Gierałtowice

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Gierałtowice
Wappen von Gierałtowice
Gierałtowice (Polen)
Gierałtowice
Gierałtowice
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Schlesien
Powiat: Gliwice
Gmina: Gemeinde Gierałtowice
Fläche: 10,48 km²
Geographische Lage: 50° 13′ N, 18° 43′ OKoordinaten: 50° 13′ 25″ N, 18° 43′ 27″ O
Einwohner: 4800
Postleitzahl: 44-186
Telefonvorwahl: (+48) 32
Kfz-Kennzeichen: SGL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: ZabrzePilchowice
Autobahn A4
Schienenweg: Zabrze–Rybnik
Nächster int. Flughafen: Katowice
Gmina
Gminatyp: Landgemeinde
Gminagliederung: 4 Ortschaften
4 Schulzenämter
Fläche: 37,56 km²
Einwohner: 11.894
(31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 317 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2405032
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Joachim Bargiel
Adresse: ul. Ks. Roboty 48
44-186 Gierałtowice
Webpräsenz: www.gieraltowice.pl



Gierałtowice [giɛrawtɔ'vʲitsɛ] (deutsch Gieraltowitz, hist. Geraltowicz u. Geraltowitz[2]) ist eine oberschlesische Ortschaft in der Woiwodschaft Schlesien in Polen. Gierałtowice ist Sitz der Gmina Gierałtowice.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gierałtowice befindet sich etwa 8 km südöstlich von Gliwice (Gleiwitz) und grenzt direkt an die westliche Nachbarstadt Knurów. Die Gemeinde liegt am Rand des Oberschlesischen Industriegebiets im Coseler Kessel zwischen der Klodnitz und der Birawka.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf Gieraltowitz entstand gegen Ende des 13. Jahrhunderts in einem weitreichenden Waldgebiet. Dabei war Gieraltowitz wahrscheinlich eine Gründung der Ostkolonisation, worauf auch seine erstmalige urkundliche Erwähnung am 22. Juni 1290 bzw. die Ortsbezeichnung hinweist. Denn das Dorf nahm ursprünglich den Namen eines deutschen Kolonisten namens Gerhard an. Gleichzeitig informierte dieses und ein späteres Dokument von 1294 über einen gewissen Vitoslaw, den damaligen Ortsvorsteher. Mit zunehmender polnischer Besiedlung der Ortschaft veränderte sich auch der Bestandteil des Ortsnamens Gerhard zu Gieralto.

Gegen Anfang des 14. Jahrhunderts wurde Gieraltowitz Rittergut und das kleine Dorf wechselte mehrfach den Besitzer. Zuerst waren es die Brüder Johann, Peter und Markus, die sich Gieraltowski von Gieraltowitz nannten, gefolgt von Paul Twardawa. Von ihm erwarb Matthias von Dobschütz 1532 das Gut und verkaufte es am 22. Dezember 1544 für 1600 Gulden an Jan Przedbor. 1665 war Johann Skal Käufer des Gutes, von dem es 1679 an Georg Freiherr von Welcz überging. Bald darauf ging Gieraltowitz an Franz von Holy und Ponientschütz († 1709) und spätestens 1697 an Kaspar von Schick über. Im Jahre 1700 übertrug seine Ehefrau der Kirche ein Stück Land, auf dem 1928 die neue Ortskirche erbaut wurde.[3] Im 18. Jahrhundert waren noch Carl Wenzel von Tluck und Toschonowitz (* ca. 1702; † 1765), darauf dessen Sohn Anton von Tluck und Toschonowitz (* 1736; † 1775 in Gieraltowitz) sowie anschließend dessen Schwiegersohn Rudolph von Zawandzki-Polanka (* 1754; † 1823 in Gieraltowitz) Gutsherren. Die Familie derer von Poraj Madejski, denen Gieraltowitz seit 1839 gehörte, ließ im Dorf ein Herrenhaus errichten. 1853 wurde Karl von Raczek neuer Besitzer, dessen Familie 1898 bis 1904 im heutigen Ortsteil Preiswitz (Przyszowice) ein neobarockes Schloss errichten ließ. Von 1895 bis 1898 entstand in Gieraltowitz ein kleines Kloster als Gründung Franz von Raczeks, dessen Familie noch bis 1929 in Besitz des Gutes Gieraltowitz war.

1534 wurde eine Schrotholzkirche als Stiftung des Stanislaus Dombrowka erbaut.[4] Nach dem Bau der neuen Pfarrkirche 1928 wurde sie nicht mehr genutzt, verfiel und wurde 1976 in den Rybnik Stadtteil Wielopole transloziert.[3]

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Gutsbezirk Gieraltowitz (1910: 129 Einwohner) aufgelöst und in das Dorf aufgenommen, das 1910 1.344 Einwohner zählte.

Bei der Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März 1921 wurden in Gieraltowitz 108 Stimmen für einen Verbleib bei Deutschland und 769 für die Zugehörigkeit zu Polen abgegeben.[5] Der Stimmkreis Tost-Gleiwitz, dem Gieraltowitz angehörte, blieb Teil der Weimarer Republik, Gieraltowitz wurde dagegen, wie auch Preiswitz, an Polen abgetreten und lag direkt an der neuen Grenze.

Im Polenfeldzug 1939 wurde der Ort von der deutschen Wehrmacht besetzt. Nach dem Einmarsch der Roten Armee 1945 wurde das Dorf wieder polnisch.

1977 wurde die Gemeinde Gierałtowice gebildet und die nahe gelegenen Dörfer Bujaków, Chudów, Ornontowice, Paniówki und Przyszowice eingemeindet. Es folgte 1991 nach einer Bürgerinitiative die Ausgemeindung von Ornontowice, das fortan eine selbstständige Landgemeinde bildete, während Bujaków 1995 Ortsteil von Mikołów wurde.[3]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Gieraltowitzer Pfarrkirche wurde in ihrer heutigen Form 1928 neben der historischen Schrotholzkirche errichtet. Es überwiegen moderne Elemente, während vor allem der Zwiebelhelm und der Dachreiter dem Neobarock zuzuordnen sind.
  • Das klassizistische Herrenhaus der Familie von Poraj Madejski wurde 1845 ausgeführt und nach 1945 umgebaut.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gierałtowice unterhält eine Partnerschaft mit der Gemeinde Lahstedt in Niedersachsen.

Verweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB), abgerufen am 29. September 2017.
  2. Dr. Johannes Chrzaszcz (Chronz): Oberschlesische Heimat, des Oberschlesischen Geschichtsvereins. Band XI. Oberschlesischen Geschichtsvereins, Oppeln 1915, S. 110 (org.pl).
  3. a b c Historia parafii. In: Parafia Matki Bożej Szkaplerznej. 18. Oktober 2013 (szkaplerznej.pl [abgerufen am 3. März 2018]).
  4. Badstübner, Ernst., Brzezicki, Sławomir., Nielsen, Christine., Herder-Institut (Marburg, Germany : 1994- ), Dehio-Vereinigung.: Schlesien. Deutscher Kunstverlag, München 2005, ISBN 3-422-03109-X.
  5. Landsmannschaft der Oberschlesier in Karlsruhe. 4. März 2016, archiviert vom Original am 4. März 2016; abgerufen am 3. März 2018. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/home.arcor.de