Erlbach

Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970
Einwohner 292 310 318 318 337 349 338 337 310 316 307 315 296 306 327 320 319 302 270 391 404 368 255 272
Häuser[20] 67 60 56 59 59 56 55 58
Quelle [21] [22] [23] [23] [24] [23] [25] [23] [23] [26] [23] [23] [27] [23] [23] [23] [28] [23] [23] [23] [29] [23] [16] [30]

Ort Erlbach

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987 002012
Einwohner 90 87 99* 96 94 94 93 101 65 78 62 78
Häuser[20] 19 15 14 14 14 13 13 16
Quelle [21] [22] [24] [25] [26] [27] [28] [29] [16] [30] [31] [1]
* inklusive Hundshof

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Herkunft Amtszeit
Johann Leonhard Stadler Steinbächlein 1846–1865
Christian Stadler Erlbach 1865–1877
Peter Keitel Sachsen 1877–1906
Paul Beck Sachsen 1906–1920
Georg Weiß Sachsen 1920–1945
Leonhard Schlötterer Sachsen 1945–1952
Ludwig Demmert Sachsen 1952–1960
Fritz Leidenberger Sachsen 1960–1972

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Reformation ist der Ort protestantisch. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach St. Peter (Leutershausen) gepfarrt, die Einwohner römisch-katholischer Konfession nach Kreuzerhöhung (Schillingsfürst).

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Ort verläuft die Kreisstraße AN 4, die an Erlach vorbei nach Brunst führt bzw. nach Sachsen zur AN 3. Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Büchelberg und Waizendorf.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Erlbach (Leutershausen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Müllers Großes Deutsches Ortsbuch 2012, Band 1, Berlin/Boston: De Gruyter, S. 343.
  2. E. Fechter, S. 69.
  3. Erlbach im BayernAtlas
  4. M. Jehle, Bd. 1, S. 556, 623.
  5. M. Jehle, Bd. 1, S. 600.
  6. M. Jehle, Bd. 1, S. 598.
  7. M. Jehle, Bd. 2, S. 714.
  8. H. Schreiber, S. 234.
  9. M. Jehle, Bd. 2, S. 720, 794, 802.
  10. H. Schreiber, S. 359, 361.
  11. M. Jehle, Bd. 2, S. 852.
  12. Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3863: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Leutershausen 1810. Zitiert nach M. Jehle, Bd. 2, S. 964.
  13. M. Jehle, Bd. 2, S. 959.
  14. Friedrich Oechsle: Beiträge zur Geschichte des Bauernkrieges in den schwäbisch-fränkischen Grenzlanden, Heilbronn 1830, S. 320, Fußnote; Friedrich Benedict Weber: Bemerkungen und Notizen über verschiedene Gegenstände der Landwirthschaft, Leipzig 1815, S. 194; Heinrich Wilhelm Bensen: Kurze Beschreibung und Geschichte der Stadt Rotenburg ob der Tauber, Erlangen 1856, S. 29
  15. M. Jehle, Bd. 2, S. 986f.
  16. a b c Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 754 (Digitalisat).
  17. H. Schreiber, S. 363; M. Jehle, Bd. 2, S. 987.
  18. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 420.
  19. Denkmäler in Bayern. Bd. 5, Mittelfranken: Ensembles, Baudenkmäler, archäologische Geländedenkmäler, München 1986, S. 266.
  20. a b Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  21. a b Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 23 (Digitalisat). Für die Gemeinde Erlbach zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Hundshof (S. 44), Sachsen (S. 79), Steinbächlein (S. 88) und Waizendorf (S. 99).
  22. a b Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 188–189 (Digitalisat). Im Historischen Gemeindeverzeichnis hat die Gemeinde 302 Einwohner.
  23. a b c d e f g h i j k l m n Historisches Gemeindeverzeichnis. Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952. In: Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192. München 1953, S. 164, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  24. a b Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 988, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  25. a b kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1153–1154, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  26. a b Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1088 (Digitalisat).
  27. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1152 (Digitalisat).
  28. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1189 (Digitalisat).
  29. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1025 (Digitalisat).
  30. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, S. 170 (Digitalisat).
  31. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 328 (Digitalisat).