Gardeja

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Gardeja
Wappen der Gemeinde Gardeja
Gardeja (Polen)
Gardeja
Gardeja
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Pommern
Powiat: Kwidzyn
Geographische Lage: 53° 36′ N, 18° 56′ O53.60722222222218.941111111111Koordinaten: 53° 36′ 26″ N, 18° 56′ 28″ O
Einwohner: 2500
Postleitzahl: 82-520
Telefonvorwahl: (+48) 55
Kfz-Kennzeichen: GKW
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 55: Nowy Dwór GdańskiMalborkGrudziądzStolno
DW 523: Gardeja–Trumieje
DW 532: Gardeja–Karpini–Sadlinki–Kwidzyn
Schienenweg: PKP-Linie 207: ToruńMalbork
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gmina
Gminagliederung: 34 Ortschaften
24 Schulzenämter
Fläche: 192,98 km²
Einwohner: 8460
(30. Jun. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 44 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2207022
Verwaltung
Bürgermeister: Kazimierz Kwiatkowski
Adresse: ul. Kwidzyńska 27
82-520 Gardeja
Webpräsenz: www.gardeja.pl



Gardeja (deutsch: Garnsee) ist ein Dorf mit 2.500 Einwohnern im Powiat Kwidzyński (Kreis Marienwerder) der polnischen Wojewodschaft Pommern. Das Dorf ist Sitz einer Landgemeinde.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Landesstraße DK 55 (Reichsstraße 129) zwischen Kwidzyn (Marienwerder) und Gardeja (Garnsee)

Gardeja liegt zwischen den beiden Städten Kwidzyn (Marienwerder) im Norden und Grudziądz (Graudenz) im Süden. Die Entfernung nach Marienwerder im Norden beträgt etwa zehn Kilometer. Die Ortschaft ist fast ganz von zwei großen Seen umgeben.

Im Ort treffen die Woiwodschaftsstraße DW 523 aus Trumieje (Groß Tromnau) kommend und die DW 532 von Kwidzyn über Sadlinki (Sedlinen) kommend auf die ehemalige deutsche Reichsstraße 129 und jetzige polnische Landesstraße DK 55.

Zwischen 1920 und 1939 war Gardeja Grenzübergangsstelle nach Polen.

Geschichte[Bearbeiten]

Dorfeingang
Die 1931/32 errichtete katholische Kirche in Gardeja

Als Gründungsdatum der Ortschaft gilt das Jahr 1285, in dem der Ritter Dietrich Stange den Zisterziensern in Pelplin 200 Hufen in Pomesanien zur Gründung eines Klosters in Garzanum (verdeutscht: Garnsee) schenkte. Zwar begannen die Mönche mit dem Bau der Klosteranlage, doch setzten sie ihn nicht fort, da sie den auf einer Anhöhe gelegenen Ort unwirtlich fanden. Das geschenkte Land wurde 1334 von Peplin an Siedler verkauft; es entstand daraus die Ortschaft Garnsee,[2] die noch im gleichen Jahr Stadtrechte erhielt.

1877 legte ein verheerender Brand den größten Teil der Häuser in Staub und Asche. Auch das Rathaus mitsamt den Dokumenten und Akten wurde ein Raub der Flammen.

Am 11. Juli 1920 stimmten 98 % der Bevölkerung für den Verbleib in Deutschland. Garnsee wurde Grenzstadt und hatte – trotz des Abstimmungsergebnisses – seinen zwei Kilometer südlich gelegenen Bahnhof an Polen abzutreten, wodurch die Grenze direkt an den Stadtrand verlegt wurde.

Beim Einmarsch der deutschen Truppen am 1. September 1939 fiel die Grenze, und die Ortschaften Kalmusen (heute polnisch Kalmuzy), Buden (Budy), Sarosle (bis 1945 Moorgrund, polnisch Zarośle) und Schönbrück (Szembruk), die im Polnischen Korridor gelegen hatten, kamen an Deutschland zurück.

Bis 1945 war Garnsee eine Stadt im Landkreis Marienwerder, welcher bis 1920 zur preußischen Provinz Westpreußen und dann in Grenznähe zu Polen zu Ostpreußen gehörte. 1934 wurde Garnsee mit dem benachbarten Garnseedorf vereinigt und hatte 1939 etwa 2000 Einwohner.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region Anfang 1945 nach Kämpfen mit der Wehrmacht von der Roten Armee besetzt. Kurz danach wurde Garnsee unter polnische Verwaltung gestellt. Zuwanderne polnische Zivilisten begannen nun, sich der Behausungen und Anwesen der eingesessenen Stadtbewohner zu bemächtigen. Soweit die Einwohner nicht geflohen waren, wurden sie in der darauf folgenden Zeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben. Die deutsche Stadt Garnsee wurde in Gardeja umbenannt.

Aufgrund der massiven Zerstörungen durch die Kriegsereignisse verlor Gardeja 1945 das Stadtrecht. Der Ort ist jetzt dem Powiat Kwidzyński in der Woiwodschaft Pommern (1975 bis 1998 Woiwodschaft Elbing) angegliedert. Er zählt 2.500 Einwohner und ist Sitz und namensgebender Ort der Gmina Gardeja.

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner-
zahl
Anmerkungen
1740 379[3]
1786 457 in der 1732 erbauten evangelischen Kirche wurde sowohl auf deutsch als auch auf polnisch gepredigt[4]
1831 900[5]
1864 1.099 darunter 1.027 Evangelische und 35 Katholiken[6]
1885 1.205[7]
1900 1.100 meist Protestanten[8]
1905 984 darunter 911 Protestanten, 59 Katholiken und 15 Juden[3]
1925 1.070 meist Protestanten[9]
1933 2.062[7]
1939 1.998[7]
1943 2.196[3]
2012 8.524 Stand 30. Juni 2012[10]

Kirche[Bearbeiten]

Pfarrkirche[Bearbeiten]

Kirche und Turm stammen aus dem Jahre 1350. Davor stand hier lediglich eine Holzkapelle. Der Turm steht unüblicherweise an der Ostseite. In den Jahren 1729 bis 1731 wurde das Gebäude umgebaut.

Evang. Kirchengemeinde[Bearbeiten]

Die Reformation und speziell der Übertritt des Preußenherzogs zum Protestantismus war der eigentliche Beginn der Geschichte der evangelischen Kirche in Garnsee. Vor 1945 gehörten zum Kirchspiel die Orte Dietmarsdorf (bis 1938 Zigahnen, heute polnisch: Cygany), Garnseedorf, Ottlau (Otłowiec) und Seubersdorf (Zebrdowo). Die Pfarrei war in den Kirchenkreis Marienwerder der Kirche der Altpreußischen Union integriert.

Seit 1945 sind die evangelischen Einwohner von Gardeja der Pfarrei Grudziądz (Graudenz) innerhalb der Diözese Pommern-Großpolen der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen zugeordnet.

Pfarrer 1546–1945[Bearbeiten]

Von der Reformation bis zur Vertreibung 1945 amtierten in Garnsee 31 evangelische Geistliche:

  • Daniel Leszki, 1546–1559
  • Bernhard Kretzel, 1559–1567
  • Matthes Labinus, 1567–1577
  • Michael prätorius, 1588–1591
  • Albert Soltanus, 1592–1601
  • Stephan Petrasius, 1603–1620
  • Andreas Lupianus, bis 1621
  • Sebastian Bernhardi, 1627–1630
  • Adam Vretsch, 1630–1634
  • Johann Hieronymus, 1634–1642
  • Salomo Strychnus, 1642–1651
  • Martin Rex, 1651–1657
  • Christian Strobäus, 1657–1670
  • Johann Malendorf, 1671–1682
  • Christian Römer, 1682–1693
  • Michael Richter, 1694–1718
  • Johann Schwartz, 1718–1721
  • Andreas Trantz, 1721–1735
  • Michael Apfelbaum, 1735–1759
  • Christoph Fr. Büschius, 1760–1766
  • Jacob Wilhelm Ursinus, 1766–1774
  • Christopg Grzegorzewsky, 1775–1792
  • Johann Michael Höffner, 1792–1796
  • Carl Schäfer, 1796–1838
  • Matthias Gottl. Ed. Hammer, 1839–1862
  • Julius Adolf Hoecker, 1863–1865
  • Gustav Adolf Krieger, 1865–1892
  • Hermann Julius Daniel, 1893–1908
  • Max Karl Gustav Lemke, 1909–1919
  • Friedrich Stachowitz, 1919–1928
  • Alfons August Naleszinski, 1928–1945

Kath. Kirchengemeinde[Bearbeiten]

Nach Einführung der Reformation wichen die katholischen Gläubigen auf Pfarrgemeinden in der Umgebung aus. Erst im Jahre 1912 wurde in Garnsee eine eigene Gemeinde gebildet. Bis 1932 war das „Gasthaus zur Bahn“ Gottesdienststätte, 1931/32 wurde die Herz-Jesu-Kirche gebaut.

Die heutige Pfarrgemeinde Gardeja hat diesen Namen beibehalten. Sie ist in das Dekanat Kwidzyn-Zatorze im Bistum Elbing der Katholischen Kirche in Polen eingegliedert.

Pfarrer 1912–1945[Bearbeiten]

  • Franz Herrmann, bis 1941
  • Carl Josef Müller, 1941–1945

Schule[Bearbeiten]

Bereits 1586 wurde in Garnsee eine Schule erwähnt. 1882 wird sie als vierklassig genannt.

Die bis 1936 selbständige Gemeinde Garnseedorf hatte eine eigene Schule. Sie wurde noch 1938 erweitert. Leiter der beiden Schulen von Garnsee war zuletzt Hauptlehrer Sellnau.

Gmina Gardeja[Bearbeiten]

Die Lage der Gmina Gardeja im Powiat Kwidzyński der Woiwodschaft Pommern

Die Landgemeinde Gardeja umfasst eine Fläche von 192,98 km², was 23,12 % der Fläche des gesamten Powiat Kwidzyński ausmacht, zu dem die Gmina gehört. In dem zu 70 % von Ackerfläche und zu 18 % von Waldfläche bestimmten Gemeindegebiet leben heute 8.248 Einwohner, davon mehr als ein Viertel in Gardeja selbst.

Die Gmina Gardeja grenzt im Süden an den Powiat Grudziądzki in der Woiwodschaft Kujawien-Pommern, und im Osten an den Powiat Iławski in der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Im östlichen Gemeindegebiet verläuft die Gardęga (Gardenga) innerhalb eines ausgedehnten Seengebietes.

Nachbargemeinden von Gardeja sind:

Rittergut Klötzen um 1860, Sammlung Alexander Duncker

Das Gemeindegebiet ist in 24 Ortsteile („Schulzenämter“) unterteilt, dem 34 Ortschaften und weitere Siedlungen zugeordnet sind:

  • Ortsteile:
  • Bądki (Bandtken, 1938–1945 Pankendorf)
  • Cygany (Zigahnen, 1938–1945 Dietmarsdorf)
  • Czarne Dolne (Niederzehren)
  • Czarne Górne (Hochzehren)
  • Czarne Małe (Kleinzehren) I
  • Czarne Małe II
  • Gardeja (Garnsee)
  • Gardeja II
  • Gardeja III
  • Gardeja IV
  • Jaromierz (Germen)
  • Klasztorek (Klösterchen)
  • Krzykosy (Kröxen)
  • Morawy (Mahren)
  • Nowa Wioska (Neudörfchen)
  • Otłowiec (Groß Ottlau, 1938–1945 Ottlau)
  • Otłówko (Klein Ottlau, 1938–1945 Gut Ottlau)
  • Otoczyn (Ottotschen)
  • Pawłowo (Paulsdorf)
  • Rozajny (Rosainen)
  • Trumieje (Groß Tromnau)
  • Wandowo (Wandau)
  • Wracławek (Warzeln)
  • Zebrdowo (Seubersdorf)
  • Übrige Ortschaften: * Albertowo, Czachówek, Dębno (Eichenbusch), Hermanowo, Jurki (Georgenberg), Kalmuzy (Kalmusen), Karolewo, Klasztorne (Klostersee), Klecewo (Klötzen), Międzylesie (Friedrichshain), Olszówka (Olschowken, 1938–1945 Gut Althausen), Osadniki, Podegrodzie, Przęławek (Prenzlau), Rosajny Małe (Klein Rosainen), Szczepkowo (Louisenhof) und Wilkowo (Wilkau).

Verkehr[Bearbeiten]

Straßen[Bearbeiten]

Durch den Westteil der Gmina Gardeja verläuft in Nord-Süd-Richtung die bedeutende Landesstraße 55 (ehemalige Reichsstraße 129), die von Nowy Dwór Gdański (Tiegenhof) und Malbork (Marienburg (Westpreußen)) kommend die Gmina mit Grudziądz (Graudenz) und Stolno in der Woiwodschaft Kujawien-Pommern verbindet. Durch das Gemeindegebiet in Ost-West-Richtung führt - ausschließlich Orte der Gmina Gardeja durchziehend – die Woiwodschaftsstraße DW 523, die bei Trumieje (Groß Tromnau) Anschluss an die Woiwodschaftsstraße 522 (Sztum (Stuhm) – Prabuty (Riesenburg) – Kisielice (Freystadt)) hat, die ihrerseits den Osten der Gmina Gradeja streift.

Schienen[Bearbeiten]

Die Gmina Gardeja verfügt über zwei Bahnstationen an der Staatsbahnlinie 207, die Toruń (Thorn) und Grudziądz (Graudenz) mit Kwidzyn (Marienwerder) und Malbork (Marienburg) verbindet. Diese Bahnstrecke wurde 1882/1883 eröffnet. Die großen Seen, die die damalige Stadt Garnsee umgaben und die Bodenbeschaffenheit des Umlandes der Gewässer ließen es damals nicht zu, die Bahnlinie nahe an der Stadt vorbeizuführen. So wurde der Bahnhof zwei Kilometer südlich der Stadt angelegt.

Dieser Bahnhof kam 1920 zu Polen und erhielt den Namen Gardeja. Er durfte von den Deutschen mitbenutzt werden. Doch diese Mitnutzung lief 1927 aus, und die Deutsche Reichsbahn baute auf dem Weg nach Herminendorf einen neuen Bahnhof, auch wieder zwei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Bei seiner Eröffnung am 1. Juli 1927 erhielt er den Namen Garnsee (Westpreußen). Aufgrund des Kriegsgeschehens kam der alte Bahnhof 1939 wieder nach Deutschland, er bekam dann den Namen Garnsee Süd, der neue nannte sich dann Garnsee West. Auch heute gibt es noch beide Bahnstationen, die beide den Namen „Gardeja“ tragen.

Zwischen 1886 und 1979 zweigte in Garnsee Süd = Gardeja eine Bahnstrecke in die Nachbarstadt Łasin (Lessen) ab. Und das heutige Gebiet der Gmina Gardeja wurde von Nordwest nach Südost von der ebenfalls inzwischen stillgelegten Bahnlinie von Marienwerder (Kwidzyn) nach Freystadt (Kisielice) und Bischofswerder (Biskupiec) durchzogen - mit drei Bahnstationen im heutigen Gemeindegebiet.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gardeja – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Band 2: Topographie von West-Preussen. Kantersche Hofdruckerei, Marienwerder 1789, S. 8, Nr. 3).
  • Hans Schachschneider: Die Stadt Garnsee und Umgebung, 1970.
  • Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg 1968.
  • Ernst Bahr: Garnsee. In: Handbuch der historischen Stätten, Ost und Westpreußen. Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 62–63.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2014. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), archiviert vom Original am 7. Dezember 2014, abgerufen am 26. Dezember 2014.
  2. Franz Winter: Die Cistercienser des nordöstlichen Deutschlands. Ein Beitrag zur Kirchen- und Culturgeschichte des deutschen Mittelalters. Band 2: Vom Auftreten der Bettelorden bis zum Ende des 13. Jahrhunderts. Gotha 1871, S. 268–271 und S. 265–.
  3. a b c Handbuch der historischen Stätten, Ost und Westpreußen. Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 63.
  4. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Band 2: Topographie von West-Preussen, Marienwerder 1789, S. 8, Nr. 3.
  5. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 440, Nr. 55.
  6. E. Jacobson: Topographisch-statistisches Handbuch des Regierungsbezirks Marienwerder. Danzig 1868, S. 100–101, Nr. 61.
  7. a b c Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte Provinz Westpreußen, Kreis Marienwerder (2006).
  8. Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, Band 7, Leipzig und Wien 1907, S. 343.
  9. Der Große Brockhaus, 15. Auflage, Band 6, Leipzig 1930, S. 778.
  10. http://www.stat.gov.pl/cps/rde/xbcr/gus/l_ludnosc_stan_struktura_30062012.pdf