Geschichte Tadschikistans

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Lage Tadschikistans in Asien

Die Geschichte Tadschikistans beschreibt die jahrtausendelange Geschichte des heutigen Tadschikistans.

Steinzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Spuren einer Besiedlung nahe der Stadt Norak im Westen Tadschikistan stammen aus der Mittelsteinzeit. In Tadschikistan finden sich Wandmalereien aus der Steinzeit, die Jagd- und Naturszenen zeigen. Die ersten Bewohner des heutigen Tadschikistans lebten von der Jagd, der Viehzucht und der Landwirtschaft.

Frühe Reiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überreste der urgeschichtlichen Siedlung Sarasm

Als einer der ältesten, dauerhaft besiedelten Orte in Tadschikistan gilt Sarasm, ein Ort, der seit dem 4. oder 3. Jahrtausend existierte.[1] Die ersten Reiche auf tadschikischem Boden waren Baktrien, im Süden und Osten des heutigen Staatsgebiet, und Sogdien im nördlichen Teil.

Antike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 6. Jahrhundert breitete sich Persien unter der Achämeniden-Dynastie nach Zentralasien aus. Kyros der Zweite unternahm 538 v. Chr. einen Feldzug nach Osten, bei dem er Sogdien und Baktrien unterwarf und dem Perserreich einverleibte.[2] Die Gebiete des heutigen Tadschikistan wurden von einem Satrapen aus Bactra, der Hauptstadt Baktriens im Norden des heutigen Afghanistans, verwaltet. 329 vor Christus erreichte Alexander der Große auf seinen Feldzügen Baktrien und eroberte die Region. Er gründete Alexandria Eschatê, das heutige Chudschand in Tadschikistan, und provozierte damit einen Aufstand der Sogdier, die sich gegen urbane Siedlungsformen in der bis dato nomadisch geprägten Region wehrten. 327 v. Chr. hatte sich die Lage in Baktrien beruhigt und die Revolte war niedergeschlagen.

Diadochenreiche 301 v. Chr.

Nach dem Tod Alexanders 323 v. Chr. und den darauffolgenden Diadochenkriegen gehörte Baktrien zum Seleukidenreich. Dieses hatte sein Machtzentrum in Kleinasien und übte auf Grund der geographischen Entfernung zu den östlichen Gebieten Baktriens eine geringe Macht über Baktrien aus. Dies ermöglichte die Abspaltung Baktriens vom Seleukidenreich 240 v. Chr. unter Diodotos, der damit das griechisch-baktrische Reich gründete, das unter anderem Tadschikistan einschloss.[3] 206 vor Christus marschierten seleukidische Truppen unter Antiochios III. in Graeco-Baktrien ein und belagerten die Hauptstadt Bactra. Im gleichen Jahr kam es zu einem Friedensschluss zwischen Baktrien und den Seleukiden, der das griechisch-baktrische Reich festigte. Im zweiten Jahrhundert vor Christus wurden vor allem die nördlichen Gebiete Baktriens, unter anderem das heutige Tadschikistan, immer wieder von Nomaden aus den Steppen Usbekistans und Turkmenistans überrannt und wurden dadurch immer mehr der Kontrolle der griechischen Könige Baktriens entzogen.[4] Gegen Ende des zweiten Jahrhunderts v. Chr. war das griechisch-baktrische Reich ausgelöscht und Yuezhi-Stämme herrschten in Tadschikistan. Aus diesen Stammesgruppen entwickelte sich das Kuschan-Reich, dass sich von Tadschikistan aus nach Norden und Süden ausbreitete.[5] Das Kuschan-Reich war bis in das 3. Jahrhundert nach Christus die vorherrschende Macht in der Region. Nach langen Kriegen gegen zentralasiatische Stämme wurden die Sassaniden die neue Großmacht in Zentralasien und beseitigten in Tadschikistan die geschwächte Kuschan-Herrschaft.

Islamische Expansion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Phasen der islamischen Expansion

Das Sassanidenreich war bis ins 7. Jahrhundert nach Christus eines der mächtigsten Reiche der Erde und stand in Konkurrenz zum Römischen Reich. Erst 642 mit der Niederlage in der Schlacht bei Nehawand gegen muslimische Araber begann der Untergang des Sassanidenreichs und die Islamische Expansion erreichte schließlich auch Tadschikistan.[6] Die islamische Eroberung Tadschikistans stellt eine Zäsur in der Geschichte der Region dar und ging vorerst mit Widerständen gegen die fremde Kultur und Religion einher (siehe auch Dēwāštič und Ghurak). Im Laufe der islamischen Herrschaft erlebte die Region aber eine Blütezeit, insbesondere unter der Samaniden-Dynastie im 9. und 10. Jahrhundert erlebte Zentralasien eine Epoche kulturelle Blüte. Auch die tadschikische Sprache entwickelte sich zu der Zeit.[7] Auf die Samaniden folgten mehrere islamische Reiche auf dem Gebiet des heutigen Tadschikistans, unter anderem das Reich der Ghaznawiden, das Reich der Karakhaniden und das Reich der Choresm-Schahs.[8]

Mongolisches Reich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte des Reich Timurs

1221 gelang den Mongolen unter Dschingis Khan die Zerschlagung des Reiches der Choresm-Schahs und damit die Eroberung Tadschikistans.[9] Das mongolische Reich der Goldenen Horde zerbrach Ende des 14. Jahrhunderts, als der zentralasiatische Militärführer Timur sein Reich in Zentralasien begründete und bis zu seinem Tod 1405 erweiterte.

Timuriden-Dynastie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Verdrängung der Goldenen Horde begann die Herrschaft der Timuriden über Tadschikistan. Das Reich der Timuriden konnte nach Timurs Tod nicht in Gänze erhalten werden, Zentralasien blieb aber unter timuridischer Herrschaft. Während dieser erlebte auch Tadschikistan eine Blütezeit in kultureller und wissenschaftlicher Hinsicht. Das Reich war bis ins 15. Jahrhundert die vorherrschende Macht in Zentralasien. Unter Ulugh Beg, einem Förderer der Wissenschaft und Kultur, kam es zu einer innenpolitischen Zerrüttung, die den Einfall von Feinden in das Reich der Timuriden ermöglichten.[10]

Zeit der Khanate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Porträt von Mohammed Sheibani

Das geschwächte Reich der Timuriden wurde vom Usbeken-Khanat unter der Dynastie der Scheibaniden besiegt, sodass dieses Khanat die Gebiete rund um den Flusslauf des Syrdarjas bis nach Tadschikistan kontrollieren konnte. 1468 wurde dieses Khanat von Kasachen, die sich vom Usbeken-Khanat abgespalten hatten, besiegt. Das Usbeken-Khanat konnte um 1500 aber durch Mohammed Scheibani wiedererrichtet werden.[11] Bereits nach dem Tod Scheibanis zeichneten sich mehrere einzelne Khanate ab, die im frühen 16. Jahrhundert noch im Usbeken-Khanat zusammengefasst waren. Eine Bedrohung für die Region war auch das aufstrebende Mogulreich unter Babur, der mehrmals versuchte Samarkand einzunehmen, aber von den Usbeken zurückgedrängt wurde. Vom 16.–19. Jahrhundert war Tadschikistan in der Hand verschiedener Khanat, vor allem des Buchara-Emirats. Damals trug das heutige Tadschikistan daher auch den Namen Ost-Buchara. Ständige Auseinandersetzungen zwischen den Khanaten prägten diese Phase der tadschikischen Geschichte.[12]

Russische Herrschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Turkestan um 1900

Im 19. Jahrhundert bekam Tadschikistan im Great Game zwischen dem Russischen Zarenreich und Großbritannien zunehmend strategisches Gewicht. Im Kampf um Einfluss in der Region war das Pamir-Gebirge, das teilweise in Tadschikistan liegt, ein wichtiger strategischer Faktor. In den 1860er und 1870er Jahren wurden die Khanate Zentralasiens reihenweise vom Russischen Zarenreich erobert, so fiel auch das Emirat von Buchara 1868 an die Russen, die damit in Tadschikistan Fuß fassen konnten. Der nördliche Teil Tadschikistans wurde direkt dem Zarenreich zugeschlagen, der südliche Teil gehörte weiterhin zum Emirat von Buchara, einem Vasallenstaat des Zarenreichs. 1895 wurde die Grenzziehung zu Afghanistan festgelegt und Tadschikistan erhielt die Gebiete nördlich des Flusses Pandsch, der die Grenze zu Afghanistan darstellt.[13][14]

Als Teil der Sowjetunion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flagge der Tadschikischen SSR

Nach der Oktoberrevolution 1917 wurde 1920 der Emir von Buchara endgültig abgesetzt und das gesamte Gebiet des heutigen Tadschikistans gehörte damit als Teil der Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik Turkestan zur Sowjetunion. 1924 wurde Turkestan erst in die Turkmenische Sozialistische Sowjetrepublik und die Usbekische SSR geteilt, am 25. Oktober 1929 wurde die Tadschikische Sozialistische Sowjetrepublik aus der Usbekischen SSR herausgelöst. Unter sowjetischer Herrschaft wurde der Lebensstandard in Tadschikistan deutlich erhöht, trotzdem hatte Tadschikistan den Ruf als Armenhaus der Sowjetunion. Die Grenzen zu den anderen Sowjetrepubliken waren offen, die Grenze zu Afghanistan hingegen stark gesichert. Viele Tadschiken arbeiteten in anderen Teilen der Sowjetunion, beispielsweise in Russland oder in der DDR. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Tadschikistan auch touristisch von Bedeutung, da 300.000 Besucher aus anderen Sowjetrepubliken in das Land kamen.[15] Außerdem war die SSR der drittgrößte Baumwollproduzent innerhalb der Sowjetunion und verfügte zunehmend auch über Schwerindustrie, vor allem im Bereich der Aluminium-Verarbeitung.

Unabhängigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Präsident Rahmon

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 erlangte auch Tadschikistan seine Unabhängigkeit. Am 9. September 1991 wurde Tadschikistan unter dem ehemaligen Obersten Sowjet der Tadschikischen SSR, Rakhmon Nabiyev, unabhängig. Noch im gleichen Jahr brach der tadschikische Bürgerkrieg aus, in dem verschiedene religiöse und lokale Bewegungen um die Macht in Tadschikistan kämpften. Im September 1992 endete die Präsidentschaft Nabiyevs auf Druck der Opposition. Diese installierte Akbarscho Iskandarow als Gegenpräsidenten. Am 20. November 1992 konnte sich Emomali Rachmon mit russischer Hilfe als Präsident durchsetzen. Am 27. Juni 1997 endete der Bürgerkrieg offiziell mit dem Friedensvertrag von Moskau. Rachmon blieb derweil im Amt.[16][17] Im April 2003 besuchte Russlands Präsident Vladimir Putin das Land und kündigte eine verstärkte russische Militärpräsenz auf Grund der Grenze zu Afghanistan an. 2009 wurde ein Abkommen mit den Vereinigten Staaten geschlossen, das den Transport nicht-militärischer Güter durch Tadschikistan nach Afghanistan erlaubt. 2011 wurde ein Grenzstreit mit der Volksrepublik China vertraglich beigelegt. Zuletzt 2013 wurde Rachmon für sieben Jahre im Amt bestätigt, 2016 wurde in einem Referendum eine Verfassungsänderung durchgesetzt, die die Begrenzung der Amtszeit des Präsidenten abschafft.[18]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Masson: THE BRONZE AGE IN KHORASAN AND TRANSOXANIA1. ISBN 978-92-3102719-2, S. 220.
  2. Mayke Wagner, Patrick Wertmann, Pavel Tarasov, Desmond Durkin-Meisterernst: Antike Handelsmacht: Heimlicher Herrscher auf der Seidenstraße. In: Spiegel Online. 24. Januar 2011 (spiegel.de [abgerufen am 12. Dezember 2018]).
  3. Bactria - Livius. Abgerufen am 12. Dezember 2018.
  4. Georg-August-Universität Göttingen- Öffentlichkeitsarbeit: Das graeko-baktrische Reich - Georg-August-Universität Göttingen. Abgerufen am 13. Dezember 2018.
  5. Kuschan – die vergessene Großmacht - wissenschaft.de. Abgerufen am 13. Dezember 2018.
  6. Die Sassaniden. Abgerufen am 13. Dezember 2018.
  7. Samaniden aus dem Lexikon - wissen.de | https://www.wissen.de/lexikon/samaniden. Abgerufen am 13. Dezember 2018.
  8. Qarakhanid Dynasty | Asian history. Abgerufen am 13. Dezember 2018 (englisch).
  9. Was war am Das Weltreich der Mongolen (1200-1399) | wissen.de. Abgerufen am 13. Dezember 2018.
  10. The Timurid Dynasty. 8. Oktober 2009, abgerufen am 15. Dezember 2018.
  11. Der Aufstieg Baburs Vom Warlord zum Großmogul - wissenschaft.de. Abgerufen am 15. Dezember 2018.
  12. Thomas Kunze: Zentralasien-Porträt einer Region. Ch. Links, Berlin, S. 26 ff.
  13. Herbert Kremp: The Great Game. In: DIE WELT. 18. Juli 2000 (welt.de [abgerufen am 15. Dezember 2018]).
  14. Akhilesh Pillalamarri, The Diplomat: How the British and the Russians Drew the Afghan-Turkmen Border. Abgerufen am 15. Dezember 2018 (amerikanisches Englisch).
  15. Sonja Bill: Tadschikistan: zwischen Dušanbe und dem Dach der Welt. S. 35 ff.
  16. Thomas Kunze: Zentralasien-Porträt einer Region. Ch.Links, S. 240.
  17. Der Krieg in Tadschikistan / Henrik Bischof. - Teil 4. Abgerufen am 15. Dezember 2018.
  18. Jeffrey Hays: TAJIKISTAN BECOMES INDEPENDENT | Facts and Details. Abgerufen am 15. Dezember 2018 (englisch).