Frieder Burda

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Frieder Burda (* 29. April 1936 in Gengenbach, Baden-Württemberg) ist ein deutscher Kunstsammler und Ehrenbürger von Baden-Baden.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frieder Burda ist der zweite Sohn des Verlegers Franz Burda und dessen Ehefrau Aenne Burda.

Gemeinsam mit dem älteren Bruder Franz und dem jüngeren Bruder Hubert wuchs Frieder Burda in Offenburg auf. Nach der Schulzeit in Offenburg, Triberg und in der Schweiz absolvierte er eine Drucker- und eine Verlagslehre. Er wurde im Konzern seines Vaters kaufmännisch ausgebildet. Später folgte ein längerer Aufenthalt in Frankreich, wo Frieder Burda in einem Zeitschriftenverlag tätig war. Mehrere Jahre verbrachte er anschließend in England und den USA, bevor er eine Druckerei in Darmstadt übernahm. Diesen Betrieb entwickelte er zu einer der führenden Akzidenzdruckereien in Europa.

Im Jahr 1973 wechselte Burda in die Offenburger Zentrale des Zeitschriftenverlags und war in den darauf folgenden Jahren in verschiedenen Bereichen des Druck- und Verlagsimperiums tätig. Er war dort verantwortlich für Finanzen, Verwaltung und Beteiligungen. Nach dem Tod seines Vaters Franz Burda im Jahr 1986 erbte er gemeinsam mit seinem Bruder Franz ein umfangreiches Beteiligungspaket, während sein Bruder Hubert den gesamten Druck- und Verlagsbereich übernahm.

Seine Lebensaufgabe fand Frieder Burda in der Kunst. Mit Anfang 30 kaufte er 1968 ein Bild des zeitgenössischen Malers Lucio Fontana für etwa 3500 Mark und legte damit den Grundstein für eine hochkarätige Kunstsammlung. Auf diese Weise setzte er einerseits eine Tradition seines Vaters fort, der Werke von bedeutenden expressionistischen Malern gesammelt hatte, andererseits versuchte Burda, sich durch die Hinwendung zur zeitgenössischen Malerei von seinem Vater abzugrenzen.

Seit Mitte der 1980er Jahre sammelte Burda dann intensiv und systematisch die Werke von Gerhard Richter und Sigmar Polke. Von diesen sind Exponate aus allen Lebensabschnitten in der Sammlung vorhanden. Sie vermitteln einen fast vollständigen Einblick in Werk und Werkentwicklung der beiden Künstler, die die zeitgenössische Kunst entscheidend geprägt haben. Gerade im Blick auf diese Künstler gilt die „Sammlung Frieder Burda“ international als eine der bedeutendsten und qualitätsvollsten Privatsammlungen. artnet zählte Burda 2016 zu den 10 wichtigsten deutschen Sammlern.[1]

Sie umfasste im Jahr 2002 fast 500 Werke moderner und zeitgenössischer Kunst. Zu Beginn seiner Sammlertätigkeit entschied sich Burda oft spontan und impulsiv für den Kauf eines Werkes, seit etwa 15 Jahren jedoch wächst die Sammlung organisch, systematisch und konsequent – dabei immer unter seinem hohen, persönlichen Engagement. Den Kern der Sammlung bilden expressionistische Tendenzen. Dabei konzentriert sie sich auf eine überschaubare Anzahl von Künstlern, die mit Entschiedenheit gesammelt werden und von denen umfangreiche Werkkomplexe vorhanden sind. Der deutsche Expressionismus mit Werken von Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner, Wilhelm Lehmbruck und August Macke markiert den Ausgangspunkt der Sammlung.

Ein in Deutschland einzigartiger Werkkomplex des späten Pablo Picasso schließt sich an: In seinen letzten Lebensjahren gelangte der Künstler zu einer expressiven, einzigartigen Darstellung der menschlichen Figur und ihrer Mimik, Gestik und Bewegung – dieses lange Zeit umstrittene Spätwerk wird seit einigen Jahren als letzter Höhepunkt im vielseitigen Werk Picassos hoch geschätzt. Der amerikanische abstrakte Expressionismus mit Werkgruppen von Jackson Pollock, Willem de Kooning und Mark Rothko bildet einen weiteren Schwerpunkt der Sammlung. Die Auswahl der Bilder ermöglicht es, die Entwicklung der Künstler von figurativen Kompositionen hin zu großzügig abstrakten Gesten und Farbfeldern nachzuvollziehen.

Besonders umfassend schließlich dokumentiert die Sammlung die deutsche Kunst der zweiten Nachkriegsgeneration, der Altersgenossen Frieder Burdas. Georg Baselitz ist sehr stark vertreten. Von dessen Partner und Freund der 1960er Jahre, Eugen Schönebeck, von dem insgesamt nur 40 Werke erhalten sind, befinden sich zwei Hauptwerke in der Sammlung. Auch Werke des österreichischen Künstlers Arnulf Rainer wurden sehr intensiv von Burda gesammelt.

Um die Sammlung zu bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wurde 1998 die „Stiftung Frieder Burda“ gegründet. Diese Stiftung finanzierte den Neubau „Sammlung Frieder Burda“ in Baden-Baden und kommt auch in vollem Umfang für dessen laufende Kosten auf. Der Zweck der Stiftung ist die Förderung von Kunst, Kultur und Wissenschaft. Dieser Anspruch wird in erster Linie durch das Museum für moderne Kunst verwirklicht, in welchem die Kunstsammlung des Stifters der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Einziger Stifter ist Frieder Burda.

Mit dem Bau beauftragt wurde der New Yorker Architekt Richard Meier, der das 20-Millionen-Euro-Projekt bis Herbst 2004 umsetzte. Im Oktober 2004 konnte Burda das Museum in der Baden-Badener Lichtentaler Allee eröffnen. Ende 2016 gab Frieder Burda bekannt, dass er den Stiftungsvorstand abgibt.[2]

Auszeichnungen, Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2002 Verleihung des Art Cologne-Preis an Kunstmäzen Frieder Burda
  • 2005 Verleihung des Ehrenbürgerrechts der Stadt Baden-Baden an Frieder Burda

Herausgeberschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Henri Neuendorf: Who Are The Top 10 German Art Collectors?, 13. April 2016, abgerufen am 16. April 2016
  2. badische-zeitung.de: Frieder Burda tritt kürzer