Ewigkeitskosten

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Concordiasee, Oberhausen, Ende des 19. Jahrhunderts

Ewigkeitskosten, Ewigkeitslasten oder Ewigkeitsaufgaben sind Folgekosten und Belastungen, die zum Beispiel nach Beendigung des Bergbaus an bestimmten Orten entstehen oder bleiben und zumindest für längere Zeit anfallen werden. Der Begriff wurde im Zusammenhang mit der endgültigen Stilllegung des deutschen Steinkohlenbergbaus geprägt; man kann ihn auch für die Folgekosten anderer Bergbauzweige (beispielsweise des Uranbergbaus in Sachsen und Thüringen) und anderer Industriezweige anwenden, zum Beispiel für die Folgekosten der Energieerzeugung durch Kernkraft („Endlagerung“ und so weiter). Ewigkeitslasten kennzeichnen einen Industriezweig (neben einem unwiederbringlichen Verbrauch der Ressourcen) als nicht nachhaltig.

Ewigkeitslasten im deutschen Steinkohlenbergbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Ewigkeitslasten des Steinkohlebergbaus gehören die Grubenwasserhaltung, die Poldermaßnahmen und die Grundwasserreinigung. Hierzu gehört insbesondere das Pumpen von Wasser in die aufgrund der Bergsenkung höher liegende Vorflut.

Im deutschen Steinkohlenbergbau wurde die Erdoberfläche bis zu 40 Meter abgesenkt.[1]

Kosten und Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut einem 2006 erstellten Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums belaufen sich die Ewigkeitskosten des deutschen Steinkohlebergbaus auf mindestens 12,5 bis 13,1 Milliarden Euro.[2] Die Grubenwasserhaltung verursacht mit 5 Milliarden Euro die höchsten Kosten, Risiken für das Trinkwasser sind nicht eingerechnet. Dem gegenüber stehen Rückstellungen der RAG von nur 6 Milliarden Euro.

Die Übernahme der Ewigkeitskosten des deutschen Steinkohlenbergbaus ist durch das Steinkohlefinanzierungsgesetz vom Dezember 2007 geregelt. Im Vorfeld wurde auf Wunsch der RAG Aktiengesellschaft und im Einvernehmen mit dem Bund, den Bundesländern NRW und Saarland sowie der IG BCE die RAG-Stiftung gegründet. Zweck und Aufgabe der RAG-Stiftung ist es unter anderem, bis Ende des Jahres 2018 ein Stiftungsvermögen aufzubauen, das ab 2019 zur Finanzierung der Ewigkeitskosten (Dauerbergschäden, Grubenwasserhaltung und Grundwasserreinigung) verwendet wird.

Entsprechend dem Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG[2] soll der Kapitalstock der Stiftung bis Ende 2018 ein Niveau von mindestens 8 Milliarden Euro erreichen. Dazu wurde im Jahr 2007 zwischen der RAG-Stiftung und der RAG Aktiengesellschaft ein Beherrschungs- und Ergebnisabführungsvertrag geschlossen. Außerdem erwarb die RAG-Stiftung die Evonik Industries von der RAG Aktiengesellschaft.

Ewigkeitslasten des Ruhrreviers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Steinkohlenbergbau des Ruhrgebiets wurde die Erdoberfläche bis zu 25 Meter [1] abgesenkt. Die Innenstadt Essens liegt beispielsweise 16 Meter tiefer. Ohne ständiges Pumpen des Grundwassers wäre weite Teile des Ruhrgebiets eine Seenlandschaft. Fast ein Fünftel der Region (in den Grenzen des Regionalverbands Ruhr mit 4.435 km² Fläche) stünde unter Wasser.[3]

Allein in Walsum am Niederrhein werden 20 Millionen Kubikmeter jährlich abgepumpt. Die Entwicklung geht dahin, zentrale Pumpanlagen wie in Walsum zu errichten.[4] Derzeit wird an zehn Stellen im Ruhrgebiet derzeit Grubenwasser an die Oberfläche gepumpt, an zwei weiteren wird derzeit gearbeitet, eine dreizehnte Stelle lag mit Stand von 2016 trocken. Insgesamt werden im Ruhrgebiet rund 80 Millionen Kubikmeter jährlich an die Oberfläche gepumpt.[5]

Die Planungen der RAG Aktiengesellschaft sahen vor, dass mit dem Ende der Kohlesubventionen und dem Ende des Steinkohlenbergbaus im Ruhrgebiet 2018 das Abpumpen des Grundwassers eingestellt wird, wodurch jährliche Kosten von etwa 200 Millionen Euro entfallen. Dadurch drohen sich aber Wässer mit starker Salzbelastung und anderen Schadstoffen wie etwa PCB mit dem Grundwasser zu mischen.

Zwischenzeitlich wurde auch festgestellt, dass auf Grund bergrechtlicher Genehmigungen, die umweltrechtliche Genehmigungen entbehrlich machten, in vier Zechen (darunter die Zeche Consolidation, Zeche Haus Aden und Zeche Walsum, testweise auch Zeche Zollverein in Essen und Zeche Ewald/Zeche Hugo in Gelsenkirchen) im Ruhrgebiet mehr als 700.000 Tonnen hochgiftiger Filterstäube aus Müllverbrennungsanlagen entsorgt wurden, so dass nach der Einstellung der künstlichen Senkung des Grundwasserspiegels durch Abpumpen eine Belastung des Grundwassers droht. Die diesbezüglichen Diskussionen waren Mitte 2013 noch nicht abgeschlossen.[6]

Ewigkeitslasten im Saarrevier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Beispiel für die Gebiete im Saarrevier, die wegen Absenkung tiefer liegen als die Entwässerungssysteme, ist Reisbach in Saarwellingen.

Die RAG AG plant im Saarrevier, die Grubenwasserhaltung langfristig einzustellen. Der Grubenwasserspiegel soll in mehreren Phasen ansteigen; bis zum Jahr 2035 sollen die Bergwerke im Saarland komplett geflutet sein.[7]

Ewigkeitslasten im deutschen Braunkohletagebau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Braunkohletagebau vorzugsweise im Tagebau führt zu zu erheblichen Landschaftsveränderungen, etwa am Niederrhein oder im Lausitzer Braunkohlerevier. Auch der Tiefbau führt, meist über Bergsenkungen, zu erheblichen Landschaftsveränderungen.

Diesen Ewigkeitsfolgen soll beispielsweise im Braunkohlenbergbau durch Gestaltung einer Bergbaufolgelandschaft entgegengewirkt werden. Dabei wird zum Beispiel die natürliche Terrassenlandschaft aus den Uferterrassen des Rheins durch eine Kunstlandschaft ersetzt.

An den künstlichen Seen entstehen zuweilen Rutschungen.

Ewigkeitslasten im deutschen Uranbergbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1950 und 1990 förderte hier Uranbergbau in Sachsen und Thüringen für die Sowjetunion Uran im Tagebau und unterirdisch. Das sich in diesen Bergbauanlagen sammelnde Wasser muss ausgepumpt und gereinigt werden.[8]

Ewigkeitsasten der Kernenergie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den langfristigen Belastungen zählen die Kosten der so genannten Endlagerung.[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Land unter – Leben auf Pump(en). In: Webseite der Sendung [w] wie wissen. Das Erste, 18. Juni 2014, abgerufen am 10. Februar 2018.
  2. a b KPMG-Studie: Ewigkeitskosten der Kohle betragen 13 Milliarden Euro - Unwägbare Risiken für Trinkwasser. In: PresseBox-Webseite. Pressemitteilung Wirtschaftswoche, 14. Dezember 2006, abgerufen am 10. Februar 2018.
  3. Thomas Mader: Warum das Ruhrgebiet ohne Pumpen eine Seenplatte wäre.
  4. Quarks: Wie wir die Folgen des Bergbaus bewältigen.
  5. https://www.welt.de/print/die_welt/article158457994/Eine-Frage-der-Kohle.html
  6. Johannes Nitschmann: Tickende Zeitbomben in stillgelegten Zechen. In: Die Welt. 28. Juli 2013, abgerufen am 10. Februar 2018.
  7. https://umweltrecht.legal/2018/07/nicht-ewige-ewigkeitslasten-bundesregierung-beantwortet-rechtsfragen-zum-geplanten-grubenwasseranstieg-im-saarrevier/
  8. https://www.deutschlandfunkkultur.de/manuskript-vom-umgang-mit-ewigkeitslasten.media.e8953620795d41d1f55c7ece8ec53e18.txt
  9. http://www.fr.de/politik/meinung/gastbeitraege/endlagerung-die-ewigkeitslasten-des-atomzeitalters-a-320210