Glaukochroit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Glaukochroit
Glaucochroite-270044.jpg
Glaukochroit (blass bläulichrosa) mit Willemit (grün) und Franklinit (schwarz) aus der Franklin Mine, Franklin, Sussex County, New Jersey, USA (Größe 10 cm × 4,4 cm × 3,5 cm)
Allgemeines und Klassifikation
Chemische Formel CaMn2+[SiO4]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Inselsilikate
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
9.AC.05 (8. Auflage: VIII/A.05)
51.03.02.03
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-dipyramidal; 2/m 2/m 2/m[1]
Raumgruppe Pbnm (Nr. 62, Stellung 3)Vorlage:Raumgruppe/62.3[2]
Gitterparameter a = 4,913 Å; b = 11,151 Å; c = 6,488 Å[2][1]
Formeleinheiten Z = 4[2][1]
Zwillingsbildung Durchdringungs- u. Kontaktzwillinge
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 6
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,407; berechnet: 3,465
Spaltbarkeit sehr undeutlich nach {001}
Bruch; Tenazität muschelig
Farbe bläulichgrün, rosa, weiß, braun
Strichfarbe weiß
Transparenz durchscheinend
Glanz Glasglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,679 bis 1,686[3]
nβ = 1,716 bis 1,723[3]
nγ = 1,729 bis 1,736[3]
Doppelbrechung δ = 0,050[3]
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Achsenwinkel 2V = 61°[3]

Glaukochroit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“. Es kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung CaMn2+[SiO4] und entwickelt meist körnige bis massige Mineral-Aggregate, selten auch prismatische Kristalle mit bis zu 1 cm Länge von überwiegend bläulichgrüner Farbe. Auch rosa, weiße und braune Glaukochroite sind bekannt.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals gefunden wurde der Glaukochroit 1899 in der „Franklin Mine“ bei Franklin (New Jersey) im Sussex County von New Jersey in den USA. Wissenschaftlich beschrieben wurde das Mineral von Samuel Lewis Penfield (1856–1906) und C. H. Warren,[4] die es nach den griechischen Worten γλαυκός (glaukós) „hell“, „leuchtend“, „glänzend“; das Meer betreffend: „(grau)bläulich“[5] und χρώμα (chroma) „Farbe“ benannten.

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in der veralteten, aber teilweise noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Glaukochroit zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der „Inselsilikate (Nesosilikate)“, wo er zusammen mit Kirschsteinit und Monticellit die „Monticellit-Reihe“ mit der System-Nr. VIII/A.05 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Glaukochroit ebenfalls in die Abteilung der „Inselsilikate (Nesosilikate)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit zusätzlicher Anionen und der Koordination der Kationen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung und seinem Aufbau in der Unterabteilung „Inselsilikate ohne weitere Anionen; Kationen in oktaedrischer [6] Koordination“ zu finden ist, wo es zusammen mit Fayalit, Forsterit, Kirschsteinit, Laihunit, Liebenbergit und Tephroit die „Olivingruppe“ mit der System-Nr. 9.AC.05 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Glaukochroit in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Inselsilikatminerale“ ein. Hier ist er zusammen mit Kirschsteinit und Monticellit in der „Monticellit-Kirschsteinit-Reihe“ mit der System-Nr. 51.03.02 innerhalb der Unterabteilung „Inselsilikate: SiO4-Gruppen mit allen Kationen nur in oktaedrischer [6]-Koordination“ zu finden.

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Glaukochroit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe Pbnm (Raumgruppen-Nr. 62, Stellung 3)Vorlage:Raumgruppe/62.3 mit den Gitterparametern a = 4,913 Å; b = 11,151 Å und c = 6,488 Å[6] sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle[1].

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Glaukochroit bildet sich metamorph geschichteten Zink-Lagerstätten, in Skarnen als Kontaktmetamorphose zwischen Diabas und Marmor oder in Kalk-Silicatgesteinen mit Manganerzen. Es tritt dort in Paragenese mit verschiedenen Mineralen wie Andradit, Calcit, Cuspidin, Diopsid, Esperit, Franklinit, Hardystonit, Hodgkinsonit, Klinoedrit, Leukophönicit, Nasonit, Tephroit, Willemit und Zinkit auf.

Neben seiner Typlokalität „Franklin Mine“ in New Jersey (USA) wurde Glaukochroit noch an 5 weiteren Fundorten nachgewiesen: In der „Kanoiri Mine“ bei Kanuma auf der japanischen Insel Honshū; in der „Kombat Mine“ bei Kombat in der namibischen Region Otjozondjupa; im Khibiny Massiv auf der russischen Halbinsel Kola; in der „Wessels Mine“ bei Hotazel in der südafrikanischen Kalahari; sowie in der „Jakobsberg Mine“ bei Nordmark in der schwedischen Gemeinde Filipstad.[7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 665.
  • Glaucochroite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 73,5 kB)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Glaucochroite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Webmineral – Glaucochroite (englisch)
  2. a b American Mineralogist Crystal Structure Database – Glaucochroite (englisch, 1978)
  3. a b c d e Mindat – Glaucochroite bei mindat.org (englisch)
  4. Biographical Memoir of Samuel Lewis Penfield (englisch, PDF 1,23 MB)
  5. Wilhelm Gemoll, Karl Vretska: Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch, Verlag Hölder-Pichler-Tempsky, 9. Auflage, ISBN 3-209-00108-1
  6. American Mineralogist Crystal Structure Database - Glaucochroite (englisch, 1978)
  7. Fundortliste für Glaukochroit beim Mineralienatlas und bei Mindat