Grüningen (Pohlheim)

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Grüningen
Stadt Pohlheim
Wappen von Grüningen
Koordinaten: 50° 30′ 27″ N, 8° 43′ 51″ O
Höhe: 238 (223–252) m ü. NHN
Fläche: 7,64 km²[1]
Einwohner: 1484 (31. Dez. 2017)[2]
Bevölkerungsdichte: 194 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1970
Postleitzahl: 35415
Vorwahl: 06403
Ruine der Windmühle von 1713
Ein Teil der Burgruine
Diebsturm mit Teilen der Stadtmauer

Grüningen ist ein Ortsteil der Stadt Pohlheim im mittelhessischen Landkreis Gießen.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grüningen liegt am Obergermanischen Limes am Rande der Wetterau in Mittelhessen am 280,5 m ü. NHN[3] hohen Wartberg. In Grüningen treffen sich zwei historische Straßen, nämlich die Weinstraße und die Kurze Hessen. Heute verläuft die Landesstraße 3132 durch das Dorf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Dorf als Gruningen am 3. Mai 799. Die Erhebung zur Stadt mit anschließender Ummauerung erfolgte vermutlich in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. 1394 wurde die Burg Grüningen genannt. Sie zerfiel um 1600. 1669 wurde die Grüninger Kirche wieder aufgebaut, die 1634 während des Dreißigjährigen Krieges mitsamt der ganzen Stadt (außer vier Häusern) niedergebrannt worden war. 1685 wurde das Rathaus errichtet und 1713 die Windmühle, die aber schon 1794 zur Ruine wurde. Im Siebenjährigen Krieg fand 1762 ein Gefecht bei Grüningen satt. Die Schule datiert von 1907. Von 1923 bis 1983 bestand die Sing- und Turnhalle, die dann der Limeshalle weichen musste, die am 28. November 1986 eingeweiht wurde.

Vom 17. Jahrhundert bis in die 1930er Jahre bestand in Grüningen eine jüdische Gemeinde mit eigenem Friedhof. Im Jahre 1939 gehörte der Ort zum Landkreis Gießen und hatte 776 Einwohner.

Die Gemeinde Grüningen schloss sich im Rahmen der Gebietsreform in Hessen am 31. Dezember 1970 mit weiteren Gemeinden freiwillig zur Stadt Pohlheim zusammen.[4]

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erhaltenen Urkunden wurde Grüningen unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1]

  • Gruningen, in (799) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 2968=3763c]
  • Gruoninger marca (799) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 2968=3763c]
  • Gruningen, in (807/17) [2. Hälfte XII Jh., Codex Eberhardi 1 II S. 213 = Dronke, Traditiones Capitulum 42 Nr. 190]
  • Gruninge in bzw. de (1247) [Urkundenbuch des Klosters Arnsburg 3, Nr. 52]
  • Grünyngen ... Grynygen, zu (1459) [Baur, Hessische Urkunden 4, Nr. 190]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien in denen Grüningen lag bzw. die Verwaltungseinheiten denen es unterstand im Überblick:[1][5]

Gerichte seit 1803[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Grüningen ab 1806 das „Patrimonialgericht der Fürsten Solms-Braunfels“ in Grüningen zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Die zweite Instanz für die Patrimonialgerichte waren die standesherrlichen Justizkanzleien. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtum Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. Ab 1822 ließen die Fürsten Solms-Braunfels ihre Rechte am Gericht durch das Großherzogtum Hessen in ihrem Namen ausüben. „Landgericht Hungen“ war daher die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht das für Grüningen zuständig war. Auch auf sein Recht auf die zweite Instanz, die durch die Justizkanzlei in Hungen ausgeübt wurde verzichtete der Fürst 1823.[10] Erst infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.[11] Durch die Neuordnung der Gerichtsbezirke in der Provinz Oberhessen mit Wirkung vom 15. Oktober 1853[12] kam Grüningen zum Landgericht Lich.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolgedessen die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Lich“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.[13] Mit Wirkung vom 1. April 1913 wurde die Gemeinde Grüningen dem Amtsgericht Gießen zugeteilt.[14] In der Bundesreplik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grüningen: Einwohnerzahlen von 1830 bis 1967
Jahr  Einwohner
1830
  
541
1834
  
567
1840
  
591
1846
  
628
1852
  
677
1858
  
700
1864
  
701
1871
  
709
1875
  
731
1885
  
757
1895
  
727
1905
  
732
1910
  
714
1925
  
737
1939
  
776
1946
  
1.170
1950
  
1.164
1956
  
1.108
1961
  
1.128
1967
  
1.185
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1830: 533 evangelische, 8 jüdische Einwohner
• 1961: 874 evangelische, 237 römisch-katholische Einwohner

Erwerbstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1961: Erwerbspersonen: 197 Land- und Forstwirtschaft, 241 Prod. Gewerbe, 63 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 67 Dienstleistungen und Sonstiges.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Grüningen

  • Burg Grüningen, Ruine einer Wasserburg aus dem 12. bis 13. Jahrhundert.
  • Evangelische Kirche mit ältesten Teilen aus dem 12. Jahrhundert.
  • Diebsturm, Befestigungsturm der Stadtmauer aus den 1530er Jahren.
  • Grüninger Warte, Ruine einer 1713 errichteten Windmühle, die heute als Aussichtsturm genutzt wird.[15]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Grüningen (Pohlheim) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Grüningen, Landkreis Gießen. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 8. November 2017). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Zahlen & Daten (Einwohner-Struktur) In: Internetauftritt der Stadt Pohlheim. Abgerufen am 10. Februar 2018
  3. Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  4. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 307
  5. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  6. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 21, 438 (online bei Google Books).
  7. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 424 (online bei Google Books).
  8. Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt 1830, S. 135 (online bei Google Books).
  9. Der Reichsstatthalter in Hessen Sprengler: Gesetz über die Aufhebung der Provinzen Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen vom 1. April 1937. In: Hessisches Regierungsblatt. 1937 Nr. 8, S. 121 ff. (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 11,2 MB]).
  10. Theodor Hartleben (Hrsg.): Allgemeine deutsche Justiz-, Kameral- und Polizeifama, Band 2, Teil 1. Johann Andreas Kranzbühler, 1832, S. 271 (online bei Google Books).
  11. Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 1848, S. 237–241
  12. Bekanntmachung vom 4. Oktober 1853,
    1) die Aufhebung der Großherzoglichen Landgerichte Großkarben und Rödelheim, und die Errichtung neuer Landgerichte zu Vilbel und Altenstadt, ferner die Verlegung des Landgerichtssitzes von Altenschlirf nach Herbstein;
    2) die künftige Zusammensetzung der Landgerichts-Bezirke in der Provinz Oberhessen betreffend. (Hess. Reg.Bl. S. 640–641)
  13. Großherzog von Hessen und bei Rhein: Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 17,8 MB]).
  14. Großherzogliches Ministeriums der Justiz: Bekanntmachung, die Bildung der Amtsgerichtsbezirke Gießen und Lich betreffend vom 1. März 1913. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1913 Nr. 32, S. 89 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 21,9 MB]).
  15. Grüninger Warte auf der website des Landkreises Gießen