Karlsruher FV

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Karlsruher FV
Wappen des Karlsruher FV
Basisdaten
Name Karlsruher Fußball Verein e. V.
Sitz Karlsruhe, Baden-Württemberg
Gründung 17. November 1891
Farben schwarz-rot
Website karlsruher-fv1891.de
1. Mannschaft
Stadion Sportplatz am Adenauerring
Plätze n.b.
Liga Kreisklasse C Staffel 1
2015/16 14. Platz
Heim
Auswärts

Der Karlsruher FV (KFV) ist ein Fußballverein aus der Stadt Karlsruhe. Der Verein wurde am 17. November 1891 gegründet und zählt zu den 86 Gründungsmitgliedern des Deutschen Fußball-Bundes. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg gehörte der KFV zu den Spitzenmannschaften des deutschen Fußballs, er wurde achtmal Süddeutscher Meister, zweimal Deutscher Vizemeister (1905 und 1912) und einmal Deutscher Meister (1910). Nach einer sehr wechselhaften Geschichte musste 2004 aus finanziellen Gründen der Spielbetrieb vorübergehend eingestellt und das Gelände an der Hertzstraße aufgegeben werden. Seit Sommer 2007 spielt der KFV wieder in den unteren Spielklassen des Badischen Fußballverbandes.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1891 bis 1918[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Karlsruhe wurde 1889 von Walther Bensemann der International Football Club (IFC) gegründet. Nach Reibereien innerhalb dieses Vereins traten mehrere Mitglieder (inkl. Bensemann) aus und gründeten 1891 den KFV. Das erste Spiel wurde im März 1892 gegen den IFC ausgetragen und verloren. Nach einem Beschluss keine Wettspiele mehr bestreiten zu wollen traten im Herbst 1893 auch hier mehrere Mitglieder (inkl. Bensemann) aus und gründeten den FC Karlsruher Kickers. 1894 schloss sich der älteste Fußballverein der Stadt – der IFC – dem KFV an. Dieser legte daraufhin seine alten Vereinsfarben hellblau-weiß ab und übernahm die Farben des IFC, nämlich schwarz-rot. In all diesen Jahren bestritt die I. Mannschaft lediglich 12 Spiele und die II. Mannschaft 2 Spiele. 1895 lösten sich die Kickers wieder auf und die Mitglieder schlossen sich erneut dem KFV an. Erst jetzt begann ein geregelter Spielbetrieb. 1899 wurde die Meisterschaft in der I. und II. Klasse des Karlsruher Fußball-Bundes gewonnen.

Der KFV war bzw. ist Mitglied folgender Verbände:

  • Am 4. Juni 1893 Gründungsmitglied der Süd-Westdeutschen Fußball-Union. Walther Bensemann wurde zum 2. Vorsitzenden gewählt.
  • Am 17. Oktober 1897 Gründungsmitglied des Verbandes Süddeutscher Fußball-Vereine. Auf dem ersten Fußballtag zu Ostern 1898 wurde der KFV-Vorsitzende Friedrich Wilhelm Nohe zum 1. Vorsitzenden gewählt, der dieses Amt bis 1907 ausübte.
  • Im Jahre 1899 Gründungsmitglied des Karlsruher Fußball-Bundes. Zum 1. Vorsitzenden dieses Bundes wurde auch hier der KFV-Vorsitzende Friedrich Wilhelm Nohe gewählt.
  • Am 28. Januar 1900 Gründungsmitglied des Deutschen Fußball-Bundes. Auch beim DFB war der KFV-Vorsitzende Friedrich Wilhelm Nohe vom 22. Mai 1904 bis zum 21. Mai 1905 deren 1. Vorsitzender.
Die Meistermannschaft des KFV 1910

Danach entwickelte sich der Verein vor dem Ersten Weltkrieg zu einem der erfolgreichsten Fußballvereine in Deutschland. Fünf Mal in Folge – 1901, 1902, 1903, 1904 und 1905 – gewann man die süddeutsche Meisterschaft und konnte sich damit ab 1903 für die jeweilige Endrunde um den nationalen Titel qualifizieren. 1905 gelang dem KFV erstmals der Einzug ins Finale, in dem man aber Union 92 Berlin unterlag. Ab dem 17. Januar 1909 übernahm der Engländer William Townley (gewann zweimal den FA-Cup mit Blackburn Rovers) für zwei Jahre das Training. In den Jahren 1910, 1911 und 1912 wurde man erneut Süddeutscher Meister. Die Krönung dieser Ära war der Gewinn der deutschen Meisterschaft 1910, die sich die Mannschaft durch einen 1:0-Erfolg nach Verlängerung im Finale über Holstein Kiel sicherte. 1912 verlor man das Finale gegen denselben Gegner und wurde zum zweiten Mal Deutscher Vizemeister.

Zu den herausragenden Spielern dieser Zeit gehörten die Nationalspieler Max Breunig, Hermann Bosch, Fritz Förderer, Gottfried Fuchs, Wilhelm Gros, Julius Hirsch und Ernst Hollstein, die alle in den Jahren 1908 bis 1913 für die A-Nationalmannschaft zum Einsatz kamen. Fuchs verewigte sich dabei mit seinen zehn Toren beim Spiel gegen die russische Mannschaft während der Olympischen Spiele 1912 in den Fußball-Geschichtsbüchern.

1918 bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ersten Weltkrieg konnte sich der KFV nicht mehr zu den Spitzenclubs in Deutschland zählen, im Jahr 1923 stieg der Traditionsverein sogar aus der obersten Liga ab. Nach zwei Jahren erfolgte der Wiederaufstieg. 1925 wurde der Schotte James „Jimmy“ Lawrence, vom englischen Erstligaabsteiger Preston North End FC kommend, Trainer des Karlsruher FV, wo er bis 1931 verblieb. Dabei gewann er mit dem KFV 1925/26 die Meisterschaft von Württemberg/Baden und nach einer Änderung der Kreiseinteilung 1927/28, 1928/29, 1930/31 und 1931/32 den Titel des Badischen Meisters. Insgesamt nahm der KFV in den Jahren 1926 bis 1933 immer an den Spielen um die süddeutsche Meisterschaft teil, wo er sich aber nicht mehr für die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft qualifizieren konnte.[1]

Der 1933 als neue höchste Spielklasse geschaffenen Gauliga Baden gehörte der KFV von 1933/34 bis 1936/37, 1938/39 bis 1940/41 und in der letzten Saison 1943/44 an. In den Jahren zwischen 1932 und 1939 gab es mit Ludwig Damminger, Lorenz Huber und Franz Immig nochmals drei Nationalspieler. Von Januar 1944 an verstärkte der Gast-Nationalspieler Ernst Willimowski, der in einer Panzerjägereinheit in Karlsruhe Dienst tat, den Verein.[2] Auch hier konnte man sich nicht mehr für die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft qualifizieren.

1945 bis 2004[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1945/46 spielte der Karlsruher FV in der neu gegründeten Oberliga Süd nochmals für zwei Spielzeiten erstklassig. 1946 beendete der KFV die Saison als abgeschlagener Tabellenletzter, konnte aber die Klasse wegen einer Aufstockung der Liga halten. 1947 stieg der Verein jedoch als Vorletzter endgültig ab.[3] Ein Jahr später folgte der nächste Abstieg. 1950/51 wurde das Finale um die Deutsche Amateurmeisterschaft erreicht, aber jedoch verloren. 1952 gab es mit Kurt Ehrmann letztmals einen Nationalspieler für die A-Nationalmannschaft. In diesem Jahr gelang auch der Aufstieg in die 2. Liga Süd.

Als Anfang der 1950er Jahre der Karlsruher FC Phönix mit dem VfB Mühlburg über einen Zusammenschluss zum neuen Großverein sprach, wurde dies auch dem Karlsruher FV angeboten. Aber das Präsidium des KFV lehnte den Vorschlag ab, da der Verein eigenständig bleiben wollte. So entstand am 16. Oktober 1952 der Karlsruher SC, mit dem der KFV in den folgenden Jahren sowohl sportlich als auch finanziell nicht mehr mithalten konnte. 1957 kam bereits der Abstieg aus der 2. Liga Süd ins Amateurlager. Dies markierte den Anfang des Niedergangs des Traditionsvereins, der nie mehr an die früheren Erfolge anknüpfen konnte. In den Jahren 1961, 1962 und 1965 wurde der Pokal des Badischen Fußballverbandes gewonnen. Bis 1976 konnte man sich fast 20 Jahre in der obersten Amateurliga halten und 1974 sogar noch einmal Meister werden (wobei ein Aufstieg wegen der Gründung der zweigleisigen 2. Bundesliga unterblieb), stieg dann in tiefere Spielklassen ab und spielte zuletzt nur noch in der Kreisklasse B.[4]

Aus Anlass des 100-jährigen Vereinsjubiläums gab es am 19. Juli 1991 zwei Freundschaftsspiele im Wildparkstadion. Zuerst spielte der KFV gegen die KSC-Amateure und danach der Karlsruher SC gegen den FC Bayern München. In der Saison 2001/02 wurde die I. Mannschaft kurzzeitig vom Spielbetrieb zurückgezogen und die Reserve aufgelöst. Im Oktober 2004 wurde der Karlsruher FV vom Badischen Fußballverband mit sofortiger Wirkung vom Spielbetrieb ausgeschlossen, da er die finanziellen Auflagen nicht mehr erfüllen konnte. Der Verein hatte 280.000€ Schulden. Vom KFV existierte zunächst nur noch dessen frühere Tennisabteilung, die sich während der Liquidation vom Hauptverein abspaltete und noch 2004 als nunmehr eigenständiger Tennisverein unter dem Namen Tennisclub Karlsruhe-West neu gründete. Der Hauptverein wurde jedoch nicht aufgelöst, sondern blieb im Vereinsregister eingetragen.

Seit 2007[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folglich konnte der KFV 2007 auf Initiative von Alexander Etzel in der Kreisklasse C wieder neu starten und ist damit zurück auf der Fußball-Landkarte.[5] Von 2012 bis 2015 verfügte der Verein zusätzlich über eine zweite Mannschaft im Spielbetrieb.

Platzierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1945 bis 1977[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saison Liga Platz S U N Tore Punkte
1945/46 Oberliga Süd 16. 3 7 20 33:112 13:47
1946/47 Oberliga Süd 19. 10 7 21 48:84 27:49
1947/48 Landesliga Nordbaden Süd 7. 14 1 11 60:45 29:23
1948/49 Bezirksklasse Nordbaden III Gruppe 1 2. nicht bekannt 56:28 31:17
1949/50 Bezirksklasse Nordbaden III Gruppe 2 1. 21 1 0 92:19 43:01
1950/51 Amateurliga Nordbaden 2. 20 6 4 103:28 46:14
1951/52 Amateurliga Nordbaden 1. 20 4 4 76:39 44:12
1952/53 2. Liga Süd 10. 14 5 15 60:45 33:35
1953/54 2. Liga Süd 5. 14 7 13 69:58 35:33
1954/55 2. Liga Süd 13. 10 10 14 56:71 30:38
1955/56 2. Liga Süd 15. 9 9 16 54:63 27:41
1956/57 2. Liga Süd 17. 6 6 22 46:95 18:50
1957/58 Amateurliga Nordbaden 3. 16 5 9 79:46 37:23
1958/59 Amateurliga Nordbaden 12. 11 5 14 47:47 27:33
1959/60 Amateurliga Nordbaden 6. 12 6 12 58:52 30:30
1960/61 Amateurliga Nordbaden 4. 15 4 11 53:41 34:26
1961/62 Amateurliga Nordbaden 3. 14 7 9 66:53 35:25
1962/63 Amateurliga Nordbaden 2. 13 8 9 54:40 34:26
1963/64 Amateurliga Nordbaden 7. 11 8 11 51:36 30:30
1964/65 Amateurliga Nordbaden 7. 14 5 11 66:55 33:27
1965/66 Amateurliga Nordbaden 7. 13 8 9 58:41 34:26
1966/67 Amateurliga Nordbaden 10. 12 4 14 45:60 28:32
1967/68 Amateurliga Nordbaden 11. 10 5 15 50:58 25:35
1968/69 Amateurliga Nordbaden 12. 7 11 15 41:40 25:35
1969/70 Amateurliga Nordbaden 11. 10 9 11 56:47 29:31
1970/71 Amateurliga Nordbaden 9. 11 9 10 52:55 31:29
1971/72 Amateurliga Nordbaden 8. 9 14 9 44:44 32:32
1972/73 Amateurliga Nordbaden 2. 21 4 5 63:35 46:14
1973/74 Amateurliga Nordbaden 1. 16 6 8 69:45 38:22
1974/75 Amateurliga Nordbaden 5. 15 5 10 58:39 35:25
1975/76 Amateurliga Nordbaden 16. 6 6 18 30:55 18:42
1976/77 2. Amateurliga Mittelbaden 13. nicht bekannt 56:70 25:43

Seit 2007[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saison Liga Platz S U N Tore Punkte
2007/08 Kreisklasse C Karlsruhe Staffel 3 9. 9 5 12 50:60 32
2008/09 Kreisklasse C Karlsruhe Staffel 1 13. 1 2 21 27:115 5
2009/10 Kreisklasse C Karlsruhe Staffel 1 10. 7 1 16 49:79 22
2010/11 Kreisklasse C Karlsruhe Staffel 1 15. 2 1 25 23:127 7
2011/12 Kreisklasse C Karlsruhe Staffel 1 15. 2 3 23 24:94 9
2012/13 Kreisklasse C Karlsruhe Staffel 1 10. 5 3 16 36:88 18
2013/14 Kreisklasse C Karlsruhe Staffel 1 9. 4 5 13 20:53 17
2014/15 Kreisklasse C Karlsruhe Staffel 1 11. 3 7 12 32:67 16
2015/16 Kreisklasse C Karlsruhe Staffel 1 14. 4 0 22 31:117 12

Erfolge Fußball[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Deutscher Meister 1910
  • Deutscher Vizemeister 1905, 1912
  • Süddeutscher Meister 1901, 1902, 1903, 1904, 1905, 1910, 1911, 1912
  • Badischer Pokalsieger 1961, 1962, 1965

Weitere Abteilungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit wann genau eine Fußball-Jugendabteilung existierte ist unbekannt. Es gab aber bereits 1892/93 eine Juniorenmannschaft und 1905 spielte eine Schülermannschaft gegen den Straßburger FV. Von 1951 bis 1991 war der KFV mehrmals Ausrichter der „Walter Bensemann und Dr. Ivo Schricker Junioren-Gedächtnisspiele“, wobei man diese einmalig im Jahr 1991 gewann. 2002 wurde die letzte Jugendmannschaft vom Spielbetrieb zurückgezogen.

Alte Herren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die AH-Abteilung bestritt das erste Fußballspiel am 11. November 1906 gegen Germania Beiertheim. Nach dem Zweiten Weltkrieg bestand die Abteilung von 1948 bis 2004 und wurde 2013 wiedergegründet.

Tennis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das genaue Gründungsdatum der Tennisabteilung ist nicht bekannt. Seit spätestens 1906 gab es Tennisplätze auf dem Sportgelände, die dann 1944 zerstört wurden. 1972 kam es zur Wiedergründung der Tennisabteilung. Diese wurde 2004 als TC Karlsruhe-West eigenständig.

Leichtathletik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Leichtathletik-Abteilung bestand von 1905 bis zum Zweiten Weltkrieg. Die Abteilung war Mitglied im Verband der südwestdeutschen Athletik-Vereine. Bei den Männern wurden Deutscher Meister 1909 A. Speck im 110-m-Hürdenlauf und 1920 G. Amberger im 800-m-Lauf. Bei den Frauen wurde Deutsche Meisterin 1927 „Lina“ Radke-Batschauer im 800-m-Lauf. Danach wechselte Sie den Verein und ging nach Breslau.

Handball[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Handball-Abteilung (Damen und Herren) wurde um 1920 gegründet. 1960 musste dann der Spielbetrieb wegen Spielermangels eingestellt werden.

Hockey[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hockey-Abteilung wurde um 1921 gegründet und bestand bis zum Zweiten Weltkrieg. Die Abteilung war Mitglied im Süddeutschen Hockeyverband.

Siemens-SG[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Siemens-Sportgruppe war seit Gründung der Niederlassung Karlsruhe in den 1950er Jahren an den KFV angeschlossen. Das erste Sportfest wurde am 12. September 1953 durchgeführt. Zum 1. April 1964 gründete sich die eigenständige SG Siemens Karlsruhe.

Bowling[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bowling-Abteilung bestand seit 1. September 1971. Zu diesem Zeitpunkt wechselte der 1963 gegründete BC Schräge Gasse zum KFV. 1990 wurde diese Abteilung ein eigenständiger Verein.

Gymnastik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Damen-Gymnastik-Abteilung bestand seit Januar 1972. Wann genau diese wieder aufgelöst wurde ist nicht bekannt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor 1905[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der große Exerzierplatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der große Exerzierplatz war ein etwa 80 ha großes Gebiet im Westen der Stadt Karlsruhe, der 1820 durch Waldrodung entstand. Auf der westlichen Seite dieser Fläche wurden in den 1890er Jahren Spiele ausgetragen. Ein Teil des ehemaligen großen Exerzierplatzes liegt auf dem Gelände des alten Flughafens. Sehr wahrscheinlich lag auch der spätere KFV-Platz an der Telegrafenkaserne auf dem ehemaligen Exerzierplatz (inklusive der Telegrafenkaserne selbst die es aber damals noch nicht gab). Am 28. November 1899 fand hier eines der sieben Ur-Länderspiel (Ländervergleiche vor der Gründung des DFB) einer deutschen Mannschaft gegen eine Auswahl aus England statt. Vor 5.000 Zuschauern unterlag die deutsche Auswahl mit 0:7.

Der Engländerplatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Engländerplatz[6] handelt es sich um den ersten Fußballplatz in Karlsruhe überhaupt und einen der ersten in ganz Süddeutschland. Eigentlich war es zuvor ein Feuerwehr-Übungsplatz, auf dem sich als Feuerwehrturm ein vierstöckiger Holzbau befand. Das „Englische Spiel“ wurde auf einem noch unbenannten Platz gespielt, im Volksmund daher als Engländerplatz bezeichnet. 1913 wurde dieser Name offiziell übernommen. Der KFV (später auch Phönix, Alemannia und Frankonia) durfte sich im Feuerwehrturm umziehen und lagerte dort auch die Sportausrüstung. Bis September 2006 wurde der Engländerplatz umgebaut und im März 2007 die Mensa Moltke fertig gestellt. Das Spielfeld wurde um 90 Grad gedreht.

1905 bis 2004[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der KFV-Platz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf einem ca. 20.000 Quadratmeter großen Gelände im Gewann „Mittlerer See“ am westlichen Stadtrand wurde am 1. Oktober 1905 der KFV-Platz an der Telegrafenkaserne eröffnet. Das knapp 10.000 Zuschauer fassende Stadion verfügte erstmals über aufgeschüttete Zuschauerränge und moderne Umkleidekabinen mit Duschen. Die Anlage war komplett aus eigenen Mitteln durch die Mitglieder erstellt worden. Das Eröffnungsspiel bestritt der KFV gegen den FC Zürich (8:0) vor 2.000 Zuschauern. 1906 kam eine Aschenbahn, 1907 eine eigene Holztribüne für 500 Zuschauer sowie 1908/09 ein modernes Vereinsheim dazu. Weiter gab es auch „eine Reihe“ Tennisplätze. 1909 fand hier auch ein Länderspiel zwischen Deutschland und der Schweiz statt. Es war das erste offizielle Länderspiel das der DFB gewann (1:0).

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden zusätzliche Verbesserungen durchgeführt. Die Umkleideräume wurden neu gestaltet und nach englischem Muster eine Badevorrichtung mit Warmwasserbad eingebaut. 1919 wurden drei Tennisplätze „wieder zur Benutzung“ freigegeben. Bis in die 1920er Jahre waren nördlich des KFV-Platzes noch weitere Fußballplätze entstanden. Direkt angrenzend war der VfB Karlsruhe und daran wiederum angrenzend der FC Concordia Karlsruhe beheimatet. Zum 1. November 1926 konnte der Platz des FC Concordia übernommen werden und wurde als Nebenplatz genutzt. Da zwischen dem alten und neuen Gelände aber noch der Platz des VfB lag (der ab den 1930er Jahren vom FC West Karlsruhe genutzt wurde), befand sich hier ein schmaler Durchgangskorridor, der somit eine Verbindung herstellte. Zum 1. August 1968 wurde durch einen Platztausch mit dem FC West dieser Korridor wieder überflüssig und der KFV hatte endlich ein durchgehendes Gelände mit mehreren Spielfeldern.

Die komplette Anlage wurde im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört, so dass der KFV in der Oberliga-Saison 1945/46 vorübergehend auf den damaligen Platz des KFC Phönix ausweichen musste. Aus eigener Initiative wurde das Spielfeld wieder hergerichtet, die Stehränge ausgebaut und 1951 eine Baracke als neues Clubheim erstellt. Die notdürftig wieder hergestellten Wasch- und Umkleideräume wurden erst 1963 erneuert. Der Zuschauerrekord auf dem KFV-Platz wurde am 19. Juni 1949 aufgestellt. Bei der Endrunde zur deutschen Fußballmeisterschaft sahen 35.000 Zuschauer das Viertelfinal-Wiederholungsspiel zwischen Wormatia Worms und Kickers Offenbach.

Durch den Ausbau der Hertzstraße wurde auf Wunsch der Stadt in den 1960er Jahren ein schmaler Geländestreifen auf der östlichen Seite zur Verfügung gestellt. Als Gegenleistung wurde der alte Bretterzaun an der Hertzstraße durch eine Steinmauer ersetzt und neue Kartenhäuschen erstellt. Für ein modernes Vereinsheim samt Gaststätte erfolgte am 11. Mai 1968 die Grundsteinlegung und am 26. Oktober 1969 die feierliche Eröffnung. Finanziert wurde es mit Zuschussmitteln von Stadt und Staat. 1972 wurden noch vier Tennisplätze errichtet, die bis 1978 auf 7 Plätze erweitert wurden. Dies alles führte zu einer erheblichen Verringerung des Fassungsvermögens, welches zuletzt nur noch 4.000 Zuschauer betrug.

1991 befanden sich auf dem Sportgelände zwei Kleinfelder, zwei Großfelder, eine 100-m-Bahn, acht Tennisfelder sowie ein Klubhaus mit Sporthalle und Gaststätte. Die Gesamtfläche betrug 36.902 Quadratmeter.[7] Im Sommer 2006 wurde der Hauptplatz samt Vereinsheim und Kartenhäuschen abgerissen. Hier entstand auf dem südlichen Teil ein Alten- und Pflegeheim. Das Gelände um den Nebenplatz wurde vom FC West zusätzlich gepachtet. Die Tennisplätze blieben erhalten und wurden auf neun erweitert. Diese werden vom neuen TC Karlsruhe-West genutzt.

Seit 2007[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der KFV trägt seine Heimspiele als Gastmannschaft auf folgenden Sportplätzen aus: 2007/08 auf dem Platz des GSV Karlsruhe in Karlsruhe-Daxlanden, 2008 kurzzeitig auf dem Nebenplatz des SZ Südwest Hardeck-Oberreut, 2009 bis 2016 auf dem Platz der DJK Karlsruhe-Ost und ab 2016 auf dem Platz der SpVgg Olympia Hertha am Adenauerring.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

KFV-Zeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wann genau die erste Ausgabe der Vereinszeitung erschien ist unbekannt. Diese muss aber bereits vor dem 10. Stiftungsfest 1901 erschienen sein. Bis in die 1920er Jahre gab es diese Zeitung eher unregelmäßig. 1940 wurde die Herausgabe dann eingestellt und von August 1950 an ist sie wieder regelmäßig erschienen. 1975 wurde die Zeitung endgültig eingestellt.

Denkmal für die Gefallenen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Denkmal für die Gefallenen des Karlsruher Fußballvereins wurde auf Initiative des Altherrenverbandes beauftragt und 1920 eingeweiht. Es erinnert an die im Ersten Weltkrieg (bzw. nach der Inschriftenerweiterung auch an die im Zweiten Weltkrieg) gefallenen Sportkameraden. 1944 wurde das Denkmal durch Bomben stark beschädigt, aber in der nachfolgenden Jahren ausgebessert. Der Monolith befand sich von 1920 bis 1969 an der Hertzstraße am Sportplatz des KFV. Seit 1969 findet man ihn am Rande des Spielplatzes am heutigen Gottfried-Fuchs-Platz.

Stele zu Ehren der Nationalspieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stele wurde am 15. Mai 2010, genau 100 Jahre nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft, von Oberbürgermeister Heinz Fenrich enthüllt. Sie steht beim Alten- und Pflegeheim in der Julius-Hirsch-Straße.

Pilgerstein der deutschen Fußballgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Leipziger „Initiative 1903“ und der KFV beschlossen bereits 2012 in Zusammenarbeit einen „Fußballpilgerstein“ aufzustellen, der an die Pionierrolle des KFV im deutschen Fußball erinnern soll. Dieser befindet sich am Engländerplatz. Die Initiative 1903 regte bereits ähnliche Projekte in Hamburg und Leipzig an. Im Rahmen des Einweihungstages wurde auch ein Fußballspiel in zeitgenössischer Manier ausgetragen, sowie durch Vorträge, historische Begehungen und einer Ausstellung an die Frühgeschichte des deutschen Fußballs erinnert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Festschrift zum 30-jährigen des Karlsruher FV. Zusammengestellt u. bearbeitet von Dr. Jörg H. Nagel. Chronik, 1921.
  • 90 Jahre Karlsruher FV 1891–1981. Ein Kapitel Karlsruher und Deutscher Fußballgeschichte. Zusammengestellt und bearbeitet von Josef Frey. Chronik, 1981.
  • 100 Jahre Karlsruher FV 1891–1991. Ein Kapitel Karlsruher und Deutscher Fußballgeschichte. Zusammengestellt und bearbeitet von Josef Frey. Chronik, 1991.
  • Ein Stück deutscher Fußballgeschichte – 125 Jahre KFV. Karlsruher Fußballverein 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Karlsruher FV – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. RSSSF: Germany – Championships 1902–1945
  2. Oberschlesische Zeitung, 20. Januar 1944, S. 4; Der Kicker/Die Fußball-Woche – Gemeinsame Kriegsausgabe, 4. Juli 1944, S. 7.
  3. Liga-Chronik, Deutscher Sportclub für Fußball-Statistiken
  4. Diverse Ausgaben der Fränkischen Nachrichten (Abschlusstabellen findet man in der Regel in einer der Montagausgaben im Mai, früher vereinzelt auch im April, in den neueren Jahren teilweise im Juni)
  5. Boulevard Baden, 15. Juli 2007, Titelgeschichte.
  6. Der Engländerplatz im Stadtwiki Karlsruhe
  7. Sport und Freizeit in Karlsruhe. Sport- und Bäderdezernat Stadt Karlsruhe, März 1991