Fahrradanhänger

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt Anhänger die von einem Fahrrad gezogen werden. Für spezielle Fahrradtransportwagen hinter Omnibussen siehe Busanhänger.
Fahrrad mit Lastenanhänger

Fahrradanhänger dienen dem Transport von Lasten – wie zum Beispiel Kinder und Gepäck – mittels Fahrrad. Solche Anhänger haben den Zweck, die Transportkapazität von Fahrrädern weiter zu erhöhen als es mittels Gepäckträgern, Packtaschen und Kindersitzen möglich ist. Es gibt eine große Bandbreite von Fahrradanhänger-Typen, die für unterschiedliche, mitunter spezielle Zwecke konstruiert sind. Neben industriell in Serie gebauten Fahrradanhängern existieren viele Formen von im Eigenbau individuell oder in Kleinserie gefertigten Anhängern.[1]

Typen von Fahrradanhängern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lastenanhänger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einspuranhänger mit „Y-Deichsel“. Rechts im Bild das Fahrrad-Hinterrad

Lastenanhänger sind die älteste Form des Fahrradanhängers. Bei Lastenanhängern gibt es sowohl zweispurige Anhänger, die zum Transport von größeren Lasten auf kürzeren Strecken (beispielsweise für Einkäufe oder für den Tiertransport) geeignet sind, als auch Einspuranhänger, die für längere Radreisen mit viel Gepäck genutzt werden. Diese werden zunehmend auch von Fahrradkurieren verwendet. Es gibt Lastenanhänger mit einer einfachen, nach allen Seiten offenen Pritsche als Ladefläche, mit fester oder demontierbarer umlaufender Reling zur Sicherung der Ladung, als Kastenwagen sowie mit textilen Aufbauten in Form von Taschen oder Ähnlichem. Manche dieser Lastenanhänger eignen sich, um eine Zuladung von bis zu 400 kg zu tragen. Dennoch wird die zulässige Höchstzuladung in den Angaben vieler Hersteller auf 40 kg begrenzt. Der Grund dafür ist die überwiegend ungebremste Ausführung der Anhänger. Die Zusatzlast muss durch die meist schwach dimensionierten Fahrradbremsen mitgebremst werden. Die jeweilige Fahrrad-Betriebsanleitung bezüglich Anhängerbetrieb ist zu beachten, denn einige Hersteller untersagen für ihre Modelle den Anhängerbetrieb.

Kinderanhänger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kinderanhänger mit Bodenwanne. Durch den Griffbügel am Heck und das ausklappbare Vorderrad unter der Wanne ist das gezeigte Modell auch als Kinderwagen nutzbar. Die Deichsel kann bei solchen Modellen meist abmontiert oder eingeschoben werden
Design-Kinderanhänger bis 25 kg, mit Kreuzgelenkkupplung

Kinderanhänger sind mit einer Fahrgastzelle ausgestattete Fahrradanhänger. Je nach Größe und Bauform sind sie für den Transport von bis zu zwei Kindern im Alter von wenigen Wochen bis zu etwa sechs Jahren geeignet.[2] Neuere Kinderfahrradanhänger sind durch eine stabile Fahrgastzelle mit tiefem Schwerpunkt und durch die Ausstattung mit Sicherheitsgurten die sichersten Fahrradtransportmittel.[3][4]

Das tragende Bauteil der Fahrgastzelle ist ein Metallrahmen aus Edelstahl- oder Aluminiumrohr. Der Rahmen moderner Modelle hat an beiden Seiten ein als Stoßstange dienendes umlaufendes Rohr, das als Knautschzone Räder und Insassen des Anhängers bei Kollisionen schützt. Bei Kinderanhängern gibt es zwei Typen von Fahrgastzellen: Solche mit einem flexiblem Boden aus stabilem Gewebe und solche mit einer starren Bodenwanne aus Metall oder Kunststoff. Letztere gelten als die sicherere Bauform.[5][6] Einige Bodenwannen von Anhängern haben eine Auslauf-Öffnung, um deren Reinigung zu erleichtern.

Wände und Dach der Fahrgastzelle bestehen in der Regel aus einem über den Rahmen gespannten Verdeck aus Kunststoffgewebe mit Fensteröffnungen nach vorne und an den Seiten, die mit transparentem Plastik oder mit Insektengitter verschlossen sind. Der Ein-und Ausstieg befindet sich an der oberen Vorderseite. Dieser kann mit einem Teil des Verdecks und mittels Reißverschluss oder Klettverschluss verschlossen werden, um die Insassen vor Witterungseinflüssen (Sonneneinstrahlung, Niederschläge) zu schützen. Stabilisierende Polsterungen sowie Liege- und Sitzhilfen und fixierbare Tragetaschen für Säuglinge und Babys machen solche Anhänger für Eltern schon in den ersten Lebensmonaten ihrer Kinder als mobile Alternative zum Auto oder Kinderwagen interessant. Außerdem eignen sich Kinderanhänger durch den großen Stauraum auch als Lastentransporter zum Beispiel für Einkäufe.

Mittels Zubehör – Griffbügel für das Schieben von Hand, einklappbare oder umsteckbare Vorderräder – können einige Modelle auch als Kinderwagen eingesetzt werden (siehe Abbildung). Durch ihren tiefen Schwerpunkt, stabile Laufräder und ihre Spurtreue können einige der so ausgestatteten Modelle im Gegensatz zu einfacher konstruierten Kinderwagen auch beim Jogging und Inline-Skating geschoben werden. Die weitere Ausstattung von Kinderanhängern ist von Hersteller und Modell abhängig. Sie reicht von Federung, aktiver Beleuchtung und Reflektoren bis hin zu Modellen, die sich für das Tragen und Abstellen des Anhängers zusammenklappen lassen.

Schwenker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu anderen Fahrradanhängern laufen Schwenker, auch Fahrrad-Seitenwagen oder Beiwagen genannt, an der Seite des Fahrrades (vgl. hierzu: → Motorradgespann). Ein Schwenker hat nur ein Laufrad. Durch die nicht starre Befestigung am Fahrrad ist er über die Längsachse parallel zum Fahrrad drehbar. Dadurch kann sich das Fahrrad in der Kurve neigen,[7] während sich der Schwenker und die darin befindliche Last nicht neigen. Diese Art der Fahrradanhänger ist besonders für lange Lasten (zum Beispiel Bretter und Rohre) geeignet, da die Last sowohl nach vorne als auch nach hinten über das Gespann hinausragen kann. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Last vom Radfahrer einfacher beobachtet werden kann, was zum Beispiel beim Transport von Hunden ein Vorteil ist. Ein Nachteil von Schwenkern gegenüber anderen Anhängertypen kann die gegenüber diesen größere Breite des Gespanns sein.

Fahrradanhänger für Hunde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hunde-Fahrradanhänger sind spezielle Anhänger, die für den Transport von Hunden konstruiert sind. Das Konstruktionsprinzip mit einer aus Rahmen, Bodenwanne und Dach bestehenden Fahrgastzelle ähnelt häufig derjenigen von Kinderanhängern, sie können jedoch auch einen rundum starren Kastenaufbau als Fahrgastzelle haben. Je nach Ausführung des Anhängers ist der Transport von Hunden bis zu 40 kg zulässig. Moderne Hunde-Fahrradanhänger haben eine stabile Bodenwanne und sind meistens sehr robust gebaut. In der Fahrgastzelle befinden sich je nach Modell ein bis zwei Befestigungspunkte, um den Hund während der Fahrt mit einer Kurzleine sichern zu können.

Anforderungen an das Fahrrad[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fahrrad mit kleinem Lastenanhänger, mit Hochdeichsel
Fahrradanhänger für schwere Lasten, mit Tiefdeichsel

Die statischen und dynamischen, durch den Anhänger verursachten Zusatzkräfte können sowohl den Fahrradrahmen als auch die Laufräder in weitaus höherem Maße physikalisch beanspruchen als eine Nutzung desselben Fahrrads ohne Anhänger. Die dafür relevanten Faktoren sind das Eigengewicht des Anhängers und das Gewicht der Zuladung sowie die Fahrweise und die Beschaffenheit des befahrenen Geländes. Daher wird die Benutzung von Anhängern insbesondere bei Fahrrädern mit leichtem Carbonfaserrahmen in deren Betriebsanleitungen häufig untersagt.

Deichsel und Kupplung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Deichsel von Fahrradanhängern, die bei Serienmodellen zumeist aus Aluminium- oder Stahlrohr besteht, verbindet mittels einer Anhängerkupplung den Anhänger mit dem Fahrrad. Die Deichsel ist entweder starr am Rahmen des Anhängers befestigt oder kann umgeklappt werden. Umklappbare Deichseln können die für den Anhänger benötigte Standfläche verkleinern und dienen bei einigen Modellen als Handgriff, um den Anhänger als Handwagen benutzen zu können.

Ältere Fahrradanhänger-Modelle wurden meistens mit einer Hochdeichsel im Bereich der Klemmung der Sattelstütze mit einer Kugelkopf-Anhängerkupplung, ähnlich der bei Pkw üblichen, ans Fahrrad angekoppelt. Heute findet man diese Art der Kupplung nur noch an zweirädrigen Lastenanhängern. Anhänger mit solchen Kupplungen und Deichseln können auch an Mofas verwendet werden.

Bei Fahrrädern wird heute meist eine kräftemäßig günstigere Tiefdeichsel mit Kupplung im Bereich der Hinterradnabe des Fahrrades verwendet. Durch die niedrige Anbindung über dem Boden neigt der Anhänger weniger zum Schaukeln und Kippen, und der Fahrradrahmen wird statisch gänzlich entlastet. Trotzdem hat der Fahrradrahmen weiterhin dynamische Zusatzkräfte durch den Anhänger aufzunehmen. Tiefdeichseln werden an der linken Seite des Fahrrads befestigt. Die Kupplung wird am Fahrradrahmen direkt neben der hinteren Nabe montiert (Achskupplung), um durch den niedrigen Schwerpunkt ein Schlingern und Schaukeln zu reduzieren.

Die Kupplung stellt ein sicherheitsrelevantes Bauteil dar. Sie muss sowohl die beim Fahrbetrieb entstehenden Dreh-, Kipp- und Gierwinkel ermöglichen als auch die Beschleunigungs- und Bremskräfte übertragen können. Dies geschieht in der Regel mit einer starken Schraubenfeder, die zwischen Kupplung und Deichsel verbaut ist.

Rechtliche Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erneuerung der deutschen Straßenverkehrsordnung, die zum 1. April 2013 in Kraft getreten ist, beinhaltet auch die Schließung der bisher bestehenden Regelungslücke, wer in Fahrradanhängern transportiert werden darf.[8] Laut § 21 Abs. 3 StVO ist es mindestens 16 Jahre alten Personen erlaubt, bis zu zwei Kinder bis zum vollendeten siebten Lebensjahr in Anhängern, die zur Beförderung von Kindern eingerichtet sind, mitzunehmen; bei einem behinderten Kind entfällt die Altersbegrenzung.

Da StVZO weder Abmessungen noch Gesamtgewicht für Fahrradanhänger ausdrücklich festlegt, gelten gemäß § 63 StVZO die entsprechenden Regelungen für Kraftfahrzeuge nach §§ 32, 34, 36 Absatz 1 StVZO (aber nicht § 42 (2) StVZO). Damit wären die Länge über alles auf 12 m, die Höhe auf 4 m, die Breite auf 2,55 m und das Gesamtgewicht auf 28 t begrenzt. Weitere, nicht konkret bezifferbare Einschränkungen ergeben sich aus der grundsätzlichen Anforderung, dass das Gespann sicher geführt werden können muss.

Nach dem Merkblatt für das Mitführen von Anhängern hinter Fahrrädern (Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, 6. November 1999) sollte der Anhänger höchstens 2,00 m lang sein. Eine Ausnahme bilden Spezialanhänger zum Transport von Sportgeräten, die bis 4,00 m lang sein können. Die Höhe sollte laut Merkblatt 1,40 m nicht übersteigen. Darüber hinaus werden eine zulässige Gesamtmasse für ungebremste Anhänger von 40 kg und für gebremste Anhänger von 80 kg genannt. Dieses Merkblatt versteht sich als Hilfe zur Orientierung über den Stand der Technik und Handhabung von Fahrradanhängern für Hersteller und Nutzer von Fahrradanhängern. Es wurde unter anderem bei den Fahrradclubs kontrovers diskutiert.

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In § 5 der Fahrradverordnung[9] ist geregelt, wie ein Fahrradanhänger, der in Verkehr gebracht wird oder verwendet wird, beschaffen sein muss.

In Österreich sind die gesetzlichen Erfordernisse an Fahrradanhänger, sowohl für den Lasten- als auch für den Personentransport, in den §§ 5 und 7 der Fahrradverordnung geregelt. Der verkehrsrechtliche Teil über das Befahren der Radfahranlagen und der allgemeinen Fahrbahn, ist im § 68 StVO festgeschrieben. Am Tag eine Lichtanlage (montiert zu haben) ist wegen der Gesetzgebung am Fahrradanhänger noch immer Pflicht, während Fahrräder selbst seit etwa 2000 davon befreit sind. Unklar ist, ob ein um 90° seitlich weg-gewinkelter Einspuranhänger (wie etwa Bob Yak), der das Gespann stabil stehen lässt, als am Zugfahrrad vorgeschriebener Ständer gewertet wird.

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schweiz ist in der Verkehrsregelnverordnung in §69 die Verwendung eines Fahrradanhängers wie folgt geregelt:

„Anhänger an Fahrrädern dürfen mit der Ladung höchstens 1,00 m breit, 1,20 m hoch und, ab Mitte des Hinterrades des Zugfahrzeugs gemessen, 2,50 m lang sein. Nach hinten ist ein Überhang der Ladung von höchstens 50 cm gestattet. Das Betriebsgewicht darf höchstens 80 kg betragen.“

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter de Leuw: Fahrräder Richtig auswählen, sicher fahren. 1. Auflage, Beuth Verlag GmbH, Berlin-Wien-Zürich, 2006, ISBN 3-410-16487-1
  • Michael Gressmann, Franz Beck, Rüdiger Bellersheim: Fachkunde Fahrradtechnik. 1. Auflage, Verlag Europa Lehrmittel, Haan-Gruiten, 2006, ISBN 3-8085-2291-7

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fahrradanhänger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siehe dazu die Bildergalerie
     Commons: Fahrradanhänger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  2. Trekkingbike-Test: Kinderkutschen, PDF-Dokument, März 2007
  3. ADAC-Test mit Aufprallvideo Auto gegen Kindersitz bzw. Auto gegen Fahrradanhänger (Memento vom 3. Mai 2008 im Internet Archive)
  4. ADAC: Kurze Übersicht der Vor- und Nachteile von Fahrradanhänger und Kindersitz
  5. Stiftung Warentest: Test Fahrradanhänger für Kinder, In: test Mai 2003
  6. Öko-Test: Mit Hängen und Würgen, interessante Ergebnisse zu Schadstoffen in Kinderanhängern, teils kritisierte (weil übertriebene) Belastungstests, April 2006
  7. http://www.clipfish.de/video/3182053/fahrradseitenwagen/
  8. Information des Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung zur Erneuerung der StVO
  9. Fahrradverordnung vom 1. Mai 2001