Giovanni Bologna

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Porträt Giovanni Bolognas von Hendrick Goltzius (1558–1617)

Giovanni da Bologna (* 1529 in Douai, Grafschaft Flandern in den Siebzehn Provinzen, heute im Département Nord in Frankreich; † 13. August 1608 in Florenz), eigentlich Jean de Boulogne, genannt Giambologna, war ein flämisch-italienischer Bildhauer der Florentiner Schule des Manierismus und Frühbarock.

Er stammte aus der vom Hause Habsburg beherrschten Grafschaft Flandern, die weit bis in das heutige Frankreich reichte, war aber hauptsächlich in Italien tätig. Sein Werk ist dem Manierismus, einer Form der Spätrenaissance zuzuordnen. Giovanni Bologna fertigte zahlreiche Skulpturen und Brunnenfiguren für den italienischen Adel, speziell für die Medici. Einer seiner Schüler war der süddeutsche und Tiroler Bildhauer Hans Reichle.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Giovanni da Bologna begann seine Ausbildung schon in jugendlichen Jahren in Antwerpen. Nach einem Studium beim Architekten und Bildhauer Jacques du Broeucq[1] zog er 1550 nach Italien und studierte in Rom, wo er sich eingehend mit den Skulpturen der klassischen Antike beschäftigte. Er wurde stark von Michelangelo beeinflusst, entwickelte aber seinen eigenen manieristischen Stil. Papst Pius IV. gab Giovanni da Bologna seinen ersten großen Auftrag, die kolossalen bronzenen Neptun und Nebenfiguren für den Neptunbrunnen in Bologna, für den Tommaso Laureti 1566 die Basis entworfen hatte. Giambologna verbrachte seine produktivsten Jahre in Florenz, wo er sich 1553 niedergelassen hatte. Im Jahre 1563 wurde er zum Mitglied (Accademico) der angesehenen Accademia delle Arti del Disegno in Florenz ernannt, die am 13. Januar 1563 vom Herzog Cosimo I. de' Medici unter dem Einfluss des Maler-Architekten Giorgio Vasari gegründet wurde. Er wurde zu einem der bedeutendsten Hofbildhauer der Medicis. Er starb in Florenz im Alter von 79 Jahren – die Medici hatten ihm nie erlaubt, Florenz zu verlassen, da sie befürchteten, dass ihn entweder die österreichischen oder die spanischen Habsburger in eine Festanstellung locken würden. Giovanni da Bologna wurde in einer von ihm selbst entworfenen Kapelle in der Santissima Annunziata beigesetzt.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Giovanni da Bologna wurde bekannt für sein Verständnis von Bewegung und das raffinierte, differenzierte Oberflächenfinish. Zu seinen bekanntesten Werken gehört der Merkur, von dem er vier Versionen angefertigt hat – Merkur steht auf einem Fuß und wird von einem Zephyr gestützt. Der Gott hebt einen Arm, um in einer Geste, die dem Repertoire der klassischen Rhetorik entlehnt ist, in den Himmel zu zeigen. Sein zweites berühmtes Werk ist die Vergewaltigung der Sabinerinnen (1574-82), eine Marmorskulptur, die in der Loggia dei Lanzi auf der Piazza della Signoria in Florenz prominent aufgestellt ist. Die Skulptur mit drei Figuren wurde aus einem einzigen Stück Marmor gemeißelt. Der Auftraggeber war Francesco Medici, Großherzog der Toskana. Giovanni da Bolognas Darstellungen der Venus begründeten einen Kanon der Proportionen und beeinflusste zwei Generationen von Bildhauern in Italien.

Giovanni da Bologna lieferte auch viele Skulpturen für Gartengrotten und Brunnen in den Boboli-Gärten von Florenz und in Pratolino sowie die Bronzetüren der Kathedrale von Pisa. Er schuf die bronzenen Seepferdchen und einige andere Skulpturen für Bartolomeo Ammannatis Neptunbrunnen, Florenz.[2] Die Reiterstatue von Cosimo I. Medici, ebenfalls in Florenz, wurde von seinem Assistenten Pietro Tacca vollendet.

Giambologna prägte spätere Bildhauer unter anderem über seine Schüler Adriaen de Vries und Pietro Francavilla, die 1601 sein Atelier verließen, um nach Paris zu gehen, sowie Pierre Puget, der Giambolognas Einfluss in ganz Nordeuropa verbreitete. Pietro Tacca übernahm Giovanni da Bolognas Werkstatt in Florenz und wurde zu einem Mittler für die folgende Bildhauergeneration.

Mars[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1587 schenkte der Künstler die Statuette Mars dem sächsischen Kurfürsten Christian I. zu dessen Amtsantritt. Bis 1924 zählte die kleine Bronze mit drei anderen Skulpturen zu den Hauptwerken der kurfürstlichen Kunstkammer in Dresden. Im Zuge der Fürstenabfindung wurde die Statuette 1924 dem Hause Wettin als Teil der Abfindung überlassen. Als der Familienverein der Wettiner wenige Jahre später die Bronze zum Verkauf anbot, kaufte der I.G. Farben-Mitgründer Theodor Plieninger die Statuette für die Chemische Fabrik Griesheim-Elektron. Über zwei Schenkungen gelangte der Mars 1988 in den Besitz der Bayer AG.[3] Hier war sie zunächst ein Teil der Kunstsammlung und wurde immer wieder zu Ausstellungen, auch nach Dresden in die Kunstsammlung ausgeliehen. Mitte 2018 beauftragte die Bayer AG das Auktionshaus Sotheby's mit der Versteigerung der Statuette, was zu einer Welle von Protesten im Kunstbereich führte. Die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Marion Ackermann, hoffte, dass das Werk des italienischen Renaissancebildhauers nach Dresden zurückkommen solle, wo es sich über drei Jahrhunderte befand. Seit Jahren habe die Kunstsammlung vergeblich versucht, es zurückzugewinnen. Ackermann kritisierte das Verhalten des Konzerns: „Ich habe dem Vorstand am 14. Juni meine Enttäuschung darüber geschrieben, dass es vorher keinen Kontakt mit uns gab.“[4] Am 29. Juni schrieben der Chemiker Peter Plieninger, Urenkel von Theodor Plieninger, und der Künstler Nicolaus Schmidt zwei offene Briefe an Werner Baumann, dem Vorstandsvorsitzenden der Bayer AG.[5] Sie forderten Baumann auf, die Auktion abzusagen und stattdessen die Bronze „als Beitrag zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 der Bayer AG der Staatlichen Kunstsammlung Dresden als Schenkung zu vermachen.“ Plieninger führte aus, sein Urgroßvater habe den Kauf des Mars nicht als „Firmeninvestment unternommen, genau wie die Bayer AG die Statuette nicht erworben, sondern als Geschenk bekommen hat.“ Er erinnerte Baumann an die gesellschaftliche Verantwortung des „Chemieunternehmens von Weltrang.“[6] Der Streit über die geplante Versteigerung bei Sotheby's am 4. Juli 2018 machte Giovanni da Bologna in Deutschland erstmals einem breiten Publikum bekannt.

Die vielfältigen Medienberichte, der damit verbundene Druck auf die Bayer AG sowie die Bereitschaft des Freistaates Sachsen und der Bundesregierung, Gelder für einen Ankauf zur Verfügung zu stellen, führten dazu, dass die Bayer AG die Auktion am 2. Juli 2018 absagte und einem Verkauf an die Staatliche Kunstsammlung Dresden zustimmte.[7] Die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen, Marion Ackermann, erklärte, sie sei glücklich, dass Giambolognas Bronze für Sachsen zurückgewonnen sei. Monika Grütters hatte zuvor die ursprünglichen Pläne der Bayer AG, Giambolognas Bronze als „national wichtiges Kunstwerk zum Höchstpreis" veräußern, scharf kritisiert, zumal sie es selbst einst geschenkt bekommen hat“.

Werkübersicht (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bild Titel Entstanden Größe, Material Standort
Firenze vittoriosa su Pisa, Giambologna, Francavilla, 1575-80, Bargello Florenz-01.jpg Florenz siegt über Pisa nach 1570 fertiggestellt [8] Marmor Museo nazionale del Bargello, Florenz [9]
Lens - Inauguration du Louvre-Lens le 4 décembre 2012, la Galerie du Temps, n° 140.JPG Deianira, Ehefrau des Herkules, wird vom Zentaur Nessus entführt etwa 1620 Bronze Louvre-Lens
Giambologna, tritone, 1560-70 circa, 01.JPG Triton zwischen 1560 und 1570 Bronze
Diavolino di giambologna, originale 01.JPG Diavolino Bronze Museo Bardini, Florenz
Fontana del bacchino (giambologna).JPG Bacchus Bronze Museo nazionale del Bargello, Florenz
Das Bild zeigt eine maßstabgetreue Kopie am Fuße des Turms Rossi Cerchi nahe Ponte Vecchio in Florenz.[10]
Giambologna, thetis, 1580-1585 ca..JPG Thetis 1580–1585
Architecture (or Geometry) by Giambologna - Statens Museum for Kunst, Copenhagen - DSC08126-black.jpg Architektur Staatliches Kunstmuseum Kopenhagen
Link Venus 1573 Marmor Boboli-Garten, Florenz
Gaimbologna, apollino.JPG Apollo Bronze Palazzo Vecchio, Florenz
Da giambologna, astronomia, 1624 ca. 01.JPG Astronomie Der Entwurf entstand um die Jahrhundertwende 16./17. Jh.
(gegossen ca. 1624)
Bronze
Giambologna, mercurio.JPG Merkur 1580 Bronze
1,80 m
Louvre
1067 - Bologna - Fontana del Nettuno - Foto Giovanni Dall'Orto, 9-Feb-2008.jpg Neptunbrunnen [11] 1563–66 Bronze und Marmor Piazza del Nettuno, Bologna
Link Perseus ca. 1576 Marmor Boboli-Garten
Herakles Nessos Loggia dei Lanzi 2005 09 13.jpg Herkules und der Zentaur 1600 Marmor
2,69 m
Loggia dei Lanzi, Florenz
Boboli, isolotto, fontana dell'oceano del Giambologna 01.JPG Der Brunnen des Oceanus 1576 Marmor Boboli-Garten, Florenz
Pietro tacca su modello di giambologna, granduca cosimo I, ante 1611.JPG Büste Francesco de Medici modelliert 1585-87
gegossen ca. 1611 von Pietro Tacca
Bronze New York, Metropolitan Museum of Art [12]
Appennino2.jpg Der Apennin zw 1570 und 1579 10 m
Fels, Lava, Mauerstein
Park Demidoff
Florence Rape of the Sabine Women 3.jpg Raub der Sabinerinnen 1579 Marmor Loggia dei Lanzi, Florenz
Giambologna, sansone che uccide un filisteo, 1562 ca. 02.JPG Samson erschlägt einen Philister ca. 1560 2,10 m
Marmor
Victoria and Albert Museum, London [13]
Giambologna, forse autoritratto, cera, , 1599 circa.JPG Selbstporträt ca. 1599 Wachs
Giambologna, ferdinando I 02.JPG Ferdinand I.
FerdinandodeMedici.jpg Reiterdenkmal Ferdinand I. Bronze Piazza Santissima Annuntiata, Florenz
PI6D98~2ruiterstandbeeld Cosimo I de' Medici.JPG Reiterdenkmal Cosimo I. de Medici 1587-94
4,50 m
Bronze Piazza della Signoria, Florenz
Statue of Philip III of Spain, Madrid 01.JPG Philipp III. von Spanien von Pietro Tacca 1616 gegossen Bronze Plaza Mayor, Madrid
Villa di Castello, Grotta degli animali 03.JPG Tiergrotte Im Garten der Villa Medici von Castello
Giambologna-Sant-Lluc.jpg San Luca Bronze Orsanmichele, Florenz
Giambologna - Lion Attacking a Horse - Walters 54669.jpg Löwenattacke auf ein Pferd zwischen 1580 und 1589 entworfen 23,8 cm
Bronze
Walters Art Museum
Giambologna - Hercules Carrying the Erymanthian Boar - Walters 54679.jpg Herkules mit dem erymanthischen Eber um 1575/1580 47,7 cm
Bronze
Walters Art Museum
Da giambologna, nano morgante, 17mo secolo.JPG Zwerg Morgante 17. Jh.
Giambologna - The Dwarf Morgante Riding on a Dragon - Walters 54719.jpg Der Zwerg Morgante reitet auf einem Drachen 29 cm
Bronze
Paris
Das Bild zeigt eine Kopie im Walters Art Museum.[14]
Bottega di giambologna, cavallo al passo, 1595-1600 ca..JPG Schreitendes Pferd zwischen 1595 und 1600 Victoria and Albert Museum, London

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Giambologna – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. R. Wellens, Jacques du Broeucq, sculpteur et architecte de la renaissance (Brussels) 1962
  2. Susan Horner, Joanna B. Horner, Walks in Florence and Its Environs, Volume 1, Smith, 1884, S. 199
  3. Kunststiftung K52, Im Wortlaut – zwei offene Briefe an den Vorstandvorsitzenden der Bayer AG
  4. Stuttgarter Zeitung vom 30. Juni 2018, Widerstand gegen geplanten Verkauf von wertvoller Skulptur – abgerufen am 1. Juli 2018
  5. Kunststiftung K52, Im Wortlaut – zwei offene Briefe an den Vorstandvorsitzenden der Bayer AG
  6. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 30. Juni 2018, Der Kriegsgott
  7. MDR-Kultur, "Dresdner Mars" vor Versteigerung gerettet, 2.Juli 2018, 20:30 – abgerufen am 2. Juki 2018
  8. Wachs-Model. Florence Triumphant over Pisa. Victoria and Albert Museum.
  9. Das Foto zeigt die Gipsversion im Palazzo Vecchio, 1565 aufgestellt. Florence Triumphant over Pisa (Memento vom 26. Juni 2013 im Webarchiv archive.is)
  10. Comune Firenze (Memento vom 6. März 2014 im Internet Archive)
  11. Der Sockel wurde von Tommaso Laureti entworfen.
  12. Francesco I de' Medici. (Memento des Originals vom 18. August 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.dia.org Auf Magnificenza! 2003.
  13. ‚Samson Slaying a Philistine‘, by Giambologna, 1560–2. Victoria and Albert Museum.
  14. The Dwarf Morgante Riding on a Dragon.