Ernst-Abbe-Sportfeld

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Ernst-Abbe-Sportfeld
Das Ernst-Abbe-Sportfeld 2013 vor dem Abriss der Flutlichtmasten
Das Ernst-Abbe-Sportfeld 2013 vor dem Abriss der Flutlichtmasten
Frühere Namen

Jenaer Stadion

Daten
Ort Oberaue 3
DeutschlandDeutschland 07745 Jena, Deutschland
Koordinaten 50° 54′ 57″ N, 11° 34′ 58″ OKoordinaten: 50° 54′ 57″ N, 11° 34′ 58″ O
Eigentümer Stadt Jena
Eröffnung 24. August 1924
Erstes Spiel 1. SV Jena – VfL Halle 96 1:1
Renovierungen 1974 Installation Flutlichtanlage
1978 Installation Anzeigetafel
1997 Neubau Haupttribüne
2006 Installation Videotafel
2007 Installation Rasenheizung
2010 Renovierung Laufbahn
Oberfläche Naturrasen
Architekt Heinrich Voßler (Ursprüngliches Stadion)
Werner Schröder (Neue Haupttribüne)
Kapazität 12.990 Plätze
Spielfläche 105 × 68 m
Verein(e)
Veranstaltungen
Die Haupttribüne im Ernst-Abbe-Sportfeld (Juni 2005)

Das Ernst-Abbe-Sportfeld ist eine Sportanlage in der thüringischen Großstadt Jena. Sie wurde am 24. August 1924 nach zweijähriger Bauzeit eingeweiht und 1939, am 15. Jahrestag der Einweihung, nach dem Physiker und Sozialreformer Ernst Abbe benannt. Das Fußballstadion mit Leichtathletikanlage im Ernst-Abbe-Sportfeld ist Heimstätte des Fußballvereins FC Carl Zeiss Jena und des Frauenfußballclubs FF USV Jena. Der Eigentümer der Anlage ist die Stadt Jena. Sie hatte das Areal 1991 aus dem Besitz der Carl-Zeiss-Stiftung Jena erworben.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stadion befindet sich zusammen mit weiteren Fußball-, Faustball- und Hockeyplätzen sowie einer Wurfanlage südlich des Zentrums von Jena, direkt an der Saale.

Es verfügte über eine 1974 erbaute und 1995 generalüberholte Flutlichtanlage mit vier Stahlhohlmasten. Die Masten mussten wegen Baufälligkeit im Juli 2013 demontiert werden. Die 1978 installierte Anzeigetafel war die erste elektronische Anzeigetafel in der DDR. Sie wurde im Frühjahr 2005 durch einen Blitzschlag irreparabel beschädigt und in der Sommerpause 2006 durch eine neue Videotafel ersetzt, die zuvor während der Fußballweltmeisterschaft 2006 auf dem Fanfest in Nürnberg in Betrieb war. Wegen Auflagen der DFL für Stadien der zweiten Bundesliga wurden in der Sommerpause 2007 eine Rasenheizung und eine Videoüberwachungsanlage installiert sowie das Spielfeld leicht auf die vorgeschriebene Dimension von 105 m Länge und 68 m Breite vergrößert.

Zuschauerkapazität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stadion hatte eine Zuschauerkapazität von über 15.000 Plätzen, davon 9.572 Sitzplätze. 1997 wurde die 420 Zuschauern Platz bietende alte Holztribüne aus dem Jahr 1924 abgerissen und durch eine moderne Tribüne ersetzt, die 4.020 überdachte Sitzplätze bereitstellt. Die Zuschauerkapazität sollte durch den Bau einer neuen Gegentribüne dauerhaft auf über 15.000 Plätze erhöht werden; dazu wurde als Übergangslösung zu Beginn der Saison 2007/08 zunächst eine mobile Stahlrohrtribüne hinter der bestehenden Gegengeraden errichtet. Diese wurde Ende Mai 2009 wieder abgebaut, und das Fassungsvermögen verringerte sich auf 12.630 Zuschauer.

Der Zuschauerrekord datiert aus dem Jahr 1962. Trotz des damals offiziellen Fassungsvermögens von 20.000 Zuschauern fanden im Halbfinale des Europapokals der Pokalsieger zwischen dem SC Motor Jena und dem spanischen Vertreter Atlético Madrid 27.500 Besucher den Weg in das Stadion. Der Nachwenderekord wurde am 19. August 2016 in der 1. Runde des DFB-Pokals gegen den FC Bayern München aufgestellt. Durch die Errichtung von Zusatztribünen fanden 19.000 Zuschauer Platz im Ernst-Abbe-Sportfeld.[1]

Leichtathletik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stadion war regelmäßig Austragungsstätte der DDR-Meisterschaften und der Juniorenmeisterschaften der DDR. Es wird auch weiterhin nach der deutschen Wiedervereinigung für Leichtathletikwettkämpfe genutzt. Die deutschen Jugendmeisterschaften kamen 2004, 2011 und 2015 im Jenaer Stadion zur Austragung.

Der Tscheche Jan Železný erzielte am 25. Mai 1996 im Sportfeld mit 98,48 m den bis heute gültigen Weltrekord im Speerwurf.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 9. November 1976, nach einem Spiel des FC Carl Zeiss vor 16.000 Zuschauern im überfüllten Stadion gegen den 1. FC Kaiserslautern, starb eine 19-Jährige, als ein Pfeiler umknickte. Die Masse der Fans hatte nach Schlusspfiff versucht, ein Tor nach draußen aufzudrücken und trampelte über die Verunglückte, die den Vorfall nicht überlebte.[2]

Während des Hochwassers in Mitteleuropa 2013 wurde das Sportfeld komplett überflutet. Am 14. April 1994 stand das Stadion schon einmal komplett unter Wasser.[3] Nach dem Hochwasser ergab eine Korrosions- und Statikprüfung an den vier Flutlichtmasten, dass deren Standfestigkeit wegen Rostschäden nicht mehr gewährleistet sei. Nachdem ein entsprechendes Gutachten am 10. Juli 2013 beim Eigentümer Kommunale Immobilien Jena eingereicht worden war, wurde das Stadion einschließlich seiner nächsten Umgebung bis zum Abbau der Masten mit sofortiger Wirkung gesperrt.[4] Die "Giraffen" (Flutlichtmasten) wurden ab dem 19. Juli 2013 abgerissen, einer der Masten wird jedoch an neuer Stelle im Stadion wiedererrichtet.[5] Diese wurden zwischen 5. September und 12. Oktober 2013 versteigert[6], wo ein Teil der Nachwuchsarbeit des FC Carl Zeiss Jena, des FF USV Jena, des LC Jena und dem hochwassergeplagten Sportplatz des SV Jena-Zwätzen zugute kommt.[7]

Aufgrund der Hochwassergefährdung war neben einem (bis zum Sommerhochwasser 2013 favorisierten) Ausbau am jetzigen Standort auch ein Stadionneubau für Jena an anderer Stelle, beispielsweise in Lobeda, in der Diskussion.

Das Stadion ist nach dem Unternehmensgründer der Carl Zeiss AG und Sozialreformer Ernst Abbe benannt.

Umbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 23. September 2015 stimmte der Stadtrat von Jena dem Umbau des Stadions mit 29:5 Stimmen bei zwei Enthaltungen zu.[8] Ursprünglich plante man mit der Ausschreibung im Mai 2016 und Beginn der Arbeiten im Jahr 2017, aber die Änderung des Bebauungsplans führt zu einer Verzögerung.[9] Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröter (SPD) geht als Termin für einen Umbau von 2018 aus. Die Umwandlung in ein reines Fußballstadion soll rund 30 Mio. Euro kosten und das Stadion danach 15.500 Plätze (inklusive 500 V.I.P.-Plätzen) bieten. In der Nähe soll ein Parkhaus entstehen. Den Großteil der Kosten trägt die Kommune (15 Mio. Euro) und das Land Thüringen (11 Mio. Euro). Die Fertigstellung könnte zum Saisonstart 2019/20 erfolgen.[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ernst-Abbe-Sportfeld – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Florian Kinast: Bayerns Pokalsieg in Jena: Durch den Biergarten in Runde zwei. Spiegel Online, 20. August 2016, abgerufen am 27. August 2016.
  2. Unglück vorm Ernst-Abbe-Sportfeld vor 34 Jahren, Thüringer Allgemeine vom Juli 2010
  3. Ostthüringer ZeitungLand unter im Ernst-Abbe-Sportfeld in Jena: Trainingsplätze überflutet vom 31. Mai 2013
  4. Tino Zippel: Flutlichtanlage in Jena muss ersetzt werden: "Betreten verboten" im Umkreis von 80 Metern. OTZ Jena, 10. Juli 2013, abgerufen am 10. Juli 2013.
  5. Tino Zippel: Heute beginnt im Ernst-Abbe-Sportfeld in Jena Abbau der Flutlichtmasten. OTZ Jena, 19. Juli 2013, abgerufen am 19. Juli 2013.
  6. goethegalerie-jena.de: Flutlichtstrahler werden für einen guten Zweck versteigert
  7. Tino Zippel: FC Carl Zeiss Jena führt bei Flutlichtbenefiz vor LC Jena. OTZ Jena, 27. August 2013, abgerufen am 29. August 2013.
  8. stadionwelt.de: Stadtrat segnet Stadion-Umbau ab Artikel vom 24. September 2015
  9. stadionwelt.de: Regionalligist muss weiter auf Umbau warten Artikel vom 23. März 2016
  10. stadionwelt.de: Spatenstich für Stadionumbau wohl 2018 Artikel vom 29. April 2016