Großmarkt Rungis

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Ein Pavillon für Früchte und Gemüse
Pavillon A4 La Marée, Fischhalle
Gemüsehalle

Der Großmarkt Rungis (französisch Marché international de Rungis) ist der Großmarkt von Paris und der größte Großmarkt weltweit. Er liegt rund 13 Kilometer südlich vom Stadtzentrum in den Orten Rungis und Chevilly-Larue in der Île de France wenige Kilometer nördlich des Flughafens Paris-Orly. Der Großmarkt Rungis ist eine öffentliche Einrichtung (marché d'intérêt national – MIN), die von einem staatlichen Dienstleister betrieben wird.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Präsident Charles de Gaulle entschied 1960, dass der 12 Hektar umfassende Pariser Großmarkt vom Quartier des Halles im 1. Arrondissement an die Peripherie umziehen sollte. 1964 wurde mit den Bauarbeiten begonnen, die bis 1969 andauerten. Am 3. März 1969 fand der große Umzug der Händler statt. Die Planung und der Aufbau von Rungis war eines der größten städtebaulichen Projekte Frankreichs in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und wurde daher auch als der Umzug des Jahrhunderts genannt (Le déménagement du siècle). 1973 schloss sich der Pariser Fleischmarkt an, der seit 1950 bei La Villette mit seinen Schlachthöfen ansässig war, ebenfalls der Verlagerung nach Rungis an.[1]

Einer der ersten deutschen Importeure war der Gastronom Karl-Heinz Wolf mit dessen Rungis Express.[2] Rungis entwickelte sich zunehmend zu einem wichtigen Handelszentrum für die gehobene Gastronomie Europas. So etwa bildete sich 1975 in München die Interessengemeinschaft „Neue Köche“. Ihr oberstes Ziel waren „bedingungslose Qualität und Frische“. Dazu organisierten die Gründungsmitglieder Eckart Witzigmann, Otto Koch und Hans-Peter Wodarz Fahrgemeinschaften zu den Markthallen von Rungis.[3]

Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Großmarkt von Rungis hat neun Hallen für Gemüse, sieben für Fleisch, fünf für Milch und Käse, eine für Fisch und Meeresfrüchte[4] sowie eine Halle für Schnittblumen.

Der Markt umfasst 232 Hektar, 72 Hektar davon sind bebaut. 30.000 Mitarbeiter und Einkäufer und 24.000 Fahrzeuge steuern ihn täglich an. Es gibt einen eigenen Güterbahnhof.

1290 Unternehmen sind hier tätig, davon 520 Großhändler; der Umsatz lag im Geschäftsjahr 2013 bei 7,3 Mrd. Euro.[5]

Auf dem Gelände von Rungis gibt es 23 Restaurants und Brasserien.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Olivier Bauer, Olivier Chartier: Au coeur de Rungis. Mit Fotos von Gilles Leimdorfer, Gallimard, Paris 2015, ISBN 978-2-74-243898-3.

Filme (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • So ist Paris. Spielfilm, Frankreich, 2008, 130 Min., Buch und Regie: Cédric Klapisch, Inhaltsangabe (Memento vom 26. September 2016 im Internet Archive) von Das Erste.
  • Reisen für Genießer. Frankreich: Paris – Großmarkt Rungis. (OT: Escapade gourmande. Le marché de Rungis.) Dokumentarfilm, Belgien, 2010, 25:40 Min., Moderation: Guy Lemaire, Regie: Catherine Haxhe, Produktion: Unicap Télévision, RTBF, Reihe: Reisen für Genießer (OT: Escapade gourmande), deutsche Erstsendung: 14. November 2013 bei arte, Inhaltsangabe von ARD, online-Video.
  • Eine Fuhre Feinkost aus Paris. Dokumentarfilm, Deutschland, 2011, 14 Min., Buch und Regie: Stefan Weiße, Produktion: WDR, Reihe: Hier und Heute, Erstsendung: 30. Dezember 2013 bei WDR Fernsehen, Inhaltsangabe von ARD.
  • Rungis – Der größte Lebensmittelmarkt der Welt. Dokumentarfilm, Deutschland, 2013, 41:18 Min., Buch: Brigita Zelic, Kamera: Alexander Maßhold, Produktion: Weltenangler, n-tv, Erstsendung: 18. Dezember 2013 bei n-tv, Inhaltsangabe von Hörzu.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Marché international de Rungis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rungis 1969 – 2014. Kap. Le déménagement du siècle. In: La France à Rungis, 2014, aufgerufen am 27. September 2016.
  2. Stefan Quante: Gourmet-Pionier Karl-Heinz Wolf. (Memento vom 17. Februar 2006 im Internet Archive). In: WDR, 14. August 2004.
  3. Clark Parkin: Otto Koch und sein kurioses Koch-Comeback. In: Die Welt, 26. September 2012.
  4. Martina Meister: Der Großmarkt Rungis. Paris geht durch den Magen. In: Tagesspiegel, 15. April 2011, abgerufen am 30. Dezember 2013.
  5. Selbstpräsentation von Rungis, S. 5. (PDF, 11,7 MB), frz., abgerufen am 30. Dezember 2013.
  6. Rob Kieffer: Hammelfuß zum Frühstück. In: Die Zeit, Nr. 12, 16. März 2006.

Koordinaten: 48° 45′ 35″ N, 2° 21′ 13″ O