Naturschutzgebiet Eldena

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Pilzbewachsener Stamm

Das Naturschutzgebiet Eldena (NSG Eldena) ist ein als Naturschutzgebiet ausgewiesener Wald im Südosten der Hansestadt Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern. Die Unterschutzstellung erfolgte am 30. März 1961 und umfasst ein Gebiet von 407,1 ha.

Elisenhain[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grabstein Georg Engels

Der nordwestliche Teil des Waldes wird auch Elisenhain genannt, weshalb das NSG mitunter auch fälschlich als NSG Elisenhain bezeichnet wird. Die Bezeichnung als Elisenhain geht darauf zurück, dass 1825 Elisabeth Ludovika von Bayern, die Gemahlin des späteren Königs Friedrich Wilhelm IV., den Wald durchwandert hat.[1] Durch diesen Teil des Waldes führte von ihrer Inbetriebnahme 1898 bis zu ihrer Demontage 1945 die Kleinbahnlinie Greifswald–Lubmin der Kleinbahngesellschaft Greifswald–Wolgast.[2] Am südlichen Rand des Hains befindet sich auch der Gedenkstein des Greifswalder Schriftstellers Georg Engel, unter dem dessen Asche ruht. In dem seit Alters her beliebten Natur-Kleinod der Greifswalder, befand sich in früherer Zeit, in den Jahren vor und nach dem Ersten Weltkrieg (1914–1918) ein größeres Ausflugslokal, das später abgebrochen wurde. Sozusagen als dessen gastronomischer Nachfolger entstand zu DDR-Zeiten die stark frequentierte Konsum-Gaststätte „Waldhaus“, im Volksmund auch „Hasenbar“ genannt, am Eingang des Elisenhains in der Hainstraße, die nach der Wende als Wohnhaus umfunktioniert wurde.

Eigentumsverhältnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ehemals großflächiger bewaldete Gebiet, in dem auch das heutige NSG Eldena liegt, war dem 1199 gegründeten Kloster Eldena vom Rügenfürsten Jaromar I. durch Urkunde von 1207 geschenkt worden. Da die Herrschaftsverhältnisse in dem Gebiet keineswegs klar und endgültig waren, kam es dazu, dass diese Schenkung 1208 von Pommernherzog Kasimir II., 1216 von König Waldemar II. von Dänemark, 1218 von Pommernherzog Bogislaw II. und 1221 vom Rügenfürsten Barnuta bestätigt wurde.[3] Mit der Säkularisation des Klosters 1535 gingen die Klostergüter in das Eigentum der Herzöge von Pommern über. 1634 dann gingen die Güter durch Schenkung des letzten Pommernherzogs, Bogislaw XIV., in das Eigentum der 1456 gegründeten Universität Greifswald über.[4] Durch die Bodenreform von 1945 verlor die Universität große Teile ihres Grundeigentums und auch ihres Universitätsforstes.[5] Nachdem der Universitätsforst in der DDR staatlichen Stellen zur Verwaltung unterstellt worden war, wurde der Forst der Universität 1962 vollkommen enteignet und ging in die Rechtsträgerschaft des Staatlichen Forstwirtschaftsbetriebes Wolgast über.[6] Nach der Wiedervereinigung hat die Universität einen großen Teil ihres früheren Eigentums zurückerhalten.

Hinweisschild

Der Universitätsforst ist heute Körperschaftswald der Universität im Sinne des § 3 BWaldG in Verbindung mit § 4 Absatz 2 LWaldG M-V.

Rechtliches Regime und Bewirtschaftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zuständig für die Bewirtschaftung des Waldes ist die Forstverwaltung der Universität Greifswald. Im NSG sind drei Totalreservate mit einer Fläche von zusammen 27 ha ausgewiesen, die nicht bewirtschaftet werden. Zu diesen gehört auch der Elisenhain als das größte der Totalreservate. Da durch die Nichtbewirtschaftung erhöhte Unfallgefahr durch herabfallende Äste und umstürzende Bäume besteht, wurden in diesem Gebiet im November 2007 entsprechende Warnschilder aufgestellt.

In wasserwirtschaftlicher Hinsicht liegt das NSG im Zuständigkeitsbereich des Wasser- und Bodenverbands Ryck-Ziese. Der südwestliche Teil des Waldes liegt zudem in der Schutzzone III des Trinkwasserschutzgebietes Groß Schönwalde.

Waldwege und Beschilderung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Informationstafel in der Hainstraße

Das NSG ist durchzogen von mit Pflastersteinen befestigten sowie unbefestigten Waldwegen. Einige dieser Waldwege sind Teilstrecke des Europäischen Fernwanderwegs E9. An ihren Rändern stehen viele Schautafeln zur Erklärung von Flora, Fauna und Naturhaushalt. Auch an den Haupteingängen des NSG stehen Informationstafeln.

Flora[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kleine Senke am Wegrand
Pilzbewachsener Ast

Bäume[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis ins 19. Jahrhundert wurde der Wald als Mittelwald bewirtschaftet, was die Ausbreitung von Hainbuche und Eiche förderte.[7] Zudem wurde der Wald als Waldweide für Nutztiere (Pferde, Rinder, Schafe und insbesondere Schweine) genutzt, was die Ausbreitung der schnellwüchsigen Weichholzarten Erle, Weide und Birke begünstigte. Zwischen 1820 und 1850 wurde durch Vorstöße der preußischen Forstwirtschaft die Nutzung als Waldweite weitestgehend abgeschafft; bis 1886 wurde der Wald vollständig in einen Hochwald überführt.

Zum Baumbestand des Laubwaldes gehören heute unter anderem Rotbuchen, Stieleichen, Bergahorn, Esche, Bergulme und Hainbuche. In den vielen Senken des Waldes hat der hohe Grundwasserstand die Ausbildung von Waldsümpfen und Erlenbruchwald ermöglicht.

Zur Schädlingsbekämpfung sind im Waldgebiet Lockstofffallen verteilt.

Sonstige Grünpflanzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Frühjahr ist der Waldboden großflächig mit Buschwindröschen bedeckt.

Pilze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An vielen Baumstümpfen, Stämmen und herabgefallenen Ästen (Totholz) wachsen Baumpilze. Insgesamt wurden im NSG bisher 352 Pilzarten registriert.[8]

Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vögel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den im NSG beheimateten Vogelarten sind insbesondere Mäusebussard, Wespenbussard, Habicht, Sperber und Rotmilan zu nennen.[9]

Wasserhaushalt und Wasserwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gesamte NSG ist von kleineren Entwässerungsgräben durchzogen. Der Hauptteil dieses Grabensystems wurde im 19. Jahrhundert angelegt. Der hierdurch veränderte Wasserhaushalt (insbesondere die starke Verringerung von Bruchflächen) hatte auch Auswirkungen auf die Vegetationsausprägung.[10]

Bierbach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überreste des Bierkellers am Boddenweg (Eingang)

Durch das Naturschutzgebiet fließt auch der sogenannte Bierbach (ursprünglich: Koitenhäger Bach). Seinen Namen erhielt er dadurch, dass die bis 1932 betriebene Eldenaer Bierbrauerei ihren Wasserbedarf zum Teil durch Entnahme aus dem Bach deckte.[11]

Der Bierbach floss ursprünglich weiter nordwestlich aus dem NSG, entlang des unbefestigten Weges zu den Kleingartenkolonien, der Eldenaer Straßen „Kurzer Weg“ und „Am Bierbach“, vorbei am 1976 zugunsten eines Parkplatzes verkleinerten Dorfteich[12] an der Straße „Am Teich“ und dann entlang des Boddenwegs vorbei am klösterlichen Bierkeller, der heute von prioritären Fledermausarten als Winterquartier genutzt wird und daher ebenfalls unter naturschutzrechtlichem Schutz steht, Richtung Greifswalder Bodden.

Seit spätestens 2008 ist der Bierbach ab kurz hinter dem Rehbruch im NSG trockengelegt und fließt stattdessen nur noch durch den Hohen Graben ab, der bereits an der Großen Wiese/Eichenbrink das NSG Richtung Greifswalder Bodden verlässt. Auf den Informationstafeln an den Haupteingängen des NSG ist allerdings noch der ursprüngliche Bachlauf eingezeichnet.

Fischteiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Wald befinden sich parallel zu einem der Waldwege mehrere hintereinanderliegende und vom Bierbach durchflossene Teiche, die früher noch weiter aufgestaut waren und der Fischzucht (Forellen, Hechte und Karpfen) dienten.[1]

Geologie und Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Untergrund ist wie in der übrigen Umgebung insbesondere in der Weichseleiszeit von Gletschern geprägt worden (Jungmoränenlandschaft).

Höchste Erhebung des NSG ist der Ebertberg im südlichen Teil mit einer Höhe von 29,5 m ü. NN.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Lutz Mohr: Ein Streifzug und Wegweiser durch die Greifswalder Ortsteile Eldena und Friedrichshagen in Vergangenheit und Gegenwart, 2. Auflage, Greifswald 1979, S. 35.
  2. Lutz Mohr: Ein Streifzug und Wegweiser durch die Greifswalder Ortsteile Eldena und Friedrichshagen in Vergangenheit und Gegenwart, 2. Auflage, Greifswald 1979, S. 35 und 29.
  3. Gerhard Hess: Die kulturgeographische Entwicklung der akademischen Dörfer Koitenhagen, Groß-Schönwalde, Klein-Schönwalde und Weitenhagen-Potthagen auf historisch-geographischer Grundlage, zugleich Dissertation, Univ. Greifswald, 1957, S. 21 f.
  4. Lutz Mohr: Ein Streifzug und Wegweiser durch die Greifswalder Ortsteile Eldena und Friedrichshagen in Vergangenheit und Gegenwart, 2. Auflage, Greifswald 1979, S. 26.
  5. Universitätsbesitz: Bodenreform 1945 (Memento des Originals vom 27. März 2009 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.uni-greifswald.de
  6. Universitätsbesitz: Enteignungen in der DDR-Zeit (Memento des Originals vom 27. März 2009 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.uni-greifswald.de
  7. Siehe hierzu und zum Folgenden Landschaftsökologische Exkursionen in die Greifswalder Umgebung (PDF; 6,9 MB), S. 9 f.; Informationen des Umweltbundesamtes (Memento vom 20. Juni 2007 im Internet Archive); Naturschutzgebiet Eldena; ferner Gerhard Hess: Die kulturgeographische Entwicklung der akademischen Dörfer Koitenhagen, Groß-Schönwalde, Klein-Schönwalde und Weitenhagen-Potthagen auf historisch-geographischer Grundlage, zugleich Dissertation, Univ. Greifswald, 1957, S. 69 und 81.
  8. Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www.uni-greifswald.deHanns Kreisel, Norbert Amelang: Die Pilzflora des Stadtgebietes von Greifswald, Greifswald 2001, S. 11. (PDF, 554 kB)
  9. Lutz Mohr: Ein Streifzug und Wegweiser durch die Greifswalder Ortsteile Eldena und Friedrichshagen in Vergangenheit und Gegenwart, 2. Auflage, Greifswald 1979, S. 37.
  10. Informationen des Umweltbundesamtes (Memento vom 20. Juni 2007 im Internet Archive); Landschaftsökologische Exkursionen in die Greifswalder Umgebung (Memento des Originals vom 20. Juni 2007 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.yepat.uni-greifswald.de (PDF; 6,9 MB), S. 10.
  11. Lutz Mohr: Ein Streifzug und Wegweiser durch die Greifswalder Ortsteile Eldena und Friedrichshagen in Vergangenheit und Gegenwart, 2. Auflage, Greifswald 1979, S. 29.
  12. Lutz Mohr: Ein Streifzug und Wegweiser durch die Greifswalder Ortsteile Eldena und Friedrichshagen in Vergangenheit und Gegenwart, 2. Auflage, Greifswald 1979, S. 34.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lutz Mohr: Ein Streifzug und Wegweiser durch die Greifswalder Ortsteile Eldena und Friedrichshagen in Vergangenheit und Gegenwart, 2. Auflage, Greifswald 1979, insbesondere S. 35 bis 37.
  • Jana Kwasniowski: Die Böden des Naturschutzgebietes Eldena, Univ. Greifswald, 2000.
  • Almut Spangenberg: 2000 Jahre Waldentwicklung auf nährstoff- und basenreichen Standorten im mitteleuropäischen Jungpleistozän – Fallstudie Naturschutzgebiet Eldena (Vorpommern, Deutschland), zugleich Diss., Univ. Greifswald, 2008.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Naturschutzgebiet Eldena – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 54° 4′ 17″ N, 13° 27′ 49″ O