Green New Deal

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Der Begriff Green New Deal bezeichnet Konzepte, mit denen eine ökologische Wende des Kapitalismus eingeleitet werden soll. Insbesondere geht es um arbeits- und wirtschaftspolitische Maßnahmen in Kombination mit einem ökologischen Umbau der Industriegesellschaft. Durch die Wirtschafts- und Finanzkrise haben diese Konzepte seit 2007 an Bedeutung gewonnen.

Ursprünge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

New Deal: Wirtschaftsförderung durch Kunstdünger (1942)
Green New Deal: Grüne Landwirtschaft mit Sonnenkraft (2007)

Der Green New Deal greift den von der Regierung Franklin D. Roosevelts geprägten Begriff New Deal auf, mit dem diese auf die ab 1929 einsetzende Weltwirtschaftskrise reagierte. Ursprünglich bedeutet der aus dem Kartenspiel kommende Begriff „new deal“, dass die Karten neu gemischt und neu verteilt werden, d.h. es findet ein Neuanfang statt. Beim „Green New Deal“ soll ein solcher Neubeginn dazu genutzt werden, eine ökologische Wende der Industriegesellschaft herbeizuführen.

Benutzt wurde der Begriff in zwei Aufsätzen des angesehenen Journalisten Thomas L. Friedman, die 2007 in der New York Times erschienen.[1][2]

Friedman schrieb im Januar 2007:

„Wenn Sie ein Windrad in ihrem Garten haben oder Sonnenkollektoren auf dem Dach, dann Hut ab. Wenn wir aber die Welt ergrünen lassen wollen, müssen wir unser Stromnetz grundlegend umbauen - und uns von dreckiger Kohle, dreckigem Öl verabschieden und auf saubere Kohle und erneuerbare Energien setzen. Das ist ein gewaltiges industrielles Unterfangen und um vieles größer als alles, was sie bislang gehört haben. Sollten wir uns aber auf diese grüne Spielart einlassen, kann sie schlussendlich - so wie der New Deal - dazu führen, dass eine neue Sparte für saubere Energie entsteht, die unsere Wirtschaft fit macht für das 21.Jahrhundert.[3]

In der Folge wurde dieses Konzept von der Green New Deal Group aufgegriffen,[4] deren Bericht am 21. Juli 2008 erschien.[5]

Zu einer weiten Verbreitung des Begriffs und Konzepts trug das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) bei. Am 22. Oktober 2008 kündigte der Direktor des UNEP Achim Steiner die Initiative Global Green New Deal an. Die Vorstellung dabei ist, verstärkt Arbeitsplätze in „grünen“ Industrien zu schaffen, dadurch die Wirtschaft anzukurbeln und gleichzeitig den Klimawandel zu bremsen.[6]

In Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland haben vor allem Bündnis 90/Die Grünen Begriff und Konzept aufgenommen.[7][8][9][10] Neben Ökologen unterstützen aber auch eine Reihe von Wirtschaftswissenschaftlern sowie Politiker anderer Parteien diesen Ansatz, da sie darin eine Stärkung des Standorts Deutschland sehen.[11] In dem vom Worldwatch Institute und der Heinrich-Böll-Stiftung herausgegebenen Strategiepapier Auf dem Weg zu einem Green New Deal haben Hilary French, Michael Renner und Gary Gardner versucht, nationale und internationale Ansätze für einen solchen grundlegenden Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft zu verfeinern.[12]

Kritisiert wurden Konzepte für einen Green New Deal beispielsweise von der Bundestagsabgeordneten Yvonne Ploetz (Die Linke). Ihr zufolge ist ein Green New Deal „mit den immer noch dominierenden wirtschaftsliberalen Politikmodellen gut vereinbar“. Es handle sich um ein technokratisches Modell, welches „von oben“ und ohne demokratische Mitwirkung umgesetzt werden solle.[13]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thomas L. Friedman: The Power of Green. In: The New York Times Magazine. 15. April 2007
  2. Thomas L. Friedman: A Warning From The Garden. In: The New York Times. 19. Januar 2007
  3. Thomas L. Friedman: A Warning From The Garden. In: The New York Times. 19. Januar 2007. Im Original: "If you have put a windmill in your yard or some solar panels on your roof, bless your heart. But we will only green the world when we change the very nature of the electricity grid -- moving it away from dirty coal or oil to clean coal and renewables. And that is a huge industrial project -- much bigger than anyone has told you. Finally, like the New Deal, if we undertake the green version, it has the potential to create a whole new clean power industry to spur our economy into the 21st century."
  4. Mark Lynas: A Green New Deal. In: New Statesman. 17. Juli 2008
  5. Larry Elliott, Colin Hines, Tony Juniper, Jeremy Leggett, Caroline Lucas, Richard Murphy, Ann Pettifor, Charles Secrett & Andrew Simms: A Green New Deal: Joined-up policies to solve the triple crunch of the credit crisis, climate change and high oil prices. new economics foundation, Juli 2008
  6. Paul Eccleston: UN announces green „New Deal“ plan to rescue world economies. In: The Daily Telegraph. 22. Oktober 2008
  7. Bündnis 90/Die Grünen: Bundestagswahlprogramm 2009. S. 24–59 (PDF; 1,27 MB)
  8. Bündnis 90/Die Grünen: Was ist der Green New Deal? 16. April 2009
  9. Bündnis 90/Die Grünen: Green New Deal konkret. 7. Juli 2010
  10. Bauforum24 TV: Reinhard Bütikofer beim VDMA im Interview. 4. November 2011 (Video; 3:21 min)
  11. Serie: Green New Deal. In: Die Zeit
  12. Hilary French, Michael Renner & Gary Gardner: Auf dem Weg zu einem Green New Deal. Die Klima- und Wirtschaftskrise als transatlantische Herausforderung. Ein Strategiepapier. Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin 2009, ISBN 978-3-86928-003-5
  13. Yvonne Ploetz & Stefan Kalmring: Zukunft: Instabile Reformblase. In: der Freitag. 11. August 2010