Hallgarten (Rheingau)

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Koordinaten: 50° 1′ 38″ N, 8° 1′ 52″ O

Hallgarten
Wappen von Hallgarten
Höhe: 195 m ü. NHN
Einwohner: 2028 (29. Dez. 2015)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 65375
Vorwahl: 06723
Blick auf Hallgarten mit Rhein vom Waldrand aus

Blick auf Hallgarten mit Rhein vom Waldrand aus

Hallgarten ist ein Stadtteil von Oestrich-Winkel im Rheingau-Taunus-Kreis in Hessen. Der Name des Ortes entstand aus dem alten Begriff Hagadun.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Turm auf der Hallgarter Zange

Hallgarten ist einer der Rheingauer Höhenorte, die nicht am Rhein liegen, sondern unterhalb der Rodungsgrenze der Taunuswälder. Es ist als Weindorf allseits von Weinbergen umgeben und bietet eine Fernsicht nach Süden bis zum Donnersberg und bis zur Odenwälder Bergstraße.

Oberhalb von Hallgarten liegt die Hallgarter Zange (580,5 m ü. NN) mit dem 1909 errichteten Aussichtsturm mit dem besten Blick über den Rheingau. Der vorgelagerte Berg wirkt höher als die höchste Erhebung des Rheingaus, die Kalte Herberge (619,3 m), eine bewaldete Kuppe. Die Waldungen von Hallgarten schließen die Mapper Schanze als einzige erhaltene Torbefestigung des Rheingauer Gebücks mit ein und reichen im Hinterlandswald bis zum oberen Ernstbach.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt

Hallgarten entstand vermutlich aus einem Landgut des Klosters Eberbach.

Der Ort ist mit dem ganzen Rheingau Teil des Kurmainzischen Territoriums. Nach Auflösung des Kurstaates ging der Ort 1803 an Nassau-Usingen und gehörte zur Zeit des Herzogtums Nassau zum Amt Eltville.

Dank Johann Adam von Itzstein und der Versammlungen seines Hallgartenkreises politischer und gesellschaftlicher Größen zwischen 1832 und 1847, kommt Hallgarten eine politische und historische Rolle zu. Man traf sich im Weingut Itzsteins in Hallgarten zur Diskussion politischer Themen. Zu diesem Oppositionskreis gehörte unter anderen Hoffmann von Fallersleben, der 1847 in Hallgarten eine Itzstein-Biografie verfasste. Der Hallgartener Kreis wird auch als eine Keimzelle der Frankfurter Nationalversammlung 1848 in der Frankfurter Paulskirche gesehen.

Nach der Annexion des Herzogtums Nassau durch Preußen wurde Hallgarten 1867 dem Rheingaukreis im Regierungsbezirk Wiesbaden zugeordnet.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde Hallgarten per Gesetz und gegen den Willen der Bevölkerung am 1. Januar 1977 in die Stadt Oestrich-Winkel eingegliedert.[3] Seit dieser Zeit bis zu den Kommunalwahlen 2016 war Hallgarten der einzige Oestrich-Winkeler Stadtteil, für den ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat eingerichtet worden war; seitdem gibt es weitere drei Ortsbeiräte und der Ortsbeirat Hallgarten wurde von sieben auf fünf Sitze verkleinert.[4]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Hallgarter Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt ist bekannt durch die „Schröter-Madonna“ (Madonna mit der Scherbe). Die Tonplastik wurde möglicherweise von den im Ort ansässigen Weinschrötern um 1415 gestiftet.
  • Ehemaliges Itzstein’sche Gutshaus (Niederwaldstraße 7a). Zwischen 1832 und 1847 Treffpunkt des Hallgartener Kreises um Adam von Itzstein
  • Grabmal Itzsteins auf dem Hallgartener Friedhof

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen von Hallgarten enthält eine Zange in Verbindung mit einem Traubenperkel als Gemeine Figur.[5]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Hallgarten verbunden:

  • Johann Adam von Itzstein (1775–1855), liberaler Politiker, verstarb in Hallgarten.
  • Franz Kneer (1895–1935), deutscher Pilot und Flugsportler, verunglückte mit der von ihm geflogenen Junkers Ju 52 am 25. April 1935 bei einem Absturz auf der Hallgarter Zange tödlich.
  • Karl Rolf Seufert (1923–1992) war ein deutscher Schriftsteller und lebte von 1945 bis zu seinem Tod in Hallgarten
  • Petra Müller-Klepper (* 1957), CDU-Politikerin, Mitglied des Hessischen Landtags und Staatssekretärin a.D., geboren in Hallgarten und dort seit ihrer Geburt wohnhaft

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Peter Dietel: Als der Edelmann die Jungfer nahm. Geschichte und Geschichten zur Gebietsreform im Rheingau. ASSverlag, Rüdesheim am Rhein 1997.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hallgarten (Rheingau) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Auszug vom Einwohnermeldeamt zum 29. Dezember 2015: Einwohnerzahlen Ostrich-Winkel.pdf
  2. Hessisches Landesvermessungsamt: Kreiskarte 1:50.000 Wiesbaden Rheingaukreis Untertaunuskreis, Ausgabe 1969
  3. Hessenrecht: Gesetz zur Neugliederung des Rheingaukreises und des Untertaunuskreises vom 26. Juni 1974, siehe § 9
  4. Ergebnis für die Ortsbeiratswahl 2016 im Stadtteil Hallgarten
  5. Wappen von Hallgarten