FALKO (Forschungsprojekt)

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FALKO ist ein interdisziplinäres Forschungsprojekt, an dem Fachdidaktiken und Pädagogik der Universitäten Regensburg und Augsburg beteiligt sind. Das Team befasst sich mit professionellem Wissen von Sekundarstufen-Lehrkräften und knüpft dabei an Vorarbeiten des Projekts COACTIV des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung an. Zentraler Bestandteil der bisherigen Arbeit war die gemeinsame Entwicklung fachspezifischer Professionswissenstests für die Unterrichtsfächer Deutsch, Englisch, Evangelische Religion, Latein, Musik und Physik.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Akronym FALKO steht für "Fachspezifische Lehrerkompetenzen".[1]

Beteiligte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

FALKO wurde initiiert von Stefan Krauss (Universität Regensburg, Didaktik der Mathematik) und Anita Schilcher (Universität Regensburg, Didaktik der deutschen Sprache und Literatur). Weitere Beteiligte sind Michael Fricke (Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts), Anja Göhring und Anja Schödl (Naturwissenschaft und Technik mit Schwerpunkt Physik), Sven Hilbert (Professur für Methoden der empirischen Bildungsforschung), Alfred Lindl und Harald Kloiber (Latein-Didaktik), Regina H. Mulder, Susanne Sauer und Franziska Kempka (Pädagogik), Johannes Wild (Didaktik der deutschen Sprache und Literatur), Oliver Tepner (Chemiedidaktik), Jochen Kirchhoff (Geschichtsdidaktik, Universität Erfurt), Petra Kirchhoff (Fachdidaktik Englisch, Universität Erfurt), Markus Pissarek (Didaktik der deutschen Sprache und Literatur, Alpen-Adria-Universität Klagenfurt), sowie Bernhard Hofmann und Gabriele Puffer (Musikpädagogik, Universität Augsburg).

Forschungsanliegen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstes Ziel des Projekts war die Entwicklung valider Testinstrumente zur Erfassung domänenspezifischen Professionswissens von Lehrkräften der Sekundarstufe I sowie von Studierenden aus entsprechenden Studiengängen. Dabei wurden erstmals auch gering strukturierte Domänen wie die Unterrichtsfächer Religion, Latein und Musik einbezogen. Ein gemeinsames theoretisches und formales Rahmenmodell sollte sowohl das Untersuchen fachspezifischer Zusammenhänge und Entwicklungsverläufe ermöglichen als auch das Prüfen fächerübergreifender Zusammenhangs- und Unterschiedshypothesen.[2]

Theoretischer Rahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Basis der Arbeit war eine gemeinsame theoretische Konzeptualisierung von Fachwissen und fachdidaktischem Wissen von Lehrkräften, die in Anlehnung an die Wissenstaxonomie Lee Shulmans[3] und deren Modellierung in der COACTIV-Studie vorgenommen wurde. Beide Wissensfacetten wurden für die Unterrichtsfächer Deutsch, Englisch, Latein, Physik, Musik und Evangelische Religion domänenspezifisch operationalisiert. Fachwissen ist dabei als vertieftes Wissen über Inhalte entsprechender schulischer Curricula abgebildet. Fachdidaktisches Wissen wird in drei Facetten konzeptualisiert: Wissen über fachbezogene Kognitionen von Schülerinnen und Schülern; Wissen über fachspezifische Instruktionsstrategien; Wissen über das Potenzial von Aufgabenstellungen und Unterrichtsmaterialien.[2]

Methodik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Testkonzeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für jedes beteiligte Unterrichtsfach wurde ein domänenspezifischer Professionswissenstest entwickelt (Papier-und-Bleistift-Test mit ca. 90 Minuten Dauer, davon 30 Minuten für den Testteil "Fachwissen" und 60 Minuten für den Testteil "Fachdidaktisches Wissen").

Validierungsstudie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In die Validierungsstudie gingen Daten von insgesamt N = 1144 Studierenden (n = 601) und Lehrkräften (n = 543) ein, die vorwiegend in Bayern erhoben wurden. Für transdisziplinäre Metaanalysen konnten außerdem auch neue Daten aus der COACTIV-Studie berücksichtigt werden, so dass insgesamt eine Datenbasis von N = 1594 Personen vorlag. Unter ihnen befanden sich 741 Lehrkräfte (54,0 % weiblich), die entweder an einer nichtgymnasialen Bildungseinrichtung (241 Personen) oder an einem Gymnasium (499 Personen) unterrichteten (durchschnittliche Berufserfahrung: 12,24 Jahre, SD = 10,35; range 0,5–40). Zudem nahmen 853 Lehramtsstudierende (64,9 % weiblich) an der Untersuchung teil (angestrebter Studienabschluss nichtgymnasiales Lehramt: n = 347, gymnasiales Lehramt: n = 498 Personen; mittlere Studienerfahrung: 6,57 Semester, SD = 3,16; range 1–14).[4]

Um einen Diskurs auf breiter Ebene über Methodik und Ergebnisse zu ermöglichen, wurden sämtliche Testitems online veröffentlicht.[5]

Ergebnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen von FALKO gelang es erstmals, ausgehend von einem gemeinsamen theoretischen Rahmenmodell Professionswissen von Lehrkräften für eine große und heterogene Zusammenstellung von Schulfächern bis auf Facettenebene gemeinsam zu konzeptualisieren und in reliable und valide Testinstrumente umzusetzen. Damit sind nun auch für gering strukturierte Domänen erstmals interdisziplinäre Vergleiche möglich.

Metaanalysen auf Grundlage der FALKO-Gesamtstichprobe (N = 1594) ergaben unter anderem folgende Befunde:

  • Gymnasiale Lehrkräfte haben über alle Unterrichtsfächer hinweg im Vergleich zu nicht-gymnasialen einen erheblichen Vorsprung im Fachwissen; ebenso verhält es sich bei den Studierenden.[4]
  • Studierende gymnasialer Lehrämter erreichten in den FALKO-Fachwissenstests durchschnittlich dasselbe Niveau wie nichtgymnasiale Lehrkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung.[4]
  • Im gymnasialen wie im nichtgymnasialen Bereich verfügen Lehrkräfte über deutlich mehr fachdidaktisches Wissen als Studierende.[4]
  • Die Ergebnisse konfirmatorischer Faktorenanalysen stützen für alle beteiligten Fächer Lee Shulmans theoretische Annahme, es handle sich bei Fachwissen und fachdidaktischem Wissen um zwei zu trennende, aber nicht völlig disjunkte Wissenskonstrukte.[3][4]
  • Zudem konnte im Rahmen von Mehrebenen-Analysen ein zentrales Resultat der COACTIV-Studie für die an FALKO beteiligten Fächer generalisiert werden: Der Entwicklungsraum des fachdidaktischen Wissens wird offenbar vom verfügbaren schulnah modellierten Fachwissen determiniert.[4] Dies unterstreicht die Bedeutung einer soliden unterrichtsnahen fachwissenschaftlichen Ausbildung in allen Lehramtsstudiengängen, ohne die Relevanz einer gründlichen fachdidaktischen Ausbildung zu schmälern.

Insbesondere der letzte Befund wirft erneut eine Frage nach Bildungsgerechtigkeit auf, die bereits von anderen Forschenden gestellt wurde[6][7]: Nichtgymnasiale Lehrkräfte erwiesen sich hinsichtlich ihres Professionswissens in allen FALKO-Fächern durchschnittlich als weniger kompetent als ihre gymnasialen Kolleginnen und Kollegen. Gerade die nichtgymnasialen Lehrkräfte arbeiten aber meist mit schwächeren Schülerinnen und Schülern, die in besonderer Weise auf einen lernwirksamen Unterricht und damit auf besonders gut ausgebildete, fachwissenschaftlich wie fachdidaktisch kompetente Lehrkräfte angewiesen sind. In der COACTIV-Studie wurde dieser Umstand als einer jener Faktoren identifiziert, die maßgeblich für die ungewöhnlich breite Leistungsstreuung deutscher Schülerinnen und Schüler am Ende der Pflichtschulzeit verantwortlich sein könnten.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • S. Krauss, A. Lindl, A. Schilcher (Hrsg.): Falko: Fachspezifische Lehrerkompetenzen: Konzeption von Professionswissenstests in den Fächern Deutsch, Englisch, Latein, Physik, Evangelische Religionslehre, Musik und Pädagogik. Waxmann, Münster u. a. 2017, ISBN 978-3-8309-3445-5. (waxmann.com)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. FALKO – Fachspezifische Lehrerkompetenzen: Interdisziplinäre Forschungsgruppe - Universität Regensburg. Abgerufen am 20. August 2017.
  2. a b Stefan Krauss, Alfred Lindl, Anita Schilcher, Oliver Tepner: Das Forschungsprojekt FALKO – ein einleitender Überblick. In: Stefan Krauss, Alfred Lindl u. a. (Hrsg.): FALKO: Fachspezifische Lehrerkompetenzen. Waxmann Verlag, Münster 2017, ISBN 978-3-8309-3445-5, S. 9–65.
  3. a b Lee Shulman: Those who understand: Knowledge growth in teaching. In: Educational Researcher. Band 15, Nr. 2, 1986, S. 4–14, doi:10.3102/0013189X015002004.
  4. a b c d e f Alfred Lindl, Stefan Krauss: Transdisziplinäre Perspektiven auf domänenspezifische Lehrerkompetenzen. Eine Metaanalyse zentraler Resultate des Forschungsprojektes FALKO. In: Stefan Krauss, Alfred Lindl u. a. (Hrsg.): FALKO: Fachspezifische Lehrerkompetenzen. Waxmann Verlag, Münster 2017, ISBN 978-3-8309-3445-5, S. 381–434.
  5. Waxmann Verlag: FALKO: Fachspezifische Lehrerkompetenzen. Abgerufen am 20. August 2017.
  6. Georg Neuweg: Das Wissen der Wissensvermittler. In: Ewald Terhart, Hedda Bennewitz, Martin Rothland (Hrsg.): Handbuch der Forschung zum Lehrerberuf. 2. Auflage. Waxmann Verlag, Münster 2014, S. 189.
  7. a b Jürgen Baumert, Mareike Kunter: Das mathematikspezifische Wissen von Lehrkräften, kognitive Aktivierung im Unterricht und Lernfortschritte von Schülerinnen und Schülern. In: Mareike Kunter, Jürgen Baumert u. a. (Hrsg.): Professionelle Kompetenz von Lehrkräften. Ergebnisse des Forschungsprogramms COACTIV. Waxmann Verlag, Münster 2011, ISBN 978-3-8309-2433-3, S. 186.