Gebärdenschrift

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Beispiel: „American Sign Language“ in SignWriting

Eine Gebärdenschrift ist ein Schriftsystem für die Darstellung der sprachlichen Zeichen einer Gebärdensprache.

Entwicklungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert schufen Roch-Ambroise Bébian in Paris und später der aus Schottland stammende George Hutton in Nova Scotia eine Gebärdenschrift, die beide Mimographie genannt wurden. Weitere Schriftsysteme für Gebärdensprache entwickelten William Stokoe für die American Sign Language (ASL), Eshkol-Weissman für die Israel Sign Language, ferner erschien in der Tradition des Stokoe-Systems an der Universität Hamburg das wissenschaftlich orientierte HamNoSys (Hamburger Notations-System)[1] für die Deutsche Gebärdensprache und ein phonetisch/phonemisches System SignLettering von Hartmut Teuber (USA).

Besondere Bedeutung hat hier das 1974 von der ehemaligen Tänzerin Valerie Sutton entwickelte System SignWriting[2]. Dieses ist sprachübergreifend und hat deshalb zunehmende Verbreitung. Dieser Artikel handelt im Folgenden von dieser Schrift, welche eingedeutscht auch GebärdenSchrift (mit Binnenmajuskel zur Unterscheidung vom Oberbegriff) genannt wird.

SignWriting[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SignWriting
Schrifttyp Piktogramme
Sprachen Gebärdensprache
Erfinder Valerie Sutton
Verwendungszeit ab 1974
Abstammung synthetische Schrift
SignWriting
Verwandte DanceWriting
Unicodeblock U+1D800 – U+1DAAF
ISO 15924 Sgnw
Beispiele äquivalenter Darstellung von isolierten Hand-Formen

SignWriting (auch als Sutton SignWriting bekannt) wurde im Auftrag der Universität Kopenhagen entwickelt. Neben dieser Schrift hat nur noch DanceWriting zur Notation von Tänzen und Choreographien weitere Verbreitung.

SignWriting nutzt zur Darstellung der Gebärden eine große Menge genau definierter Piktogramme für Handformen und Mimik, sowie für Arme, Beine oder Schultern, falls sie für die Gebärde relevant sind, und verschiedene zusätzliche Symbole wie unterschiedliche Pfeile, Sterne, Wellen und Ähnliches zur Beschreibung der Bewegung. Wegen des Piktogrammcharakters der Zeichen ist das Erkennen der Schrift vergleichsweise einfach.

In Deutschland wird bereits an einigen Orten, zum Beispiel im Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte in Osnabrück, SignWriting im Unterricht gehörloser Kinder eingesetzt. Gleiches geschieht auch in einer Schule für gehörlose Kinder in Ost-Nicaragua.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1966, im Alter von 15 Jahren, entwickelte die Amerikanerin Valerie Sutton für persönliche Notizen ein System, um Ballett-Choreographien zu notieren. 1970 zog sie nach Dänemark, um im Königlich Dänischen Ballett zu üben. Dort nutzte sie ihre Tanz-Notizschrift, um Choreographien der Bournonville-Schule aufzuschreiben, die in Vergessenheit zu geraten drohten. Eine Veröffentlichung des Systems 1973 und ein DanceWriting-Kurs für Mitglieder des Balletts führten zum Bekanntwerden der Notation in einem Zeitungsbericht 1974, der von Wissenschaftlern der Universität Kopenhagen gelesen wurde. Die Anregung zur Weiterbearbeitung des MovementWriting für die Gebärdensprache kam von dem Anthropologen Dr. Rolf Kuschel und von Lars von der Lieth. Der Erstere hatte die Gebärdenzeichen eines einzigen tauben Bewohners einer Südseeinsel auf Film aufgezeichnet. Eine schriftliche Aufzeichnung war notwendig, um die Sprache dieses Mannes analysieren zu können. Sie baten Sutton, die auf Film aufgezeichneten Gebärden aufzuschreiben. Die Transkription mittels SignWriting dieses tauben „Erfinders“ einer Gebärdensprache kann wohl als die erste Aufzeichnung von Gebärden der Gehörlosen der modernen Zeit angesehen werden. Das Schriftsystem entwickelte sich immer weiter vom ursprünglichen Movement writing weg und wurde an die Erfordernisse einer gebärdenbeschreibenden Schrift angepasst. Auch die Gesten und die Mimik hörender Dänen wurden seitens der durch von der Lieth geleiteten Forschungsgruppe mittels der Symbole von SignWriting erfasst.

Von 1975 bis 1979 arbeitete Valerie Sutton in der Tanzabteilung des Konservatoriums Boston. Währenddessen entwickelte sie ihr SignWriting weiter, als sie mit der New-England-Sign-Language-Forschungsgruppe zusammenkam. 1977 lernten erstmals taube Erwachsene, Schauspieler des National Theatre of the Deaf, das SignWriting. 1979 arbeitete sie für das National Technical Institute for the Deaf, das Schriften zur American Sign Language herausbringt, die in SignWriting bebildert sind.

Ab dem Herbst 1981 wurde der SignWriter, eine vierteljährliche Zeitschrift mit Texten in SignWriting, herausgebracht. Dadurch, dass sie in einer regulären, periodischen Publikation genutzt wurde, wurde SignWriting vereinfacht, um den Erfordernissen für eine schnelle und leichte Schreibung gerecht zu werden. Das Projekt wurde 1984 aufgegeben, weil der Aufwand – alle Zeichen mussten per Hand geschrieben werden – bei Weitem den Nutzen überstieg.

1986 wurde das Computerprogramm SignWriter geschrieben und veröffentlicht.

Seit den 1980er Jahren gibt es die verschiedensten Anleitungen, Wörterbücher usw. zu SignWriting, auch eine Kursiv- und eine Stenografieschrift wurden entwickelt.

Seit 1985 wird aus Sicht des Gebärdenden statt aus Sicht des Beobachtenden geschrieben, und seit 1997 wird SignWriting offiziell in Spalten von oben nach unten geschrieben.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: SignWriting – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Uni Hamburg, HamNoSys, abgerufen am 10. Juli 2017
  2. gebaerdenschrift.de