Frauenwaggon

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Frauenwaggon der Keiō-Linie, im Bahnhof Shinjuku, Tokio

Ein Frauenwaggon respektive ein Frauenabteil oder Damenabteil ist ein bestimmter Bereich eines öffentlichen Verkehrsmittels, in den nur Frauen einsteigen dürfen. In Japan erlauben Bahngesellschaften daneben auch den Zustieg von Rollstuhlfahrern beiderlei Geschlechts. Jungen bis zum Höchstalter von zwölf Jahren dürfen die Abteile in Begleitung einer Frau häufig ebenfalls benutzen.

Japan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hinweis-Schild auf dem Bahnsteig des Bahnhofs Shinjuku

In Japan wurden Frauenwaggons (jap. 女性専用車両, josei sen’yō sharyō) zuerst von der Tokioter Vorortbahngesellschaft Keio im Jahr 2000 auf einigen Linien am späten Abend eingeführt. Angeregt wurde die Einführung durch japanische Feministinnen.[1] Die Waggons sind als eine Maßnahme gegen sexuelle Belästigung (Chikan) gedacht, die in überfüllten Zügen in Japan häufig vorkommt. Seither hat sich das Konzept des Frauenwaggons stark verbreitet.

Heute existieren Frauenabteile in einigen Städten des Landes, nicht nur in Tokio, sondern auch in Kansai. Die entsprechenden Fahrzeuge sind nicht den ganzen Tag über Frauen vorbehalten, sondern etwa in den Morgenstunden bis 10:00 Uhr und zur abendlichen Hauptverkehrszeit von 17:00 bis 21:00 Uhr. Außerdem behalten sich alle Gesellschaften explizit das Recht vor, in besonders frequentierten Stoßzeiten die Frauenwaggons wieder für alle Passagiere zu öffnen, also ausgerechnet dann, wenn die Enge im Fahrzeug Chikan besonders erleichtert.

Gleichzeitig hat sich in Japan auch starke grundsätzliche Kritik an den Frauenwaggons etabliert, die beklagt, dass Frauenwaggons je nach Linie oft am Kopf des Zuges oder an anderen zum Ein- und Aussteigen günstigsten Positionen eingerichtet sind und somit Männer diskriminieren.

Die Idee der Frauenwaggons lässt sich auf spezielle Mutter-Kind-Abteile zurückführen, die schon in der Taishō-Zeit und dann wieder in den 1970er Jahren etabliert wurden.

Auf Grund der hohen Anzahl an falschen Chikan-Beschuldigungen werden vermehrt auch Männerwaggons gefordert, so zum Beispiel 47,5 Prozent der Aktionäre auf der Aktionärsversammlung 2009 der Seibu Holdings als Muttergesellschaft der Seibu Tetsudō.[2]

International[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frauenabteil in Indien
Teheran: Abgetrenntes Frauenabteil im Nachläufer eines Gelenkoberleitungsbusses
Zugang zu einem Frauenabteil in Rio de Janeiro

Auch über Japan hinaus sind Frauenabteile in zahlreichen Ländern anzutreffen. So etwa bei der Indischen Eisenbahn, bei der Indonesischen Staatsbahn oder auch bei den Österreichischen Bundesbahnen, die im EuroCity- und InterCity-Verkehr neben speziellen Damenabteilen auch Stillabteile und Kleinkindabteile anbieten.[3] Auch die ehemalige Chesapeake and Ohio Railway in den Vereinigten Staaten bot früher diesen Service für Frauen.

Im Stadtverkehr sind Frauenabteile vor allem im islamisch geprägten Nahen Osten anzutreffen, so etwa bei der Metro Dubai, der Metro Kairo, der U-Bahn Teheran, der Straßenbahn Alexandria, beim Oberleitungsbus Riad und beim Oberleitungsbus Teheran. Die Stadtbahn Bursa in der Türkei führte erst 2017 Frauenabteile ein.[4]

In Brasilien bietet die Metrô Rio de Janeiro Frauenabteile an, in Südkorea die U-Bahn Busan und in Taiwan die Metro Taipei.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Waggons nur für Frauen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ilse Lenz, Michiko Mae (Hrsg.): Die Frauenbewegung in Japan. Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-14730-7.
  2. 第4回定時株主総会招集ご通知 (dt. „Benachrichtigung zum Aufruf zur 4. ordentlichen Aktionärsversammlung“). Seibu Holdings, 5. Juni 2009, S. 62, abgerufen am 17. Juni 2009 (PDF, japanisch).
  3. oebb.at
  4. Türkei: Westtürkische Stadt Bursa führt Frauenabteile in Zügen ein, Artikel vom 19. Juni 2017 auf nachrichtenxpress.com, abgerufen am 17. September 2017