George Lamsa

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George M. Lamsa (* um 5. August 1892 als Lamsa; † 22. September 1975 in Turlock, Kalifornien) war assyrischer Schriftsteller und übersetzte die Bibel aus dem Aramäischen ins Englische.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mutter von George M. Lamsa hieß mit Vornamen Sara, ihr Nachname ist nicht bekannt. Sie heiratete irgendwann im 19. Jahrhundert einen Schafhirten namens Jando, mit dem sie in der Region der Flüsse Euphrat und Tigris (heutiges Grenzgebiet zwischen der Türkei, dem Iran und dem Irak) lebte. Als ihren Lebenszweck betrachtete sie, einen Sohn zu gebären, um diesen Gott zu widmen. Gegen Ende der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde ihr Wunsch erfüllt. Das genaue Geburtsdatum von Lamsa ist unbekannt, wenn auch einige Quellen den 5. August 1892 angeben. Geboren wurde er nach eigenen Angaben in Marbishu, einem kleinen Wallfahrtsort in den kurdischen Bergen. Alte Landkarten zeigen es noch. Marbishu (auch: Mar Behishu) liegt im äußersten südöstlichsten Zipfel der heutigen Türkei, nur wenige Kilometer von der iranischen Grenze entfernt. Die ungefähre Koordinaten von Marbishu: Breite 37°35'46.18"N; Länge 44°30'39.87"E.

Unterschrift

Sara und Jando gehörten zum Stamm der Mamisho, einem der vielen Nomadenstämme in jener Region. Ihre Sitten und Bräuche, ihre Kleider und Werkzeuge und auch ihre Sprache hatten sich über Jahrhunderte kaum verändert. Als Winterquartier diente den Mamishos die Stadt Marbisho. Hier brachte Sara ihren Sohn zur Weihung in eine christliche Kirche.

Im Alter von vier Jahren begann Lamsa, den Unterricht in einer Presbyterianer-Schule zu besuchen, und lernte das Aramäische Alphabet lesen und schreiben. Bevor Lamsa sein zweites Schuljahr beenden konnte, schloss sich sein Stamm mit anderen Christen zusammen, die vor feindlichen Kurden in den Iran flüchteten.

Nach dem Tode seiner Mutter besuchte Lamsa eine weitere kirchliche Schule. Dort lernte er bis zu seinem 9. Lebensjahr. Dann kehrte sein Stamm wieder in die Umgebung der Stadt Marbisho zurück. Hier traf Lamsa zum ersten Mal in seinem Leben einen Fremden, einen Engländer. Es handelte sich um Reverend Oswald Parry. Von ihm bekam Lamsa zwei Kirons (ca. 40 amerikanische Cents) und kam so zum ersten mal mit Geld in Kontakt. Reverend Parry wählte fünf Jungen für ein College in Urmia (Iran) aus, und Lamsa war einer von ihnen. An dieser Schule verbrachte der ehemalige Hirtenjunge neun Jahre und bestand mit 19 sein Abschlussexamen mit der höchsten Auszeichnung.

Dank seinem hervorragenden Abschluss konnte Lamsa an derselben Schule eine Stelle als Lehrer antreten. Etwas später wechselte er an eine neu eröffnete Schule in Van, wo er unter anderem Türkisch unterrichtete. Bald musste er wieder fliehen, da sein Leben während der Verfolgung der Armenier gefährdet war. Zurück in seiner alten Schule wurde er Redakteur und damit verantwortlich für die Bücher, welche die Schule herausgab.

1913 wurde Lamsa vom lokalen Machthaber nach Istanbul an die Universität gesandt. Nach etwa einem Jahr musste Lamsa in den Wirren des Ersten Weltkrieges flüchten. Über Bulgarien und Italien landete er schließlich mit 3 $ in der Tasche in Buenos Aires, wo er einige Landsleute anzutreffen hoffte. Seine erste Autofahrt führte zu der Young Men's Christian Association (YMCA), wo er einen Job als Drucker erhielt. Nach diversen anderen Arbeiten führte ihn sein Weg schließlich 1917 nach New York City. Um Schwierigkeiten bei der Einreise zu vermeiden, legte er sich den Namen „George“ zu und verwendete seinen bisher einzigen Namen „Lamsa“ als Nachnamen. Das „M.“ in der Mitte steht für Mamisho, seinen Stamm aus der Heimat.

1919 erhielt George M. Lamsa durch einen Bischof ein Stipendium für das Theologische Seminar in Virginia, wo er drei Jahre studierte. Anschließend übersiedelte er nach Washington, D.C., wo er nach einer Phase der Arbeitslosigkeit vom Erzbischof von Canterbury den Auftrag erhielt, Geld für den Wiederaufbau der im Krieg zerstörten Schulen der Türkei zu sammeln.

1929, nach Ausbruch der Weltwirtschaftskrise, trat Mr. Lamsa der Universität von Pennsylvania bei. Der Präsident und die Fakultät waren von Lamsas Idee fasziniert, dass Griechisch nicht die Originalsprache der Quellen des Neuen Testamentes sei. Er erklärte ihnen, dass Jesus und die ersten Apostel Aramäisch gesprochen hätten und dass die Östliche Peshitta-Bibel noch immer in Aramäisch überliefert war. Da der Westkirche ausschließlich die griechischen Manuskripte bekannt waren, herrschte damals Einigkeit darüber, dass es sich bei den griechischen Quellen um Abschriften der Originale und nicht um Übersetzungen handeln musste. Sein Aufenthalt an der Universität war nur kurz, aber zugleich der Start zu seiner Tätigkeit als Bibelübersetzer.

Mit der Unterstützung von Mrs. Willam M. Wood aus Boston schrieb Lamsa sein erstes Buch The Oldest Christian People. Später konnte er im Haus von Mr. William Parson aus Flushing wohnen, und es entstand My Neighbor Jesus, Gospel Light und der Lamsa Bible Commentary. In Samuel Thompson fand er einen Weggefährten und die finanzielle Unterstützung der Aramaic Bible Society, und schließlich übertrug er die vier Evangelien aus aramäischen Peshitta-Quellen ins Englische: Der erste Teil der Lamsa-Bibel war geboren. Seine revolutionäre Ansicht bezüglich der biblischen Quellen stieß auf wenig Verständnis, und die erhoffte Publikation der vier Evangelien durch die University of Chicago wurde abgelehnt.

Die Rettung kam durch A. J. Holman aus Philadelphia. Die ersten zwei Exemplare bestellte ein methodistischer Bücherladen, und plötzlich interessierte sich die halbe Welt für ihn und sein Schaffen. Holman motivierte nun Lamsa, das ganze Neue Testament zu übersetzen, was zu einer weltweiten Nachfrage führte.

Im Herbst 1940 begann Lamsa mit der Übersetzung des Alten Testaments. Margaret Outerbridge in Maine gab ihm dazu die notwendige Unterstützung. 1957 wurde The Lamsa Bible in Druck gegeben und kam in den Verkauf.

Lamsa blieb zeit seines Lebens ein ökumenischer Christ und bevorzugte keine Konfession. Auch setzte er sich für eine bessere Verständigung von Christen, Juden und Moslems ein, da er die Überzeugung eines gemeinsamen universellen Gottes in sich trug. 1964 nahm er als Beobachter der Assyrischen Kirche des Ostens an der dritten Sitzungsperiode des katholischen Zweiten Vatikanischen Konzils teil. [1]

In den frühen 1960er-Jahren wurde der amerikanische Geistliche Rocco A. Errico auf Lamsa aufmerksam und studierte daraufhin 10 Jahre bei ihm. Errico ist der einzige, der Lamsas Arbeit in dessen Sinne weiterführt. In Erricos Noohra Foundation (Noohra, eigentlich: nuchra = Licht) erscheinen in etwa in jährlichem Turnus die aktualisierten und erweiterten (und von Lamsas Erben autorisierten) Bibelkommentare, wie sie von Lamsa noch zusammen mit Errico geplant waren.

Bibliografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Stand 07/2008)

Deutsche Übersetzungen von George M. Lamsas Büchern:

  • Die Evangelien in aramäischer Sicht, Lugano 2005 (Neuer Johannes Verlag)
  • Ursprung des Neuen Testaments, Lugano 1988 (Neuer Johannes Verlag)
  • Der Koran in Kürze, Freiburg 2001 (Verlag Hans-Jürgen Maurer)

Englische Bücher:

  • Secret of the Near East, Philadelphia 1923 (Ideal Press)
  • The Oldest Christian People; a brief account of the history and traditions of the Assyrian people and the fateful history of the Nestorian church; 1926 und 1970, beide New York. (Der als Co-Autor genannte William Chauncey Emhardt hat nichts zu diesem Werk beigetragen. Der Verlag bestand auf seine Nennung, da er im Gegensatz zu Lamsa dem Lesepublikum bekannt war.)
  • My Neighbor Jesus, New York und London 1932
  • Four Gospels According to the Eastern Version, Philadelphia 1933 (Holman)
  • Gospel Light, Philadelphia 1936 (Holman); deutsch: Die Evangelien in aramäischer Sicht, Lugano 1963 (Neuer Johannes Verlag), ISBN 978-3-907119-04-4
  • The Book of Psalms from the Aramaic, Philadelphia 1939 (Holman)
  • The Shepherd of All – the 23rd Psalm, Philadelphia 1939
  • New Testament Commentary (excludes the Gospels), Philadelphia 1945 (Holman)
  • New Testament Origin, Chicago 1947 (Ziff Davies); deutsch: Ursprung des Neuen Testaments, Lugano 1965, ISBN 978-3-907119-03-7)
  • A Short Koran, Designed for Easy Reading, Chicago und New York 1949 (Ziff Davies), deutsch: Der Koran in Kürze, ISBN 978-3-929345-13-1
  • The Holy Bible from the Ancient Eastern Text, Philadelphia 1957 (Holman)
  • A Brief Course in the Aramaic Language, 1961 (Aramaic Bible Society)
  • Old Testament Light, Englewood Cliffs 1964 (Prentice Hall)
  • The Kingdom on Earth, Lee’s Summitt 1966 (Unity Books)
  • And the Scroll Opened, Garden City und New York, 1967 (Doubleday)
  • More Light on the Gospel, Garden City und New York 1968 (Doubleday)
  • The Hidden Years of Jesus, St. Petersburg Beach 1968 (Aramaic Bible Society)
  • Roses from Gulistan, private Publikation, ohne Jahr, vermutlich Anfang der 1970er Jahre
  • Modern Wisdom, private Publikation, ohne Jahr, vermutlich Anfang der 1970er Jahre
  • The Man from Galilee, a life of Jesus, Garden City und New York 1970 (Doubleday)
  • Idioms in the Bible Explained, San Francisco 1984 (Harper)

Kurzbiografie über Dr. Lamsa (in englischer Sprache):

  • Tom Alyea, The Life of George M. Lamsa, Translator, St. Petersburg Beach 1966 (Aramaic Bible Society) Dieses Heft ist antiquarisch über das Internet zu beziehen.

Quelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

The Life of Dr. George M. Lamsa, Bible Translator & Comparative Verses, The Aramaic Bible Society, Inc.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelbelege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Proche-Orient Chrétien 17 (1967) 291-300.