Franz Burda

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit Franz Burda (Senior, „dem II.“). Für seinen gleichnamigen Sohn (* 1932, „dem III.“) siehe Franz Burda (Junior).
Aenne & Franz Burda II. (1931)
Franz Burda II. (links) mit Romy Schneider, Willy Brandt und Ilona Grübel (1971)

Franz Burda senior (sen., auch „der II“.,[1] * 24. Februar 1903 in Philippsburg; † 30. September 1986 in Offenburg) war ein deutscher Verleger und der Begründer des Burda-Verlags (heute Hubert Burda Media). Er war der erste Sohn von Franz Burda I., der ab 1903 zunächst in Philippsburg, ab 1905 in Offenburg eine kleine Druckerei betrieben hatte und 1927 in Anlehnung an den Namen der Süddeutschen Rundfunk AG (SÜRAG) die Zeitschrift Die Sürag herausgab, welche sich im Untertitel die grosse Radio-Zeitschrift nannte.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franz Burda I. hatte 1902 die verwitwete Josefine Pröttel, geborene Mauck geheiratet, die die Ehefrau des 1901 verstorbenen Otto Pröttel gewesen war. Dieser hatte 1898 Franz Burda I. bei der Philippsburger Zeitung angestellt. Nach Pröttels Tod übernahm Burda I. den Betrieb.[2]

Sein Sohn Burda II. wurde 1927 an der Universität Erlangen mit einer wirtschaftsgeschichtlichen Arbeit über Die Entwicklung der badischen Produktenbörse promoviert. Am 9. Juli 1931 heiratete er Aenne Lemminger; sie haben zusammen drei Söhne Franz, Frieder und Hubert Burda.

Am 1. Oktober 1938[3] trat Burda in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) ein.[4] Bereits 1933 rühmte er sich in seiner Rundfunkzeitschrift Die Sürag, keine jüdischen Mitarbeiter oder Anteilseigner zu haben und betonte die nationalsozialistische Gesinnung der Zeitung.[4] 1935 erfolgte die Umstellung der Produktion auf Tiefdrucktechnik; 1938 profitierte er von der Arisierung, als er eine der modernsten und größten Druckereien in Deutschland von den zum Verkauf gezwungenen jüdischen Brüdern Reiss in Mannheim (Gebrüder Bauer oHG) sehr günstig „übernahm“.[5] Nach 1945 durfte Burda trotz seiner früheren NSDAP-Mitgliedschaft recht schnell wieder verlegerisch aktiv werden: Für die französische Besatzungsbehörde druckte er Briefmarken und Schulbücher. Gegen den Widerstand vieler französischer Offiziere gelang es ihm, die Illustrierte Das Ufer (der Vorläufer von Bunte) 1948 auf den Markt zu bringen.[4] Dabei kam ihm zustatten, dass er mit dem Offizier Raymond Schmittlein befreundet war und die Lizenz auf den Namen einer mit diesem vertrauten Strohfrau ausgestellt wurde.

Die Badische Zeitung stufte ihn 2015 unter Berufung auf die Quellen des Offenburger Stadtarchivs als Mitläufer des Nationalsozialismus ein. In der Hauptsache habe er die Interessen seines Betriebes vertreten.[6] Andererseits hatte Burda im Zusammenhang mit der Affäre um Ludwig Zind noch Ende der 1950er Jahre sein „Unverständnis“ darüber geäußert, dass die antisemitischen Äußerungen des Studienrats Zind in der Presse behandelt wurden und Zind nach dessen Ausschluss aus dem Schuldienst in seinem Unternehmen beschäftigt.[7]

Burda galt, auch intern, als Patriarch alten Stils. Ein ehemaliger Betriebsratsvorsitzender, Kurt Henninger, bezeichnete ihn sogar als „lebenden Herrgott“.[8] Er war eine wichtige Persönlichkeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg. Gewerkschaften hatten einen schweren Stand in seinem Unternehmen, doch fühlte er sich diesem und seinen Angestellten stets verpflichtet. So richtete er etwa eine betriebliche Krankenversicherung und eine Rentenkasse ein.

Burda unterstützte mehrere Bergsteiger-Expeditionen finanziell und stiftete den Burda-Preis für Bildende Kunst.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Köpf: Die Burdas. 1. Auflage. Europa Verlag Berlin, Hamburg 2002, ISBN 3-203-79145-5.
  • Dr. Franz Burda – Mensch und Werk. Eine Schrift zum 60. Geburtstag am 24. Februar 1963. Text: Oswald Scharfenberg. Burda, Offenburg 1963 (Festschrift).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Franz Burda – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zeit.de 26. November 1982: Macht und Pracht der bunten Bilder (25. Juni 2016))
  2. Peter Köpf: Die Burdas. 1. Auflage. Europa Verlag Berlin, Hamburg 2002, ISBN 3-203-79145-5, S. 16.
  3. Peter Köpf: Die Burdas. 1. Auflage. Europa Verlag Berlin, Hamburg 2002, ISBN 3-203-79145-5, S. 47.
  4. a b c Peter Köpf: Der herrliche Franz. In: die tageszeitung, 22. Februar 2003, abgerufen am 10. Juni 2010.
  5. Ein Forschungsreisender des Lebens, Frankfurter Rundschau, 3. November 2006
  6. „Das Unrecht der Arisierung bleibt bestehen“. In: Badische Zeitung, Printausgabe. 25. Februar 2015, abgerufen am 27. Juni 2016.
  7. Andreas Lörcher: Antisemitismus in der öffentlichen Debatte der späten fünfziger Jahre. Mikrohistorische Studie und Diskursanalyse des Falls Zind. Dissertation, Universität Freiburg i. Br. 2008 (Volltext), S.158.
  8. Bunte-Redakteur Oswald Scharfenberg 1968: „Er ist der Patriarch – und das ist gut so.“ In: Peter Köpf: Die Burdas. 1. Auflage. Europa Verlag Berlin, Hamburg 2002, ISBN 3-203-79145-5, S. 11.
  9. Peter Köpf: Die Burdas. 1. Auflage. Europa Verlag Berlin, Hamburg 2002, ISBN 3-203-79145-5, S. 9.
  10. Stadt Philippsburg: Ehrenbürger, abgerufen am 28. Juni 2016
  11. Zeit.de, 26. November 1982: Macht und Pracht der bunten Bilder, abgerufen am 28. Juni 2016))
  12. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)
  13. Kurbetrieb Menzenschwand GmbH (Hrsg.): Menzenschwand auf dem Weg zum Radon-Heilbad. Eine Dokumentation über die Entwürfe, Erschließungsmaßnahmen und Planungen. Burda, Offenburg 1973, S. 9f.
  14. Bekanntgabe von Verleihungen des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. In: Bundesanzeiger. Jg. 25, Nr. 111, 16. Juni 1973.