Ernestinum Celle
| Gymnasium Ernestinum Celle | |
|---|---|
| Eingangsbereich mit der inzwischen entfernten Skulptur Bockspringer von Peter Steyer | |
| Schulform | Gymnasium |
| Gründung | 1328 |
| Adresse | Burgstraße 21 |
| Ort | Celle |
| Land | Niedersachsen |
| Staat | Deutschland |
| Koordinaten | 52° 36′ 49″ N, 10° 5′ 30″ O |
| Schüler | 821 |
| Leitung | Johannes Habekost |
| Website | www.ernestinum-celle.de |
Das Gymnasium Ernestinum Celle ist ein Gymnasium in Celle (Niedersachsen).
Es wurde im Jahr 1328 als Lateinschule gegründet. Ursprünglich Schola Cellensis, im 18. Jahrhundert Lyceum genannt, wurde die Schule etwa 1830 als Gymnasium anerkannt. Seit Übernahme durch den preußischen Staat 1874 hieß sie Königliches Gymnasium, dann Staatliches Gymnasium. Erst 1928, anlässlich der 600-Jahr-Feier, erhielt die Schule zu Ehren Herzogs Ernst des Bekenners ihren heutigen Namen.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das genaue Gründungsdatum des Gymnasiums Ernestinum ist nicht bekannt. Obwohl viel dafür spricht, dass eine Lateinschule bereits in Altencelle vor der Gründung der neuen Stadt Celle bestanden hat, hält es an der traditionellen Festlegung des Gründungsjahres 1328 fest. Seitdem hat die Schule mehrmals den Namen und das Gebäude gewechselt.
Als Schule (schola), Lateinschule und Lyzeum war sie in Celle anfangs in der Kalandgasse untergebracht. 1843 erhielt sie als Gymnasium der Stadt ein neues großes Gebäude, die ehemalige Albrecht-Thaer-Schule, die heute Stadtbibliothek ist. 1874 wurde sie königlich-preußisches Gymnasium; erst 1954 wurde die Stadt wieder Träger ihrer ältesten Schule.
Das Gymnasium wechselte 1916 in den Neubau an der Magnusstraße. Dort erhielt die Schule 1928 den Namen Ernestinum und blieb an diesem Platz bis zum Umzug am 1. Februar 1978 in das neu gebaute Schulzentrum an der Burgstraße im Stil des gemäßigten Brutalismus, in dem damals auch die Orientierungsstufe Burgstraße und die Realschule Burgstraße war. Heute teilt sich das Ernestinum das Schulzentrum mit der Integrierten Gesamtschule IGS Celle.
Im Sommer 2016 gab es ein Großfeuer auf dem Schulgelände,[1] bei dem die ältere der beiden Sporthallen des Schulzentrums (Baujahr 1975) bis auf die Grundmauern niederbrannte.[2][3] Die in der Halle eingelagerte Skulptur Bockspringer des tschechischen Bildhauers Peter Steyer († 2009), die seit Mitte der 1990er Jahre im Eingangsbereich der Schule gestanden hatte und einige Zeit vor dem Brand wegen einer Beschädigung und der davon ausgehenden Unfallgefahr abgebaut worden war, wurde durch das Feuer vernichtet.[4]
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Alte Lateinschule Celle
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Gedenktafel
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Altbau des Gymnasiums (1843–1916)
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Schulgebäude Magnusstraße (1916–1978)
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Schulzentrum Burgstraße
Schulprofil
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei allen Wechseln der Gebäude und Namen hat sich in einem wesentlichen Punkt der Charakter der Schule nicht geändert. Wie zu Beginn als Lateinschule besteht die Möglichkeit, Latein und Griechisch zu lernen. Englisch ist erste Pflichtfremdsprache ab Klasse 5, als zweite Fremdsprache kann Latein ebenfalls bereits ab Klasse 5 (als „Latein-Plus“) oder ab Klasse 6 gewählt werden. Ab dem Schuljahr 2013/14 besteht das Angebot, Französisch als zweite Fremdsprache neben Englisch schon ab Klasse 5 („Französisch-Plus“) oder ab Klasse 6 zu wählen. Dazu wird das Schulprofil im sprachlichen Bereich wesentlich mitbestimmt durch Altgriechisch (Wahlpflichtfach ab Klasse 8) sowie Französisch (Wahlfach ab Klasse 8 oder 10). Angeboten werden auch Hebräisch sowie Italienisch und Chinesisch, dessen Grundlagen durch einen chinesischen Fremdsprachen-Assistenten in einer AG vermittelt werden. Im Jahrgang 10 wird – nicht nur für Übergänger von der Real- oder Oberschule – Latein oder Französisch als neu beginnende Pflicht- oder Wahlfremdsprache angeboten.
Das Ernestinum bietet in der Oberstufe mit dem sprachlichen, naturwissenschaftlich-mathematischen, gesellschaftswissenschaftlichen, und musischen Profil unterschiedliche Vertiefungsrichtungen. Bereichert wird das Unterrichtsangebot durch eine große Palette von Arbeitsgemeinschaften, den Ruderclub, durch Kunst- und Literaturprojekte, Orchester-, Chor-, Band- und Ski-Freizeiten, durch Klassen- und Studienfahrten, durch Autorenlesungen, Planspiele unterschiedlicher Art u. v. m.
Das Gymnasium Ernestinum pflegt Auslandspartnerschaften mit Schulen in Irland, Lettland, Polen, Schweden, Frankreich, China und den USA. Der Austausch im europäischen Rahmen erfolgt im Rahmen des „Comenius-Programms“, an dem sich die Schule seit 2002 unter dem Motto „Wege zur Solidarität“ beteiligt. Ein neues Comenius-Projekt unter dem Motto „Von der Natur lernen“ verbindet das Ernestinum mit Schulen in Krakau, in der Ost-Türkei, auf Sizilien und in Dänemark. Das vom Ernestinum erarbeitete Projekt „Run for Life“, das im Jahr 2015 zum neunten Mal durchgeführt wird, hat für caritative Zwecke schon über 150.000 € erbracht.
Das Ernestinum arbeitet durch gegenseitige Unterrichtsbesuche eng mit Grundschulen zusammen, um den Schulwechsel ans Gymnasium erfolgreich zu gestalten, und ist Mitglied im Verbund für Hochbegabungsförderung. Aktueller Schulleiter ist Johannes Habekost.
Patenschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 21. September 1953 übernahm das Ernestinum eine Patenschaft für das Gymnasium Marienwerder (Kwidzyn, Polen).
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Lehrer
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Heinrich Wilhelm Stolze (1801–1868), Gesanglehrer ab 1824, Organist und Chorleiter
- Adalbert Herrmann (1802–1889), Lehrer 1850–1872, Pädagoge und Dichter[5]
- Paul Alpers (1887–1968), Lehrer ab 1924, Volkskundler und Autor
- Klaus-Jürgen Hedrich (1941–2022), Referendar bis 1971, Politiker (CDU), Mitglied des Niedersächsischen Landtages und des Deutschen Bundestages, Parlamentarischer Staatssekretär
- Friedrich Erich Dobberahn (* 1950), Hebräisch-, Jiddisch, und Arabisch-Lehrer seit 2013, evangelischer Theologe , Religions- und Sprachwissenschaftler
Schüler
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Franz Eichfeld (1635–1707), evangelisch-lutherischer Theologe Generalsuperintendent von Lüneburg-Celle
- Levin Burchard Langschmidt (1654–1722), lutherischer Theologe, Pastor, Konsistorialrat und Hofprediger
- Lucas Bacmeister (1672–1748), Theologe und Generalsuperintendent von Bremen-Verden
- Hermann Christian Hornbostel (1695–1757), evangelisch-lutherischer Geistlicher und Hauptpastor in Hamburg
- Ludwig Hölty (1748–1776), Dichter[6]
- Albrecht Daniel Thaer (1752–1828), Begründer der Agrarwissenschaft
- Georg Ludwig König (1766–1849), Klassischer Philologe, Direktor der Gelehrtenschule zu Eutin
- Johann Peter Schulze (1768–1827), Buchhändler und Verleger
- Johann Frankenfeld (1771–1853), Jurist, Kammersekretär, Hofrat und außerordentliches Mitglied des Hannoverschen Staatsrats
- Heinrich Gottlieb Köhler (1779–1849), Mathematiker und Hochschullehrer
- Ernst Schulze (1789–1817), Romantischer Dichter in den Befreiungskriegen
- Georg Ludwig Comperl (1797–1859), Architekt[7]
- Ferdinand Callin (1804–1887), Schuldirektor, Pädagoge und Publizist
- Friedrich Wilhelm Rettberg (1805–1849), Kirchenhistoriker und Theologe
- Louis Harms (1808–1865), Theologe, „Erwecker der Heide“[6]
- Eugen Gauß (1811–1896), Emigrant, Unternehmer und Bankier
- Wilhelm Gauß (1813–1879), Emigrant, Unternehmer
- Karl Goedeke (1814–1887), Schriftsteller und Literaturhistoriker
- August Karl von Goeben (1816–1880), preußischer Infanteriegeneral[8][6]
- Carl Lichtenberg (1816–1883), Kirchenjurist
- Karl Philipp Lüderitz (1817–1900), Generalleutnant und Oberlandstallmeister
- Johann Moritz von dem Busch (1818–1912), Jurist, königlich-preußischer Landgerichtspräsident in Lüneburg
- Moritz Ludwig Georg Wichmann (1821–1859), Astronom
- Oskar von Diebitsch (1823–1906), Generalmajor
- Gottlieb Planck (1824–1910), Jurist, Reichstagsabgeordneter, Miterschaffer des Bürgerlichen Gesetzbuchs[6]
- Georg Ludwig Otto Nanne (1825–1903), Jurist und Landwirt, Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft
- Georg Dieterichs (1826–1903), Finanzminister des Königreichs Hannover
- Max Hans Karl Adolf Heinrich Hermann Ihßen (1830–1887), Generalmajor und Kommandeur in die 15. Infanteriebrigade
- Karl Habbe (1831–1896), Architekt
- Gerhard Rohlfs (1831–1896), Afrikaforscher und Schriftsteller
- David Rüst (1831–1916), Arzt, Paläontologe und Ornithologe[9]
- Ferdinand Haltenhoff (1836–1891), Richter, Verwaltungsjurist und Stadtdirektor von Hannover
- Gustav Augspurg (1837–1906), Rechtsanwalt und Bürgermeister
- Jean Paul Hasse (1839–1898), Anstaltspsychiater und ein Vertreter der „Illenauer Schule“
- Philipp Spitta (1841–1894), Abitur 1860, Musikwissenschaftler und Bachbiograph
- Wilhelm Bomann (1848–1926), Fabrikant, Volkskundler und Gründer des Bomann-Museums
- Otto Bussenius (1848–1924), Lehrer
- Philipp Meyer (1854–1927), lutherischer Theologe und Kirchenhistoriker
- Max Reimerdes (1860–1942), Jurist, Senator und Syndikus der Stadt Osnabrück
- Otto Erich Hartleben (1864–1905), Dramatiker[6]
- Cuno von Rantzau (1864–1956), Offizier und Hofbeamter
- Wilhelm Meyer (1867–1929), Jurist, Industrieller und Reichstagsabgeordneter
- Otto Aichel (1871–1935), Professor für Anthropologie in Kiel
- Diedrich Speckmann (1872–1938), Abiturjahrgang 1891, „Heidedichter“
- Gerlach Hemmerich (1879–1969), Generalleutnant
- Victor Oelkers (1881–1958), Politiker (DP), Mitglied des Niedersächsischen Landtages
- Rudolf Bockelmann (1892–1958), Opernsänger (Bariton) und Gesangspädagoge
- Johannes Schulze (1901–1980), Abiturjahrgang 1919, Evangelischer Theologe
- Franz Wieacker (1908–1994), Privatrechtler und Rechtshistoriker
- Hans-Heinrich Voigt (1921–2017), Astronom, Lehrstuhlinhaber und Leiter der Universitäts-Sternwarte Göttingen
- Hermann Alexander Moeck (1922–2010), Musikwissenschaftler und Verleger
- Theodor Mahlmann, (1931–2011), evangelischer Theologe
- Lutz Meyer-Goßner (* 1936), Abitur 1955, Richter am Bundesgerichtshof
- Wolfgang Lüder (1937–2013), Politiker (FDP), Mitglied des Bundestages, Berliner Wirtschaftssenator und Stellvertreter des Regierenden Bürgermeisters von Berlin
- Lüder Deecke (* 1938), Professor für Neurologie in Wien
- Albert Heinemann (1938–2023), Jurist und Politiker (CDU), Mitglied des Niedersächsischen Landtages
- Eberhard Schmidt-Aßmann (* 1938), Rechtswissenschaftler
- Henning Schneider (* 1939), Emeritus für Gynäkologie und Geburtshilfe in Bern
- Peter von der Osten-Sacken (1940–2022), evangelischer Theologe
- Herbert Hossmann (1942–2024), Verwaltungsjurist, Verleger
- Joachim Nocke (1942–2017), Rechtswissenschaftler
- Martin Biermann (* 1943), Ministerialbeamter, Oberbürgermeister in Celle
- Joerg E. Staufenbiel (1943–2021), Sachbuchautor, Verleger und Personalberater
- Burghardt Wittig (* 1947), Molekularbiologe und Biochemiker
- Hans-Christoph Ammon (* 1950), Brigadegeneral, Kommandeur Kommando Spezialkräfte
- Henning Dralle (* 1950), Professor für Chirurgie in Essen
- Detlev Barth (* 1951), Jurist und Politiker (CDU), Mitglied im Niedersächsischen Landtag
- Karlheinz Keppler (* 1951), Arzt und Autor
- Rainer Robra (* 1951), Jurist, Politiker (CDU), Europa- und Kulturminister des Landes Sachsen-Anhalt
- Martin Doerry (* 1955), Journalist und Buchautor
- Achim Arbeiter (* 1958), Professor für Archäologie in Göttingen
- Karl-Hinrich Manzke (* 1958), lutherischer Theologe
- Hans-Jürgen Dörner (* 1964), Jurist und Vizepräsident des Bundesarbeitsgerichts
- Henning Lobin (* 1964), Sprachwissenschaftler, Direktor des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache
- Hinnerk Baumgarten (* 1968), Radio- und Fernsehmoderator
- Nicole Noevers (* 1968), Talkmasterin
- Marten Breuer (* 1971), Jurist und Hochschullehrer
- Nadine Ernsting-Krienke (* 1974), Hockey-Nationalspielerin
- Berend Lindner (* 1975), Jurist und Politiker (CDU), Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung
- Christoph Berner (* 1976), evangelischer Theologe und Hochschullehrer
- Max Zähle (* 1977), Filmemacher
- Ijad Madisch (* 1980), Virologe, Gründer und CEO des Wissenschaftler-Netzwerkes Researchgate und Mitglied des ersten deutschen Digitalrates der Bundesregierung
- Carola Rackete (* 1988), Abitur 2007, Nautikerin und Politikerin (parteilos), Mitglied des Europäischen Parlaments
- Valentino Worlitzsch (* 1989), Abitur 2008, Cellist, Pianist und Dirigent
Schriften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 650 Jahre Gymnasium Ernestinum, Celle. Festschrift. Gymnasium Ernestinum, Celle [ohne Datum, 1978], DNB 880748877.
- Gymnasium Ernestinum 675 Jahre 1328–2003. Gymnasium Ernestinum. Selbstverlag, Celle, Festschrift. Hrsg. 2003, OCLC 263689455.
- Jahresbericht über das Schuljahr … Staatliches Gymnasium Ernestinum in Celle. Ostern … bis Ostern … nachgewiesen als Periodikum von der Nummer 93.1928/29(1929) bis 94.1929/30(1930). DNB 101429679X
- Paul Alpers: Geschichte des Staatlichen Gymnasiums Ernestinum. 2. Auflage. Celle 1953.
- Heinrich Christian C. Grünebusch: Nachrichten über die Schule zu Celle. In: Neues Hannöversches Magazin. 1807.
- Hüpeden, Ludwig Ph: Nachrichten über das Lyceum zu Celle. Programm. 1831.
- G. Langreuther: Katalog der Königlichen Gymnasial-Bibliothek zu Celle. Celle 1884.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Sporthalle des Schulzentrums Burgstraße in Celle brennt in voller Ausdehnung. Kreisfeuerwehrverband Celle, 1. Juli 2016, abgerufen im Mai 2023.
- ↑ Millionenschaden durch Vollbrand einer Celler Sporthalle. Einsatzbericht der Feuerwehr, abgerufen im Mai 2023.
- ↑ Dagny Rößler: Sporthalle Burgstraße: Brandreste werden untersucht. In: Cellesche Zeitung, 13. Juli 2016, abgerufen im Mai 2023.
- ↑ Cosima Bellersen Quirini: 100 besondere Orte in Celle. Abgerufen im Mai 2023.
- ↑ RWLE Möller: Herrmanns, Adalbert, in: Celle-Lexikon, S. 94
- ↑ a b c d e Paul Alpers: Geschichte des Gymnasiums Ernestinum Celle. 2. Auflage. Celle 1953, S. 3.
- ↑ Stefan Amt: Georg Ludwig Comperl. (PDF) In: www.bhb-hannover.de. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 5. März 2016; abgerufen am 4. April 2020.
- ↑ G. Zernin: Das Leben des Generals A. v. Goeben. 1895.
- ↑ o. V.: Jahresbericht der Naturhistorischen Gesellschaft zu Hannover. Ausgaben 62–89, 1919, S. 2, 7f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche; auch zobodat.at [PDF])