Golm (Usedom)

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Golm
Kriegsgräberstätte auf dem Golm

Kriegsgräberstätte auf dem Golm

Höhe 69 m
Lage Usedom, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland
Koordinaten 53° 53′ 10″ N, 14° 12′ 17″ OKoordinaten: 53° 53′ 10″ N, 14° 12′ 17″ O
Golm (Usedom) (Mecklenburg-Vorpommern)
Golm (Usedom)
Besonderheiten Höchste Erhebung der Insel Usedom

Der Golm ist mit einer Höhe von 69 Metern die höchste Erhebung auf der Insel Usedom im Osten des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Er befindet sich im östlichen Teil der Insel in der Gemeinde Garz nahe dem Dorf Kamminke dicht an der deutsch-polnischen Grenze. Seit 1967 stehen der Golm und etwa 25 Hektar seiner unmittelbaren Umgebung unter Naturschutz. Der Name leitet sich von einem slawischen Wort für Hügel ab.

Im Zweiten Weltkrieg wurden nach dem Luftangriff auf das nahegelegene Swinemünde vom 12. März 1945 zwischen 6.000 und 14.000 Opfer in Massengräbern auf dem Golm bestattet; die meisten davon waren nach Beginn der Schlacht um Ostpreußen vor der Roten Armee aus der Provinz Ostpreußen geflüchtet. Davor wurde der Ort bereits als Soldatenfriedhof genutzt. Seitdem ist der Golm eine der größten Kriegsgräberstätten in Deutschland und die größte Gedenkstätte dieser Art in Mecklenburg-Vorpommern. Der Ort ist mit entsprechenden Einrichtungen zum Gedenken sowie zur Dokumentation ausgestattet und wird jährlich von etwa 30.000 bis 40.000 Menschen besucht.

Naturhistorische und frühgeschichtliche Informationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aussicht vom Burgwall Golm nach Swinemünde
Wald am Golm

Der Golm ist entstanden als Teil einer Endmoräne beim Abschmelzen des Gletschereises in der Odermündung sowie durch Stauchungen durch spätere Eisvorstöße. Bis vor etwa 5.000 Jahren wurde der Berg noch von der Ostsee umspült, erst später wurde er allmählich vom Meer abgeschnitten. 1860 wurden bei Forstarbeiten eine Steinaxt und eine Tasse entdeckt, bereits 1892 wurden Hinweise auf einen bronzezeitlichen Burgwall auf dem Golm gefunden. Jungbronze- bis früheisenzeitlicher Burgwall mit dem Flurnamen „der Golm“. Als einer ihrer nördlichen Ausläufer repräsentiert der gut erhaltene Burgwall den Einfluss der Lausitzer Kultur. Er ist insgesamt gut erhalten, weist aber Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg auf. Dort wurde an der Stelle der früheren Gaststätte eine Flakstellung gebaut, da hier der Aussichtspunkt auf Swinemünde ist. Vor dem Burgwall befindet sich noch eine Landwehr und südöstlich mehrere bronzezeitliche Hügelgräber.

Die Umgebung des Golm ist durch einen ausgedehnten Buchenwald mit entsprechender Flora und Fauna geprägt. So wurden am Golm und seiner Umgebung unter anderem Bruten von Wanderfalken, Seeadlern, Wespenbussarden, Wiedehopfen und Raufußkauzen nachgewiesen. Nach 1990 wurde darüber hinaus der Uhu wieder angesiedelt. Zu den hier zu findenden Pflanzen zählen unter anderem Schwingelgräser, das Christophskraut und die Zwiebeltragende Zahnwurz. Seit 1967 ist der Golm mit seiner unmittelbaren Umgebung ein Naturschutzgebiet.

Die Quellen am Nordhang des Golms wurden bis zum Zweiten Weltkrieg von einem Swinemünder Unternehmen zur Mineralwasserproduktion genutzt.

Jüngere Geschichte des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grabfeld in Gedenkstätte Golm – links Namenstafel
Gedenktafel für die Opfer des Bombenangriffs auf Swinemünde

Der Golm war etwa ab der Mitte des 19. Jahrhunderts ein beliebtes Ausflugsziel für die Einwohner der nahegelegenen, heute zu Polen gehörenden Stadt Swinemünde. In der Folge entstanden in seiner Umgebung entsprechende gastronomische Einrichtungen, wie etwa ein Restaurant mit dem Namen „Onkel Thoms Hütte“, ein Aussichtsturm sowie Denkmale für die Gefallenen der damaligen Kriege. 1852 wurde der Golm durch eine befestigte Straße erschlossen, 1880 entstand ein Bahnhaltepunkt an der Bahnlinie von Swinemünde nach Berlin.

Kriegsgräberstätte Golm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkrieges wurde im Sommer 1944 damit begonnen, den Golm unter der Bezeichnung Ehrenfriedhof Swinemünde-Golm als Soldatenfriedhof zu nutzen. Beigesetzt wurden zunächst vorwiegend 250 Soldaten der in Swinemünde stationierten Marineeinheiten, darunter die Besatzung des gesunkenen U-Bootes U-854. Zusätzlich zum Marinefriedhof entstanden kurze Zeit später Begräbnisstätten für Soldaten des Heeres sowie für mindestens 1.000 Luftwaffenangehörige des nahegelegenen Fliegerhorstes Garz. Nur rund 1.000 der etwa 3.000 hier begrabenen Soldaten sind namentlich bekannt.

Blick auf den zentralen Ringbau der Gedenkstätte

In den Mittagsstunden des 12. März 1945 kam es zu einem amerikanischen Bombenangriff auf die Stadt Swinemünde, in der sich zu diesem Zeitpunkt aufgrund von Flüchtlingsströmen mehr als 100.000 Menschen aufhielten. Rund 20.000 von ihnen verloren bei diesem Angriff ihr Leben. Nahezu alle Opfer wurden anonym in Massengräbern auf dem Golm bestattet, nur von 432 waren die Namen bekannt. Von bisher 237 weiteren auf dem Golm Bestatteten konnten durch Nachforschungen nach 1990 die Namen ermittelt werden. Für sie wurden vier Gedenktafeln eingeweiht.

Am 12. März 1992 wurde die Interessengemeinschaft Gedenkstätte Golm e. V. gegründet. Ziel des Vereins war der Einsatz für die Erhaltung und würdige Gestaltung des Kriegsopferfriedhofes. Seit März 2000 ist der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Träger der Gedenkstätte und führt die damit verbundenen Aufgaben aus. Am 13. März 2005 wurde vom Volksbund in der ehemaligen Kamminker Dorfschule eine Internationale Jugendbegegnungsstätte eröffnet. Die Interessengemeinschaft sah mit der nach 1990 erfolgten Gestaltung der Gedenkstätte, der Übernahme der Trägerschaft durch den Volksbund sowie der Weiterführung ihrer Arbeit durch die Jugendbegegnungsstätte ihre satzungsmäßigen Aufgaben als erfolgreich erfüllt an und beschloss am Volkstrauertag 2005 ihre Auflösung.

Mahn- und Gedenkstätte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Namenstafeln in der Gedenkstätte Golm
„Die frierende Frau im Soldatenmantel“

Unmittelbar nach dem Krieg scheiterten zunächst verschiedene Bemühungen von staatlicher, kirchlicher und privater Seite zu einer entsprechenden Gestaltung des Ortes. Ein am 9. April 1954 aufgestelltes 13 Meter hohes Holzkreuz wurde in der Nacht von Mittwoch, den 14. April auf den 15. April durch unbekannte Täter zerstört. Die vom Bansiner Bildhauer Rudolf Leptien 1952 geschaffene Statue „Die frierende Frau im Soldatenmantel“ wurde hingegen nicht aufgestellt. Von offizieller Seite wurde hierzu erklärt: „Die nichtvollendete Plastik sagt wenig aus.“[1] Leptien flüchtete jedoch nach West-Berlin. Der Golm kam in die Verantwortung des Rat des Kreises Wolgast, der sich um die Pflege der Anlage kümmern musste. Unter den Gärtnern befand sich auch der Kommunist Richard Döring aus Kamminke. Auf sein Bestreben hin stellte er die Skulptur 1984 an der vorgesehenen Stelle ohne Genehmigung der Behörden auf.

Ein Teil der Innenseite des Ringbaus

1968 wurde der Rostocker Bildhauer Wolfgang Eckardt mit dem Bau eines „Mahnmals gegen Krieg und Faschismus“ beauftragt. Seinen Vorschlägen folgend wurden die vier bis dahin getrennten Friedhöfe durch entsprechende Rasenflächen gestalterisch vereinigt. An zentraler Stelle auf dem Berg entstand ein zweigeteilter Rundbau aus Beton von mehreren Metern Durchmesser, der 1973 baulich abgeschlossen, aber nie fertiggestellt wurde. Dieser ist begehbar und trägt an den Innenseiten der Betonmauern in durchgängiger Großschrift die Inschriften „Dreiundzwanzigtausend Tote des Zweiten Weltkrieges mahnen“ sowie „Dass nie eine Mutter mehr ihren Sohn beweint“.[2] Auf ein geplantes Relief wurde, sowohl aus finanziellen als auch aus künstlerischen Gründen, verzichtet. Die Inschrift wurde am 3. September 2009 von Unbekannten gewaltsam entfernt. Der Volksbund hatte daraufhin im Februar 2010 neue, bronzefarbene Buchstaben aus Kunststoff anbringen lassen. Auch diese wurden am 27. Juni 2010 von bislang unbekannten Tätern entfernt. Ähnlich war es mit den Namenstafeln – auch sie wurden gestohlen und durch für Buntmetalldiebe uninteressante Platten aus Kunststoff mit einer silbernen Folierung ersetzt.

Ab 1995 wurde die Gestaltung des Geländes durch zusätzliche Elemente ergänzt. So wurden um den Rundbau verschiedene Kreuze aus Granit und Holz sowie Bronzetafeln mit den bekannten Namen von hier beerdigten Toten aufgestellt. Darüber hinaus wurde ein Schaukasten am Beginn des Aufgangs zur Gedenkstätte sowie ein Informationsgebäude mit Informationen zur Geschichte des Ortes errichtet.

Der Golm ist neben dem Waldfriedhof Halbe im Land Brandenburg, auf dem rund 28.000 Opfer des Zweiten Weltkrieges bestattet wurden, eine der größten Kriegsgräberstätten in Deutschland. Die Zahl der Besucher beträgt etwa 30.000 bis 40.000 Menschen pro Jahr. Jährlich am 12. März und am Volkstrauertag finden am Golm Gedenkveranstaltungen statt. Der Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte Golm in Kamminke wurde 2009 ein Wandernagelkreuz von Coventry verliehen, das später wahrscheinlich von der Katholischen Kirchengemeinde Stella Maris in Swinemünde übernommen wird.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Interessengemeinschaft Gedenkstätte Golm e. V. (Hrsg.): Der Golm auf Usedom. Baltic Verlag, Greifswald 1996.
  • Gedenkstätte Golm. In: Martin Kaule: Ostseeküste 1933–1945. Der historische Reiseführer. Lizenzausgabe für die Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern. Christoph Links Verlag, Berlin 2009, ISBN 3-86153-521-1, S. 111.
  • Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. (Hrsg.): Kriegsgräberstätte Golm: Lernort der Geschichte. Helms, Schwerin 2003, ISBN 3-935749-26-0.
  • Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. (Hrsg.): Der Golm und die Tragödie von Swinemünde. Kriegsgräber als Wegweiser zwischen Vergangenheit und Zukunft. nordlicht verlag, Kamminke 2010, ISBN 978-3-9809640-6-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Golm (Usedom) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schreiben des Rats des Bezirks Rostock vom 18. Juli 1954 an den Rat des Kreises Wolgast: Plastik für den Golm-Friedhof, Aushang einer Kopie im Informationspavillon auf dem Golm
  2. Mit diesen Worten endet die zweite Strophe der DDR-Nationalhymne.