Flug-Hafer

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Flug-Hafer
Flug-Hafer (Avena fatua)

Flug-Hafer (Avena fatua)

Systematik
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Süßgräser (Poaceae)
Unterfamilie: Pooideae
Gattung: Hafer (Avena)
Art: Flug-Hafer
Wissenschaftlicher Name
Avena fatua
L.

Der Flug-Hafer (Avena fatua), auch Wind-Hafer genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Hafer (Avena) innerhalb der Familie der Süßgräser (Poaceae). Sie kann – besonders in Saat-Hafer-Feldern – ein problematisches Ackerunkraut darstellen.

Beschreibung[Bearbeiten]

Illustration aus Flora Batava, Volume 8
Blütenstand
Ährchen

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Der Flug-Hafer ist eine einjähriges krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 40 bis 120, selten bis zu 150 Zentimetern erreicht. Die Wurzeln reichen bis 1 Meter tief. Dieses Gras wächst in lockeren Büscheln oder mit einzeln stehenden Halmen. [1] Die kahlen Halme besitzen drei bis fünf Knoten (Nodien).

Die Blattscheiden sind kahl, lediglich die untersten sind häufig zerstreut behaart. Das Blatthäutchen ist ein 3 bis 6 mm langer, häutiger Saum. Die Blattspreiten sind 10 bis 50 cm lang, 4 bis 10 mm breit, flach ausgebreitet, rau sowie am Grund und am Rand kurz behaart.

Generative Merkmale[Bearbeiten]

Die Blütezeit reicht von Juni bis August. Der rispige Blütenstand ist bei einer Länge von 10 bis 40 Zentimetern sowie einem Durchmesser von bis zu 20 Zentimetern pyramidenförmig. Der Blütenstand ist locker, gleichseitwendig und trägt hängende Ährchen. Die Ährchen enthalten zwei bis drei Blütchen und sind – ohne Granne – 16 bis 25, selten 30 mm lang. Zur Reife fallen die Blütchen einzeln aus, die Hüllspelzen bleiben stehen. Der Kallus der Blütchen ist kurz und dicht mit 3 bis 5 mm langen Haaren besetzt. Die Hüllspelzen sind gleichartig, siebeb- bis neunnervig, gleich lang wie das Ährchen, von lanzettlicher, lang-zugespitzter Form und kahl. Die Deckspelzen sind siebennervig, 15 bis 20 mm lang, von lanzettlicher, am oberen Ende eingekerbter Form und weisen zwei spitze Seitenlappen auf. Ihre untere Hälfte ist mit steifen, häufig braunen Haaren besetzt oder selten kahl. Auf der Mitte des Rückens sitzt eine 15 bis 40 mm lange, gekniete Granne mit gedrehter Untergranne. Die Vorspelzen sind etwas kürzer als die Deckspelzen. Die Staubbeutel sind rund 3 mm lang.

Die Karyopsen sind dicht behaart und 7 bis 8 mm lang. Sie sind bis zu 20 Jahre lang keimfähig.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 42.

Verbreitung und Standorte[Bearbeiten]

Der Flug-Hafer ist von Europa bis Zentralasien sowie in Nordafrika weitverbreitet. In Nordamerika ist er ein Neophyt.[2]

Der Flug-Hafer kommt von den Ebenen bis in mittlere Gebirgslagen zerstreut bis verbreitet vor. In den Alpen steigt er bis in Höhenlagen von 1700 Meter. Er gedeiht am besten auf frischen bis feuchten, nährstoff- und basenreichen, leicht sauren bis milden, humusarmen, steinigen Lehm- und Tonböden.

Es handelt sich um ein „Getreideunkraut“ mit starker Ausbreitungstendenz. Der Flug-Hafer wächst auch ruderal an Schuttplätzen und Bahnhöfen. Seit der Bronzezeit ist sie ein Kulturbegleiter und in Mitteleuropa ein Archäophyt. Die Ausbreitung erfolgt hauptsächlich durch den Menschen (anthropochor).

Bedeutung in der Landwirtschaft[Bearbeiten]

Der Flug-Hafer ist eine Klassen-Kennart der Getreideunkraut-Gesellschaften (Secalietea). Er wächst häufig in Saat-Hafer-Feldern und überragt mit seinen Rispen den Saat-Hafer weit. Auch bei anderen Getreide-Arten kann er als lästiges Unkraut auftreten und ist meist schwer zu bekämpfen. Erfolgversprechend sind etwa Änderungen der Fruchtfolge.

Avena fatua wirkt sich stark ertragsmindernd aus. Sehr störend ist er bei der Saatguterzeugung von Getreide.[3]

Trivialnamen[Bearbeiten]

Für den Flug-Hafer sind auch die als Trivialnamen die Bezeichnungen Barthafer (Schlesien), Behhafer, Blindhaber (Salzburg), Bruchhafer (Schlesien), Dispenhafer (Schlesien), Floghafer (Göttingen), Flughafer, Gauchhaber (Elsass), Gorsperich, Habergift, Habergras (Schlesien), Haberkraut (Schlesien), Habertwalch, Wilder Hawer (Ostfriesland), Mäusehafer (Schlesien), Maushafer (Elsass), Ok (Altmark), Raspen, Riffen, Rissen, Rispen, Schwarzhafer (Schlesien), Spitzling (Elsass), Trefzen, Twalch (Elsass), Wildhafer (Schlesien) und Windhafer (Schlesien) belegt.[4]

Belege[Bearbeiten]

  • Hans-Joachim Conert: Pareys Gräserbuch. Die Gräser Deutschlands erkennen und bestimmen. Blackwell Wissenschafts-Verlag, Berlin, Wien 2000. ISBN 3-8263-3327-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen interaktiv (CD-Rom), Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2001/2002, ISBN 3-494-01327-6
  2. Charles E. Hubbard: Grasses. A Guide to their Structure, Identification, Uses and Distribution in the British Isles. Penguin, London 1992, ISBN 0-14-013227-9. S. 237.
  3. Gunter Schwarze: Problemungras Flughafer, Freistaat Sachsen, Staatliches Amt für Landwirtschaft mit Fachschule für Landwirtschaft Plauen. Abgerufen 29. Juli 2008.
  4. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 53, online.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Flug-Hafer (Avena fatua) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien