Ewald Hering

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Ewald Hering (1835–1918)
Farbkreis nach Ewald Herings Gegenfarbtheorie, die er das „natürliche System der Farbempfindungen“ nannte

Karl Ewald Konstantin Hering (* 5. August 1834 in Alt-Gersdorf in der Lausitz; † 26. Januar 1918 in Leipzig) war ein deutscher Physiologe und Hirnforscher.

Biographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hering studierte Medizin an der Universität Leipzig bei Ernst Heinrich Weber, Gustav Theodor Fechner, Otto Funke und Julius Victor Carus. Während seines Studiums wurde er Mitglied der Leipziger Universitäts-Sängerschaft zu St. Pauli (heute Deutsche Sängerschaft)[1]. Von 1860 bis 1865 arbeitete er in Leipzig als poliklinischer Assistent. In dieser Zeit habilitierte er sich 1862 für Physiologie.

1865 wurde er an der Medizinisch-chirurgischen Josephs-Akademie in Wien als Professor für Physiologie und medizinische Physik Nachfolger des Physiologen Carl Ludwig.

Hering verfasste Arbeiten über den Raumsinn und die Farbwahrnehmung des Auges. Er veröffentlichte seine Lehre vom Lichtsinn in Wien als Monographie 1874, in Buchform 1878. Er wandte sich damit gegen ein ausschließlich physikalisches Verständnis der Farben. Auf ihn geht die Gegenfarbtheorie zurück, auf der z. B. das Natural Color System beruht. Anders als Hermann von Helmholtz, der eine Dreifarbenlehre (rot, grün, blau) vertrat, ging Hering von einer Vierfarbenlehre aus.

Als Nachfolger von Jan Evangelista Purkyně[2] hatte Hering den Lehrstuhl für Physiologie an der Karls-Universität Prag von 1870 bis 1895 inne. Er war Mitglied der Prager Universitäts-Sängerschaft „Barden“ (heute zu München). 1882 wurde er nach der Teilung der Universität erster Rektor der deutschen Universität Prag. 1895 kehrte er als Professor für Physiologie nach Leipzig zurück. Seit 1896 war er ordentliches Mitglied der Königlich Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften.[3] 1904 wurde er zum auswärtigen Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften gewählt.[4] 1905 wurde er als korrespondierendes Mitglied in die Russische Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg aufgenommen.[5]

Sein Sohn Heinrich Ewald Hering ergriff den gleichen Beruf wie sein Vater und gelangte darin ebenfalls zu Bedeutung. Sein Onkel war der Mediziner Constantin Hering, sein Großvater der Komponist Carl Gottlieb Hering, auch viele weitere Verwandte machten sich einen Namen als Schriftsteller, Musiker und Komponisten.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zur Lehre von der Beziehung zwischen Leib und Seele : I. Mittheilung: Über Fechner's psychophysisches Gesetz. In: Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Klasse / Abteilung III, Anatomie und Physiologie des Menschen und der Tiere sowie theoretische Medizin, 72, S. 310–348, 1875 siehe auch http://edocs.ub.uni-frankfurt.de/volltexte/2009/12415/
  • Grundzüge einer Theorie des Temperatursinns. In: Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Klasse, Abteilung III, Anatomie und Physiologie des Menschen und der Tiere sowie theoretische Medizin, 75, S. 101–135, 1877, siehe auch http://edocs.ub.uni-frankfurt.de/volltexte/2007/9226/
  • Zur Lehre vom Lichtsinne. Sechs Mittheilungen an die Kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien. Zweiter, unveränderter Abdruck. Gerold, Wien 1878. (Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Julius Pagel: Hering, Ewald, in: Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts. Berlin und Wien 1901, Sp. 723 f.
  • Dietrich Trincker: Hering, Karl Ewald Konstantin. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 8, Duncker & Humblot, Berlin 1969, ISBN 3-428-00189-3, S. 617–619 (Digitalisat).
  • Holger Münzel: Max von Frey. Leben und Wirken unter besonderer Berücksichtigung seiner sinnesphysiologischen Forschung. Würzburg 1992 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen, 53), S. 188 f. (Ewald Hering).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gesamtverzeichnis der Pauliner vom Sommer 1822 bis Sommer 1938, Leipzig 1938, Seite 26
  2. Karl Sablik: Hering, Vintschgau und das Problem der Nachfolge Purkinjes. In: Sudhoffs Archiv. Band 73, 1989, S. 78–87.
  3. Mitglieder der SAW: Ewald Hering. Sächsische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 26. Oktober 2016.
  4. Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751-2001. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 111.
  5. Ausländische Mitglieder der Russischen Akademie der Wissenschaften seit 1724. Karl Ewald Konstantin Hering. Russische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 17. August 2015 (russisch).