Ewigkeitskosten

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schlaegel und Eisen nach DIN 21800.svg

Dieser Artikel wurde aufgrund inhaltlicher und/oder formaler Mängel auf der Qualitätssicherungsseite des Portals Bergbau eingetragen.
Du kannst helfen, indem Du die dort genannten Mängel beseitigst oder Dich an der Diskussion beteiligst.

Ewigkeitskosten sind Folgekosten, die nach Beendigung des Bergbaus entstehen oder bleiben und zumindest für längere Zeit anfallen werden. Der Begriff wurde im Zusammenhang mit der endgültigen Stilllegung des deutschen Steinkohlenbergbaus geprägt; man kann ihn auch für die Folgekosten anderer Bergbauzweige (beispielsweise den Uranbergbau in Sachsen und Thüringen) und anderer Industriezweige (zum Beispiel Folgekosten von Atomstrom durch Endlager) verwenden.

Ewigkeitslasten kennzeichnen einen Industriezweig – hier den Bergbau – als nicht nachhaltig. Dies schließt die Nutzung der Bergbauprodukte ein, begründet also zum Beispiel neben dem Ressourcenverbrauch die fehlende Nachhaltigkeit der Stromproduktion aus Kohle.

Zu den Ewigkeitslasten der Steinkohlebergbaus gehören die Grubenwasserhaltung, die Poldermaßnahmen und die Grundwasserreinigung.

Ewigkeitskosten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hierzu gehört insbesondere das Pumpen von Wasser in die aufgrund der Bergsenkung höher liegende Vorflut.

Ein Abpumpen des Grundwassers betrifft Orte, die durch den Kohleabbau tiefer abgesenkt wurden als der Wasserpegel (Beispiel Walsum am Niederrhein, 20 Millionen Kubikmeter jährlich) oder durch die Absenkung tiefer liegen als die Entwässerungssysteme (Beispiel Reisbach in Saarwellingen). In diesen Fällen fallen Pumpkosten an, solange diese Orte existieren.

Der Bergbau führt - anders als andere Industriezweige - zu erheblichen Landschaftsveränderungen. Dies gilt insbesondere für den Tagebau, beispielsweise den Tagebau auf Braunkohle am Niederrhein oder in der Lausitz, aber auch den ehemaligen Uranbergbau in Sachsen und Thüringen. Auch der Tiefbau führt, meist über Bergsenkungen, zu erheblichen Landschaftsveränderungen. Im deutschen Steinkohlenbergbau wurde die Erdoberfläche bis zu 40 Meter abgesenkt (Innenstadt Essen beispielsweise 16 Meter). Ohne ständiges Pumpen des Grundwassers wäre das Ruhrgebiet eine Seenlandschaft. Diesen Ewigkeitsfolgen soll beispielsweise im Braunkohlenbergbau durch Gestaltung einer Bergbaufolgelandschaft entgegengewirkt werden. Dabei wird zum Beispiel die natürliche Terrassenlandschaft aus den Uferterrassen des Rheins durch eine Kunstlandschaft ersetzt.

Ewigkeitskosten des deutschen Steinkohlenbergbaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut einem 2006 erstellten Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums belaufen sich die Ewigkeitskosten des deutschen Steinkohlebergbaus auf mindestens 12,5 bis 13,1 Milliarden Euro.[1] Die Grubenwasserhaltung verursacht mit 5 Milliarden Euro die höchsten Kosten, Risiken für das Trinkwasser sind nicht eingerechnet. Dem gegenüber stehen Rückstellungen der RAG von nur 6 Milliarden Euro.

Die Planungen der RAG Aktiengesellschaft sehen vor, dass mit dem Ende der Kohlesubventionen und dem Ende des Steinkohlenbergbaus im Ruhrgebiet 2018 das Abpumpen des Grundwassers eingestellt wird, wodurch jährliche Kosten von ca. 200 Millionen Euro entfallen.

Zwischenzeitlich wurde jedoch festgestellt, dass auf Grund bergrechtlicher Genehmigungen, die umweltrechtliche Genehmigungen entbehrlich machten, in vier Zechen (darunter die Zeche Consolidation, Zeche Haus Aden und Zeche Walsum, testweise auch Zeche Zollverein in Essen und Zeche Ewald / Zeche Hugo in Gelsenkirchen) im Ruhrgebiet mehr als 700.000 Tonnen hochgiftiger Filterstäube aus Müllverbrennungsanlagen entsorgt wurden, so dass nach der Einstellung der künstlichen Senkung des Grundwasserspiegels durch Abpumpen eine Belastung des Grundwassers droht. Die diesbezüglichen Diskussionen waren Mitte 2013 noch nicht abgeschlossen.[2]

Die Übernahme der Ewigkeitskosten des deutschen Steinkohlenbergbaus ist durch das Steinkohlefinanzierungsgesetz vom Dezember 2007 geregelt. Im Vorfeld wurde auf Wunsch der RAG Aktiengesellschaft und im Einvernehmen mit dem Bund, den Bundesländern NRW und Saarland sowie der IG BCE die RAG-Stiftung gegründet. Zweck und Aufgabe der RAG-Stiftung ist es unter anderem, bis Ende des Jahres 2018 ein Stiftungsvermögen aufzubauen, das ab 2019 zur Finanzierung der Ewigkeitskosten (Dauerbergschäden, Grubenwasserhaltung und Grundwasserreinigung) verwendet wird. Entsprechend dem Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG[1] soll der Kapitalstock der Stiftung bis Ende 2018 ein Niveau von mindestens 8 Milliarden Euro erreichen. Dazu wurde im Jahr 2007 zwischen der RAG-Stiftung und der RAG Aktiengesellschaft ein Beherrschungs- und Ergebnisabführungsvertrag geschlossen. Außerdem erwarb die RAG-Stiftung die Evonik Industries von der RAG Aktiengesellschaft.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b KPMG-Studie: Ewigkeitskosten der Kohle betragen 13 Milliarden Euro – Unwägbare Risiken für Trinkwasser, Pressemitteilung Wirtschaftswoche, 14. Dezember 2006
  2. Johannes Nitschmann: Tickende Zeitbomben in stillgelegten Zechen. In: Die Welt. Abgerufen am 28. Juli 2013.