Zuggattung

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Zuggattungen sind Kategorien unterschiedlicher Eisenbahnzüge. Die Bezeichnungen dafür variieren; so gibt es neben den umgangssprachlichen Bezeichnungen auch fachsprachliche Benennungen, und zwar verkehrswissenschaftliche Begriffe, aus der Zeit der Staatsbahnen über Vorschriften entstandene Bezeichnungen sowie Markennamen der Eisenbahnverkehrsunternehmen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Eisenbahn in Deutschland begann auf der Strecke Nürnberg - Fürth mit einem Zug, der Personen und als erstes Ladegut zwei Fässer Lederer-Bräu auf dem Tender beförderte. Bis zur Einstellung des Stückgutverkehrs bei der Deutschen Bahn blieben die Personenzüge zugleich Züge mit Stückgutbeförderung. Sehr schnell entwickelte sich jedoch nach der Errichtung der ersten Fernstrecken der Eisenbahn die Beförderung größerer Gütermengen in eigenen Wagen, den Güterwagen. Zu den ersten Gütern gehörten Baustoffe für die Eisenbahn und Betriebsstoffe für die Eisenbahn selbst. Die aufkommende Industrie benötigte Kohle als Energieträger. Für die Güterbeförderung wurden eigene Züge eingesetzt. Damit kam es zur ersten Unterscheidung in Personen- und Güterzüge. Züge für die Eisenbahn selbst erhielten die Bezeichnung Dienstzug.

Insbesondere auf den untergeordneten Strecken beförderten die Personenzüge (meistens am Zugende, dem "Schluss") einzelne Güterwagen, die auf Unterwegsbahnhöfen abgehängt und aufgenommen wurden. So entstand die Zuggattung Personenzug mit Güterbeförderung, abgekürzt "PmG". In Einzelfällen nahmen aber auch Güterzüge einen Personenwagen mit. Diese Züge wurden der Gattung Güterzug mit Personenbeförderung (abgekürzt GmP) zugeordnet. Letzter bekannter Zug dieser Gattung war der tägliche Verkehr auf der Werne–Bockum-Höveler Eisenbahn.

Zweck[Bearbeiten]

Zuggattungen dienten früher in erster Linie dem Reisenden als Überblick, welche Fahrkarte er für einen Zug zu lösen hatte. In der Anfangszeit der Eisenbahn haben die Züge auf allen Stationen gehalten. Einzelne Stationen mit einem geringen Fracht- und Reisendenaufkommen wurden zu Bedarfshalten heruntergestuft. Heutzutage dienen Zuggattungen einerseits dem Zweck, das der Reisende erkennt, welche Fahrkarte er für diesen Zug braucht, andererseits zu erkennen ob er mit diesem Zug schnell an sein Ziel gelangt oder weniger schnell. Ein weiterer Zweck der Zuggattungen ist die Qualität der Durchführung der Zugfahrten auf dem Eisenbahnnetz zu sichern. Eisenbahnverkehrsunternehmen, welche für ihre Zugfahrt höhere Entgelte für die Streckennutzung zu zahlen bereit sind, bekommen eine Zuggattung mit höherer Qualität zugewiesen. Diese Züge werden dann in Konfliktfällen vorrangig vor anderen Zügen durchgeführt.

Eine Zuggattung kann eine Markenbezeichnung sein, es gibt Markenbegriffe, die als Zuggattung verwendet werden (beispielsweise City Night Line, Cisalpino, VogtlandExpress).

Personenzüge[Bearbeiten]

Bei den Personenzügen entwickelte sich die Einteilung der Zuggattungen anhand von Geschwindigkeit und Komfort. Hielten die Züge zunächst an allen Stationen, so entstand beim weiteren Anstieg des Verkehrs der Wunsch, größere Strecken schneller zurückzulegen. Die Züge, die einzelne Stationen ausließen, wurden nun als Eilzug oder Schnellzug bezeichnet. So entwickelte sich der Begriff der Reisezüge als Oberbegriff für diese Personen befördernden Züge. Der klassische Schnellzug war der D-Zug, der am 1. Mai 1892 zum ersten Mal verkehrte. Die Bezeichnung beschreibt aber ein Komfortmerkmal: Der Zug war als Durchgangszug gebildet, d.h. man konnte innen durch den Zug hindurchgehen. Eine weitere wichtige und bis heute bestehende Unterscheidung ist die zwischen einem Planzug und einem Sonderzug.

Der Personen-Planzug verkehrt nach einem veröffentlichten Fahrplan, der Sonderzug nach einem Fahrplan auf Bestellung, der nur dem Besteller bekannt gegeben wird. Zu den ersten Sonderzügen gehörten die Hofzüge. Sie wurden auf Bestellung des Adels eingelegt. Eine Kombination aus Geschwindigkeit und Komfort stellen die Fernschnell- und Luxuszüge dar. Bekanntestes Beispiel dafür ist der "Rheingold".

Güterzüge[Bearbeiten]

Güterzüge unterscheiden sich zunächst in gemischte Züge (Güterwagen verschiedener Art von verschiedenen Absendern an verschiedene Empfänger) und Ganzzüge (Güterwagen einer Art, in der Regel auch von einem Absender an einen Empfänger). Eine weitere Unterscheidung wird ggf. nach der Art des Ladegutes getroffen, insbesondere, wenn es eine Sonderbehandlung erfordert (Viehzüge, Züge mit Gütern mit Lademaßüberschreitung, besonders schwere Züge). Ansonsten gilt hier eine Einteilung nach der Art des Verkehrs (Einsammeln und Verteilen, Überwinden großer Entfernungen, internationale Verkehre).

Mit der Zunahme der Gütermengen war eine Beförderung der Stückgüter nur noch in der Verteilung mit Personenzügen möglich. Zudem wurden die Stückgüter nach der Dringlichkeit der Beförderung eingeteilt in Stückgut / Frachtgut (langsam), Eilgut (schnell) und Expressgut (sehr schnell). Für die Beförderung der Güter über weite Strecken wurden eigene Zuggattungen geschaffen. Zu den besonderen Expressgütern gehörte die Post. Über viele Jahrzehnte verkehrten besondere Expressgut- und Postzüge, teils auch mit Wagengruppen beider Arten. Diese Güterzüge verkehrten mit Wagen für hohe Geschwindigkeiten und wurden wie Personenzüge behandelt. Innerhalb der Postzüge waren die ohne Behandlung und die mit Behandlung zu unterscheiden. In den Zügen mit Behandlung fuhr Postpersonal mit, das die Briefe und Päckchen sortierte und in Beutel nach Zielen umpackte.

Technische Unterscheidung[Bearbeiten]

Von der Art der Technik, des Antriebs und der Steuerung her werden Züge in lokbespannte Züge, Triebwagen, Triebzüge, einzeln fahrende Lokomotiven, fahrbare Arbeitsgeräte und Wendezüge unterschieden. Bei Überschreiten der auf der Strecke vorgesehenen Lastgrenzen kann das Nachschieben von Zügen notwendig werden. Zusätzliche Loks setzen sich hinten an den Zug und schieben ihn den Berg hinauf. Bekanntes Beispiel ist die Geislinger Steige. Dann spricht man von einem nachgeschobenen Zug.

Siehe auch[Bearbeiten]