geobra Brandstätter

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geobra Brandstätter Stiftung & Co. KG
Firmenlogo
Rechtsform Stiftung & Co. KG
Gründung 1876
Sitz Zirndorf
Leitung Steffen Höpfner, Vorsitzender des Vorstands
Mitarbeiter 4.159 (2015)[1]
Umsatz 671 Mio. Euro (2016)[1]
Branche Spielzeug, Pflanzgefäße, Gartenmöbel [2]
Website company.playmobil.com, www.playmobil.de, www.lechuza.de

Die geobra Brandstätter Stiftung & Co. KG, auch kürzer und einfacher Brandstätter-Gruppe genannt, ist ein deutsches Unternehmen, das für sein System-Spielzeug Playmobil bekannt ist. Sitz des Unternehmens ist das fränkische Zirndorf.

Brandstätter-Unternehmenszentrale (links) und Playmobil FunPark (rechts) in Zirndorf

Die Firma[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schlosser Andreas Brandstätter machte sich 1876 mit sechs Mitarbeitern selbstständig. Sein Unternehmen produzierte Beschläge für Schatullen und Schlösser. Sein Sohn Georg Brandstätter übernahm das Unternehmen im Jahr 1908 und prägte den Firmennamen geobra. Nach diesem Wechsel wurde es in Metallwarenfabrik Georg Brandstätter umbenannt. Das Unternehmen zog nach Zirndorf um, wo es 1926 als offene Handelsgesellschaft eingetragen wurde. Produziert wurden Kaufladenartikel, Spielzeuge, Telefone und Spardosen. Zu Beginn der 1930er-Jahre wurde der Unternehmensname um das Markenzeichen geobra ergänzt.

Georgs Sohn Horst Brandstätter trat 1952 in das Unternehmen ein und wurde zwei Jahre später Gesellschafter, nachdem er die Volljährigkeit erreicht hatte. Auf ihn geht die Umstellung der Produktpalette auf Kunststoff zurück. Es wurden Hula-Hoop-Reifen, lenkbare Sitztraktoren und Sparschweine produziert. Aufgrund der starken Konkurrenz im Spielwarengeschäft wurde die Produktpalette stetig erweitert und auch Wasserski, Kunststoff-Sportboote, Öltanks und Plattenspieler hergestellt. 1964 wurde die HOB GmbH & Co. KG zum Bau von Plattenspielern und Wechselsprechanlagen gegründet; 1981 trat Klaus Brandstätter in das Unternehmen ein und wendete die Produktion in Richtung Software, insbesondere für Remote Access. 1969 wurden in Dietenhofen neue Fabrikgebäude gebaut, 1971 auf Malta die erste Auslandsproduktion begründet. Zu Beginn der 1970er-Jahre wurden auch Einrichtungsgegenstände wie Deckenpaneele und Möbel als Produkte ins Auge gefasst, jedoch mit Beginn der Ölkrise nicht weiterverfolgt. Das Unternehmen hatte Probleme, genügend Rohstoffe zu bekommen und geriet in die roten Zahlen.

In dieser Situation wurde die Entwicklung eines kleineren Systemspielzeugs forciert, das auf von Hans Beck entwickelten Figuren basierte, die zuerst nicht das Gefallen des Chefs fanden. 1972 wurde die Figur in Deutschland patentiert. 1973 folgten Patente in den USA, Frankreich, England und Italien. Im Februar 1974 wurde dann erstmals Playmobil vorgestellt und bereits im Herbst des Jahres in den Markt eingeführt. Anfangs konnte die Nachfrage kaum gedeckt werden. Bis heute ist Playmobil das wichtigste Produkt von geobra Brandstätter.

1990 zog die Firma in die heutige Firmenzentrale um.

1996 wurde die Stiftung „Kinderförderung von Playmobil“ von Firmeninhaber Horst Brandstätter gegründet.

Im Jahr 2000 wurde mit der Marke LECHUZA-Pflanzsysteme das Geschäftsfeld der Pflanzgefäße und Zubehör erschlossen. Die LECHUZA-Pflanzsysteme bestehen aus Kunststoff und sind mit einem Erdbewässerungssystem ausgestattet. Im gleichen Jahr wurde Andrea Schauer Geschäftsführerin und der Playmobil-FunPark eröffnet.

Am 3. Juni 2015 verstarb der Playmobil-Unternehmensinhaber Horst Brandstätter. Nach seinem Tod ging das Unternehmen in eine Doppelstiftung über: eine gemeinnützige Stiftung und eine Unternehmensstiftung, in der die wichtigsten Mitarbeiter vertreten sind. An der offiziellen Geschäftspolitik der Firma änderte sich kaum etwas, doch intern entstand ein Führungsproblem; Insider berichteten in der Süddeutschen Zeitung von einem Machtvakuum: „Keiner der drei neuen Vorstände darf allein entscheiden, man belauere sich.“[3]

Im März 2016 verließ Judith Weingart, eine der Vorsitzenden, die Firma wegen Probleme mit ihren Vorsitzpartnern.[4] Im November 2016 erklärte das Unternehmen, dass mit Steffen Höpfner ein bisheriges Mitglied des Stiftungsrates den Vorsitz des Vorstands übernimmt und sowohl die Unternehmensgruppe, als auch die Stiftung führen wird.[5] Die faktische Entscheidungsgewalt liegt laut Recherchen des Manager Magazins allerdings bei Frau Marianne Albert. Die langjährige Chefsekretärin steht nicht nur der gemeinnützigen Stiftung vor, sondern leitet auch den Beirat. Und dieser „kann den Vorstand nicht nur abberufen, sondern auch Entscheidungen jederzeit an seine Zustimmung binden, wovon Albert regen Gebrauch macht. (...) Nun zweifelt kaum noch jemand daran, wer die Herrin im Haus ist.“[6]

Standorte und Firmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemalige und aktuelle Produktpalette[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schatullenbeschläge (1876–1926)
  • Kaufladenartikel (von 1926 bis 1954 aus Blech, Holz und Metall ab 1954 bis ca. 70er Jahre aus Kunststoff und Metall)
  • Spardosen (von 1926 bis 1954 aus Blech und Metall ab 1954 bis ca. 70er Jahre aus Kunststoff und Metall)
  • Telefone (von 1926 bis 1954 aus Blech und Metall ab 1954 bis ca. 70er Jahre aus Kunststoff und Metall)
  • Metallspielzeuge (von 1926 bis 1954)
  • Hula-Hoop-Reifen (im Jahr 1958/59)
  • Kunststoffspielzeuge vor geobra (von ca. 1958/59 bis 70er Jahre)
  • Sportartikel (von ca. 1958/59 bis 70er Jahre)
  • Haushaltsartikel (von ca. 1958/59 bis 70er Jahre)
  • Playmobil (seit 1974)
  • Lechuza-Pflanzgefäße (seit 2000)

Umsatzentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschäfts-
jahr
Umsatz (in Mio €) Mitarbeiter-
zahl
Quelle
Brandstätter
Gruppe
Playmobil
weltweit
Lechuza
2015 616 558 - - [8]
2014 595 535 46,4 4.166 [9]
2013 612 552 47,5 4.069 [10]
2012 591 531 46,9 3.701 [10]
2011 564 505 45,6 3.520 [11]
2010 560 507 33 3.250 [12]
2009 518 474 39 3.060 [13]
2008 496 452 22 3.000 [14]
2007 459 427 20 2.861 [15]
2006 402 379 12 2.721 [16]
2005 377 361 2.591
2004 370 359 2.500 [17]
2003 331,4 324 2.428 [18]
2002 301 260 2.267 [19]
2001 292,9 268 2 318 [20]

Etwa 70 Prozent des Umsatzes werden im Ausland erzielt. Es gibt Playmobil-Vertriebsstätten in vielen Ländern Europas und in den USA, Kanada und Mexiko.[10]

Der „Spiegel“ stellte 2013 die Firma geobra Brandstätter Stiftung & Co. KG als Musterbeispiel für den Erfolg der deutschen Wirtschaft heraus. Ihr Alleineigentümer weigere sich, „seine Spielzeugfiguren in Asien produzieren zu lassen. Weil er mit seinen Männchen lieber Land um Land mit eigenem Geld erobert, statt an die Börse zu gehen, nach einem Fusionspartner zu suchen oder was wild gewordene Investmentbanker um die Jahrtausendwende sonst noch alles so forderten. Einen Lehman-Crash, eine Schuldenkrise und eine europäische Rezession später stehen Unternehmer vom Schlage Brandstätters plötzlich für Zukunft.“[21]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Presseinformationen auf Playmobil-Website.
  2. Lechuza-Gartenmöbeln
  3. Chaos im Spielzeugladen. In: Süddeutsche Zeitung vom 27. November 2015, abgerufen am 8. Dezember 2016.
  4. Gezänk im Playmobil Land. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 1. März 2016, abgerufen am 6. Dezember 2016.
  5. Playmobil hat neuen Chef. In: Spiegel Online vom 1. Dezember 2016, abgerufen am 16. Mai 2017.
  6. Martin Mehringer: "Die will nicht nur spielen." in: Manager Magazin, Ausgabe 12/2016, Seite 48 ff.
  7. http://company.playmobil.com/Company/de-DE/brandstatter-group-facts-and-figures
  8. http://company.playmobil.com/Company/de-DE/brandstatter-group-facts-and-figures
  9. http://www.playmobil.de/zahlen-und-daten/DATEN.html
  10. a b c Playmobil: Brandstätter-Gruppe - die wichtigsten Daten. 29. Januar 2014, abgerufen am 27. August 2014.
  11. [1]
  12. Playmobil auf Siegeszug in den Kinderzimmern (Memento vom 28. Januar 2011 im Internet Archive)
  13. Brandstätter-Gruppe - die wichtigsten Daten
  14. Playmobil erzielt erneut Umsatzrekord
  15. Playmobil Fakten 2007
  16. Brandstätter-Gruppe – die wichtigsten Daten (MS Word; 23 kB)
  17. [2]
  18. [3]
  19. [4]
  20. [5]
  21. Christian Rickens: Mittelstand. Die Besessenen. Der Spiegel. Heft 39/2013, 21. September 2013