Castingshow

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Talentshow am St Ninians High School in Glasgow, Schottland

Eine Castingshow, auch Auswahlschau, Talentschau oder Talentshow, ist eine öffentliche Veranstaltung oder Fernsehsendung, die sich mit dem Casting potenzieller Sänger, Tänzer, Models, Akrobaten und Ähnlichem befasst.

Grundsätzliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Notwendiger Bestandteil einer Castingshow ist, dass die Teilnehmer vor einer Jury auftreten und diese von ihrem Können überzeugen müssen. Bei Gesangswettbewerben wie Popstars oder Deutschland sucht den Superstar veranstalten die verantwortlichen TV-Produktionsfirmen zu diesem Zweck Massencastings, an denen in der Vergangenheit regelmäßig mehrere Tausend Bewerber teilnahmen.

Eine Castingshow im Fernsehen läuft üblicherweise nach folgendem Schema ab: die jeweilige Jury wählt aufgrund der gezeigten Leistungen Bewerber aus, die in einer nächsten Runde der Show (Recall) erneut etwas vorführen dürfen. Im Laufe des Recalls verringert sich die Zahl der Teilnehmer solange, bis eine überschaubare Gruppe zusammengestellt ist, aus welcher der Gewinner ermittelt wird. Das TV-Publikum sieht bis dahin keine Live-Sendungen, sondern einen Zusammenschnitt von Aufzeichnungen. In der letzten Phase entscheidet dann nicht mehr die Jury, welcher Bewerber in die nächste Runde kommt, sondern die Zuschauer wählen per Telefon (Televoting) ihre Favoriten. Der Kandidat mit den jeweils wenigsten Stimmen ist in der nächsten Lifeshow nicht mehr dabei. Allerdings geben die Jurymitglieder zu jedem präsentierten Beitrag ihre fachliche Meinung ab.

Die Macher einer Castingshow spekulieren auf hohe Einschaltquoten und dementsprechende Werbeeinnahmen, außerdem natürlich auf den kommerziellen Erfolg der Gewinner. Auch die über Mehrwertnummern im Rahmen des Televotings erzielten Einnahmen sind normalerweise ein wichtiger Bestandteil der Kalkulation.

Beispiele für Castingshows[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste erfolgreiche Castingshow im deutschsprachigen Fernsehen war die Sendung Popstars. Das Format wurde von dem Neuseeländer Jonathan Dowling entwickelt und nach großen Zuschauererfolgen in Neuseeland und Australien auch für den deutschen Markt lizenziert. Im Jahr 2000 stellte die Fernsehproduktionsfirma Tresor TV Popstars erstmals für den Sender RTL II her, ab 2003 dann für ProSieben. 2001 war eine Staffel im Schweizer Fernsehsender TV3 zu sehen.

Im Herbst 2002 erzielte der Sender RTL große Erfolge mit der Castingshow Deutschland sucht den Superstar (DSDS). Das Format basiert auf der britischen Fernsehsendung Pop Idol, die in eine Vielzahl weiterer Länder exportiert wurde und zu deren Vorläufern etwa das britische Format Opportunity Knocks gehörte. Im Dezember 2003 fand erstmals der internationale Fernsehwettbewerb World Idol statt. Die Sieger aller weltweit ausgetragenen Pop Idol-Wettbewerbe traten gegeneinander an. Der für Deutschland antretende Alexander Klaws wurde vorletzter.

2002 strahlte der ORF erstmals die Castingshow Starmania in Österreich aus. Obwohl sie Elemente des Pop Idol-Formats enthält, handelt es sich um eine eigenständige Entwicklung. Interessant ist, dass die 2003 zweitplatzierte Starmania-Teilnehmerin Christina Stürmer im deutschsprachigen Raum erfolgreich geworden ist. Das Schweizer Fernsehen kaufte das österreichische Format für die Sendung MusicStar. Auch hier war nicht eine Siegerin, sondern der sechstplatzierte Sebastian Bürgin aus der ersten Staffel der kommerziell erfolgreichste Teilnehmer.

In Deutschland reagierte Sat.1 auf den Erfolg von DSDS mit der Castingshow Star Search. Star Search stammt aus den USA und hat dort unter anderem Stars wie Britney Spears und Justin Timberlake hervorgebracht. Die Sendung unterscheidet sich von Popstars oder DSDS, da bei Star Search nicht nur nach Sängern, sondern auch nach Comedians oder Models gesucht wird. Aus den beiden deutschen Staffeln erreichte nur Bill Kaulitz einen konstant hohen Bekanntheitsgrad. Er schied in der Kategorie Music Act 10-15 zwar im Achtelfinale aus, ist aber seit Mitte 2005 als Mitglied der Band Tokio Hotel erfolgreich. Die zweite deutsche Star Search-Staffel (2004) war nicht nur aufgrund schlechter Einschaltquoten ein Misserfolg, sondern auch wegen des mangelnden kommerziellen Erfolges der Sieger. Der mangelnde Erfolg deutscher Casting-Sieger resultiert jedoch in Deutschland auf der medialen Ablehnung. Casting-Gewinner aus dem Ausland werden anders beurteilt als solche, die in Deutschland ihren Sieg errungen hatten. Differenziert werden muss, wie die Casting-Shows ablaufen. Bei einigen wird live mit Band gesungen, bei anderen ist der Auftritt geschönt.[1]

Stefan Raab parodierte 2003/2004 mit der Sendung Stefan sucht den Super-Grand-Prix-Star (SSDSGPS) die vorhandenen Castingformate; eine Anspielung auf DSDS ist aus der Abkürzung SSDSGPS leicht zu erkennen. Für die Sendung erhielt er 2005 den Adolf-Grimme-Preis. In der Sendung wurde der Kandidat für die deutsche Vorentscheidung des Eurovision Song Contest ermittelt. Der Anspruch der Sendung bestand darin, das musikalische Talent der Bewerber höher zu bewerten. Als Nachfolger von SSDSGPS entstand 2007 SSDSDSSWEMUGABRTLAD.

Bei den Kritikern haben die Veranstaltungen und deren Gewinner kein großes Ansehen und oft wird der Vergleich mit Retortenbands herangezogen. International existieren weitere Formate; in den USA gab es beispielsweise unter dem Titel American Juniors eine Castingshow für Kinder. In Großbritannien strahlte das erste Fernsehprogramm der BBC 2008 die Sendung Last Choir Standing aus, in der der beste der teilnehmenden Chöre ermittelt wurde.

Nationale Sendungen und Gewinner (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Popstars-Logo

Die meisten Musik-Castingshows basieren entweder auf dem britischen Format Pop Idol, dem neuseeländischen Format Popstars oder dem ebenfalls britischen Format The X Factor. Die drei Formate waren sehr erfolgreich und wurden weltweit lizenziert.

Sendungstitel Sender Gewinner (mit Jahr)
Deutschland Deutschland Popstars RTL II, ProSieben No Angels (2001)

Bro’Sis (2002)

Overground (2003)

Preluders (2003)

Nu Pagadi (2004)

Monrose (2006)

Room2012 (2007)

Queensberry (2008)

Some & Any (2009)

LaVive (2010)

Melouria (2012)

Leandah (2015)

Deutschland sucht den Superstar RTL Alexander Klaws (2003)

Elli Erl (2004)

Tobias Regner (2006)

Mark Medlock (2007)

Thomas Godoj (2008)

Daniel Schuhmacher (2009)

Mehrzad Marashi (2010)

Pietro Lombardi (2011)

Luca Hänni (2012)

Beatrice Egli (2013)

Aneta Sablik (2014)

Severino Seeger (2015)

Prince Damien Ritzinger (2016)

Alphonso Williams (2017)

Marie Wegener (2018)

Davin Herbrüggen (2019)

Ramon Roselly (2020)

Jan-Marten Block (2021)

Harry Laffontien (2022

Fame Academy RTL II Become One (2003)
Germany’s Next Topmodel ProSieben Lena Gercke (2006)

Barbara Meier (2007)

Jennifer Hof (2008)

Sara Nuru (2009)

Alisar Ailabouni (2010)

Jana Beller (2011)

Luisa Hartema (2012)

Lovelyn Enebechi (2013)

Stefanie Giesinger (2014)

Vanessa Fuchs (2015)

Kim Hnizdo (2016)

Céline Bethmann (2017)

Toni Dreher-Adenuga (2018)

Simone Kowalski (2019)

Jacqueline Wruck (2020)

Alex Mariah Peter (2021)

Das Supertalent RTL Ricardo Marinello (2007)

Michael Hirte (2008)

Yvo Antoni & Hündin PrimaDonna (2009)

Freddy Sahin-Scholl (2010)

Leo Rojas (2011)

Jean-Michel Aweh (2012)

Lukas Pratschker & Falco (2013)

Marcel Kaupp (2014)

Sae-Hun "Jay" Oh (2015)

Angel Flukes (2016)

Alexa Lauenburger (2017)

Stevie Starr (2018)

Christian Stoinev & Chihuahua Percy (2019)

Nick Ferretti (2020)

Elena Turcan (2021)

Nick Talent Nickelodeon Naomi (2007)

Jo Marie Dominiak und Max Ronig (2010)

Unser Star für Oslo ProSieben, Das Erste Lena Meyer-Landrut (2010)
X Factor VOX, RTL, Sky Deutschland Edita Abdieski (2010)

David Pfeffer (2011)

Mrs. Greenbird (2012)

Ees (Musiker) (2018)

The Voice of Germany ProSieben, Sat.1 Ivy Quainoo (2012)

Nick Howard (2012)

Andreas Kümmert (2013)

Charley Ann Schmutzler (2014)

Jamie-Lee Kriewitz (2015)

Tay Schmedtmann (2016)

Natia Todua (2017)

Samuel Rösch (2018)

Claudia Emmanuela Santoso (2019)

Paula Dalla Corte (2020)

Sebastian Krenz (2021)

The Voice Kids Sat.1 Michele Bircher (2013)

Danyiom Mesmer (2014)

Noah-Levi Korth (2015)

Lukas Janisch (2016)

Sofie Thomas (2017)

Anisa Celik (2018)

Mimi & Josy (2019)

Lisa-Marie Ramm (2020)

Egon Werler (2021)

Georgia Balke (2022)

Unser Star für Baku ProSieben, Das Erste Roman Lob (2012)
Das perfekte Model VOX Anika Scheibe[2]

Internationale Sendungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Land Sendungstitel Sender
Afghanistan Afghanistan Afghan Star Tolo TV
Albanien Albanien Edi Krasta tvsh
Arabischer Raum SuperStar
Star Academy LBC
Libanon Arab Idol LBCI & MBC 1
Argentinien Argentinien Popstars
Operación Triunfo
Armenien Armenien Huy Star
Australien Australien Popstars
The X Factor
Belgien Belgien Idool VTM
The X Factor VTM
Star Academy VTM
Brasilien Brasilien Popstars SBT
Fama
Bulgarien Bulgarien Star Academy
Chile Chile Operación Triunfo
Danemark Dänemark Idols
X Factor DR
Ecuador Ecuador Popstars
Estland Estland Kaks takti ette ETV
Europa Europa Junior Eurovision Song Contest
Eurovision Dance Contest
Eurovision Young Musicians
Eurovision Song Contest
Finnland Finnland Popstars
Frankreich Frankreich Popstars M6
Star Academy TF1
Griechenland Griechenland Popstars Mega TV
Super Idol
Star Academy
Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich Popstars ITV1
Pop Idol
Fame Academy BBC One
The X Factor ITV1
Britain’s Got Talent
Indien Indien Popstars Channel V
Indonesien Indonesien Popstars TransTV
Irland Irland You’re a Star RTÉ One
Island Island Idol
Italien Italien Popstars Italia 1
Operazione Trionfo
Kanada Kanada Popstars
Star Académie TVA
Kolumbien Kolumbien Popstars Canal Caracol
El Factor X
Litauen Litauen Kelias i žvaigždes
Malaysia Malaysia Malaysian Idol
Mexiko Mexiko Operación Triunfo TVE1
Neuseeland Neuseeland NZ Idol TV2
Niederlande Niederlande Popstars The Rivals RTL 4
The X Factor RTL 4
Osterreich Österreich Starmania ORF 1
Austria’s Next Topmodel Puls 4
Austria’s New Footballstar
Dancing Stars ORF 1
Die große Chance
Musical! Die Show
Helden von Morgen
It’s Showtime ATV
Österreich sucht den ComedyStar
Popstars Puls 4
Portugal Portugal Popstars SIC
Operacão Triunfo
Rumänien Rumänien Popstars Pro TV
Russland Russland Narodniy Artist
Sekret Uspecha
Schweden Schweden Popstars Kanal 5
Talang TV4
Schweiz Schweiz Popstars TV3
MusicStar SF 1
SuperStar 3+
Die grössten Schweizer Talente SF 1
The Voice of Switzerland SRF 1
3+
Serbien und Montenegro Serbien und Montenegro Idol
Spanien Spanien Popstars Telecinco
Operación Triunfo TVE, Tele 5
Factor X Cuatro
El número uno Antena 3
La Voz Tele5
Korea Sud Südkorea Superstar K Mnet
K-Pop Star SBS
Produce 101 (mit Ablegern in China und Japan) CJE & M
Turkei Türkei Biri Bizi Gözetliyor Show TV
Star TV
Popstar Türkiye Kanal D
Türkstar Show TV
Akademi Türkiye ATV
Kanal 1
Popstar Alaturka Star TV
Şarkı Söylemek Lazım Show TV
Buzda Dans Show TV
Dans Eder misin? Kanal D
FOX
ATV
Show TV
Söyle Söyleyebilirsen Show TV
Yetenek Sizsiniz Türkiye Show TV
Star TV
Yok Böyle Dans Show TV
Star TV
O Ses Türkiye Show TV
Star TV
Popstar 2013 Star TV
Ukraine Ukraine Ukraine's Got Talent STB
Tanyiujut Vse! STB
Ungarn Ungarn Megasztár TV2
Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Popstars The WB
America’s Best Dance Crew
Star Search
America’s Got Talent NBC
America’s Most Smartest Model VH1
America’s Next Top Model UPN, The CW
Making the Band
The Voice NBC
The X Factor Fox

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The Blue Couch: Mit Thomas Godoj. Der Deutsch-Rocker redet über seine DSDS-Vergangheit, Streaming-Portale, Crowdfunding und Wohnzimmerkonzerte. In: PowerMetal.de. 15. Juni 2015, abgerufen am 15. Oktober 2017.
  2. Padbergs Model gewinnt: Anika Scheibe ist das „Perfekte Model“. In: Berliner Kurier. 20. März 2012, abgerufen am 14. Oktober 2017.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Florian Buschendorff: Vom Außenseiter zum Superstar. Ein Mitmachroman - Jugendbuch zum Thema Casting, Ruhm und Medienrummel. 1. Auflage. Verlag an der Ruhr, 2006, ISBN 3-8346-0172-1, S. 74.
  • Dietrich Helms, Thomas Phleps (Hrsg.): Keiner wird gewinnen. Populäre Musik im Wettbewerb. (= Beiträge zur Popularmusikforschung; 33). Transcript, Bielefeld 2005, ISBN 3-89942-406-9 (Volltext)
  • Martin Kesici mit Markus Grimm und Patrick S. Berger Sex, Drugs & Castingshows: Die Wahrheit über DSDS, Popstars & Co, 2009, riva Verlag, ISBN 978-3-86883-023-1
  • Caroline Roth-Ebner: Identitäten aus der Starfabrik. Jugendliche Aneignung der crossmedialen Inszenierung "Starmania". 1. Auflage. Budrich UniPress, 2008, ISBN 978-3-940755-10-0, S. 211.
  • Holger Schramm, Nicolas Ruth (Hrsg.): Musikcastingshows. Wesen, Nutzung und Wirkung eines populären Fernsehformats. Springer VS, Wiesbaden 2017, ISBN 978-3-658-17891-8.
  • Sarah Wolf: Deutschland sucht den Superstar: Analyse der Erfolgsfaktoren. Hrsg.: Björn Bedey. 1. Auflage. Diplomica Verlag, 2004, ISBN 3-8324-8066-8, S. 112.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiktionary: Castingshow – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen