Zuggattung

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Die Zuggattung ermöglicht zu­sammen mit der Zugnummer die genaue Bestimmung jeden Zuges.[1] Zuglaufschild des Eurocity EC 91.

Zuggattungen sind Kategorien unterschiedlicher Eisenbahnzüge. Die Einteilung der Züge erfolgt mit Rücksicht auf ihre Benützung,[2] nach ihrer Bedeutung für den Verkehr und auf Grund ihrer fahrdienstlichen Behandlung.[3] Jeder Zug wird durch die Zuggattung und eine Zugnummer bezeichnet.[4]

Die Bezeichnungen für die Zuggattungen variieren; so gibt es neben den umgangssprachlichen Bezeichnungen auch fachsprachliche Benennungen, und zwar verkehrswissenschaftliche Begriffe, aus der Zeit der Staatsbahnen über Vorschriften entstandene Bezeichnungen sowie Markennamen der Eisenbahnverkehrsunternehmen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personenzug mit Güterbeförderung in der Westschweiz zwischen Bière und Morges in den 1970er-/80er-Jahren

Die Eisenbahn in Deutschland begann auf der Strecke Nürnberg – Fürth mit einem Zug, der Personen und als erstes Ladegut zwei Fässer Lederer-Bräu auf dem Tender beförderte. Bis zur Einstellung des Stückgutverkehrs bei der Deutschen Bahn blieben die Personenzüge zugleich Züge mit Stückgutbeförderung. Sehr schnell entwickelte sich jedoch nach der Errichtung der ersten Fernstrecken der Eisenbahn die Beförderung größerer Gütermengen in eigenen Wagen, den Güterwagen. Zu den ersten Gütern gehörten Baustoffe für die Eisenbahn und Betriebsstoffe für die Eisenbahn selbst. Die aufkommende Industrie benötigte Kohle als Energieträger. Für die Güterbeförderung wurden eigene Züge eingesetzt. Damit kam es zur ersten Unterscheidung in Personen- und Güterzüge. Züge für die Eisenbahn selbst erhielten die Bezeichnung Dienstzug.

Insbesondere auf den untergeordneten Strecken beförderten die Personenzüge (meistens am Zugende, dem "Schluss") einzelne Güterwagen, die auf Unterwegsbahnhöfen abgehängt und aufgenommen wurden. So entstand die Zuggattung Personenzug mit Güterbeförderung, abgekürzt „PmG“. In Einzelfällen nahmen aber auch Güterzüge einen Personenwagen mit. Diese Züge wurden der Gattung Güterzug mit Personenbeförderung (abgekürzt GmP) zugeordnet. Letzter bekannter Zug dieser Gattung war der tägliche Verkehr auf der Werne–Bockum-Höveler Eisenbahn.

Zweck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Markenname Alex bezeichnete eine Zuggattung, die das Allgäu mit München verband.

Zuggattungen dienten früher in erster Linie dem Reisenden als Überblick, welche Fahrkarte er für einen Zug zu lösen hatte. In der Anfangszeit der Eisenbahn haben die Züge auf allen Stationen gehalten. Einzelne Stationen mit einem geringen Fracht- und Reisendenaufkommen wurden zu Bedarfshalten heruntergestuft. Heutzutage dienen Zuggattungen einerseits dem Zweck, dass der Reisende erkennt, welche Fahrkarte er für diesen Zug braucht, andererseits zu erkennen ob er mit diesem Zug schnell an sein Ziel gelangt oder weniger schnell. Ein weiterer Zweck der Zuggattungen ist, die Qualität der Durchführung der Zugfahrten auf dem Eisenbahnnetz zu sichern. Eisenbahnverkehrsunternehmen, welche für ihre Zugfahrt höhere Entgelte für die Streckennutzung zu zahlen bereit sind, bekommen eine Zuggattung mit höherer Qualität zugewiesen. Diese Züge werden dann in Konfliktfällen vorrangig vor anderen Zügen durchgeführt.

Eine Zuggattung kann eine Markenbezeichnung sein, es gibt Markenbegriffe, die als Zuggattung verwendet werden (beispielsweise City Night Line, Cisalpino, VogtlandExpress).

Personenzüge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anzeige-Bildschirm in Zürich HB mit den Zuggattungen (rot) der an­kommenden Schnellzüge

Bei den Personenzügen entwickelte sich die Einteilung der Zuggattungen anhand von Geschwindigkeit und Komfort. Hielten die Züge zunächst an allen Stationen, so entstand beim weiteren Anstieg des Verkehrs der Wunsch, größere Strecken schneller zurückzulegen. Die Züge, die einzelne Stationen ausließen, wurden nun als Eilzug oder Schnellzug bezeichnet. So entwickelte sich der Begriff der Reisezüge als Oberbegriff für diese Personen befördernden Züge. Der klassische Schnellzug in Deutschland war der D-Zug, der am 1. Mai 1892 zum ersten Mal verkehrte. Die Bezeichnung beschreibt aber ein Komfortmerkmal: Der Zug war als Durchgangszug gebildet, d. h. man konnte innen durch den Zug hindurchgehen.

Eine weitere wichtige und bis heute bestehende Unterscheidung ist die zwischen einem Planzug und einem Sonderzug. Der Personen-Planzug verkehrt nach einem veröffentlichten Fahrplan, der Sonderzug nach einem Fahrplan auf Bestellung, der nur dem Besteller bekannt gegeben wird. Zu den ersten Sonderzügen gehörten die Hofzüge. Sie wurden auf Bestellung des Adels eingelegt. Eine Kombination aus Geschwindigkeit und Komfort stellten die Fernschnell- und Luxuszüge dar. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie in Westeuropa von der Zuggattung der Trans-Europ-Express-Züge (TEE) abgelöst. Mit der Einstellung der letzten TEE-Züge 1987 endete das fahrplanmäßige Angebot reiner Erste-Klasse-Züge in den meisten europäischen Staaten.

Mit der Bahnreform und der Liberalisierung des europäischen Eisenbahnmarkts verloren die traditionellen Zuggattungen an Bedeutung für die Fahrgäste und wurden teils durch Markennamen der verschiedenen Eisenbahnverkehrsunternehmen, teils durch einheitliche Zugbezeichnungen der Verkehrsverbünde ersetzt. Innerbetriebliche Bedeutung haben sie aber weiterhin für Eisenbahninfrastrukturunternehmen.

Güterzüge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schweiz verkehren nach wie vor Postzüge. Postzug der SBB auf der Jura­südfusslinie

Güterzüge unterscheiden sich zunächst in gemischte Züge (Güterwagen verschiedener Art von verschiedenen Absendern an verschiedene Empfänger) und Ganzzüge (Güterwagen einer Art, in der Regel auch von einem Absender an einen Empfänger). Eine weitere Unterscheidung wird ggf. nach der Art des Ladegutes getroffen, insbesondere, wenn es eine Sonderbehandlung erfordert (Viehzüge, Züge mit Gütern mit Lademaßüberschreitung, besonders schwere Züge). Ansonsten gilt hier eine Einteilung nach der Art des Verkehrs (Einsammeln und Verteilen, Überwinden großer Entfernungen, internationale Verkehre).

Mit der Zunahme der Gütermengen war eine Beförderung der Stückgüter nur noch in der Verteilung mit Personenzügen möglich. Zudem wurden die Stückgüter nach der Dringlichkeit der Beförderung eingeteilt in Stückgut / Frachtgut (langsam), Eilgut (schnell) und Expressgut (sehr schnell). Für die Beförderung der Güter über weite Strecken wurden eigene Zuggattungen geschaffen. Zu den besonderen Expressgütern gehörte die Post. Über viele Jahrzehnte verkehrten besondere Expressgut- und Postzüge, teils auch mit Wagengruppen beider Arten. Diese Güterzüge verkehrten mit Wagen für hohe Geschwindigkeiten und wurden wie Personenzüge behandelt. Innerhalb der Postzüge waren die ohne Behandlung und die mit Behandlung zu unterscheiden. In den Zügen mit Behandlung fuhr Postpersonal mit, das die Briefe und Päckchen sortierte und in Beutel nach Zielen umpackte.

Dienstzüge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lokzug der BLS im Bahnhof Spiez im Berner Oberland

In der Schweiz bilden Dienstzüge, die dienstlichen Zwecken dienen, eine eigene Zuggattung.[2] Sie dienen zur Überführung von Lokomotiven (Lokzug), Baumaschinen und leeren Personenwagen (Leermaterialzug) und für den Bau und Unterhalt von Bahnanlagen (Schotterzüge und andere Bauzüge). In Bauzügen kommen nebst normalen Güterwagen auch spezielle Bahndienstfahrzeuge zum Einsatz. Bei Streckeninspektionsfahrten werden Gleis- und Fahrleitungsmesswagen eingesetzt, in Hilfszügen Hilfswagen. Lösch- und Rettungszüge dienen der Brandbekämpfung, der Ölwehr und der Evakuation von Reisenden in Störungsfällen. Mit Versuchszügen werden diverse Messungen durchgeführt, mit Abnahmefahrten erfolgt die Abnahme neuer Fahrzeuge.[5]

In Deutschland waren die Dienstzüge in Dienstgutzüge (Dstg), Arbeitszüge (Az), Hilfszüge (Hilfz) und Dienstpersonenzüge (Dstp) unterteilt.[4] Dienstgutzüge dienten zur Beförderung von Gütern, die für innerbetriebliche Zwecke bestimmt waren wie Schotter oder Dienstkohle, und zur Überführung von Schadwagen (Schad) und Lokomotivzügen (Lzg).[4] Arbeitszüge dienen dem Transport von Baustoffen, Geräten und Arbeitskräften zu Baustellen auf der freien Strecke. Fahrdienstlich werden sie als Sonderzug (Sdz) oder Sperrfahrt (Sperrf) behandelt.[6]

Technische Unterscheidung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Von der Art der Technik, des Antriebs und der Steuerung her werden Züge in lokbespannte Züge, Triebwagen, Triebzüge, einzeln fahrende Lokomotiven, fahrbare Arbeitsgeräte und Wendezüge unterschieden. Bei Überschreiten der auf der Strecke vorgesehenen Lastgrenzen kann das Nachschieben von Zügen notwendig werden. Zusätzliche Loks setzen sich hinten an den Zug und schieben ihn den Berg hinauf. Bekanntes Beispiel ist die Geislinger Steige. Dann spricht man von einem nachgeschobenen Zug.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erhard Born, Alfred Herold, Walter Trüb, (Hrsg.): Hobbylexikon Eisenbahn. Rowohlt Taschenbuch, Reinbek bei Hamburg, 1980, ISBN 3-499-16262-8 (Stichwort Zuggattung)
  2. a b Schweizerische Fahrdienstvorschriften (FDV) A2016 Bundesamt für Verkehr (BAV), 1. Juli 2016 (PDF; 3 MB). R 300.R 300.1, Abschnitt 4.2 Zuggattungen
  3. Breusing: Zuggattung. In: Enzyklopädie des Eisenbahnwesens, herausgegeben von Victor von Röll, Band 10. Berlin und Wien 1923, S. 506–507. (Zeno.org)
  4. a b c Lexikon der Eisenbahn. 5. Auflage. Transpress VEB Verlag, Berlin 1978, S. 847–848 (Stichwort Zuggattung)
  5. Bruno Lämmli: Die Dienstzüge. Auf lokifahrer.ch, 2015
  6. Lexikon der Eisenbahn. 5. Auflage. Transpress VEB Verlag, Berlin 1978, S. 52 (Stichwort Arbeitszug)