Franklinit

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Franklinit
Franklinite-21557.jpg
Schwarze Franklinit-Oktaeder auf Calcit (weiß) aus der Sterling Mine, Sterling Hill, Ogdensburg, Sussex County (New Jersey) (Abmessung größter Kristall: 10 cm × 9 cm × 7 cm)
Allgemeines und Klassifikation
Andere Namen

Zinkoferrit (nach Hintze, 1921)[1][2]

Chemische Formel
  • ZnFe3+2O4[3]
  • (Zn,Mn2+,Fe2+)(Fe3+,Mn3+)2O4[4]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Oxide und Hydroxide
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
4.BB.05 (8. Auflage: IV/B.02)
07.02.02.04
Kristallographische Daten
Kristallsystem kubisch
Kristallklasse; Symbol kubisch-hexakisoktaedrisch; 4/m 3 2/m
Raumgruppe Fd3m (Nr. 227)Vorlage:Raumgruppe/227
Gitterparameter a = 8,47 Å[3]
Formeleinheiten Z = 8[3]
Zwillingsbildung auf {111}
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 6–6,5[4], VHN100 = 852–882[5]
Dichte (g/cm3) gemessen: 5,05 bis 5,22; berechnet; 5,163[5]
Spaltbarkeit fehlt; Absonderung nach {111} möglich[5]
Bruch; Tenazität uneben bis schwach muschelig[5]
Farbe eisenschwarz, braun, rot[5]
Strichfarbe rötlichbraun bis schwarz[5]
Transparenz undurchsichtig, durchscheinend in dünnen Schichten
Glanz Metallglanz
Magnetismus stark bis schwach[5]
Kristalloptik
Brechungsindex n = 2,36(2)[6]
Doppelbrechung keine, da optisch isotrop

Franklinit, veraltet auch als Zinkoferrit bekannt, ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung ZnFe3+2O4[3] und ist damit chemisch gesehen ein Zink-Eisen-Oxid. Strukturell gehört Franklinit zu den Spinellen.

Franklinit kristallisiert im kubischen Kristallsystem und entwickelt typischerweise oktaedrische Kristalle von bis zu 22 cm Größe,[5] deren Ecken meist abgerundet sind. Auch grobe oder feinkörnige Einschlüsse in anderen Mineralen werden gefunden. Das Mineral ist im Allgemeinen undurchsichtig und nur in dünnen Schichten tiefrot durchscheinend.[7] Die Kristalle können von eisenschwarzer, brauner oder roter Farbe sein. Frische Proben zeigen auf den Oberflächen einen metallischen Glanz Franklinit ist von grauschwarzer bis schwarzer Farbe und besitzt innere dunkelrote Reflexionen.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Mineral wurde erstmals 1819 von Pierre Berthier in den Typlokalitäten, mehreren Minen um die Stadt Franklin im US-Bundesstaat New Jersey gefunden. Es ist nach dieser auch benannt.

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in der veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Franklinit zur Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort zur Abteilung der „Oxide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Sauerstoff = 3 : 4 (Spinelltyp M3O4 und verwandte Verbindungen)“, wo er zusammen mit Cuprospinell, Jakobsit, Magnesioferrit, Magnetit und Trevorit die Gruppe der „Ferrit-Spinelle“ mit der System-Nr. IV/B.02 bildete.

Die seit 2001 gültige und bis 2009 von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Franklinit ebenfalls in die Abteilung der „Oxide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Sauerstoff = 3 : 4 und vergleichbare“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen“ zu finden ist, wo es zusammen mit Brunogeierit, Chromit, Cochromit, Coulsonit, Cuprospinell, Filipstadit, Gahnit, Galaxit, Hercynit, Jakobsit, Magnesiochromit, Magnesiocoulsonit, Magnesioferrit, Magnetit, Manganochromit, Nichromit, Qandilit, Spinell, Trevorit, Ulvöspinell, Vuorelainenit und Zincochromit die „Spinellgruppe“ mit der System-Nr. 4.BB.05 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Franklinit in die Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort in die Abteilung der „Mehrfache Oxide“ ein. Hier ist er in der „Eisen-Untergruppe“ mit der System-Nr. 07.02.02 innerhalb der Unterabteilung „Mehrfache Oxide (A+B2+)2X4, Spinellgruppe“ zu finden.

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franklinit kristallisiert im kubischen Kristallsystem in der Raumgruppe Fd3m (Raumgruppen-Nr. 227)Vorlage:Raumgruppe/227 mit dem Gitterparameter a = 8,47 Å sowie acht Formeleinheiten pro Elementarzelle.[3]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franklinit (schwarz) mit Zinkit (rot) aus Franklin, New Jersey – Ausgestellt im Mineralogischen Museum der Uni Bonn
Großer Franklinit-Oktaeder (9 cm × 9 cm × 8 cm) mit Willemit (gelblich), Zinkit (rötlich) und Calcit (weiß) aus der Sterling Mine, Sterling Hill, Ogdensburg (New Jersey)

Franklinit bildet sich in eisen-, zink- und manganreichen Adern, die in marinen Carbonat-Sedimenten durch Metamorphose unter hohen Temperaturen verändert wurden. Als Begleitminerale treten unter anderem Andradit, Berzeliit, Braunit, Calcit, Gahnit, Hämatit, Hausmannit, Hetaerolith, Jakobsit, Magnetit,Manganosit, Rhodochrosit, Rhodonit, Sarkinit, Willemit und Zinkit.

Als seltene Mineralbildung konnte Franklinit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher rund 60 Fundorte (Stand 2017)[8] als bekannt gelten. Neben seiner Typlokalität Franklin, wo das Mineral in mehreren Gruben und Schächten dieses größten Bergbaugebietes von New Jersey gefunden werden konnte, trat Franklinit in den Vereinigten Staaten unter anderem noch am Moffet Point im Bezirk Aleutians East Borough in Alaska, in der Desert View Mine in den kalifornischen San Bernardino Mountains und in der Rio Dolores Mine bei Central City im Gilpin County von Colorado zutage. Zwei weitere Fundorte, der Webber-Schacht in der Fairview Silbermine im Churchill County von Nevada sowie das „Devine zinc property“ im Hidalgo County von New Mexico, gelten bisher als fraglich, da die Funde noch nicht bestätigt wurden.[9]

Der bisher einzige bekannte Fundort in Deutschland ist eine Schlackenhalde der Zinkhütte Genna im Stadtbezirk Letmathe im Sauerland (NRW). Auch in Österreich ist mit dem Stradner Kogel bei Wilhelmsdorf (Gemeinde Bad Gleichenberg) in der Steiermark bisher nur ein Fundort für Franklinit bekannt.

Weitere Fundorte liegen unter anderem bei Iron Knob und Zeehan sowie im Mukinbudin Shire in Australien, bei Vazante im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais, in den Präfekturen Meizhou (Guangdong) und Yichun (Jiangxi) in China, auf Ross Island in Irland, bei Nežilovo (Opština Veles) und im Kratovo-Zletovo-Bezirk in Mazedonien, bei East Camp (Santa Eulalia, Chihuahua) und La Blanca (Municipio Ojocaliente, Zacatecas) in Mexiko, bei Trzebinia in Polen, bei Ocna de Fier, Răzoare (Maramureș) und Iacobeni (Suceava) in Rumänien, im Marmor-Steinbruch Pereval bei Sljudjanka (Ostsibirien) und an drei Fundpunkten in den Chibinen und der Lowosero-Tundra in Russland, der Provinz Lusaka in Sambia, bei Garpenberg (Dalarna), Långban und Hasselhojden (Västmanland) in Schweden, bei Barberton (Mpumalanga) und in der Bleigrube Edendale bei Pretoria (Gauteng) in Südafrika sowie am Vulkan Kerimasi in der Region Arusha von Tansania.[9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • P. Berthier: Analyse de deux minéraux zincifères des États-Unis d´Amérique. In: Annales des Mines. Band 4, 1819, S. 483–494 (französisch, rruff.info [PDF; 611 kB; abgerufen am 10. Juli 2017]).
  • Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S. 388.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Franklinite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Carl Hintze: Handbuch der Mineralogie. Band 1. Vereinigung wissenschaftlicher Verleger Walter de Gruyter, Berlin und Leipzig 1921, S. 66 (Inhaltsangabe verfügbar bei De Gruyter [PDF; abgerufen am 10. Juli 2017]).
  2. Mindat – Zinkoferrit (englisch)
  3. a b c d Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 188.
  4. a b Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. 6. vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2014, ISBN 978-3-921656-80-8.
  5. a b c d e f g h Franklinite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF]).
  6. Mindat – Franklinite (englisch)
  7. Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 374.
  8. Mindat – Anzahl der Fundorte für Franklinit
  9. a b Fundortliste für Franklinit beim Mineralienatlas und bei Mindat