Euryanthe

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Asteroiden siehe (527) Euryanthe.
Werkdaten
Titel: Euryanthe
Euryanthe und Adolar im dritten Aufzug

Euryanthe und Adolar im dritten Aufzug

Form: Große romantische Oper in drei Aufzügen
Originalsprache: Deutsch
Musik: Carl Maria von Weber
Libretto: Helmina von Chézy
Uraufführung: 25. Oktober 1823
Ort der Uraufführung: Wien, Theater am Kärntnertor
Spieldauer: ca. 3 Stunden
Ort und Zeit der Handlung: Frankreich, das Schloss zu Préméry, sowie die Burg von Nevers, nach dem Frieden mit England im Jahre 1110
Personen
  • König Ludwig VI. (Bass)
  • Adolar, Graf von Nevers (Tenor)
  • Lysiart, Graf von Forest und Beaujolois (Bariton)
  • Euryanthe von Savoyen, Braut Adolars (Sopran)
  • Eglantine von Puiset, gefangene Tochter eines Empörers (Sopran)
  • Berta, Landmädchen, Braut Rudolfs (Sopran)
  • Rudolf, Ritter, Bräutigam Bertas (Tenor)
  • Fürsten, Fürstinnen, Ritter, Knappen, Jäger, Vasallen, Landleute, Burgbewohner, Spielleute, Herolde, Trabanten, Reisige (Chor, Statisten)
  • Bäuerinnen, Bauern (Ballett)

Euryanthe (Jähns Werkverzeichnis J. 291, op. 81) ist eine Große romantische Oper in drei Aufzügen von Carl Maria von Weber. Der Text stammt von Helmina von Chézy, geb. Freiin von Klencke. Komponiert wurde sie in den Jahren 1822 bis 1823. Die Uraufführung fand am 25. Oktober 1823 mit der erst 17-jährigen Henriette Sontag in der Titelpartie unter der Leitung des Komponisten im Theater am Kärntnertor in Wien statt.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erster Aufzug[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei einem Fest, das der König zu Ehren seiner siegreichen Krieger in seinem Schlosse gibt, singt Adolar ein Lied auf die Treue seiner Braut Euryanthe. Als Lysiart diese Treue bezweifelt, fordert Adolar ihn zu einem Zweikampf heraus. Lysiart aber schlägt ihm eine Wette vor: wenn er Euryanthe der Untreue überführen kann, muss Adolar ihm seinen gesamten Besitz übereignen. Adolar geht auf diese Wette ein.

Verwandlung. Euryanthe erzählt Eglantine Adolars Geheimnis: Die Schwester Adolars hat sich aus Liebeskummer mit einem vergifteten Ring selbst getötet und kann nun in ihrem Grab keine Ruhe finden. Eglantine beschließt, sich mit Hilfe dieses Wissens an Adolar zu rächen, weil er sie verschmäht hat.

Zweiter Aufzug[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lysiart, dem es nicht gelungen ist, Euryanthe zu verführen, verbindet sich zu gemeinsamer Rache mit Eglantine. Eglantine hat den Ring von Adolars Schwester aus dem Grab gestohlen und will ihn als Beweis der Untreue Euryanthes benutzen.

Verwandlung. Am Hofe des Königs empfängt Adolar seine Braut Euryanthe. Lysiart erklärt ihm, die Wette gewonnen zu haben, und erzählt die Geschichte vom vergifteten Ring, mit der sich Adolars Schwester getötet habe. Als Beweisstück zeigt er allen den gestohlenen Ring. Euryanthe muss zugeben, dass sie das Geheimnis verraten hat. Adolar verflucht sie, und Lysiart bekommt die Ländereien Adolars als Preis der gewonnenen Wette.

Dritter Aufzug[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem verlassenen Walde will Adolar Euryanthe töten. Doch da fällt eine Schlange über ihn her und greift ihn an. Euryanthe wirft sich schützend dazwischen. Adolar ist durch Euryanthe gerettet. Er will sie nun nicht mehr wegen ihrer angeblichen Untreue töten und lässt sie allein in der wüsten Einöde zurück. Euryanthe wird vom König und seinem Jagdgefolge zufällig gerettet. Sie berichtet dem König von der Intrige Eglantines. Der König verspricht, die Sache aufzuklären, und lässt Euryanthe zurück ins Schloss geleiten.

Verwandlung. Lysiart und Eglantine wollen heiraten. Eglantine aber ist dem Wahnsinn verfallen und wird von Lysiart getötet, als sie in einem Anfall von geistiger Umnachtung alles gesteht. Lysiart wird zum Tode verurteilt. Euryanthe und Adolar können nun doch zusammen glücklich werden, denn die verstorbene Schwester Adolars findet nun endlich ihre Ruhe.

Gestaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Instrumentation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orchesterbesetzung der Oper enthält die folgenden Instrumente:[1]

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Webers Partitur weist harmonische Kühnheiten auf, die erst Richard Wagner wieder aufgriff. Überhaupt belegt die Euryanthe die enge Beziehung Wagners zu Weber am deutlichsten. Besonders den Beginn des zweiten Aufzugs greift Wagner in Lohengrin auf: das Paar Ortrud – Telramund ist musikalisch entsprechend dem Paar Eglantine – Lysiart gestaltet. Die These, dass Wagners Ideen vom Gesamtkunstwerk ihren Ursprung bei Carl Maria von Weber haben könnten, erscheint gerade im Hinblick auf die Beziehung des Lohengrin zu Euryanthe gar nicht so abwegig.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Titelblatt des Librettos, Wien 1824

Im Spätherbst 1821 erhielt Weber den Auftrag, für das Kärntnertortheater in Wien eine Oper zu komponieren. Weber nahm den Auftrag sofort an, obwohl er eigentlich Die drei Pintos für Dresden fertig komponieren wollte. Mit dem Textbuch zur Euryanthe hat Weber große Schwierigkeiten gehabt, nachdem das Zerwürfnis mit dem Freischütz-Librettisten Johann Friedrich Kind nicht mehr zu kitten war. Eine ideale Verbindung für Weber wäre die Partnerschaft mit dem Dichterkomponisten Ernst Theodor Amadeus Hoffmann gewesen, aber Weber trug Helmina von Chézy den Wunsch nach einem Libretto an. Diese in Dresdner Literaturzirkeln angesehene Dame schrieb ihr Textbuch nach einer Erzählung aus dem 13. Jahrhundert: L’histoire du très-nobles et chevalereux prince Gérard, comte de Nevers, et de la très-vertuese et trèschaste princesse Euriant de Savoye. Helmina von Chézy verstand es nicht, die Handlung auf das Wesentliche zu konzentrieren, sondern setzte sich sehr umständlich mit der literarischen Vorlage auseinander. Ihre poetische Gestaltung des Stoffes vermittelt aber weder eine angemessene Atmosphäre, noch genügt sie dem szenischen Anspruch, sie wirkt oft unbeabsichtigt komisch. Weber befragte in seiner Verzweiflung über dieses unbrauchbare Textbuch sogar den Dichter Ludwig Tieck, der Weber riet, doch lieber einen ähnlichen Stoff, wie zum Beispiel Shakespeares Cymbeline zu vertonen. Damit konnte sich aber der Komponist nicht anfreunden und versuchte mit eigenen Ideen einzugreifen, um das Textbuch für seine Oper doch noch zu retten. Bis heute sind die Ungereimtheiten des Librettos der Hauptgrund für die Zurückhaltung der Opernhäuser, die Oper Euryanthe aufzuführen, obwohl Webers einzige durchkomponierte Oper aufgrund der Komposition einen festen Platz im Repertoire verdient hätte.

Die Uraufführung fand am 25. Oktober 1823 im Theater am Kärntnertor in Wien unter der Leitung des Komponisten statt. Es sangen Joseph Seipelt (König Ludwig VI.), Anton Haizinger (Adolar), Anton Forti (Lysiart), Henriette Sontag (Euryanthe von Savoyen), Therese Grünbaum (Eglantine von Puiset), Henriette Theimer-Forti (Berta) und Jakob Wilhelm „Giacomo“ Rauscher (Rudolf).[2]

Dresden hatte Euryanthe am 31. März 1824 herausgebracht. Das Ensemble setzte sich mit ungeheurem Eifer für die neue Oper des Freischütz-Komponisten ein, allen voran die ausgezeichnete Sänger-Darstellerin Wilhelmine Schröder-Devrient als Euryanthe. Der Erfolg stellte sich endlich ein, und Ludwig Tieck bestätigte dem Komponisten, dass in dieser Oper „Sachen seien, um die ihn Gluck und Mozart beneiden müssten“. Auch die Berliner Premiere am 23. Dezember 1825 wurde zum Triumph für den Komponisten.

1954 versuchte Kurt Honolka für die Württembergische Staatsoper Stuttgart eine Neubearbeitung des Librettos. Gut besuchte Vorstellungen waren das Ergebnis dieses neuen Operntextes, auch das Dirigat Ferdinand Leitners trug zum Erfolg wesentlich bei.

Aufnahmen / Tonträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael C. Tusa: Euryanthe and Carl Maria von Webers Dramaturgy of German Opera (= Studies in Musical Genesis and Structure). Oxford 1991.
  • Marita Fullgraf: Rettungsversuche einer Oper: Die musikdramaturgischen Bearbeitungen der Euryanthe von Carl Maria Von Weber. Pfau, Saarbrücken 1997.
  • Till Gerrit Waidelich: „Durch Webers Betrügerey die Hände so gebunden“. Helmina von Chézys Kampf um die Urheberrechte an ihrem Euryanthe-Libretto in ihrer Korrespondenz und Brief-Entwürfen. In: Weberiana 18 (2008), S. 33–68.
  • Oswald Panagl: Bewundert wenig und viel gescholten. Helmina von Chézy als Textdichterin für Carl Maria von Weber (Euryanthe) und Franz Schubert (Rosamunde). In: Die ,Schaubühne‘ in der Epoche des Freischütz […]. Anif 2009, S. 423–435.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Euryanthe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Carl Dahlhaus / Sieghart Döhring: Euryanthe. In: Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters. Band 6: Werke. Spontini – Zumsteeg. Piper, München / Zürich 1997, ISBN 3-492-02421-1, S. 668–672.
  2. 25. Oktober 1823: „Euryanthe“ im Almanacco von Gherardo Casaglia auf Amadeus Online.