Deutsche Fußballmeisterschaft 1911/12

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Deutsche Fußballmeisterschaft 1911/12
Das Logo des Deutschen Fußball-Bundes von 1900 bis 1945
Meister FV Holstein Kiel
Mannschaften 8
Spiele 7
Tore 32  (ø 4,57 pro Spiel)
Torschützenkönig Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Fritz Förderer (6 Tore)
Deutsche Meisterschaft 1910/11
Die Meistermannschaft von Holstein Kiel im Hoheluft-Stadion in Hamburg

Die zehnte deutschen Meisterschaftsendrunde sah nun endlich einen wirklichen berlin-brandenburgischen Meister. Auf Druck des DFB hatten sich am 20. April 1911 die drei noch verbliebenen und miteinander rivalisierenden berlin-brandenburgischen Fußballverbände, der VBB, der MFB und der VBAV zum Verband Brandenburgischer Ballspielvereine (erneut VBB) zusammengeschlossen. Damit hatte der über zwanzig Jahre dauernde Verbandswirrwarr in Berlin und Brandenburg endlich ein Ende. Trotzdem startete die Region wieder mit zwei Vertretern; neben dem Meister BFC Preussen nahm auch Titelverteidiger BTuFC Viktoria 89 an der Endrunde teil.

Erstmals kam es bei dieser Meisterschaft zu einer Neuauflage eines Finals. Zwei Jahre nach dem ersten Duell trafen erneut Holstein Kiel und der Karlsruher FV aufeinander. Diesmal siegten die Norddeutschen und holten damit den ersten Meistertitel für den Norddeutschen Fußball-Verband.

Teilnehmer an der Endrunde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verein Qualifiziert als
BuEV Danzig Meister des Baltischen Rasensport-Verbandes
ATV Liegnitz Meister des Südostdeutschen Fußball-Verbandes
Berliner FC Preussen Meister des Verbandes Brandenburgischer Ballspielvereine
Berliner TuFC Viktoria 89 Titelverteidiger
SpVgg 1899 Leipzig-Lindenau Meister des Verbandes Mitteldeutscher Ballspiel-Vereine
Holstein Kiel Meister des Norddeutschen Fußball-Verbandes
Cölner BC 01 Meister des Westdeutschen Spiel-Verbandes
Karlsruher FV Meister des Verbandes Süddeutscher Fußball-Vereine

Viertelfinale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Datum Ergebnis Stadion
5. Mai 1912 BuEV Danzig 0:7 (0:3)  Berliner TuFC Viktoria 89 Danzig, Heinrich-Ehlers-Platz[1]
5. Mai 1912 SpVgg 1899 Leipzig-Lindenau 3:2 (1:0)  ATV 1896 Liegnitz Dresden, Güntzwiesen
5. Mai 1912 FV Holstein Kiel 2:1 (0:1)  Berliner FC Preussen Hamburg, Sportplatz Hoheluft
12. Mai 1912 Cölner BC 01 1:8 (0:3)  Karlsruher FV Mönchengladbach, Kampfbahn Am Alten Wasserturm

Durch einen lupenreinen Hattrick von Erich Arndt führte die Viktoria bereits mit 3:0. In der zweiten Halbzeit erhöhten Paul Kugler, Schiepe und zweimal Willi Worpitzky auf 7:0. Bei Danzig spielte Paul Lenhardt als rechter Läufer, der bereits mit Holstein Kiel 1910 im Finale stand.

Leipzig ging in der 28. Minute durch Ernst Dathe in Führung, Liegnitz glich durch Verwerd in der 47. Minute aus. Nach 53 Minuten schoss Ferdinand Mückenheim die Leipziger in Führung, die in der 69. Minute durch einen Elfmeter von Otto Hofmann auf 3:1 erhöhten. Nach 84 Minuten kam Liegnitz noch zum 3:2.

Nach einer halben Stunde führte Berlin durch ein Tor von Robert Krüger mit 1:0. Erst in der Schlussphase drehten die Kieler das Spiel durch Willi Fick in der 84. Minute und David Binder drei Minuten später zum 2:1.

Der Cölner BC 01 erlitt gegen den Karlsruhe FV eine deutliche Niederlage. Die Torschützen beim 8:1-Sieg waren Fritz Förderer (3), Gottfried Fuchs (2) sowie Fritz Tscherter, Max Breunig und Julius Hirsch. Selbst das einzige Tor der Cölner – zum 1:4 in der 69. Minute – erzielte Hermann Bosch per Eigentor.

Halbfinale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Datum Ergebnis Stadion
19. Mai 1912 Berliner TuFC Viktoria 89 1:2 n. V. (1:1, 0:0)  FV Holstein Kiel Berlin-Mariendorf, Union-Platz
19. Mai 1912 Karlsruher FV 3:1 (2:0)  SpVgg 1899 Leipzig-Lindenau Frankfurt am Main, FFV-Platz Roseggerstraße

Den Kielern gelang es die Kreise von Stürmer Willi Worpitzky entscheidend einzuengen. Da aber auch ihr Angriff immer wieder in der Berliner Abwehr hängen blieb, stand es dann nach 90 Minuten 0:0. Erst durch David Binder gelang es Kiel in der 106. Minute in Führung zu gehen. Berlin kam aber umgehend, eine Minute später durch ein Eigentor von Torwart Adolf Werner zum 1:1. In der zweiten Verlängerung traf David Binder nach 129 Minuten zum 1:2 für Kiel.

Karlsruhe spielte ohne den verletzten Gottfried Fuchs, führte aber bereits zur Halbzeit durch zwei Tore von Fritz Förderer mit 2:0. Durch einen Elfmeter von Otto Hofmann konnte Leipzig auf 2:1 verkürzen. In der 70. Minute erzielte Fritz Förderer mit seinem dritten Treffer den 3:1 Endstand.

Finale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paarung FV Holstein Kiel FV Holstein KielKarlsruher FV Karlsruher FV
Ergebnis 1:0 (0:0)
Datum 26. Mai 1912
Stadion Victoria-Platz, Hamburg-Lokstedt
Zuschauer 9.000
Schiedsrichter Paul Schröder (München-Gladbach)
Tore 1:0 Möller (52., Elfmeter)
FV Holstein Kiel Adolf WernerHeinrich Hofmeister, Hans ReeseGeorg Krogmann, Willi Zincke (C)Kapitän der Mannschaft, Hans DehningHelmut Bork, Hugo Fick, David Binder, Willi Fick, Ernst Möller
Trainer: Willi Zincke
Karlsruher FV Franz BurgerKurt Hüber, Ernst HollsteinWilhelm Gros, Max Breunig, Hermann BoschFritz Tscherter, Fritz Förderer (C)Kapitän der Mannschaft, Gottfried Fuchs, Julius Hirsch, Hermann Kächele
Trainer: William Townley
Spielbericht
Beide Vereine standen sich bereits 1910 im Finale gegenüber. Bis zur Halbzeit fielen in dem ausgeglichenen Spiel keine Tore. In der 52. Minute kommt Willi Fick im Karlsruher Strafraum zu Fall, Ernst Möller verwandelt den entscheidenden Elfmeter zum 1:0. Nach der Führung verteidigten die Kieler geschickt ihren knappen Vorsprung. Beim KFV enttäuschte der berühmte Innensturm, Mittelstürmer Gottfried Fuchs spielte in der ersten Halbzeit mit einer Gipsbandage. Diese wurde in der Pause entfernt, er litt aber immer noch unter der Knieverletzung und konnte deshalb nur bedingt mitwirken. Der Trainer des Karlsruher FV, William Townley, wurde extra für dieses Finale von der SpVgg Fürth ausgeliehen.

Torschützenliste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spieler Verein Spiele Tore
1. Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Fritz Förderer Karlsruher FV 2 6
2. Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Erich Arndt Berliner TuFC Viktoria 89 2 3
3. Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich David Binder FV Holstein Kiel 3 3

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Deutsche Meisterschaft (1903-1923), IFFHS-Magazin Libero Nr. 36. International Federation of Football History & Statistics, Wiesbaden, II. Quartal 2002.
  • Karlsruher Fußballverein e.V. (Hrsg., 2016), Ein Stück deutscher Fußballgeschichte – 125 Jahre Karlsruher Fußballverein, Karlsruhe, 2016.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Heinrich-Ehlers-Platz in Danzig