Franziska Schutzbach

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Franziska Schutzbach (* 1978) ist eine Geschlechterforscherin und Soziologin, die in der Schweiz lebt.[1]

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franziska Schutzbach studierte an der Universität Basel Soziologie, Medienwissenschaften und Gender Studies und schloss das Studium 2008 mit dem Magistra Artium ab.[1] 2019 wurde sie an der Universität Basel mit einer Dissertation zum Thema Politiken der Generativität. Reproduktive Gesundheit, Bevölkerung und Geschlecht. Das Beispiel der Weltgesundheitsorganisation promoviert.[1][2] Sie war als Lehrbeauftragte an der Universität Basel, der Technischen Universität Berlin und der Ludwig-Maximilians-Universität München tätig.[1][3]

Ihre Schwerpunkte in Forschung, Lehre und Publikationen sind Reproduktionspolitiken und Geschlechterverhältnisse, Rechtspopulismus sowie Antifeminismus[1]. Mit Rhetorik der Rechten befasst sich ihr 2018 erschienenes Buch.[4][5] In ihrem Text Dominante Männlichkeiten und neoreaktionäre Weltanschauungen in der Pick-Up-Artist-Szene beschäftigte sich Schutzbach mit der „Radikalisierung und Politisierung der maskulistischen Szene“. Sie untersuchte besonders die Pick-Up Artists, die in den USA als eine Art Selbsthilfegruppe für verunsicherte Männer starteten, die lernen wollten, Frauen zu „erobern“, und inzwischen in weiten Teilen der Welt in Blogs und Foren, aber auch offline, aktiv sind. Laut Inga Barthels im Tagesspiegel dokumentiert Schutzbach, wie diese Gruppierung zunehmend mit rechtsnationalen Bewegungen zusammenarbeitet, und analysiert die Zusammenhänge von Anti-Gender-Diskursen, Antifeminismus und Rechtspopulismus, die sich in der gesamten westlichen Welt beobachten ließen.[6]

Sie schreibt für das Online-Magazin Geschichte der Gegenwart,[7] ist im Vorstand von Terre des Femmes Schweiz und Mitglied der Gleichstellungskommission Basel-Stadt.[3] Schutzbach war 2016 Mitinitiantin des Twitter-Hashtags #SchweizerAufschrei,[8] der nach dem Vorbild von #Aufschrei in Deutschland eine breite öffentliche Debatte über sexualisierte Gewalt und sexuelle Belästigung in der Schweiz auslöste.[9][10]

Ein Beitrag in ihrem privaten Blog vom Mai 2016 hatte im November 2017 eine Kampagne der Weltwoche und Basler Zeitung gegen Schutzbach zu Folge. Schutzbach hatte behauptet, es würde nicht funktionieren, rechtsnationale Kräfte in Europa, namentlich der Schweizerischen Volkspartei (SVP), „auf formal-demokratischem Weg zurückzudrängen“. Es brauche daher zivilen und „parlamentarische[n] Ungehorsam“. Beispielsweise schlug sie vor, andere Abgeordnete sollten Nationalratssitzungen verlassen, „in der ein extremer Rechter den Mund aufmacht“, und „Taxiunternehmen und Fluggesellschaften sollten keine Rechtsnationalen mehr transportieren“.[11][12]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rhetorik der Rechten: Rechtspopulistische Diskursstrategien im Überblick. Xanthippe, Zürich/München 2018, ISBN 978-3-905795-60-8.
  • Dominante Männlichkeit und reaktionäre Weltanschauungen in der Pick-Up-Artist-Szene. In: Feministische Studien 2018, S. 305–321.
  • Vom Antifeminismus zum ‹Antigenderismus› – Eine zeitdiagnostische Betrachtung am Beispiel Schweiz. Gemeinsam mit Andrea Maihofer, in: Hark, Sabine; Paula Villa (Hrsg.) (2015): (Anti-)Genderismus: Sexualität und Geschlecht als Schauplätze aktueller politischer Auseinandersetzungen. Transcript, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-8376-3144-9.
  • Bevölkerung, Krise, Nation. In: Karin Hostettler, Sophie Vögele (Hrsg.): Diesseits der imperialen Geschlechterordnung. (Post-)koloniale Reflexionen über den Westen. Transcript Verlag, Bielefeld 2014, ISBN 978-3-8376-2343-7, S. 77–106

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Schutzbach Franziska – Gender Studies. Universität Basel, abgerufen am 31. Mai 2019.
  2. Dorothee Adrian: Mutter und Feministin – Franziska Schutzbach über die Zerreissprobe vieler Frauen. Interview in: Tageswoche (online), 22. Oktober 2018.
  3. a b Franziska Schutzbach. In: feministische fakultät. Abgerufen am 31. Mai 2019.
  4. Beate Hausbichler: Diskursstrategien. Soziologin über rechte Rhetorik: "Tabubruch spielt große Rolle". In: Der Standard (online), 14. März 2019
  5. David Hunziker: Sachbuch. Gegen Rechte reden. In: WOZ, Nr. 09/2019, 28. Februar 2019.
  6. Inga Barthels: Frauenhass und Rechtsnationalismus. Die Rache verunsicherter Männer. In: Der Tagesspiegel (online), 20. März 2019.
  7. Alle Artikel von Franziska Schutzbach in: geschichtedergegenwart.ch (abgerufen am 2. Juni 2019)
  8. Hanna Gieffers, Marc Röhlig: In der Schweiz starten Frauen einen Aufschrei gegen sexuelle Übergriffe. In: Bento, 20. Oktober 2016.
  9. Diese Frau steckt hinter der Aktion #SchweizerAufschrei auf Twitter. In: Watson. Abgerufen am 31. Mai 2019.
  10. Alexandra Pavlovic: #SCHWEIZER AUFSCHREI: «Sexismus findet heute subtiler statt». In: Tagblatt (online), 16. Oktober 2016.
  11. Marc Tribelhorn: Achtung: Gesinnung! In: Neue Zürcher Zeitung (online), 30. November 2017
  12. Franziska Schutzbach: Sofortiger parlamentarischer Ungehorsam. In: Präzis und Kopflos. Blog von Franziska Schutzbach. 23. Mai 2016.