Kochscher Enzian
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Kochscher Enzian (Gentiana acaulis) | ||||||||||||
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| Gentiana acaulis | ||||||||||||
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Der Kochsche Enzian (Gentiana acaulis), auch Kochs Enzian geschrieben und auch Stängelloser Enzian, Silikat-Glocken-Enzian,[1] Stängelloser Silikat-Enzian oder Kiesel-Glocken-Enzian[2] genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Enziane (Gentiana) innerhalb der Familie Enziangewächse (Gentianaceae). Stängelloser Enzian ist die genaue Übersetzung des botanischen Namens Gentiana acaulis. Es kommt oft zu Verwechslungen mit einer anderen Enzianart, dem Clusius-Enzian oder Kalk-Glocken-Enzian (Gentiana clusii Perr. & Song.), dieser wird ebenfalls Stängelloser Enzian genannt und beide Arten besitzen ähnliche Merkmale; es sind vikariierende Arten in den Gebirgen Europas.
Beschreibung
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Vegetative Merkmale
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Kochsche Enzian wächst als niedrige, überwinternd grüne, ausdauernde krautige Pflanze[2] und erreicht Wuchshöhen von 5 bis 10 Zentimetern. Es werden Ausläufer gebildet.[3]
Die gegenständig in einer grundständigen Rosette angeordneten Laubblätter sind sitzend. Die einfache, kaum ledrige[1] Blattspreite ist bei einer Länge von 4 bis 15 Zentimetern zwei- bis dreimal so lang wie breit[4] und verkehrt-eiförmig bis elliptisch[1] und kahl, sie endet stumpf oder mit kurzer Spitze.[2][4] Der Blattrand ist glatt[2] und nicht papillös.[4]
Generative Merkmale
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Blütezeit reicht je nach Standort von Mai bis August.[3][1] Auf einem kurzen Blütenstandsschaft befindet sich eine einzelne Blüte.[3]
Die zwittrige,[2] etwa 5 Zentimeter hohe Blüte ist radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Kelchblätter sind zu einer Kelchröhre verwachsen;[3][4] die fünf etwas abstehenden, an ihrem unteren Ende etwas eingeschnürten und scharf zugespitzten Kelchzipfel sind meist viel kürzer als die halbe Kelchröhre, die Kelchbuchten sind breit und es ist eine weiße Verbindungshaut vorhanden.[2][4][1] Die fünf azur-blauen Kronblätter sind glockenförmig verwachsen.[3] Die Kronröhre ist innen oliv-grün gefleckt.[2][1] Die Staubfäden sind bandartig verbreitert und mit der Krone verwachsen.[4]
Die bei Reife braune,[3] einfächrige Kapselfrucht öffnet sich zweiklappig.
Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 9; es liegt Tetraploidie mit einer Chromosomenzahl 2n = 36 vor.[5][2]


Unterscheidung von Gentiana acaulis und Gentiana clusii
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Kochsche Enzian unterscheidet sich vom Clusius-Enzian durch die breiteren, weicheren Rosettenblätter und die fünf grünen Flecken am Schlund der azurblauen Blütenglocke. Die Kelchzipfel von Gentiana acaulis sind am Grunde eingeschnürt und kürzer als die halbe Kronröhre, während sie bei Gentiana clusii länger als die halbe Kronröhre sind und zum Grund hin breiter werden.[2] Die beiden Arten sind in ihrem Vorkommen weitgehend überschneidungsfrei, da Gentiana clusii Kalkboden benötigt, wohingegen Gentiana acaulis nur auf saurem Silikatboden gedeiht (Vikariismus).
Ökologie und Phänologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Beim Kochschen Enzian handelt es sich um einen plurienn-pollakanthen, mesomorphen Hemikryptophyten[2][3][1] und ausdauernde Rosettenpflanze. Die aufrechten abstehenden Laubblätter des Kochschen Enzian dienen durch nach innen geneigte Rinnen als Wassersammler. Zugwurzen am Boden halten die Blattrosette dauerhaft dicht am Boden.[6]
Die Blütezeit reicht je nach Standort von Mai oder Juni bis August.[2] Blütenökologisch handelt es sich um große Trichterblumen und Hummelblumen. Als Belohnung für Bestäuber Nektar vorhanden. Es erfolgt meist Insektenbestäubung. Bestäuber sind Hummeln.[2] Beim Kochschen Enzian liegt Proterandrie vor, dei Blüten sind zuerst männlich, später weiblich. Beim Kochschen Enzian liegt meist fakultativ xenogame Fremdbefruchtung, Selbstbestäubung ist die Ausnahme,[2] sie ist durch an die Staubbeutel angedrückte Narbenlappen möglich.[6] Beim Kochschen Enzian liegt Selbstkompatibilität vor, Selbstbefruchtung führt erfolgreich zum Samenansatz.[2]
Die Blüten sind durch Anthocyane blau gefärbt.[6] Die Kronblattzipfel sind durch Berührung reizbar (Thigmonastie). Die ganze Blüte ist bei nassem Wetter geschlossen. Die fünf Staubblätter umgeben eng den Griffel und die Staubbeutel bilden eine Röhre; die Staubfäden sind durch Lamellen mit der Blütenkronröhre verbunden. Dadurch entstehen fünf röhrenförmige Zugänge (Revolverblume) zu dem am Grunde des Fruchtknotens abgeschiedenen Nektar. Die Kronröhre besitzt innen auffällige olivgrüne Tüpfelsaftmale auf hellem Grund, die im durchscheinenden Licht besonders hervortreten.[6]
Fruchtreife ist von August bis Oktober.[6] Bei der Kapselfrucht handelt es sich um eine trockene Streufrucht.[2] Die Kapselfrüchte sind von der als Windfang dienenden, bleibenden Kronröhre umschlossen und werden durch den sich nach der Anthese stark verlängerten Stängel emporgehoben.[6] Die Früchte sind also Windstreuer. Die Diaspore (Ausbreitungseinheit) ist der Same. Die Ausbreitung der Diasporen erfolgt durch den Wind (Anemochorie) oder Ausbreitung durch Bewegungen der Mutterpflanzen (Autochorie).[2] Die Samen werden als Körnchenflieger oder als Anhafter ausgebreitet.[6]
Die Samen sind Dunkelkeimer und Kältekeimer.[6]
Vorkommen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Verbreitung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Es gibt Fundangaben für Spanien, Andorra, Frankreich,[7] Deutschland, die Schweiz,[1] Liechtenstein, Österreich, Tschechien,[3] Italien,[8] Slowenien, Kroatien, Serbien, Albanien, Bulgarien, Rumänien, die Ukraine und die Krim.[9][10]
Gentiana acaulis kommt nur in den europäischen Gebirgen: den Alpen, den Karpaten, aud der nördlichen Balkan-Halbinsel, im Apennin, den Pyrenäen, im Kantabrischen Gebirge, im Iberischen Gebirge,[10] im Jura sowie in den Cevennen vor. Gentiana acaulis gedeiht in Europa in Höhenlagen von 590 bis 2900 Metern.[10] Der Kochsche Enzian wächst in Mitteleuropa in Höhenlagen von 800 bis 3000 Metern.[4] In den Allgäuer Alpen steigt er von 930 Metern bis zu einer Höhenlage von 2400 Metern am Hochrappenkopf in Bayern auf.[11]
Standortbedingungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Kochsche Enzian wächst in Mitteleuropa auf gut mit Wasser versorgten Silikatböden im sauren Boden pH-Werten. Er ist eine Charakterart des Nardion-Verbands, kommt aber auch in Pflanzengesellschaften des Salicion herbaceae-Verbands oder in tiefer gelegenen Pflanzengesellschafen des Caricion curvulae-Verbands vor.[5]
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+ (frisch), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 2 (sauer), Temperaturzahl T = 1+ (unter-alpin, supra-subalpin und ober-subalpin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).[1]
Gefährdung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Für das Gesamtverbreitungsgebiet von gilt in der Roten Liste der gefährdeten Arten bei IUCN für Gentiana acaulis LC = „Least Concern“ = „nicht gefährdet“.[10]
Der Kochsche Enzian gilt in der Schweiz als LC = „Nicht gefährdet“.[1] In Tschechien gilt er als „ausgestorben“, aber es gibt noch zwei Fundorte.[10] In Bulgarien gilt Gentiana acaulis als „Critically Endangered“ und in den Karpaten als „Near Threatened“.
Der Kochsche Enzian steht, wie alle anderen Enzianarten, in Deutschland unter Naturschutz. Der Kochsche Enzian ist in der Roten Liste Deutschlands nach Metzing et al. 2018 unverändert zur vorhergenden Erhebung von 1998 in der Gefährdungskategorie 3 = „gefährdet“.[2] Die ganzflächige Verwendung von Dünger (Gülle, Mist, Kunstdünger), um den Wiesenertrag z. B. in Borstgraswiesen zu steigern, lässt auch bei dieser Art ganze Bestände verschwinden. Die schädliche Wirkung hält über Jahrzehnte an.
Taxonomie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Erstveröffentlichung von Gentiana acaulis erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, S. 228. Synonyme für Gentiana acaulis L. sind: Ciminalis acaulis (L.) Borkh., Ciminalis acaulis (L.) Moench., Gentiana kochiana E.P.Perrier & Songeon, Gentiana excisa C.Presl, Gentiana latifolia (Gren. & Godr.) Jakow., Gentiana acaulis L. subsp. acaulis.[9]

Verwendung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Vom Kochschen Enzian gibt es zahlreiche Sorten, die als Zierpflanze in Parks und Gärten verwendet werden.[12][13] Die medizinischen Wirkungen wurden untersucht.[14]
Quellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
- Manfred A. Fischer, Karl Oswald, Wolfgang Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3., verbesserte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9.
- Thomas Gaskell Tutin: Gentiana. In: T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. Volume 3: Diapensiaceae to Myoporaceae. Cambridge University Press, Cambridge 1972, ISBN 0-521-08489-X, S. 62 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
- Thomas Muer, Oskar Angerer: Alpenpflanzen. 1. Auflage, Ulmer Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-8001-3374-1.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Gentiana acaulis L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am 22. Dezember 2022.
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 Gentiana acaulis L., Kiesel-Glocken-Enzian auf FloraWeb.de
- 1 2 3 4 5 6 7 8 Datenblatt mit Fotos und Verbreitung in Tschechien bei Pladias – Database of the Czech Flora and Vegetation.
- 1 2 3 4 5 6 7 Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 3, Verlag Carl Hanser, München 1966. S. 2011–2013.
- 1 2 Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 756.
- 1 2 3 4 5 6 7 8 Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
- ↑ Datenblatt mit Fotos und Verbreitung in Frankreich bei Tela Botanica.
- ↑ Datenblatt mit Fotos und Verbreitung in Italien bei Portale della Flora d'Italia - Portal to the Flora of Italy.
- 1 2 Karol Marhold (2011+): Gentianaceae: Datenblatt Gentiana acaulis In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
- 1 2 3 4 5 Gentiana acaulis in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2026.1. Eingestellt von: European Union Assessment - EU27, 2021. Abgerufen am 23. August 2026.
- ↑ Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 339–340.
- ↑ Datenblatt bei RHS.
- ↑ Gordon Cheers (Hrsg.): Botanica. Das ABC der Pflanzen. 10.000 Arten in Text und Bild. Könemann Verlagsgesellschaft, 2003, ISBN 3-8331-1600-5, S. 399.
- ↑ Gentiana acaulis bei Plants For A Future
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).
- Herbarbelege aus Virtuelles Herbarium zur Flora von Deutschland online bei FloraWeb.
- Datenblatt Gentiana acaulis (Silikat-Glocken-Enzian, Kiesel-Glocken-Enzian, Koch-Enzian, Stängelloser Enzian, Breitblättriger Enzian) mit Verbreitung in Österreich bei flora-austriaca.